200120022003


Tief Europa Tierschutz und EU-Osterweiterung

Von Ingolf Bossenz

Wenn am 1. Mai das "Hoch Europa" kommt, wird auch die auf Tierausbeutung basierende Agrarindustrie zu den Gewinnern zählen. Das machte die jüngste Tagung der EU-Fachminister deutlich, die sich nicht einmal auf minimale Verbesserungen bei Tiertransporten einigen konnte. Der Vorschlag, die auf engstem Raum zusammengepferchten Rinder, Schweine oder Schafe maximal neun Stunden am Stück durch den Kontinent zu karren, zerbrach an der ehernen Phalanx von Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und Griechenland. Was zu erwarten war. Denn mit der diese Woche erfolgenden Osterweiterung kriegen die Hardliner Zuwachs. So gilt Ungarn als Haupttransitland mit jährlich mehr als einer halben Million Tieren auf Durchfahrt. Polen ist gleichfalls ein großer Exporteur von Tieren. In beiden Ländern spielt Tierschutz für so genannte Nutztiere praktisch keine Rolle. Selbst wenn die Vorschriften auf dem Papier verschärft worden wären: Pferde-Transporte, die von Litauen oder Belorussland rund 3000 Kilometer bis Süditalien durchfahren, werden wohl weder in Ungarn noch in Polen kontrolliert. Und in Italien – so haben Tierschützer recherchiert – ist das auch nur in Ausnahmen der Fall. In Sachen Tierschutz wird das "Hoch Europa" einen Tiefpunkt markieren. (ND 28.04.04)

  Tierschützer fürchten Gefahr für seltene Arten durch EU-Erweiterung Polizei in der EU "muss stärker zusammenarbeiten" Paris (APA) - Die Erweiterung der Europäischen Union am Samstag stellt nach Ansicht von Tierschützern eine große Gefahr für geschützte Tierarten wie die ägyptische Landschildkröte dar. Bereits jetzt sei die EU mit ihren 15 Mitgliedern ein wichtiger Abnehmer für geschützte Tier- und Pflanzenarten, hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht von TRAFFIC, dem gemeinsamen Programm des World Wildlife Fund (WWF) und der Internationalen Union für die Natur (IUCN). Wenn ab Mai auch die neuen Mitgliedsländer auf legale Weise zum Beispiel wilde Papageien und Orchideen einführen dürften, gerieten die bedrohten Arten weiter in Gefahr. Von 1996 bis 2002 habe die EU zum Beispiel sechs Millionen Vögel, 1,5 Millionen Reptilien, zehn Millionen Reptilienhäute und 21 Millionen Orchideen legal eingeführt. Fast drei Viertel aller ausgeführten Reptilien gingen in die EU, hieß es weiter. Die ehemaligen Ostblockländer hätten sich zu einer Art Drehscheibe für den Handel mit wild lebenden Tieren und Pflanzen entwickelt. In den Beitrittsländern seien in den vergangenen Jahren immer mehr illegal eingeführte Tiere und Pflanzen beschlagnahmt worden, berichtete TRAFFIC. Von 2000 bis 2002 seien allein in Tschechien 248 und in der Slowakei weitere 172 wilde Papageien entdeckt worden. Die Organisation forderte, dass die Polizei in den EU-Mitgliedsstaaten sich untereinander besser absprechen und enger zusammenarbeiten müsse, um den Artenschutz zu stärken. Die EU zählt nach der Erweiterung rund 450 Millionen Einwohner und wird dadurch zum drittgrößten Bevölkerungsblock weltweit. 2004-04-29 13:27:46


Bund gegen Missbrauch der Tiere fordert anlässlich des Internationalen Tag des Versuchstiers eine Umkehr von Profitmacherei zur Mitgeschöpflichkeit / Heute Start einer Plakataktion

Anlässlich des internationalen Tags des Versuchstieres am 24. April 2004 mahnt der Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) ein Umdenken bei der Forschungsförderung an. Es müsse mehr Geld und Energie in die Erforschung alternativer Versuchsverfahren investiert werden, statt in Tierversuche. Zudem startet die große, bundesweit aktive Tierschutzorganisation eine emotionsgeladene Plakatkampagne gegen Tierversuche mit dem Titel "Da spielen wir nicht mit!"

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Mit großer Sorge betrachtet der bmt den kontinuierlichen Anstieg der Tierversuchszahlen in Deutschland. Allein nach der aktuellsten, offiziellen Statistik aus dem Jahr 2002 sind die Tierversuchszahlen um 85.815 Tiere auf insgesamt 2.212.376 gestiegen. Auf EU-Ebene werden in den nächsten Monaten vermutlich mehr als 10 Millionen Tiere im Tierversuch malträtiert, befürchtet der bmt, wenn die EU-Chemikalienpolitik ohne änderungen umgesetzt werde. Die EU plant, bereits auf dem Markt befindliche Produkte einer Überprüfung zu unterziehen und setzt dabei auf den klassischen Tierversuch, obwohl es Alternativen gäbe.

Zwar werde in der rot-grünen Bundesregierung der Thematik mehr Beachtung beigemessen, erklären die Tierschützer, aber die Anstrengungen, Tierleid zu verhindern, seien leider immer noch halbherzig. Der bmt appelliert am internationalen Tag des Versuchstieres daher an die Bundesregierung, die erfolgten Kürzungen im Bereich der Förderung von Alternativmethoden zum Tierversuch um knapp 50% (von 5 auf 2,8 Millionen) zurückzunehmen. Auf EU-Ebene gelte es, die tierfeindlichen Pläne der EU-Kommission aufzuhalten.

"Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Förderung der Alternativmethoden. Die millionenfache Qual in den Laboratorien darf nicht ignoriert werden. Anstatt Unsummen zur Finanzierung grausamer Tierversuche im Bereich von Biomedizin oder Gentechnologie auszugeben, sollte die Regierung die Weltspitze bei tierversuchsfreien Untersuchungsmethoden im Bereich der weltweiten Produktsicherheit oder bei der wissenschaftlichen Ausbildung anstreben. Dies würde dem Wirtschaftsstandort Deutschland, der nicht zuletzt dem Staatsziel Tierschutz verpflichtet ist, besser zu Gesicht stehen", fordert Jutta Breitwieser, bmt-Vorsitzende.

Anlässlich des Internationalen Tag des Versuchstieres startet der bmt zudem eine Plakataktion unter dem Motto "Da spielen wir nicht mit!". Auf dem Plakat ist ein Stoffkaninchen mit verätztem Auge und Sezierbesteck im Gehirn zu sehen. Diese realistische Nachbildung eines Tierversuches soll zum Nachdenken anregen. Das Plakat wird in diesen Tagen über die Mitgliederzeitung, das Internet, per Anzeigen und mit Aufklebern publik gemacht. Die Startauflage des Plakates (A3 und A2) liegt allein bei knapp 30.000 Stück.

ots Originaltext: Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) e.V.
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de/

Pressekontakt:
Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) e.V.
Jochen Prinz
Mobil: 01739389338
Tel: 0228 / 651072
Fax: 0228 / 651082
office@bmt-tierschutz.de
http://www.bmt-tierschutz.d


Tierschutzkampagne bleibt verboten
Gericht untersagt Verwendung von Holocaust-Motiven

Tobias Schormann
BERLIN, 22. April. Der Streit um die Plakat-Aktion "Holocaust auf Ihrem Teller" der Tierschutzgruppe PETA ist am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht in die nächste Runde gegangen. Nach einstündiger Verhandlung erklärte Richter Michael Mauck das Verbot der Wanderausstellung weiterhin für gültig. Die Tierschützer hatten Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung eingelegt, mit der die Kammer bereits Ende März untersagt hatte, sieben der acht Plakat-Motive öffentlich zu zeigen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte das Verbot vor dem Gericht erwirkt, weil die Darstellung aus seiner Sicht als eine Beleidigung der Opfer des Holocaust zu werten sei. Die Plakate zeigen Häftlinge aus Konzentrationslagern unter anderem neben zusammengepferchten Hühnern in einer Legebatterie. Dies stelle eine Verletzung der Menschenwürde dar, urteilte das Gericht. Der bildhafte Vergleich beinhalte eine Herabsetzung der dargestellten Personen, denn nach dem Grundgesetz seien dem Mensch höhere Rechte als dem Tier eingeräumt. Man dürfe das Leid anderer Menschen nicht instrumentalisieren, auch wenn es einem hehren Ziel diene, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Die Grenze der freien Meinungsäußerung sei daher in diesem Fall überschritten.

Die Peta-Aktivisten zeigten sich enttäuscht über die Entscheidung des Gerichts. "Wir werden vor dem Kammergericht Berufung einlegen und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht marschieren", kündigte Harald Ullmann an, stellvertretender Vorsitzender der Organisation. Man wolle keineswegs die Nazigräuel verharmlosen, im Gegenteil - die Lehren aus der Geschichte sollte der Mensch nicht nur seinesgleichen gegenüber, sondern auch im Umgang mit Tieren beherzigen, so Ullmann. Das Leiden von Tieren und Menschen lasse sich aber durchaus vergleichen, auch wenn es um NS-Opfer gehe.

In Amerika ist die Kampagne bereits vor einem Jahr gestartet und hat seitdem bereits in mehreren europäischen Städten stattgefunden. Zuletzt stellten die Tierrechtler die zwei mal drei Meter großen Plakate in der Amsterdamer Innenstadt auf. Zwar seien auch dort viele Passanten schockiert gewesen, rechtlichen ärger habe es bislang aber noch nie gegeben, sagt Ullmann. In Stuttgart fand Mitte März wegen des Verbots eine kleinere Variante der Ausstellung statt: mit nur einem Plakat, auf dem statt eines Bildes das Adorno-Zitat prangt: "Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt, es sind ja nur Tiere". Genau hier sah nämlich der Anwalt der Plakat-Gegner Christian-Oliver Moser den ausschlaggebenden Unterschied: Die Schockwirkung der Bilder sei mit Worten gar nicht zu erreichen. Gerade in der grafischen Gleichsetzung würden die Opfer der NS-Zeit verunglimpft, ein Zitat lasse dagegen weniger Interpretationsspielraum.

Andere Tierschutz-Vertreter verurteilten die PETA-Aktion ebenfalls. "Wir distanzieren uns ausdrücklich davon, eine solch massive Provokation ist nicht unsere Sache", so Jutta Siebers, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Tierschutz e.V. Sie hoffe, dass das grundlegende Anliegen der Tierschützer durch die Aktion keinen Image-Schaden nehme.


Aus Angst vor Kampfhund verunglückt

Reicht die bloße Existenz eines Kampfhundes als Haftungsgrund aus, wenn durch den Anblick des Tieres ein erschreckter Zeitgenosse falsch reagiert und dadurch zu Schaden kommt?

Ganz sicher nicht, entschieden gestern die Richter der 17. Zivilkammer am Dortmunder Landgericht, die diese Frage in zweiter Instanz zu klären hatten. Damit korrigierten sie ein Urteil des Amtsgerichts, dass dem 65-jährigen Kläger 3000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen hatte. Zu Unrecht, wie die Kammer meinte, denn um eine Haftung zu begründen, müsse aus dem Verhalten des Tieres schon eine konkrete Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit abzuleiten sein.

Davon aber schien die siebenjährige, behäbige Stella (sie ist inzwischen an Herzverfettung eingegangen) offenbar weit entfernt. Ihr vermutlich einziger Fehler: Stella war ein American Staffordshire Terrier und damit per se als Kampfhund angsteinflößend. Sogar trotz Maulkorb und kurzer Leine. Als sie sich beim Gassi-Gehen mit ihrem 19-jährigen Ersatz-Frauchen (die eigentliche Hundehalterin war in Urlaub) auf dem nur ein Meter breiten Gehweg an einer Mauer entlangschnüffelte, hatte sie vermutlich nichts Böses im Sinn. Trotzdem jagte ihr bloßer Anblick einem entgegen kommenden Passanten einen solchen Schrecken ein, dass er panisch zur Seite sprang, auf die Fahrbahn geriet, zu Boden stürzte und unter ein Auto kam. Der 65-Jährige wurde bei dem Unfall schwer verletzt, war drei Tage bewusstlos und musste sechs Wochen später noch einmal zur Behandlung in die Neurochirurgie.

Keine Berührung von Mann und Hund
Bedauerlich, aber was konnte Stella dazu? Der Kläger behauptete vor Gericht, die Hündin habe ihn ange-sprungen, angebellt oder geknurrt und keinen Maulkorb getragen. Die beteiligte Autofahrerin allerdings bekundete in erster Instanz ganz klar, dass Passant und Hund noch ungefähr ein bis zwei Meter voneinander entfernt waren, als sich der Unfall ereignet.

Übrigens: Die 3000 Euro bekommt der Kläger kurioserweise trotzdem. Zwar nicht von Stellas Ersatz-Frauchen, aber von der Hundehalterin, die eigentlich nichts mit der Sache zu tun hatte. Sie zog den Kürzeren, weil sie es dummerweise auf ein Versäumnisurteil ankommen ließ. 23.04.2004 Von Christina Füssmann


Hamburg droht Wildschwein-Plage
Natur: Behörde fordert höhere Abschussquote. Doch ein Vogelschützer blockierte die Jagd auf die Tiere.

Von Katharina Geßler
Die drastische Vermehrung des Wildschweinbestandes in Hamburg nimmt bedrohliche Ausmaße an. Jüngstes Beispiel: die Attacke auf eine Joggerin an der Straße Muusbarg in Lehmsahl-Mellingstedt (das Abendblatt berichtete) - ein Einzelfall, wie Rainer Wujciak (57), Leiter der Abteilung Landwirtschaft und Forsten der Wirtschaftsbehörde, einräumt. Dennoch: "Wenn nichts passiert, haben wir bald eine Plage wie in Berlin, wo auch schon ein Hund getötet wurde."

Beleg für Wujciaks Befürchtung: Die Zahl der Wildschweine ist in kurzer Zeit um das Vierfache gestiegen. Abzulesen ist der Zulauf auch am Abschussergebnis der Jäger. Während früher allenfalls 40 Tiere erlegt wurden, ist die Zahl in der Jagdsaison 2002/03 auf 240 und in 2003/04 sogar auf 255 gewachsen.

In Hamburgs Nordosten ist das Problem besonders akut. Grund: Der international arbeitende Verein Vogelschutz-Komitee, der lediglich in Hamburg als Naturschutzverband anerkannt ist, hat seit ungefähr vier Jahren immer wieder verhindert, dass die Borstentiere abgeschossen werden dürfen. Tatsächlich gilt im Duvenstedter Brook seit 35 Jahren eine Naturschutzverordnung, die das Jagen in dem etwa 5000 Hektar großen Gebiet verbietet. Allerdings wurde Jahr für Jahr eine Ausnahmegenehmigung verabschiedet - in übereinstimmung mit den vor Ort aktiven Naturschutzverbänden, die in einer Arbeitsgemeinschaft regelmäßig und einvernehmlich über die Ausnahmegenehmigung befanden. Bis das Vogelschutz-Komitee auf den Plan trat. Denn dessen Vorsitzender, der Göttinger Diplombiologe Dr. Eberhard Schneider (56), sieht durch die Wildschweinjagd die Ruhe der Vögel gestört.

Auf Grund geltender Verordnungen war Schneiders Protest jeweils höchst effektiv. Denn es genügt der Widerspruch eines einzelnen Naturschutzverbandes, und die Jagd wird verboten. Wujciak: "Es reichte also, dass Schneider eine Postkarte schrieb: ,Ich bin dagegen'." Das Verfahren, das er damit lostrat, war jedes Mal so zeitaufwendig, dass de facto keine Wildschweine mehr gejagt wurden.

Der Senat machte diesem Treiben jedoch im Juni 2003 ein Ende: Seither dürfen die Tiere zumindest eingeschränkt (vom 1. Mai bis 31. Januar) wieder gejagt werden. Eine längst überfällige Maßnahme, findet öko-Bauer Heinz Cordes (37), der seit zehn Jahren zu den Betreibern des Wohldorfer Hofes im Duvenstedter Brook gehört. "Früher hatten wir so gut wie keine Wildschäden", sagt er. Das hat sich drastisch geändert: "Allein im vergangenen Jahr verursachten die Schweine einen Schaden von 12 000 Euro." Immer wieder machte sich Schwarzwild über sein Grünland her, wühlte Flächen um, auf denen er Getreide, Erbsen, Bohnen oder Mais anbaut: "Das sieht dann aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen."

Cordes wirft Schneider radikale Ansichten vor. Was ihn besonders wurmt: "Er sitzt in Göttingen und kennt die örtlichen Verhältnisse kaum." Vorwürfe, die Schneider nicht gelten lässt. Er ist zwar nicht mehr Mitglied der Arbeitsgemeinschaft ("da sitzen Leute, mit denen ich nichts zu tun haben möchte"), aber seine Einwände seien stets fundiert. Geschlagen gibt er sich nicht: "Wir bereiten eine Beschwerde vor, die wir bei der EU-Kommission in Brüssel vorlegen."

Dabei gibt es für Rainer Wujciak nur einen Weg, um zu verhindern, dass der Wildschweinbestand zu einer ebenso bedrohlichen Plage wie in Berlin wird: "Die Jäger müssen mehr Tiere schießen." Ohnehin "ein mühsames Geschäft". Schließlich sei das Borstentier - gleich nach dem Menschen - das intelligenteste Säugetier: "Alles, was Wildschwein heißt, zieht sich dahin zurück, wo es nicht knallt."


552 Euro pro Kampfhund sind statthaft

Wegberg/Aachen. Gegen die Kampfhundesteuer der Stadt Wegberg hat ein Bürger geklagt. Seinen Antrag auf aufschiebende Wirkung, bis die Klage verhandelt wird, hat das Verwaltungsgericht Aachen jetzt abgelehnt.

Der Kläger hatte moniert, dass die Stadt bei ihrer Hundesteuer einen erhöhten Satz von 552 Euro pro Jahr für einen Hund festgelegt habe.

Dieses Regelung ist nach Auffassung der Kammer rechtlich nicht zu beanstanden. Eine Hundesteuer sei eine zulässige örtliche Aufwandsteuer.

Es sei daher der Stadt Wegberg unbenommen, als Folge des Landeshundegesetzes eine «normale» Steuer von 56 Euro und eine Steuer für Kampfhunde von 552 Euro zu erheben.

Auch habe die höhere Steuer keine «erdrosselnde Wirkung». Maßgeblich für die Ermittlung einer «Erdrosselungsgrenze» als äußerster Schranke der Besteuerung sei die Gesamtheit aller vom Steuertatbestand Betroffenen, nicht dagegen die Situation einzelner Hundehalter.

Dieser Steuersatz erscheine bei Haltung eines gefährlichen Hundes unproblematisch. Selbst unter Berücksichtigung der übrigen Kosten für den Unterhalt eines Hundes erreiche dieser Betrag bei weitem nicht eine Größenordnung, die dessen Haltung generell unmöglich mache.

Wie das Gericht abschließend mitteilt, kann der Antragsteller Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen.


Affenschande in Deutschland
Deutscher Tierschutzbund zum Tag des Versuchstiers

2,1 Millionen Versuchstiere weist die aktuelle Versuchstierstatistik in Deutschland aus – darunter rund 2000 Affen – mit steigender Tendenz. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund anlässlich des Internationalen Tags des Versuchstiers am 24. April hin. "Diese Situation ist zwei Jahre nach Verabschiedung des Staatsziels Tierschutz völlig inakzeptabel", erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Wir erwarten von Bund und Ländern, dass diese endlich Maßnahmen ergreifen, um durchgreifende änderungen zu bewirken."

Handlungsbedarf macht der Deutsche Tierschutzbund an Beispielen in Bremen, Münster und München deutlich, bei denen Affen im Fokus stehen. In Bremen werden immer noch belastende Hirnversuche an Affen durchgeführt, obwohl inzwischen nach jahrelangem Kampf tierversuchsfreie Alternativen zur Verfügung stehen. Ungeachtet dessen laufen die Tierversuche parallel weiter – mit der Begründung, man brauche Vergleichsdaten.

Der Fall "Covance" in Münster ist durch die Ausstrahlung verdeckt aufgenommener Videobilder im ZDF (Frontal 21) bekannt geworden. Auf diesen Aufnahmen war zu sehen, dass Affen, die u.a. für die Sicherheitsprüfung von Produkten herhalten müssen, unzureichend tierärztlich versorgt, brutal behandelt und verhöhnt wurden.

In München vegetiert eine Pavianzuchtgruppe auf wenigen Quadratmetern im Keller der Universitätsklinik ohne Tageslicht dahin. Die Affenbabys, die dort zur Welt kommen, fristen ihr kurzes Leben teilweise ohne Kontakt zu ihrer Mutter, bevor sie etwa für umstrittene Transplantationsexperimente sterben müssen.

In allen Fällen ist klar, dass – unabhängig von den ohnehin schrecklichen Versuchen – den Tieren erhebliche Leiden erspart werden könnten. Aber in München, Münster und Bremen beruft man sich darauf, dass die gesetzlichen Mindestbestimmungen eingehalten werden. "Wenn die Gesetze zulassen, dass selbst hoch sensible Affen völlig unnötig leiden, ist es höchste Zeit, dass sich hier etwas ändert. Wir fordern auch die Länder auf, umgehend aktiv zu werden. Für die Kellerpaviane in München ist beispielsweise die Landesregierung verantwortlich. Es muss für jeden tierlieben Bürger unbegreiflich sein, wenn die Landesregierung keinen Handlungsbedarf sieht und auf Platzmangel in der Münchner Innenstadt verweist“, so Apel abschließend.

Beispiel Affenschande München: Bayerische Tierschützer werden gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund, der durch seine Vizepräsidentin Dr. Brigitte Rusche repräsentiert wird, und zusammen mit den Abgeordneten MdEP Dr. Gabriele Stauner und MdL Barbara Rütting am Freitag, 23. April 2004, von 11.00 bis 13.00 Uhr eine Mahnwache vor dem Gebäude der Münchner Universitätsklinik in der Nussbaumstraße / Ecke Ziemssenstraße in München-Mitte durchführen und in Redebeiträgen auf das Schicksal der dort eingesperrten „Kellerpaviane“ und ihrer 2000 Leidensgenossen in deutschen Tierversuchslabors hinweisen.


"Arme Schweine" litten in Dunkelhaft

Risiko für die Fleisch-Konsumenten BRAUNAU/RIED. Dramatische Missstände bei der Haltung von bis zu 3600 Mastschweinen im Raum Braunau deckt ein Gutachten auf: Mit Medikamenten verseuchtes Fleisch sei ein Risiko für die Gesundheit der Konsumenten.

Die Zustände in der "Tierfabrik" Beckerle in Neukirchen an der Enknach waren von Tierschützern schon im Jahr 2000 und 2001 angeprangert worden. Jahrelang erstatteten Amtstierärzte Anzeigen, bis nach Besetzungs-Aktionen und öffentlichem Aufsehen der Betrieb mehrmals behördlich geschlossen wurde.

Jetzt bestätigt ein Gerichtsgutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Ried, dass nicht nur den Schweinen unnötige Qualen zugefügt wurden: Durch die unvorstellbar grausamen Haltungs-Bedingungen und den unkontrollierten Einsatz nicht zugelassener Medikamente habe auch ein Risiko für die Fleisch-Konsumenten bestanden. Die Gutachter warnen, dass Wartezeiten zwischen dem Absetzen der Medikamente und Schlachtung der Tiere nicht kontrollierbar gewesen seien. Die Antibiotika und ein verbotenes Hormon-Präparat könnten zu schweren gesundheitlichen Folgen führen: Schäden von Knochenwachstum und Zähnen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Hautkrankheiten, Allergien.

Seit 14. November 2003 ist das 60 Seiten starke Gutachten der beiden Experten schon fertig, doch die zuständige Bezirkshauptmannschaft Braunau kennt den Inhalt bis heute nicht: Der Akt liegt bei der Staatsanwaltschaft Ried. Deren Leiter Walter Jerk sagte im OöN-Gespräch, es werde erst geprüft, ob ein Strafantrag zu stellen sei oder man noch ergänzende Erhebungen brauche. Bisher habe das Gutachten der Untersuchungsrichter gehabt, und es gebe keine Veranlassung, es der BH Braunau weiterzuleiten.

Behörden schweigen sich an

"Wir kennen dieses Gutachten nicht", bestätigt auch Werner Roitner von der Landes-Veterinärdirektion: Der Betrieb sei lange gesperrt gewesen, und es habe sich "einiges geändert". Es gebe ständige Kontrollen durch den Amtstierarzt, mittlerweile auch Licht in den Ställen und teilweise sei der Boden erneuert worden.

Heftig kritisiert wird von Tierschützern, dass der Schweinemäster für einen artgerechten Umbau der Ställe Zeit bis 1. 1. 2011 bekommen habe: "Die Übergangsfrist beträgt bis zu 15 Jahre, da sind uns die Hände gebunden", bedauerte Roitner.


Safaripark soll Exoten-Auffangstation werden

Eine Auffangstation für beschlagnahmte exotische Tiere aus ganz Osteuropa soll im Safaripark Gänserndorf eingerichtet werden. Das forderten am Freitag Vertreter zahlreicher österreichischer und deutscher Tierschutzvereine. Dieses Zentrum könne auch als Primatenforschungsstation ausgebaut werden, hoffen die Vereine.

"Zu 99 Prozent sicher" sei außerdem, dass das Moratorium - also die Konkursverlängerung - um drei Monate verlängert werde, so Harald Schwammer vom Tiergarten Schönbrunn. Österreich habe sich 1982 mit dem Beitritt zum Washingtoner Artenschutzabkommen verpflichtet, ein entsprechendes Zentrum mit angegliederter Unterbringungsmöglichkeit für Exoten zu errichten, was bisher nicht geschehen sei. "Das ist eine einmalige Chance für eine Auffangstation", versicherte Lucie Loube, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins.

In den kommenden 30 Jahren sei mit einer exorbitanten Zahl an zu versorgenden Tieren zu rechnen, da durch die EU-Osterweiterung zahllose Zoos und Zirkusse mit "grauenvollen Haltungsbedingungen" hinzukämen. Kein Land der 150 Unterzeichnerstaaten des Abkommens hätte bisher ein solches Zentrum für Großtiere, unterstrich Günther Peter vom europäischen Tier- und Naturschutzbund in Bonn. Somit habe Österreich die Chance, sich an die Weltspitze zu setzen. "Gänserndorf könnte einen Schlüsselpunkt bilden im osteuropäischen Raum", hoffte Peter.

Das Geld müsse aus EU-Forschungstöpfen, vom Staat Österreich und der Pharmafirma Baxter kommen, meinten die Tierrechtler. Der Pharmakonzern hatte 1999 die Tierversuche an Affen in österreich eingestellt und sie dem Park übergeben. Um Besucher zum erhofften Zentrum zu locken, soll ein Investor für die umgebenden Liegenschaften gefunden werden, der mit einem Vergnügungspark Tagestouristen in die Nähe der Anlage lockt.


Die Welt der Störche

Die Storchensiedlung Altreu gibt es nicht mehr. Und Storchenvater Max Blösch würde sich darüber freuen: Die Störche kommen wieder alleine zurecht. Ab heute steht dort das Infozentrum Witi offen.

Robert Grogg
Die Störche werden nicht mehr gefüttert, das Gehege ist überflüssig geworden. Trotzdem bleiben sie Altreu treu und zwar freiwillig: Die einen ganzjährig, weil sie den natürlichen Zugtrieb verloren haben, die andern in der warmen Jahreszeit, weil es ihnen hier gefällt. Der Weissstorch ist nach seiner Ausrottung wieder erfolgreich angesiedelt worden - von Altreu aus. Auch im benachbarten Ausland. 50 Brutpaare wurden letztes Jahr im Revier Altreu/Staad gezählt. Deutlich abgenommen haben aber die Besucherzahlen in der ehemaligen Storchenstation.

Das soll jetzt wieder anders werden: Die Gesellschaft Storch Schweiz stellte hier dem Verein "Für üsi Witi" Land für einen neuen Infopavillon gratis zur Verfügung. Der Pavillon wird heute Donnerstag um 17 Uhr offiziell eröffnet. "Das Informationszentrum soll zur Eingangspforte in die Welt von Storch und Co. werden", sagt Tobias Salathé, Präsident der Gesellschaft Storch Schweiz.

Rastplatz für Zugvögel
Genau um dieses "und Co." geht es auch dem Verein "Für üsi Witi", Pro Natura und weiteren Umweltorganisationen sowie den betroffenen Gemeinden: Der vom Flugplatz in die ehemalige Storchensiedlung gezügelte Informationspavillon soll zum neuen Ausgangspunkt für Exkursionen werden. Er kann Schulklassen beherbergen, allenfalls auch Vereine für Sitzungen und Versammlungen. Boris Banga, Präsident des Vereins "Für üsi Witi", bezeichnet eben dieses Gebiet als "Rastplatz auf der Nord-Süd-Route der Zugvögel". "Der Lebensraum für den Storch unterscheidet sich nicht grundsätzlich von jenem der übrigen Tierwelt. Wenns für den Storch stimmt, dann stimmts auch für die bedrohten Hasen oder die über 30 Arten von Wattvögeln, die hier rasten und durchziehen", so Banga.

Erst der Anfang
"Füs üsi Witi" und Storch Schweiz hätten somit eine gemeinsame Ausgangslage. Man wolle sich für die Erhaltung und Aufwertung dieses Lebensraumes einsetzen, und zwar nicht nur einseitig für die wildlebende Tier- und Pflanzenwelt. "Wir nehmen auch die Ansprüche der Landwirtschaft und der Erholungssuchenden ernst", bekräftigt Banga. Damit Schutzmassnahmen greifen, komme der Information grosse Bedeutung zu. Wenn breiten Bevölkerungsschichten die Werte und Besonderheiten der Witi bekannt seien, dann wachse auch die Bereitschaft, Hunde an der Leine zu führen oder gewisse Flächen überflutet zu lassen.

Das Infozentrum mit Audio-show soll erst ein Anfang sein. Weitere verwandte Organisationen sind eingeladen, mit eigenen Projekten mitzumachen. Weil die Repla RSU und der Kanton ihre Zahlungen längerfristig einschränken oder von den Gemeindebeiträgen abhängig machen möchten, appelliert Stadtpräsident Banga an seine Amtskollegen in der Region, sich vermehrt zu engagieren.

Exkursionen Viktor Stüdeli, "Witi-Sheriff" und Gemeindepräsident von Selzach, sowie Verena Flückiger und Annette Oberholzer von Pro Natura machen sich bereits Gedanken, wie und wo weitere Exkursionsleiter gefunden werden könnten. Die Störche und die Witi sind ein beliebtes Ziel für Schulreisen aus der ganzen Schweiz.

Das neue Informationszentrum ist ab sofort täglich bis Ende September geöffnet. Am Mittwoch und Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr mit Betreuung. Noch hat der Pavillon keinen Namen. Der Verein "Für üsi Witi" und Pro Natura haben deshalb einen Wettbewerb ausgeschrieben. Vorschläge sind bis 15. August erbeten.

Für Führungen und Exkursionen von Gruppen oder Schulklassen: v.stüdeli@witi-schutzzone.ch


Historische Abstimmung gegen den Stierkampf in Spanien / Barcelona erklärt sich zur stierkampffreien Stadt

Bonn (ots) - Das könnte der Anfang vom Ende der Stierkämpfe in Spanien sein: Barcelonas Stadtrat erklärte gestern die katalonische Hauptstadt - immerhin zweitgrößte Metropole Spaniens - zur stierkampffreien Stadt. Bei der historischen Abstimmung im Stadtrat votierten 21 Abgeordnete mit "Ja" und 15 mit & quot;Nein", zwei enthielten sich.

Die Abgeordneten folgten damit einer Forderung des stellvertretenden Bürgermeisters, Jordi Portabella, der gegen den Stierkampf ist und die Gesetzesvorlage vor zwei Wochen in den Stadtrat eingebracht hatte. "Die katalonische Hauptstadt Barcelona muss ihrer Hauptstadtrolle gerecht werden und Vorreiter sein bei der Beendigung des Stierkampfes", hatte Portabella erklärt.

Martin Riebe, Geschäftsführer der WSPA Welttierschutzgesellschaft in Deutschland erläutert: "Diese Entscheidung ist ein großer Erfolg für den Tierschutz und könnte der Anfang vom Ende der Stierkämpfe in Spanien sein. Wir sind sehr erfreut über das tierfreundliche Abstimmungsergebnis, das die Meinung der eigenen Bürger ernst nimmt und sich mutig gegen eine überkommene und grausame Tradition ausspricht."

Eine Umfrage aus dem Jahr 2003 belegt, dass 63 % der Einwohner von Barcelona gegen Stierkämpfe in ihrer Stadt sind, wobei über die Hälfte (55 %) der Meinung sind, dass Barcelona sich zur Anti-Stierkampf-Stadt erklären soll. 76 % betrachten Stierkämpfe als grausam und unkultiviert. 59 % der Einwohner haben niemals eine Stierkampf besucht und nur 7 % betrachten Stierkämpfe als positiv für das Ansehen der Stadt.

Vorausgegangen war der Entscheidung eine jahrelange Kampagne der WSPA Welttierschutzgesellschaft gemeinsam mit WSPA-Mitgliedsorganisationen wie der spanischen Asociación Defensa Derechos Animal (ADDA). Die gemeinsame "Kultur ohne Grausamkeit"-Kampage hat mittlerweile 250.000 Protestunterschriften aus der ganzen Welt gegen den Stierkampf in Katalonien gesammelt.


Empörung über Häftlingshunde

Tierheim: Politiker, Steuerzahlerbund und Bürger fordern eine Lösung.
Viele Hamburger sind empört darüber, dass im Tierheim Süderstraße zehn Kampfhunde der Kategorie I auf Kosten von Steuerzahlern untergebracht sind. Weil die Halter der Tiere in Haft sitzen oder unbekannt sind, wurden einige der Tiere bereits vor drei Jahren im Tierheim abgegeben (das Abendblatt berichtete). Ihre Pflege und Betreuung kostet die Stadt jährlich 50 000 Euro - Geld, das für die Unterbringung anderer Tiere fehlt. Doch niemand will für das Töten der Tiere die Verantwortung tragen.

"Das ist wieder ein Beispiel dafür, wie in Hamburg Dinge im Bürokratie-Dschungel stecken bleiben", kritisiert Frank Neubauer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler in Hamburg. Er fordert, dass die Bezirksamtsleiter innerhalb von zehn Tagen eine Lösung für das Problem finden. "Dieser Vorgang verdeutlicht, wie dringend eine Bezirksreform in Hamburg umgesetzt werden muss", so Neubauer. "Bei mir haben zahlreiche Bürger angerufen, die meinen, dass man so nicht mit Steuergeldern umgehen kann", sagt Karl-Heinz Warnholz (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses der Bürgerschaft.

Die zehn Kampfhunde sind nicht an Interessenten vermittelbar, weil sie aggressiv sind und den Charakter- und Wesenstest für Kampfhunde nicht bestanden haben. Demnach müssten sie eingeschläfert werden. Doch aus den Wirtschafts- und Ordnungsämtern der Bezirke kam dafür bisher keine Anweisung. "Niemand will für die Entscheidung verantwortlich sein", klagt Poggendorf, gleichzeitig Hamburger Vorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes. Auch das Tierheim will nicht töten: "Wir sind nicht zuständig für das Einschläfern", sagt Poggendorf. "Wir sind Tierschützer."

"Es ist korrekt, dass die Bezirke die Vorgänge gründlich prüfen", urteilt Christian Maaß, umweltpolitischer Sprecher der GAL-Bürgerschaftsfraktion. "Es handelt sich schließlich um Lebewesen", so Maaß weiter. "Aber die Entscheidung muss zeitnah umgesetzt werden." Auch Mathias Petersen, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, äußert Verständnis für die Prüfungen durch die Bezirksämter: "Trotzdem muss die Regierung dafür sorgen, dass das Gesetz eingehalten wird", so Mathias Petersen.


In der EU strikt verboten, in Deutschland dennoch im Einsatz
Lebendfallen für die Vogeljagd

Von Christina Gerlach
Bei jeder Sitzung der Internationalen Walfang-Kommission ist die Aufregung groß. Der kommerzielle Walfang ist zwar seit 1986 verboten, Länder aber wie Norwegen und Japan und neuerdings auch Island setzen trotzdem die Jagd auf Großwale fort. Das Ganze geschieht unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Denn zu wissenschaftlichen Zwecken ist die Jagd erlaubt. Allerdings sind sich fast alle Tierschutz- und Umweltschutzgruppen einig, dass beispielsweise das umfangreiche Forschungsprogramm in Japan nichts anderes als eine Tarnung ist für den kommerziellen Fang. Doch man muss gar nicht in die Ferne schweifen, um sich über derart spitzfindige Auslegungen und Begründungen zu wundern oder gar zu ärgern. Genau die gleiche Diskussion findet nämlich auch in Deutschland statt, und zwar bei der Vogeljagd mit Lebendfallen, die eigentlich innerhalb der Europäischen Union strikt verboten ist. Wie gesagt, eigentlich.

Die ostfriesischen Jäger im Landkreis Leer schwören auf die norwegische Falle. Sie sieht aus wie eine große Voliere und funktioniert wie eine Fischreuse. Was einmal drin ist, findet nicht wieder raus. Sieben schwarze Krähen flattern nervös gegen den Maschendraht. Dass das kein schöner Anblick ist, weiß auch der Jäger, dem das Feld mit der Falle gehört:

Sie gehen mir da nicht ran, und ich gebe keine Auskunft. Da nicht rangehen. Und untersteht Euch nicht, dass ihr auf die Weide geht.

Die Jäger kommen jeden Abend, erschlagen die Krähen mit Knüppeln und werfen sie weg. Das passiert ganz fachmännisch, versichert der Leeraner Kreisjägermeister Jan-Wilhelm Hilbrands:

Die werden tierartschutzgerecht getötet. Das heißt mit einem Rundholz und einem Schlag auf den Kopf, dass ein Genickbruch eintritt.

Alles im Dienste der Wissenschaft. Denn vorgeblich geht es darum, dass das Töten Teil einer Studie ist, die zeigen soll, ob Rabenvögel wirklich Schuld sind, dass es so wenig Wiesenbrüter gibt. Denn die Krähen oder Elstern gelten als Nesträuber.

Naturschützer sind empört. Sie vermuten, dass es den Jägern einzig darum geht, möglichst viele Krähen zu töten, ohne dabei teure Munition zu verschießen. Matthias Bergmann vom Naturschutzbund Ostfriesland:

Dass hier massenhaft die Krähen gefangen und mit dem Knüppel totgeschlagen werden, das ist für mich keine wissenschaftliche Studie und hat mit Wiesenvogelschutz nichts mehr zu tun.

Die wissenschaftliche Studie ist fest in Jägerhand. Die Leeraner Kreisjägerschaft gab den Auftrag. Und trotz der rigorosen Vorschriften für Lebendfallen war auch die Genehmigung für Kreisjägermeister Hilbrands kein Problem. Er erteilte sie sich nämlich gleich selber:

Ich, in meiner Funktion als Kreisjägermeister, habe in Absprache mit dem Kreis Leer diese Aktion genehmigt.

Und obwohl es sich ja um eine wissenschaftliche Studie handelt, weiß er nicht einmal, wie viele Fallen überhaupt aufgestellt sind. Und wie viele Vögel bisher gefangen und erschlagen wurden:

Kann ich Ihnen noch nicht genau sagen, wir sind ja in der Versuchsphase, hätte ich fast gesagt, in der Anfangsphase. Ich mache ja nicht die wissenschaftliche Begleitung. Die macht das Institut für Wildtierforschung.

Das genannte Institut hat seinen Sitz in Hannover. Sein Chef ist passionierter Jäger und zweiter Vorsitzender der Niedersächsischen Landesjägerschaft. Finanziert wird die Studie vom Landwirtschaftsministerium mit 22.000 Euro pro Jahr. Sie ist auf drei Jahre angelegt und die will man auch durchhalten, sagt Dr. Gert Hahne, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums:

Wir sind eigentlich optimistisch, dass wir das weitermachen werden, weil das für uns erst mal ein wirklich wissenschaftlicher Beweis ist, ob Krähen so schädlich sind, wie behauptet wird. Es kann auch dabei herauskommen, dass die Krähen nicht so schädlich sind, wie behauptet wird, aber wir brauchen fundierte Daten.

Dabei sind schon zahlreiche, wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass keineswegs die Krähenvögel Schuld sind, wenn Wiesenbrüter aussterben. Das meint auch Matthias Bergmann vom NABU. Die Krähen spielen die geringste Rolle. Den größten Schaden verursacht die intensive Landwirtschaft: Massive Entwässerung, intensive Bewirtschaftung und zu frühe Mahd vertreibt die Wiesenbrüter und obendrein zieht Güllen Rabenvögel an. Matthias Bergmann:

Es müssen Lebensräume wieder hergestellt werden, das ist ja unser Hauptanliegen. Es muss nasse Feuchtwiesen geben, die auch extensiv bewirtschaftet werden, und dann haben die Wiesenbrüter auch langfristig einen Erfolg.

Wegen der Tötung der Krähen wird der Naturschützer Anzeige erstatten. Er fordert die sofortige Beendigung der zweifelhaften Aktion.

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Jäger- und Bauernverbände dagegen Naturschützer dringen auf neues Jagdgesetz

30. März 2004
Die deutschen Natur- und Tierschutzverbände begrüßen die Pläne der Bundesregierung zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes. Der Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), Hubert Weinzierl, lobte am Dienstag in Berlin die von Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) formulierten änderungen als "richtungsweisenden Fortschritt". Es sei nun an der Zeit, die Vorhaben schnellstmöglich in Gesetzesform zu gießen, betonte Weinzierl. über das Künast-Papier erfreut zeigte sich auch das Bündnis Tierschutz. Dessen Sprecher Wolfgang Apel forderte Rot-Grün auf, die Versprechen des Koalitionsvertrages einzulösen und "grausame Jagdmethoden wie die Fallenjagd und überlange Jagdzeiten" zu verbieten.

Diese Praktiken widersprächen dem seit zwei Jahren im Grundgesetz festgeschriebenen Gebot des Tierschutzes, sagte Apel. Er forderte zudem, die Zahl zum Abschuss freigegebener Arten von 103 auf 12 zu begrenzen. Das vor zwei Wochen vom Agrarministerium vorgelegte Arbeitspapier sieht vor, Jäger beim Artenschutz stärker in die Pflicht zu nehmen. Dazu sollen die Fallenjagd und die Verwendung von Bleischrot bei der Jagd auf Wasservögel verboten werden. Das Abschießen von Hunden und Katzen während der Jagd soll ebenso unter Strafe gestellt werden wie die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren. Jäger- und Bauernverbände lehnen die Neuerungsvorhaben ab.


Der folgende Beitrag erschien in einer österreichischen Tageszeitung, ist aber inzwischen von der Website der Zeitung entfernt worden - warum ???

Kärntner wollen auf Elefantenjagd

http://www.ktz.at/_content_detail.php?detail_id=13522

So genannte Jäger und auch Trophäensammler bekunden Interesse am Abschuss der Wildtiere im von einem Konkurs bedrohten Safaripark Gänserndorf. Betriebsleiter und Tierschützer empört. GÄNSERNDORF, KLAGENFURT. Fassungslos zeigte sich gestern der aus Ungarn stammende Betriebsleiter des Safariparks Gänserndorf, Laszlo Töröek, im Gespräch mit der neuen "KÄRNTNER TAGESZEITUNG".

Tatsächlich haben nämlich bei ihm diverse Herren - darunter auch Kärntner - vorgesprochen, die sich für den Abschuss von Tieren im Park interessieren. Wie bereits berichtet, steht der Safaripark Gänserndorf vor dem finanziellen Ruin. über die Unterbringung der Tiere im Falle einer Schließung des Parks wird seit Wochen spekuliert. Der Tierpark Schönbrunn und der Wildpark Herberstein haben sich angeboten, Tiere aufzunehmen. Entschieden ist aber noch nichts. Jetzt wollen Weidmänner das Problem lösen - mit ihren Gewehren.

Besonderes Interesse, so Töröek, haben die so genannten Jäger an Elefantenköpfen bekundet, die ihnen "in der Trophäensammlung noch fehlen" würden.

Landesjägermeister Ferdinand Gorton zu den jüngsten Vorkommnissen: "Ein solches Ansinnen hat mit der von uns in Kärnten praktizierten Jagd, die sich als Hege- und Pflegedienst an Tieren versteht, nichts zu tun." Ausschließen könne er es aber freilich auch nicht, so Kärntens oberster Weidmann.

Bernhard Wadl, Chef des Kärntner Jagdaufseherverbandes: "Möglich ist alles. Mit einem Abschuss in Gänserndorf könnten sich die Herren die Flugkosten nach Afrika sparen. Befürworten kann ich ein solches Vorgehen allerdings keinesfalls."

Silvia Summerer von der Tierschutzorganisation "For Animals" versteht die Welt nicht mehr ob so viel Berechnung: "Da wird über die Köpfe der noch lebenden Elefanten versucht, ein Geschäft abzuschließen, und das von Männern, die sich Jäger nennen."

Eine weitere Meldung aus der Gerüchteküche macht den Tierschützern Kopfzerbrechen. Der Pharmakonzern Baxter soll den Tierpark übernehmen. "Das Schicksal der Tiere wäre damit aber auch ungewiss, da das Unternehmen Baxter Tierversuche durchführt", gibt Summerer zu bedenken.


Agrarminister schließen "Hühnerfrieden von Osnabrück"

Der jahrelange Streit um die Käfighaltung von Legehennen ist beigelegt. Gemeinsam mit Tierschützern soll eine Kleinvoliere entwickelt werden

Osnabrück - Die deutschen Agrarminister haben den jahrelangen Streit um die Käfighaltung von Legehennen beigelegt. Bund und Länder wollen gemeinsam mit Eierproduzenten und Tierschützern eine neue Kleinvoliere für Hennen entwickeln, die beim Verbot der Käfige im Jahr 2007 als tierschutzgerechte und wirtschaftliche tragbare Alternative zur Verfügung stehen soll. Die neue Kleinvoliere müsse den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts für die Hennenhaltung entsprechen, beschloss die Agrarministerkonferenz am Freitag in Osnabrück einstimmig.

Der von einigen Ländern vorgeschlagene, von Künast aber bereits vor der Agrarministerkonferenz abgelehnte „ausgestaltete Käfig“ mit Sitzstangen und Sandbad wurde in Osnabrück nun einhellig als nicht verhaltensgerechte Haltungsform verworfen. Beide Seiten bezeichneten den Kompromiss als Durchbruch. Erstmals würden auch Tierschützer an einem Verfahren für eine neue Haltungsform beteiligt, betonte NRW-Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne). Zugleich einigten sich die Agrarminister darauf, die Einführung eines Prüf- und Zulassungsverfahrens für die Legehennenhaltung voranzutreiben. Der Landwirtschaftminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), der den Kompromiss vorgeschlagen hatte, sprach vom „Hühnerfrieden von Osnabrück“, der auf der Konferenz gelungen sei. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) sagte, durch die Kleinvolieren wolle man die Produktion von Eiern in Deutschland halten und zugleich eine Haltungsform entwickeln, die den Anforderungen des Tierschutzes und der Hygiene entspreche.

Laut Künast steht die Größe der neuen Kleinvolieren noch nicht fest. Die Konferenz habe ein Gutachten der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft diskutiert, nach dem die bislang von den Eierproduzenten favorisierten größeren ausgestalteten Käfige den Hennen kein artgerechtes Verhalten ermöglichten und den Kriterien des Bundesverfassungsgerichts nicht entsprächen, sagte die Grünen-Politikerin.

In der Frage der EU-Agrarreform kam die Runde zu keinen neuen Entscheidungen. Bis auf die unionsgeführten Länder Bayern, Sachsen und Hessen unterstützen weiterhin alle Länder das von Künast vorgeschlagene regionale Flächenmodell. Es sieht vor, die Direktzahlungen der Europäischen Union an deutsche Bauern in Höhe von jährlich rund sechs Milliarden Euro von der Produktionsmenge abzukoppeln und stattdessen eine regionale Flächenprämie einzuführen.

BUND kritisiert Kompromiss
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert den Beschluss der Agrarministerkonferenz als Versuch, „die geltende Legehennenverordnung mit ihrem Verbot der Käfighaltung aufzuweichen“. Kleinvolieren gebe es nicht, allenfalls Großkäfige, erklärte die Umweltorganisation. Eine artgerechte Haltung sei in ihnen nicht möglich. Die Agrarminister dürften sich nicht dem Druck der Geflügelindustrie beugen, mahnte die Organisation.

Begleitet wurde die Agrarministerkonferenz des Bundes und der Länder in Osnabrück von Aktionen für und gegen die Käfighaltung. Auf einer Kundgebung forderten 500 Eierproduzenten und Bauern, eine Haltung von Legehennen in vergrößerten Käfigen weiter zuzulassen. Ein Dutzend als Käfighühner verkleidete Tierschützer verlangten dagegen, am generellen Verbot der Käfighaltung ab 2007 festzuhalten. WELT.de/AP/dpa


Köder für Köter

Hunde vergiften im Wald: Die Fälle häufen sich, in denen Hunde und Wildtiere an präparierten Ködern sterben
Cloppenburg/Hannover taz Es passiert immer wieder: Hunde verenden qualvoll, weil sie mit Gift präparierte Köder gefressen haben. Zuletzt gab es eine Häufung von Fällen im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg, wo die Tiere mit Pflanzenschutzmitteln vergiftet wurden. Innerhalb von drei Wochen seien ihnen vier Fälle gemeldet worden, so der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Cloppenburg, Hans Große Beilage. "Aber wir wissen nicht, wieviele Wildtiere sich ebenfalls vergiftet haben, die suchen ja nicht den Menschen auf wie Hunde." Die Köder seien in der freien Natur gefunden worden. Sollte hinter den Attacken ein Jäger oder jemand mit Jagdschein stecken, der auf diese Weise Füchse oder Raubvögel los werden wolle, so würde diesem sofort der Jagdschein entzogen, so Große Beilage. "Das verstößt gegen das Jagdgesetz und wird von uns überhaupt nicht geduldet." Um Hinweise auf den oder die Täter zu bekommen, habe man jetzt eine Belohnung von 1.000 Euro ausgesetzt. Er glaube allerdings nicht, dass ein Jäger das Gift auslege. "Das kann auch ein Hundehasser sein."

Auch im Raum Steinfurt, sowie bei Braunschweig und Herford sollen Tierschützern zufolge in den vergangenen Monaten Hunde gezielt vergiftet worden sein. Naturschutzverbände bezweifeln allerdings, dass es momentan eine Häufung von Fällen gibt. "Das ist ein bundesweites Phänomen und kommt immer wieder vor", so Claus Mayr vom Naturschutzbund NABU.

Das Aussetzen von Giftködern sei nicht neu, dürfe aber eigentlich nicht vorkommen, sagt auch der Geschäftsführer der niedersächsischen Landesjägerschaft Dirk Schulte-Frohlinde. Gegen Jäger, die so etwas tun würden, ginge der Verband "brutal" vor: "Wenn wir jemand dabei erwischen, schmeißen wir den sofort raus". Jäger hätten einen so schweren Stand, dass derartige Rechtsverstöße dem Ansehen nur noch weiter schaden würden. Wer ein vergiftetes Tier finde, solle sofort die Polizei informieren.


Ein Krieg für Tiere

Die Mitglieder der Tierrechtsorganisation Peta sind moderne Guerilleros. Sie kämpfen mit aggressiver Werbung, provozierendem Witz und nackter Prominenz. In ihrer jüngsten Aktion vergleichen sie die Massentierhaltung mit dem Holocaust. Von Hauke Goos

Alles ist ganz einfach, wenn man nur lange genug auf diese Zahl starrt. Sie steht auf einer Web-Seite, ganz unten, noch unter den Bildern und dem Text. Es ist eine Zahl, die im Sekundentakt weiterspringt, ein so genannter Counter. Die Zahl zeigt an, wie viele Tiere seit dem 1. Januar 2003 in den USA für Nahrungszwecke getötet wurden. Wer begreifen will, was Peta ist, muss sich nur diese Zahl anschauen, die von Sekunde zu Sekunde größer wird. Am vergangenen Freitag stand der Counter bei 31 393 551 721.

31 Milliarden tote Tiere in etwas über einem Jahr, das sind auf jeden Amerikaner 108 Kühe, Schweine, Hühner oder Schafe. Die Seite heißt www.masskilling.com, es geht um die Ohnmacht der Tiere und um die Verantwortung des Menschen.

Die Zahl auf der Web-Seite ist Teil eines Kreuzzugs. Sie soll eine Kampagne unterstützen, die den Titel "Holocaust on Your Plate" trägt, "Der Holocaust auf Ihrem Teller". Die Kampagne besteht, in der Hauptsache, aus Fotos. Sie stellt Bilder von Juden in Konzentrationslagern neben Fotos von Hühnern und Schweinen in der Massentierhaltung. In einigen amerikanischen Städten wurde die Ausstellung verboten. Wo sie gezeigt werden durfte, provozierte sie wütende Ablehnung und wütende Zustimmung. Peta ist die Abkürzung für People for the Ethical Treatment of Animals, es ist das erste Mal, dass eine Tierrechtsorganisation auf diese Weise Werbung mit dem Holocaust macht.

Es ist ein Tabubruch.
Harald Ullmann, 2. Vorsitzender der deutschen Peta-Sektion, sitzt in seinem Stuttgarter Büro, vor sich einen Laptop, und klickt sich durch die Kampagnenmotive: ausgemergelte, auf einen Haufen geworfene Menschenleiber gegen tote Schweine; Häftlinge auf Pritschen gegen Hühner in einer Legebatterie; Frauen und Kinder in KZ-Kleidung hinter Stacheldraht gegen junge Schweine hinter Gittern - Hühnerfarmen gegen Auschwitz.

Es ist eine Art Krieg, den sie führen, ein Krieg um das Wohlergehen der Tiere und um die Herzen der Menschen. Er wird geführt mit Ideen, mit Bildern und Argumenten, und, wenn es sein muss, mit der Verletzung von Tabus. Peta will eine Welt ohne Pelz und ohne Leder, in der die Menschen kein Fleisch essen, auf Milch von Tieren verzichten und auf Honig.

"Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum man den Menschen als Krone der Schöpfung bezeichnen soll", sagt Ullmann. "Wir sind auch nur ein Tier, das sich die Erde mit anderen Tieren teilt."

Sie wollen eine bessere Welt, möglicherweise, auf alle Fälle aber eine andere.

An diesem Donnerstag soll "Der Holocaust auf Ihrem Teller" in Deutschland starten, acht Großplakate in einer Wanderausstellung, jeweils zwei mal drei Meter groß. Es ist auch ein Krieg um die Frage, ob es beim Kampf für eine bessere Welt Grenzen gibt.

Am Anfang habe er die Kampagne "etwas schwierig" gefunden, sagt Ullmann. Sie haben ihm eine E-Mail geschickt, aus dem Peta-Hauptquartier in Norfolk, Virginia, als die Paneele für die amerikanische Ausstellung gerade fertig waren. Ob er sich vorstellen könne, die Ausstellung in Deutschland zu zeigen?

Ullmann ist 48 Jahre alt, er hat Englisch und Sport studiert, ursprünglich wollte er Lehrer werden. Nach mittlerweile 17 Jahren bei Peta hat er ein Gespür dafür, welche Kampagnen in Deutschland funktionieren und welche nicht.

Ob sie ihm nicht erst mal den Inhalt und die Argumente zukommen lassen könnten, mailte er zurück.

Peta schickte zwei Zitate. Eines von dem jüdischen Literatur-Nobelpreisträger Isaac B. Singer, von dem der Satz stammt: "Für die Tiere sind alle Menschen Nazis; für sie ist jeden Tag Treblinka", das andere von Theodor W. Adorno: "Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt: ,Es sind ja nur Tiere.'"

Zwei Zitate, zwei Kronzeugen. Sie hatten wirklich an alles gedacht. Ullmann erinnerte sich daran, dass Bernhard Grzimek in den siebziger Jahren Hühner aus Legebatterien als "KZ-Hühner" bezeichnet hatte. Er war damals vor allem von den Betreibern von Legebatterien attackiert worden, nicht von jüdischen Verbänden. Ullmann beschloss, "Der Holocaust auf Ihrem Teller" nach Deutschland zu holen.

"Wir wollen polarisieren, wir wollen, dass die Menschen darüber reden", sagt Ullmann. "Wir versuchen, das Produkt Mitgefühl zu verkaufen."<7p>

Sie sind eine Bewegung. Die Zahl auf der Web-Seite ist ihr stärkstes Argument.

"Zwischen 1938 und 1945 starben zwölf Millionen Menschen im Holocaust", heißt es in der Kampagne. "Genauso viele Tiere werden für den menschlichen Verzehr jede Stunde in Europa getötet."

Wieso ausgerechnet 1938?

Ullmann zuckt mit den Schultern. Sie haben die Zahl vom Hauptquartier bekommen.

Wegen der Reichspogromnacht?

Ullmann nickt. Es ist nicht wirklich wichtig. Sie brauchten einen Zeitraum und eine Zahl. Zwölf Millionen Menschen, zwölf Millionen Tiere. Darauf kommt es an. "Wir vergleichen Tiere und Menschen nur da, wo 's gleich ist: bei der Leidensfähigkeit."

"Kann man die Bevölkerung mit einer solchen Analogie konfrontieren?", fragt Ullmann. Er sagt "Bevölkerung". Er fragt nicht, ob man die Überlebenden des Holocaust mit einer solchen Analogie konfrontieren kann. "Wir sagen: Holocaust war schlimm, und was den Tieren passiert, ist schlimm", sagt Ullmann, aber er sieht ein wenig unbehaglich aus dabei.

Am 3. November schrieb Peta dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, einen Brief.

Die Opfer seien heute andere als damals, aber das System von Einpferchen, Missbrauch, Vorurteil und Abschlachten sei dasselbe, las Spiegel. "Ein paar Zeilen des Wohlwollens in Bezug auf diese Ausstellung wären schön."

Spiegel gab den Brief an seine Anwälte weiter. Sollte die Ausstellung in Deutschland starten, werde er Peta verklagen, ließ er ausrichten. Die Kampagne sei "menschenverachtend" und "eine Beleidigung der Opfer".

Die Sache ist kompliziert, jedenfalls in Deutschland.

Man kann so viele Fehler machen.

"Wir sind nicht dazu da, um geliebt zu werden", sagt Dan Mathews, der Vizepräsident von Peta. "Jede Interessengruppe, die geliebt werden möchte, ist zum Scheitern verurteilt. Wir spielen die Rolle eines Agent provocateur."

Mathews hat kurze, graue Haare, er lacht gern, man kann sich ihn gut in einer amerikanischen Vorabendserie vorstellen. Bevor er bei Peta anfing, arbeitete er als Model, er brachte Kontakte zu Stars und anderen Models mit und ein wenig Glamour. Außerdem ist er Jude. Etwas Besseres als Dan Mathews hätte Peta kaum passieren können.

Peta war 1980 von Ingrid Newkirk und Alex Pacheco gegründet worden. Newkirk, die ein fanatischer Formel-1-Fan ist, wollte eigentlich Börsenmaklerin werden. Sie war 22 Jahre alt, als sie Zeugin wurde, wie in einem Tierheim junge Katzen getötet wurden, die sie dem Heim zur Obhut überlassen hatte. Sie beschloss, sich fortan dem Tierschutz zu widmen.

Zunächst machte sich die Organisation mit Undercover-Aktionen einen Namen. Aktivisten ließen sich von Hühnerfarmern einstellen und dokumentierten, was sie sahen: Tiere, die sich an den Wärmelampen verbrannt hatten; verkrüppelte Tiere, deren Knochen ihr Gewicht nicht tragen konnten; Hühner, deren Schnäbel gekürzt worden waren, damit sie in den engen Käfigen nicht nach anderen Hühnern hackten.

In den achtziger Jahren erfand Mathews die Kampagne "Lieber nackt als Pelz". Eine junge Frau aus Florida hatte ihm ein Foto geschickt, das sie auf einer Demonstration zeigte: Sie trug einen hautfarbenen Anzug, auf den sie "I'd rather go naked than wear fur" gepinselt hatte. Es war die Wende.

Bald zogen sich Stars wie Nina Hagen, Pamela Anderson oder Naomi Campbell für Peta aus, und Mathews entdeckte, dass sich alles mit ein bisschen Sex viel besser verkaufen ließ. Die Werbung für eine Idee funktioniert nicht viel anders als die Werbung für ein Produkt.

Sie legten sich mit General Motors an, weil der Konzern Crashtests mit Schweinen und Frettchen durchführte, und zwangen McDonald's, schärfere Standards bei den Hühnerfarmen durchzusetzen. Mittlerweile haben sie über 800 000 Mitglieder weltweit - die erfolgreichste radikale Gruppe Amerikas, wie der "New Yorker" schrieb.

Sie sind schnell, sie spielen mit den Medien, und sie haben auf alles eine Antwort. Als Mathews vor ein paar Jahren gefragt wurde, welches sein Kandidat für eine Liste der "100 beliebtesten Menschen des Landes" sei, fiel ihm der Mörder von Gianni Versace ein, ein Spaß, wie er hinterher einschränkte. Schließlich habe der den Modeschöpfer davon abgehalten, weiter Pelze zu verarbeiten.

Und als Roy Horn kürzlich von einem Tiger lebensgefährlich verletzt wurde, schrieb Mathews ihm: "Vielleicht verstehst du nach diesem schrecklichen Zwischenfall, dass eine grell erleuchtete Bühne mit lauter Musik und einem schreienden Publikum nicht der natürliche Lebensraum für Tiger ist."

"Peta ist wie Vaudeville", sagt Mathews, wie Jahrmarktstheater. "Wir haben verschiedene Kunststücke im Repertoire, wir wechseln ständig das Programm."

Harald Ullmann studierte in Heidelberg und ging dann für ein paar Jahre in die USA. Peta musste nicht lange um ihn werben. Sie zeigten ihm einfach ein Video. Er starrte auf ein Rind, das kopfüber an einem Fleischerhaken hing, lebend, "und die Gurgel aufgeschnitten bekommt und das Blut rausströmt".

Er ist auf dem Dorf aufgewachsen, wo Fleisch zu einer anständigen Mahlzeit dazugehörte. "Als ich ein Kind war, gab's donnerstags beim Metzger immer Leberkäse mit Semmeln. Warmen Leberkäse, dazu eine Scheibe Wurst, kostenlos, das war schon was Tolles."

Das Video war eine Bekehrung, eine Art Erweckungserlebnis. Zum ersten Mal in seinem Leben brachte er das Schnitzel auf dem Teller in Verbindung mit dem Tier, das für dieses Schnitzel gemästet, gequält und schließlich getötet worden war. Er beschloss, nie wieder Fleisch zu essen.

1994 gründete Ullmann die deutsche Sektion von Peta. "Wir wollen zeigen, dass man kein Außenseiter sein muss, wenn man sich für Tiere einsetzt", sagt er. "Man muss auf Spaß im Leben nicht verzichten."

Ullmann setzte durch, dass er und seine Helfer hauptamtlich arbeiteten und dafür angemessen bezahlt wurden, und er bestand darauf, dass Peta mit "Bild" und "Bild am Sonntag" selbstverständlich zusammenarbeitete. Er wollte die Ursachen bekämpfen, nicht nur die Symptome. Deshalb mussten sie die Massen erreichen. Manchen Tierfreunden ging das zu weit. "Als ich 1986 anfing, war ein Großteil der Leute bei Peta Körneresser. Alles war basisdemokratisch, alles musste abgesprochen werden. Wir haben sehr schnell gemerkt: So kommen wir nicht weiter. Die Industrie ist nicht basisdemokratisch. Wir müssen Strukturen wählen, mit denen wir erfolgreich sind."

Peta erkannte früh, dass man Konzerne mit moralischen Argumenten kaum beeindrucken kann. Also vertrauen die Tierrechtler auf die Kräfte des Marktes. "Wir setzen auf den Konsumenten", sagt Ullmann. "Ob die Tiere hinterher aus ethischen Gründen nicht geschlachtet werden oder weil der Bedarf nicht mehr vorhanden ist, ist den Tieren egal."

Ullmann gewann Prominente wie Désirée Nosbusch, die Toten Hosen oder Dirk Bach dafür, sich für die Anti-Pelz-Kampagne nackt fotografieren zu lassen; Reinhard Mey schickte ein Foto, auf dem er sich eine Gitarre vors Geschlechtsteil hält.

Die Gemeinde Fischen im Allgäu forderte Ullmann auf, ihren Namen in "Wandern" zu ändern, da der bisherige Name für ein "grausames Hobby" stehe. Und als bei einem Anschlag in Jerusalem ein mit Sprengstoff beladener Esel explodierte, bat Peta Jassir Arafat, "Tiere aus diesem Konflikt rauszuhalten".

"Wir scheuen uns nicht davor, uns lächerlich zu machen", sagt Ullmann. Er begann, Peta Deutschland für das Vaudeville zu öffnen.

Er holte Jürgen Faulmann in sein Team, als Kampagnenleiter - einen gelernten Koch, der sichtlich Spaß daran hat, den Feind zu provozieren.

Peta lehnt Gewalt ab, jedenfalls Gewalt gegen Lebewesen.

Ist es legitim, Hochsitze umzustürzen und Labors zu verwüsten?

"Ich mach's nicht, aber mir ist klar, warum manche Leute das machen", sagt Ullmann.

Als Faulmann noch in Österreich aktiv war, fuhren vier Jäger zur Jagd nach Kroatien. Sie gerieten auf eine Mine, alle vier starben. In einer Pressemitteilung gaben die Tierschützer bekannt, dass ihr Mitleid sich in Grenzen halte. Der Text schloss mit "Waidmanns Dank".

"Wenn jemand stirbt, ist das immer ein trauriges Ereignis", sagt Ullmann. "Bei manchen ist man eben weniger traurig als bei anderen."

Im vergangenen Sommer reiste Faulmann nach Hannover. Der Mutterkonzern von Kentucky Fried Chicken, mit denen sich Peta kurz zuvor angelegt hatte, wollte in Garbsen eine Fast-Food-Filiale eröffnen, und aus irgendeinem Grund hatte David Novak sein Kommen angekündigt, der Vorstandschef. Novak gab geduldig Interviews, als ihn irgendwann eine Peta-Fotografin hinaus vor den Laden bat.

Novak hatte sein Jackett ausgezogen, und so stand er im weißen Oberhemd bereit, als plötzlich Jürgen Faulmann auf ihn zustürmte. Er hatte eine Tüte mit Kunstblut dabei, und auf dem Foto, das Peta auf seine Web-Seite stellte, kann man Novak in seinem blutroten Hemd sehen, wie er ein wenig verdutzt vor seiner Filiale steht.

Vor ein paar Wochen feierte Peta Deutschland seinen zehnten Geburtstag mit einer Gala im Hamburger "Hotel Vier Jahreszeiten". Als Moderator hatte Tobi Schlegl zugesagt, der auf Viva eine eigene Sendung hat. Sie hatten eine Modenschau vorbereitet mit prominenten Models, Thomas D., der Sänger der Fantastischen Vier, war gekommen und Bela B. von den ärzten, Cosma Shiva Hagen und Charlotte Karlinder Kusmagk, die bei MTV arbeitet. Dan Mathews war extra aus Amerika angereist, und bevor es losging, sprang er auf den Laufsteg, um eine kleine Rede zu halten.

Eigentlich habe er den berühmten Ausspruch von John F. Kennedy variieren und die Gäste mit dem Satz "Ich bin ein Hamburger" begrüßen wollen, sagte Mathews. "Aber passender scheint mir, zu sagen: ,Ich bin ein Veggieburger'!" Alle lachten. Es machte auf einmal Spaß, Vegetarier zu sein.

Ullmann trug ein weißes Hemd, das offensichtlich schwer zu bügeln war, und eine Krawatte mit Tiermotiven, die er sich vor Jahren für solche Anlässe gekauft hatte. "Wir spielen mit der Öffentlichkeit", sagt Ullmann. "Was müssen wir tun, um unsere Botschaften in den Medien unterzubringen?"

Als sie die Chance erblickten, Auschwitz in ihre Show zu integrieren, haben sie es einfach gemacht.

"Es hat in der Tierrechtsbewegung nie eine Diskussion darüber gegeben, ob das inhaltlich falsch oder richtig ist. Es hat immer nur Diskussionen darüber gegeben, ob es strategisch richtig ist, es zu tun - ob's uns mehr schadet oder mehr bringt", sagt Jürgen Faulmann. "Das Schnitzel auf dem Teller muss blutiger werden."

Als die Kampagnen-Pläne bekannt wurden, war das Echo gewaltig. Die "Frankfurter Allgemeine" nannte die Kampagne "abscheulich", in der alternativen "tageszeitung" erschien eine Geschichte mit dem Titel "Der Jude, das Grillhähnchen". Irgendwann kündigte die Aktion Sühnezeichen an, dass sie die Kampagne bekämpfen werde, und "Kraut und Rüben", ein Berliner Bioladen, sammelte Unterschriften gegen Peta.

Eine Front aus "FAZ", "taz" und "Kraut und Rüben".

Sie haben es weit gebracht.


Tierschutz Transportzeitbegrenzung gefordert

24. März 2004
Der Deutsche Tierschutzbund bezeichnet die aktuelle Diskussion zum bereits letzten Juli vorgelegten EU-Vorschlag zum Schutz der Tiere beim Transport als einen untragbaren Rücktritt. "Schon damals kritisierte der Deutsche Tierschutzbund die Gesetzesvorlage als völlig unzureichend, um die Situation für die Tiere bei tagelangen zermürbenden Transporten nachhaltig zu verbessern", kommentiert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Seit einigen Monaten wurde nun in verschiedenen Arbeitsgruppen auf EU-Ebene über den Vorschlag diskutiert. Der Deutsche Tierschutzbund, die Tierärztliche Vereinigung Europas und das Europäische Parlament fordern eine Transportzeitbegrenzung auf Acht Stunden. Und auch die Bundesregierung tritt für eine Transportzeitbegrenzung ein. "Wir erwarten und gehen davon aus, dass Verbraucherministerin Künast sich zusammen mit den sieben weiteren tierfreundlichen EU-Staaten mit allem Nachdruck in Brüssel dafür einsetzt, dass der Verordnungsentwurf entweder maßgeblich verbessert oder aber abgeblockt wird", so Apel.

Dem komplexen Verordnungsvorschlag nach wird es weiterhin möglich bleiben, Tiere unbegrenzt über den Globus zu transportieren. Die Transport- und Ruheintervalle für die Tiere orientieren sich dabei an den Lenk- und Pausenzeiten der Fahrer. Intervalle, die endlos oft wiederholt werden können. Aufwändige Bestimmungen sollen dabei die Unterbringung und Versorgung der Tiere auf dem Fahrzeug sichern. "Im Grundsatz enthält der Entwurf die selben Schwachstellen, wie die derzeit gültige Gesetzgebung", erläutert Apel die Problematik. Deren Hauptproblem sei, dass die komplexen Regelungen kaum kontrollierbar und damit kaum durchsetzbar sind. Das wird sich sogar noch verschlechtern, sollten die Tiere für die Pausen, wie derzeit vorgesehen, auf dem Fahrzeug belassen werden können. Eine ausreichende Versorgung der Tiere ist nach den von der EU-Kommission dafür vorgesehenen Vorkehrungen in diesem Falle nicht gewährleistet. Darüber hinaus bleibt offen, wo diese Pausen stattzufinden haben und somit auch, wie ihre Einhaltung kontrolliert werden kann. Da aber auch eine Be- und Entladung der Tiere aus Sicht des Tierschutzes problematisch ist, sollten Tiertransporte im Grunde enden, bevor eine Versorgung der Tiere erforderlich ist.


Blutige Spuren des Gemetzels im Eis
In Kanada begann wieder die umstrittene Robbenjagd

Gerd Braune
OTTAWA, 22. März. Das Eis im St. Lorenz-Golf und vor der Nordostküste Neufundlands ist alljährlich Kinderstube für hunderttausende junge Robben, ab gestern aber auch wieder wie in jedem Jahr Schauplatz der wohl umstrittensten Jagd. Rund 350 000 Sattel- und Klappmützenrobben dürfen wegen ihres Fells getötet werden. Im vergangenen Frühjahr hatte Kanadas Regierung die Jagd neu geordnet. Durften vorher jährlich 275 000 Sattelrobben erlegt werden, wurde nun für die Jahre 2003 bis 2005 eine Gesamtquote von 975 000 Tieren festgelegt.

Tierschützer weigern sich, von einer Jagd zu sprechen. Für sie handelt es sich um ein "grausames und sinnloses Schlachten". Dass die Robbenjagd solche Emotionen weckt, liegt an den Jagdpraktiken. Denn die Tiere werden meist mit Pickel oder Keule erschlagen, dann werden sie, entweder gleich auf dem Eis oder in den Booten der Robbenfänger, gehäutet. Auf dem Eis bleiben blutige Spuren dieser Jagd. Die Tierschützer beschuldigen die Robbenjäger zudem, dass sie Tiere oftmals häuten, wenn diese noch leben, und viele möglicherweise nur bewusstlos waren, als die Jäger sie ausbluten ließen. Streitpunkt ist auch, ob der Robbenbestand trotz der Jagd langfristig nicht gefährdet wird. Das Fischereiministerium schätzt, dass im Nordatlantik mindesten 5,2 Millionen, wenn nicht gar 5,5 Millionen Sattelrobben leben und sich der Bestand seit den frühen 70er-Jahren fast verdreifacht hat. "Robben sind eine Naturressource, die etwa 12 000 Robbenjägern und ihren Familien eine wichtige Einkommensquelle bietet", erklärt das Ministerium. Und Sprecher der Robbenjäger werben um Verständnis: "Den ganzen Winter über haben wir keine Arbeit. Die Robbenjagd ist im Frühjahr die erste Möglichkeit, Geld zu verdienen."


EU subventioniert weiter Stierkampf

Von Ingolf Bossenz
Die Europäische Union wird größer, die Gelder werden knapper und die Verteilungskämpfe härter. Aber wenn’s um Traditionen geht, die angeblich zur kulturellen Identität von Mitgliedsländern gehören, ist Brüssel nicht knausrig. So soll der Stierkampf in Spanien auch nach der Reform der EU-Agrarpolitik finanzielle Förderung erfahren. Die über tausend Züchter von Kampfstieren werden derzeit jährlich mit bis zu 22,5 Millionen Euro subventioniert. Die Befürworter des blutigen Spektakels in der Arena preisen unterdessen das »privilegierte Leben« der Toros, deren Leben in nahezu freier Wildbahn von einem majestätischen Tod vor Tausenden Zuschauern gekrönt werde.

Doch auch in Spanien selbst wächst der Widerstand gegen die Barbarei, alljährlich rund 70000 Stiere, Kühe und Kälber in den Stierkampfarenen sowie bei Tierhatzen und anderen »Fiestas« unter dem Deckmantel der Tradition zu quälen und zu töten. Zwar hat die EU im Vertrag von Amsterdam den Tierschutz verankert. Allerdings wird der Stierkampf als Teil der iberischen »Identität« betrachtet. In Portugal, wo der Stierkampf während der Diktatur lange Zeit verboten war, wurde er übrigens mit Unterstützung der EU wieder eingeführt. Demokratie verlangt eben ihre Opfer. Aber es sind ja nur Tiere.
(ND 23.03.04)


Infektionsvorgänge an Haut-Modell untersucht

15. Mär 2004 11:41
Deutsche Forscher haben ein Modellsystem der Haut entwickelt. Damit können Angriffe von Krankheitserregern auf den Menschen simuliert werden.

Aus humanen Hautzellen haben Forscher ein «in-vitro»-Infektionsmodell entwickelt, mit dem die Virulenz von verschiedenen Stämmen des Pilzes Candida albicans, aber auch von anderen Krankheitserregern wie Bakterien, Viren oder Parasiten untersucht werden kann.

Forscher vom am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB haben das Modell auf der Messe «Medtec» in Stuttgart vorgestellt. Das Modell besteht aus so genannten Fibroblasten, Hautzellen, die in eine Biomatrix aus gewebetypischen Proteinen eingebettet werden. Darauf werden Hornhaut-bildende Keratinozyten «ausgesät». Nach einigen Wochen differenzieren sich diese Zellen zu einer mehrschichtigen Epidermis mit abschließender Hornschicht – wie beim Menschen. Das Modell sei Haut vergleichbar und eigne sich zur Erforschung von Erkrankungen, die durch Mikroorganismen wie Pilze, Bakterien oder Viren und Parasiten hervorgerufen werden, teilte das Fraunhofer Institut mit.

Einer der häufigsten unter Menschen verbreitete Erreger ist Candida albicans. Dieser Pilz ist gegen viele verwendete Medikamente bereits resistent. Das Haut-Modell könnte zur Erforschung neuer Wirkstoffe eingesetzt werden. Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe um Steffen Rupp am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB sucht dazu Proteine, die nur in der infektiösen Form von Candida albicans vorkommen. Um den Beitrag dieser Proteine zum Pilzangriff auf das menschliche Gewebe zu untersuchen, werden so genannte Deletionsmutanten erzeugt, denen ein Gen für eines der Proteine fehlt. Die entstehenden Stämme können im Tierversuch auf ihre Virulenz überprüft werden. Ein Nachteil der Methode ist jedoch, dass Mäuse in der Natur nicht von Candida befallen werden und unklar ist, inwieweit die Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden können. Die in-vitro-Modelle erlauben es dagegen, die Anheftung der Erreger an die Wirtszellen und die anschließende Invasion zu verfolgen. Die Modelle ergänzen so Tierversuche oder helfen, sie zu vermeiden. (nz)


Robbenschlachten in Kanada
350'000 Tiere dem Tod geweiht

Trotz internationalen Protesten von Tierschützern beginnt am Dienstag vor der Nordostküste Kanadas wieder die Robbenjagd.

(sda/dpa) Beim weltweit grössten Abschlachten von Meeressäugetieren sollen in den nächsten Wochen mindestens 350'000 Sattelrobben und Klappmützen zur Gewinnung von Fell und öl getötet werden.

Der Internationale Tierschutzfonds (IFAW), Greenpeace und weitere Umweltorganisationen sehen darin «sinnlose Massaker». Sie kritisieren, dass vor allem wenige Wochen alte und völlig wehrlose Jungtiere auf oft grausame Weise getötet und nicht selten bei lebendigem Leib gehäutet werden. Sie appellierten an Regierungen in Europa und Asien, den Import von Robbenfellen zu verbieten.

Seit 1995 wieder zugelassen
Kanadas Regierung hatte die kommerzielle Robbentötung 1987 untersagt, jedoch 1995 unter Auflagen wieder zugelassen. Für 2003 bis 2005 wurde eine Rekordschlachtquote von insgesamt etwas mehr einer Million Tiere erlaubt.

Das kanadische Fischereiministerium begründete dies damit, dass die Robben sich stark vermehrt und dabei die Kabeljaubestände dezimiert hätten. Dagegen machen die Tierschützer eine unkontrollierte Überfischung für den Zusammenbruch der Kabeljaubestände verantwortlich.


Delfinsterben geht weiter

München (ots) -

Einigung der EU Fischereiminister verabsäumt es, effiziente Maßnahmen zur Verringerung des Beifangs von Walen und Delfinen einzuleiten

Vergangene Nacht einigten sich die Fischereiminister der Europäischen Union in Brüssel auf einen Verordnungstext, der Maßnahmen zur Verringerung des Beifangs von Walen und Delfinen in europäischen Gewässern einleiten soll. Der ursprünglich von der EU Kommission im Sommer 2003 vorgeschlagene und vom EU Parlament unterstützte Entwurf wurde auf Druck zahlreicher Mitgliedsstaaten, darunter Finnland, Spanien, Italien und Frankreich, stark abgeschwächt. Die WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society, kritisiert die vorliegenden Bestimmungen, da diese keinen effizienten Schutz für die Meeressäuger gewährleisten.

In einem im Januar 2004 veröffentlichten wissenschaftlichen Bericht legte die WDCS dar, dass jährlich Tausende Kleinwale im Nordostatlantik als Beifang in Fischernetzen einen qualvollen Tod finden. Hunderte von ihnen stranden jedes Jahr an den britischen und französischen Küsten.

Die beschlossene Verordnung beinhaltet nicht die ursprünglich vorgeschlagene Beschränkung von Treibnetzen in der Ostsee auf 2,5 km Länge und verschiebt das Treibnetzfischereiverbot in dem Gebiet von 2007 auf 2008. Die Treibnetzfischerei ist in den restlichen europäischen Gewässern stark eingeschränkt. In der Ostsee werden die bis zu 21 km langen Netze jedoch weiterhin zum Fang von Lachs eingesetzt. "Die WDCS sieht genau darin eine verpasste Chance, die vom Aussterben bedrohte Schweinswalpopulation der Ostsee effizienter zu schützen" sagt Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS in Deutschland.

Akustische Scheuchvorrichtungen sollen ausschließlich auf Stellnetzfischerbooten mit einer Länge ab 12 Metern eingesetzt werden, in einigen Gebieten erst ab 2005 bzw. 2007. Zahlreiche Stellnetzfischer sind somit von den Bestimmungen ausgenommen. Die Stellnetzfischerei ist vor allem in der Nordsee für den Tod von Tausenden Kleinwalen jährlich verantwortlich. Der Einsatz von Beobachtern ist im Rahmen bestimmter Fischereien auf Schiffen ab einer Länge von 15 Metern vorgesehen. Die Beobachterprogramme umfassen 5% der Fangflotte bzw. 10% der Schleppnetzfischerboote. Auf Schiffen, die akustische Scheuchvorrichtungen einsetzen, sind keine Beobachter vorgesehen, wodurch eine Erhebung der Effizienz der Maßnahme nicht möglich und etwaige negative Auswirkungen durch die dadurch verursachte Lärmbelästigung kaum abschätzbar sind.

"Die EU Mitgliedstaaten sind seit Jahren durch die Habitatsrichtlinie verpflichtet, Beifangzahlen von Walen und Delfinen zu reduzieren und wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Mit dem heutigen Beschluss kann dieses Ziel nicht erreicht werden, zu viele Tiere werden weiterhin einen sinnlosen Tod in Fischernetzen sterben", äußert sich Ali Ross, Fischereiexpertin der WDCS, enttäuscht über den Entscheid.

In den vergangenen Wochen war das Greenpeaceschiff "Esperanza" mit Wissenschaftern der WDCS an Bord auf einer Kontrollfahrt im Nordostatlantik, um Aktivitäten von Schleppnetzfischern zu dokumentieren. Mehrere tote Delfine mit eindeutigen Verletzungen durch Fischernetze wurden in der Nähe von Schleppnetzfischern im Wasser treibend entdeckt und untersucht.

ots Originaltext: Whale and Dolphin Conservation Society

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Pressekontakt:
Nicolas Entrup, WDCS Deutschland
Tel. 089 61002395 oder Mobil 0171 1423117
E-Mail: niki.entrup@wdcs.org


Zustimmung zu Künast-Plänen

Jagd- und Waldgesetz sollen ökologischer werden
19. März 2004

Die Bundesregierung will Grundbesitzer und Jäger stärker zur nachhaltigen Pflege des Waldes in die Pflicht nehmen. Hierzu sollen das Bundeswaldgesetz und das Bundesjagdgesetz überarbeitet werden, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) am Freitag in Berlin. Natur- und Artenschützer begrüßten die Ankündigung und forderten eine zügige Umsetzung. An vielen Punkten ließen die Planungen jedoch noch zu wünschen übrig. Das Jagdrecht müsse vom Ballast des Reichsjagdgesetzes von 1934 befreit werden und der Wildbiologie, dem naturnahen Waldbau und dem Tierschutz Rechnung tragen, forderte der Präsident des Naturschutzbundes NABU, Olaf Tschimpke. Im Waldgesetz, das in seiner geltenden Fassung nahezu "ökologiefrei" sei, müssten die anerkannten Grundsätze einer naturnahen Waldwirtschaft verankert werden. Diesem Anspruch würden die von Renate Künast vorgestellten Eckpunkte laut NABU jedoch nur teilweise gerecht. "Insbesondere die Eckpunkte zum Waldgesetz fallen sehr dürftig aus und bleiben weit hinter den Ergebnissen des von der Bundesregierung initiierten nationalen Waldprogramms zurück", so Tschimpke. Wesentliche Bestandteile eines naturnahen Waldes, wie der Schutz von Totholz und besonderen Lebensräumen, würden gar nicht oder weitgehend unverbindlich geregelt. Als positiv hingegen wertete der NABU den angestrebten Verzicht auf Kahlschläge, Pflanzenschutzmittel und Gentechnik im Wald. Nach den Reformplänen sollen Kahlschläge grundsätzlich verboten werden, ebenso sollen Pflanzenschutzmittel oder gentechnisch veränderte Pflanzen im Wald tabu sein. Um das Ziel eines naturnahen Mischwaldes zu erreichen, sollen die Mängel strukturarmer Wälder allmählich abgebaut werden. Durch die Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse soll zudem die Holzvermarktung verbessert werden.

Jäger und Grundbesitzer sollen künftig die Pflicht haben, Wildlebensräume zu pflegen und zu verbessern, so Künasts Planungen. Um das Problem des erhöhten Wildbestandes zu lösen, sollen die Schalenwildbestände auf ein "verträgliches Maß" zurückgeführt werden. Auch solle die Fütterung von Wild grundsätzlich verboten werden. Diese finde nur statt, um "schöne Trophäen vor der Flinte zu haben", sagte die Ministerin. Verboten werden sollen auch bestimmte Jagdtechniken wie die Verwendung von Bleischrot bei Wasserjagd oder die Jagd mit Fallen. Das Abschießen von Hunden und Katzen während der Jagd soll ebenso verboten werden wie die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren. Eine Ausnahme sei der Fang von Frischlingen, wenn die Schweinepest bekämpft werden müsse.

Der NABU kritisierte, die Eckpunkte zum Bundesjagdgesetz ließen die notwendige Entschiedenheit vermissen. "Es ist völlig unverständlich, warum die meisten Wasservogelarten, darunter gefährdete Enten, Gänse und Taucher, weiterhin zur Liste der jagdbaren Arten gehören sollen", sagte NABU-Präsident Tschimpke. Die Regelung zur Jagd in Schutzgebieten geht Natur- und Artenschützern nicht weit genug. So stieß die Ankündigung der Ministerin, die Jagd in Naturschutzgebieten künftig zu verbieten, sofern der Schutzzweck dadurch nicht gefährdet ist, auch auf eher kritische Zustimmung. "Da müssen klarere Formulierungen her", fordert Alexander Heyd, Sprecher des Komitees gegen den Vogelmord. Jagd habe in Naturschutzgebieten grundsätzlich nichts zu suchen. Auch der NABU verlangte, in Nationalparken und Kernzonen von Großschutzgebieten die Jagd entsprechend internationaler Kriterien gänzlich zu verbieten. Ebenso müsse der Einsatz von giftiger bleihaltiger Munition generell verboten werden, nicht nur in Form des Bleischrots bei der Wasserjagd.

Die nun vorgelegten Eckpunkte sollen innerhalb eines Jahres Gesetz werden. Unterdessen wird in Deutschlands Revieren weiter geschossen. Allein im Jagdjahr 2002/03 wurden nach Angaben des Komitees gegen den Vogelmord insgesamt 5.346.986 Wildtiere von Jägern getötet, darunter mehr als 1,5 Millionen Zugvögel. Text unter Verwendung von Material von: ddp


Bundesjagdgesetz novellieren

Im Jahr 2003 wurden fünf Millionen Wildtiere getötet
27. Jan. 2004

Anlässlich der am Dienstag beginnenden Ausstellung "Jagd und Hund 2004" in Dortmund bekräftigt der Deutsche Tierschutzbund seine Forderung nach einer grundlegenden überarbeitung des Bundesjagdgesetzes. "Wir erwarten von der rot-grünen Bundesregierung, dass sie ihr im Koalitionsvertrag festgeschriebenes Versprechen hält und das Jagdrecht novelliert", erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Eine solche Reform ist längst überfällig. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als fünf Millionen Wildtiere durch Jäger getötet."

Nehme man den Begriff der Jagdstrecke wörtlich, so bildeten diese getöteten Tiere aneinandergelegt eine Strecke von über 4000 Kilometer Länge. Daher appelliert der Tierschutzbund an die Bundesregierung, sich dieses drängenden Themas verstärkt anzunehmen und das Staatsziel Tierschutz zu verwirklichen. "Eine Novellierung des Jagdrechtes unter Berücksichtigung einer naturnahen Waldbewirtschaftung und unter Tierschutzaspekten hat die rot-grüne Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vom 15.10.2002 versprochen. Wenn dieses Versprechen eingehalten wird, wächst die Chance, dass zukünftig auch der Tierschutz im Bereich der Jagd angemessen berücksichtigt wird", erklärt Wolfgang Apel. Eine Reform des Jagdgesetzes, so Apel, ist überfällig und die änderungsliste aus Sicht des Tier- und Naturschutzes lang. Es geht dabei nicht darum, in einigen Punkten kleine Verbesserungen und Zugeständnisse zu erreichen. Vielmehr muss das Jagdrecht vom Kopf auf den Fuß gestellt werden.

"Es kann nicht sein, dass traditionell festgefahrene Nutzerinteressen im Jagdrecht beharrlich über den Belangen des Tierschutzes stehen und dies noch mit dem Begriff "Weidgerechtigkeit" verharmlosend umschrieben wird", so Apel und fährt fort: "Es muss Schluss sein mit der Einteilung in gute und schlechte Tierarten. Fast 100 Tierarten sind bundesweit zum Abschuss freigegeben, darunter auch geschützte Tierarten. Die einzelnen Bundesländer dürfen sogar zusätzliche Todeskandidaten auf ihre Liste setzen. Es muss Schluss sein, Tiere zu töten, wenn dafür kein vernünftiger Grund vorliegt, wie bspw. die Jagd auf Haustiere oder bedrohte Tierarten. Daneben müssen auch die Jagdzeiten und Jagdmethoden dringend auf den Prüfstand. Der Einsatz tierquälerischer Totschlagfallen oder die Verwendung von Bleischrot bei der Vogeljagd, um nur einige weitere Beispiele zu nennen, müssen endlich der Vergangenheit angehören."

Breite Rückendeckung erhält der Deutsche Tierschutzbund auch vom größten deutschen Dachverband der Umwelt- und Naturschutzverbände, dem Deutschen Naturschutzring (DNR) mit über 5,2 Millionen Mitgliedern. Das unter Mitwirkung des Deutschen Tierschutzbundes vom DNR ausgearbeitete Eckpunktpapier zur Reformierung des Bundesjagdgesetzes liegt der Bundesregierung vor.


Pressemeldung des Ökologischen Jagdverbands (ÖJV)

vom 20.03.2004

ÖJV fordert umgehende Novellierung des Bundesjagdgesetzes

Der Ökologische Jagdverband (ÖJV) begrüßt ausdrücklich die Initiative von Verbraucherschutzministerin Renate Künast zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes. "Eine umfassende Reform dieses Gesetzes ist längst überfällig und Grundlage für eine Neuausrichtung des Jagdwesens in Deutschland, wie sie der öJV seit langem fordert" sagte ÖJV-Bundesvorsitzende Elisabeth Emmert. Die enge Orientierung an Vorgaben des Natur- und Artenschutzes, einer naturnahen Waldentwicklung und Waldbewirtschaftung sowie berechtigten Ansprüchen des Tierschutzes und des Grundeigentums werden zu einer besseren Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft beitragen. Auch von Ministerin Künast wurde betont, dass die Basis des derzeit gültigen, seit Inkrafttreten nur marginal geänderten, Bundesjagdgesetzes das Reichsjagdgesetz von 1934 sei. Nun soll die Neuformulierung von Ziel und Zweck des Gesetzes sowie der Begriffe "Hege" und "Waidgerechtigkeit" die zeitgemäße Ausrichtung an ökologischen und gesellschaftlichen Anforderungen widerspiegeln.

Ebenso wird ein Verbot der Fallenjagd und Fütterung, die Kürzung der Liste der jagdbaren Tierarten und eine an Zielen des Naturschutzes orientierte Jagdausübung in Schutzgebieten vom öJV unterstützt.

Der ÖJV steht auch hinter dem grundsätzliche Bekenntnis der Ministerin zur Beibehaltung der Bundeskompetenz im Jagdrecht und das Festschreiben hoher bundesweiter Standards für eine nachhaltige Jagdausübung.

Jetzt gilt es, die vorgestellten Eckpunkte mit Leben zu füllen und die Formulierung eines konkreten Gesetzesentwurfs an den Erfordernissen einer praktikablen Jagdausübung auszurichten. Der ÖJV dringt auf eine zügige Umsetzung der von Bundesministerin Künast vorgestellten Reform des Bundesjagd und -waldgesetzes, deren Synchronisierung aufgrund des brisanten Wald-Wild-Konfliktes zwingend erforderlich ist.

Ökologischer Jagdverband Deutschland
1. Vorsitzende
Elisabeth Emmert
Alte Poststraße 20
57537 Wissen
Tel.: 02742 - 910626
Fax: 02742 - 910628
Geschäftsstelle
Erlanger Str. 19
91341 Röttenbach
Tel.: 09195 - 923224
Fax: 09195 - 923225
Mail: bayern@oejv.de


ES GIBT ZWAR KEINE KAMPFHUNDE - VERBOTEN WERDEN SIE TROTZDEM

Maulkorb für fiese Viecher
Es gibt also doch Kampfhunde. Das Bundesverfassungsgericht hat gestern befunden, Hunde bestimmter Bullterrierrassen seien für "Leib und Leben" von Menschen gefährlich, gefährlicher als etwa Schäferhunde oder Dobermänner. Tierschützer und Hundelobbyisten bestreiten das vehement. Ein Hund sei, argumentieren sie, stets so gefährlich wie sein Halter. Für die genetisch bedingte Aggressivität bestimmter Rassen gebe es keine Beweise. Und dass Zuhälter nun mal gerne Pitbulls kraulen, dafür könnten die Hunde nichts.

Recht haben sie. Es gibt keine verlässlichen, kontinuierlich geführten Beißstatistiken. Und dass, wie eine Gutachterin vor dem Gericht ausführte, das Verhalten eines Tieres immer im Zusammenspiel von Erbanlagen und Erziehung entstehe, ist nicht mehr als eine Binsenweisheit. Das Verfassungsgericht formulierte dementsprechend vage, die vorhandenen Daten seien immerhin "nicht unergiebig" und die "darauf gestützten Erwägungen des Gesetzgebers nicht offensichtlich fehlerhaft". Mit anderen Worten: Es weiß zwar niemand genau, ob Kampfhunde wirklich besonders gefährlich sind, aber wenn alle Angst vor ihnen haben, wird ja wohl was dran sein. Das Verbot bestimmter Hunderassen entspringt nicht der Ratio, sondern einem Gefühl. In der Urteilsbegründung des Verfassungsgerichts klingt noch leise die Hysterie nach, aufgrund derer das Gesetz verabschiedet worden war. Zwar ist der Wunsch verständlich, dass martialisch-bedrohliche Viecher aus der öffentlichkeit verschwinden mögen, egal wie. Doch wird das latente Bedrohungsgefühl durch Riesenköter nicht beseitigt, nur weil im Park künftig Vertreter bestimmter Rassen fehlen.

Hierfür gibt es eine ganz einfache Lösung: Ist ein Hund größer als eine Katze, muss er einen Maulkorb tragen. Besieht man die Effizienz, mit der Ordnungshüter falsch parkende Autofahrer ermitteln, sollte auch diese Pflicht durchsetzbar sein. Und Schnauzer, Dobermann und Co würden sich an einen Maulkorb sicher schneller gewöhnen als ihre Besitzer. HEIKE HOLDINGHAUSEN


Familienhund mit Maulkorb?

betr.: "Maulkorb für fiese Viecher", taz vom 17. 3. 04
Sehr zu Recht verweist Heike Holdinghausen auf den Mangel an Ratio, der bei der Verabschiedung der Gesetze gegen so genannte Kampfhunde zu beklagen war. Eine gesetzliche Regelung mit einem vagen Gefühl (und nicht etwa mit belegbaren Fakten) zu begründen, schafft in der Tat einen bedenklichen Präzedenzfall. Denn wer weiß in unserer sensationshungrigen Zeit schon, wer oder was morgen möglicherweise zum Objekt eines latenten, nicht näher begründeten gemeinschaftlichen Bedrohungsgefühls wird? Hier jedes Mal mit einem gesetzgeberischen Schnellschuss zu reagieren, dies wäre ein besorgniserregendes Symptom für eine zunehmende Anfälligkeit der Politik gegenüber populistischer Stimmungsmache. Dieselbe Ratio, die von der Autorin eingefordert wird, möchte man ihr jedoch auch selber wünschen: Denn die überwältigende Mehrzahl der rund fünf Millionen Hunde in Deutschland ist noch nie auffällig geworden und erfüllt dabei für ihre Besitzer und die sie umgebenden Menschen wichtige soziale Funktionen. Einen rationalen Grund, für den friedlichen Familienhund von nebenan einen Maulkorb zu fordern, gibt es also beim besten Willen nicht.
JAN SCOTLAND, Bremen


Israelitischer Gemeindebund empört über Tierschutzkampagne

Umstrittene Aktion am Paradeplatz
Mit ihrer Kampagne der provokativen Gleichsetzung von Tieren mit Holocaust-Opfern hat die umstrittene internationale Tierrechtsorganisation «Peta» am Freitag in Zürich Station gemacht. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) ist empört. (sda) Acht grossformatige Fototafeln stehen auf dem Zürcher Paradeplatz. Jeweils links in schwarz-weiss eine Szene aus einem Nazi-Vernichtungslager und rechts in Farbe ein Bild aus einem Schlachthaus, einer Tierfabrik oder dergleichen. Der Titel darüber soll für beides gelten. So etwa wird «Endgültige Demütigung» illustriert mit einem Bild achtlos aufeinander geschichteter, zum Skelett abgemagerter Menschenleichen; daneben ein Haufen toter Schweine. Und unter dem Titel «Kinder-Schlachter» sind links Kinder in Sträflingskleidung hinter einer Stacheldraht-Absperrung zu sehen, rechts drängeln sich Ferkel hinter einem Stallgitter.

Appell zum Vegetarismus
Die Botschaft von «Peta» (»People for Ethical Treatment of Animals») lautet: Den Tieren geht es genau gleich wie seinerzeit den Opfern des Hitler-Regimes. Die Wanderausstellung heisst entsprechend «Der Holocaust auf Ihrem Teller». Die Organisation appelliert an die Passanten, sich nur noch vegetarisch zu ernähren.

«Perverse Kampagne»
Die Kampagne stösst weitherum auf Ablehnung und Abscheu. «Ein ungeheuerlicher Vergleich», sagte Thomas Lyssy, Vizepräsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) auf Anfrage. Die «absolut perverse» Kampagne sei eine Beleidigung der sechs Millionen Holocaust-Opfer. Laut Lyssy prüft nun der SIG, ob eine Möglichkeit besteht, die Organisation im Rahmen des Antirassismus-Gesetzes strafrechtlich zu belangen. In Deutschland hat der Zentralrat der Juden eine Anzeige wegen Volksverhetzung angekündigt, ein Straftatbestand, den es in der Schweiz nicht gibt.

Auch innerhalb von Tierschutz-Kreisen verwahrt man sich gegen die Gleichsetzung: Die internationale Organisation «Vier Pfoten» disqualifiziert die Ausstellung in einem Communiqué als reine «Effekthascherei». Sie diene allein der Publicity der Organisation «Peta», aber sicher nicht dem Tierschutz.


Aktion «Holocaust auf Ihrem Teller» gestoppt

19. Mär 15:57

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat gegen die Tierschutz-Organisation Peta eine einstweilige Verfügung erwirkt. Bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld drohen der Organisation, wenn sie weiterhin auf Plakaten Bilder von KZ-Häftlingen und Bilder von Tieren in Käfighaltung nebeneinander zeigt.

Bereits am Donnerstag war der Tierschützer-Organisation jede Verbreitung der Bilder, sei es auf Plakaten, Handzetteln oder im Internet, gerichtlich untersagt worden. Die direkte Gegenüberstellung von Tieren mit Opfern des nationalsozialistischen Völkermordes sei menschenverachtend und verharmlose den Holocaust, sagte ein Sprecher des Zentralrates am Freitag.

Die Tierschützer planten eine Wanderausstellung mit acht Großplakaten, die das Töten von Tieren anprangern sollten. Darauf sollten in direktem Vergleich Bilder von Menschen im KZ und Bilder von Tieren wie Hühner, Schweine oder Rinder in Käfighaltung gezeigt werden.

Die ökumenische «Aktion Sühnezeichen» hatte bereits Anfang der Woche gegen die Kampagne protestiert und eine Postkarten- und Mailaktion gestartet. (nz)


NABU fordert zügige Novellen von Bundeswald- und Bundesjagdgesetz

Bonn/Berlin (ots) - Der Naturschutzbund NABU hat die Initiative von Verbraucherministerin Renate Künast zur Reform des Wald- und Jagdgesetzes begrüßt und gleichzeitig die zügige Umsetzung beider Vorhaben gefordert. "Der Jahrzehnte dauernde Reformstau im Jagdrecht und beim Bundeswaldgesetz müssen endlich aufgelöst werden. Eine nur ordnungsgemäße Waldwirtschaft und eine irgendwie waidgerechte Jagd werden den zeitgemäßen Anforderungen doch schon lange nicht mehr gerecht", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Das Jagdrecht müsse vom Ballast des Reichsjagdgesetzes von 1934 befreit werden und der Wildbiologie, dem naturnahen Waldbau und dem Tierschutz Rechnung tragen.

Im Waldgesetz, das in seiner geltenden Fassung nahezu "ökologiefrei" sei, müssten die anerkannten Grundsätze einer naturnahen Waldwirtschaft verankert werden. Diesem Anspruch würden die von Renate Künast vorgestellten Eckpunkte laut NABU jedoch nur teilweise gerecht. "Insbesondere die Eckpunkte zum Waldgesetz fallen sehr dürftig aus und bleiben weit hinter den Ergebnissen des von der Bundesregierung initiierten nationalen Waldprogramms zurück", so Tschimpke. Wesentliche Bestandteile eines naturnahen Waldes, wie der Schutz von Totholz und besonderen Lebensräumen, würden gar nicht oder weitgehend unverbindlich geregelt. Als positiv hingegen wertete der NABU den angestrebten Verzicht auf Kahlschläge, Pflanzenschutzmittel und Gentechnik im Wald.

Auch die Eckpunkte zum Bundesjagdgesetz ließen die notwendige Entschiedenheit vermissen. "Es ist völlig unverständlich, warum die meisten Wasservogelarten, darunter gefährdete Enten, Gänse und Taucher weiterhin zur Liste der jagdbaren Arten gehören sollen", sagte der NABU-Präsident. Die Regelung zur Jagd in Schutzgebieten sei praxisfern und bestätige nur den privilegierten Status der Jagd. "In Schutzgebieten muss weitgehende Jagdruhe herrschen", so Tschimpke. In Nationalparken und Kernzonen von Großschutzgebieten sei die Jagd entsprechend internationaler Kriterien gänzlich zu verbieten. Auch müsste der Einsatz von giftiger bleihaltiger Munition generell verboten werden, nicht nur in Form des Bleischrots bei der Wasserjagd. Begrüßt wurde vom NABU das Verbot der Fallenjagd, der Schutz von Greifvogelarten sowie das grundsätzliche Verbot der Fütterung von Wildtieren und des Medikamenteneinsatzes.

Im Internet zu finden unter www.NABU.de

ots Originaltext: NABU

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Für Rückfragen:
Christoph Heinrich,
NABU-Waldexperte,
Tel. 0228-4036-163

Gregor Beyer,
NABU-Jagdeperte,
0174-182 65 04


Wende in der Jagdpolitik: Künast will Jagd einschränken /
Naturschützer begrüßen geplante Reform des Bundesjagdgesetzes

Berlin (ots) - Die heutige Ankündigung von Verbraucherschutzministerin Renate Künast, das deutsche Jagdwesen grundlegend zu reformieren, ist von Natur- und Artenschützern in ganz Deutschland begrüßt worden. Wie das Bonner Komitee gegen den Vogelmord in einer Stellungnahme mitteilte, sei eine solche Wende in der Jagdpolitik seit Jahrzehnten überfällig gewesen. Insbesondere begrüße man die Pläne der Ministerin, gefährdete Tierarten wie Greifvögel, Hermelin und Mauswiesel von der Liste der jagdbaren Tierarten zu streichen. "Die Zeiten, in denen Jäger nach Gutsherrenart über das Leben und Sterben bedrohter Wildtiere entscheiden konnten, sind hoffentlich bald vorbei", so Komiteesprecher Alexander Heyd. Auch die vom Verbraucherschutzministerium (BMVEL) geforderten Verbote der Fallenjagd, des Abschusses von Haustieren und der Verwendung von Bleischrot an Gewässern werden vom Komitee unterstützt.

Entscheidend für den Naturschutz ist nach Ansicht des Komitees die Ankündigung der Ministerin, die Jagd künftig an den Zielen des Natur- und Tierschutzes auszurichten. Heyd: "Bisher ist es genau umgekehrt. Selbst mitten in Naturschutzgebieten und Nationalparks dürfen Rote-Liste-Arten und Zugvögel geschossen werden." So stieß die Ankündigung der Ministerin, die Jagd in Naturschutzgebieten künftig zu verbieten, sofern der Schutzzweck dadurch nicht gefährdet ist, auch auf eher kritische Zustimmung. "Da müssen klarere Formulierungen her", fordert Heyd, Jagd habe in Naturschutzgebieten grundsätzlich nichts zu suchen.

Damit die nach Meinung der Vogelschützer längst überfällige Reform endlich "in die Gänge kommt"(Heyd), fordert das Komitee vom BMVEL einen klaren zeitlichen Fahrplan für die Reform. Denn während man in Berlin noch an einem Referentenentwurf arbeitet, wird in Deutschlands Revieren weiter fleißig geschossen. Allein im Jagdjahr 2002/03 wurden nach Angaben des Komitees insgesamt 5.346 986 Wildtiere von Jägern zur Streck gebracht, darunter mehr als 1,5 Millionen Zugvögel.

ots Originaltext: Komitee gegen den Vogelmord e. V.

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Pressekontakt:
V.i.S.d.P.:
A.Hirschfeld, Komitee gegen den Vogelmord e.V.
Dransdorfer Berg 98
53121 Bonn

Weitere Informationen,
Bildmaterial: Tel.: 0228/665521 oder 0179/4803805


Herr und Kampfhund

Von Robert Leicht
In Deutschland kommt es nicht nur darauf an, dass jemand etwas Richtiges tut. Es muss auch der Richtige sein, der es tut: nicht nur Recht haben, sondern auch berechtigt sein. Keine Revolution ohne berechtigende Bahnsteigkarte! Nur der Bundesgesetzgeber, der es besser wissen müsste, handelt dem oft zuwider. Deshalb hat das Bundesverfassungsgericht ihm wieder eins auf die Finger gegeben.

Zwar – so die Karlsruher Richter – habe der Bundesgesetzgeber das Phänomen des Kampfhundes richtig eingeschätzt oder vielmehr, wie das Richter zurückhaltend ausdrücken: Seine Einschätzung war „vertretbar und nicht offensichtlich unrichtig.“ Freilich war damit nur das „Einfuhr- und Verbringungsverbot des § 2 Abs. 1 Satz 1 HundVerbrEinfG“ gedeckt. Hingegen: „Das Verbot des Züchtens von Hunden zur Vermeidung von Nachkommen mit erblich bedingten Aggressionssteigerungen“ – das ging zu weit. Dieses Verbot diene nämlich nicht dem Tierschutz (Bundesangelegenheit), sondern dem Schutz der Menschen (Ländersache, da öffentliche Sicherheit und Ordnung). Doch hier hätten die Richter sorgfältiger differenzieren müssen: Greift der Kampfhund einen Nicht-Kampfhund an – dann ist der Tierschutz gefragt, also Bundessache; vergeht er sich indessen am Herrchen (Mensch!), muss sofort das Land eingreifen; nimmt es der Kampfhund allerdings mit beiden zugleich auf, sind Bund und Land gefragt.
(c) DIE ZEIT 18.03.2004 Nr.13


Gnadenlos ethisch

Maritta Tkalec
Die Tierschutzorganisation Peta stellt ab heute acht verschiedene Plakate aus, die das Leid von Tieren mit den Leiden von KZ-Opfern gleichsetzen und insgesamt unter der überschrift stehen "Der Holocaust auf dem Teller". Zu sehen ist da beispielsweise ein Haufen zum Schlachten getöteter Schweine und ein Berg menschlicher Leichen in einem deutschen Vernichtungslager. Wer ein Schnitzel isst, so die Botschaft, steht mit den KZ-Mördern moralisch auf einer Stufe.

Diese Bildanalogie ist nun derart absurd und auch inhuman, dass sie nicht mehr belächelt werden kann wie die anderen, nur wunderlichen Kampagnen der Tierschutz-Extremisten in den vergangenen Jahren. Eine davon richtete sich gegen Angler, also Menschen, die stundenlang meist schweigend, reglos und entschieden gewaltfrei auf Gewässer schauen in der oft trügerischen Hoffnung, einen Fisch zu fangen. Die meisten Mörder seien früher Angler gewesen, lautete eines der merkwürdigen Argumente, und wer Kindern das Angeln erlaube, züchte künftige Mörder heran. Das war zwar schon extremer Unfug, aber immerhin noch Gegenstand von Spott.

Jetzt aber erreicht der Moral-Terror das Gruselstadium, und es drängen sich Vergleiche mit anderen idealistisch befeuerten Bewegungen auf. Die in den USA gegründete Bewegung Peta - People for the Ethical Treatment of Animals - vereinigt moralisch hoch stehende, sensible Leute, die sich für die besseren Menschen halten, weil sie sich für einen ethischen Umgang mit Tieren einsetzen. Entschlossen, ihre historische Mission zu erfüllen, heiligt ihnen offenbar der Zweck die Mittel - anders kann man die Instrumentalisierung des Holocausts für den Gedanken des Tierschutzes nicht interpretieren.

Mit solchen Idealisten hat die Welt schon diverse Erfahrungen gemacht: Wenn ihnen weder die Argumente noch die Geduld ausreichen, um die verrottete Menschheit auf den einen Pfad der Tugend zu führen, werden sie energischer. Abtreibungsgegner in den USA ermorden ärzte im Namen des Lebens; Sekten treiben ihre Mitglieder zwecks Erleuchtung in den Selbstmord. Politische Bewegungen zur Durchsetzung reiner Lehren endeten immer verheerend - es sei nur daran erinnert wie Pol Pot sein Ideal von sozialer Gleichheit durch Ausmerzung ungleicher Elemente energisch umsetzte. Adolf Hitler, um den Ideenlieferanten der Peta-Holocaust-Kampagne in die Beispielreihe aufzunehmen, betrieb den Menschenschutz nur höchst selektiv, war aber ein Liebhaber der vegetarischen Küche, vor allem des Apfelkuchens, sowie ein ausgemachter Tier- und Naturschutzfreund. Da er Menschenversuche befürwortete, konnte er auf die Misshandlung von Laborratten leicht verzichten. Das sind grobe Vergleiche, in der Tat. Doch das müssen die Peta-Aktivisten aushalten, sie haben die Waffen gewählt.

Bedauerlich ist die Entgleisung der Tierschützer vor allem, weil sie dem Tierschutz schadet. Fast jeder Mensch ringt irgendwann im Leben mit den Konsequenzen, die sich aus der Tatsache ergeben, dass er am oberen Ende der Nahrungskette steht. Mancher hält es dann wie der Löwe, der über seine Lust am Fleisch nicht nachdenkt und seine Zähne in das blutige, zuckende Kitz schlägt. Andere kommen tatsächlich zu dem Schluss, nur mit sich selbst im Reinen leben zu können, wenn sie sogar auf Milch und Honig verzichten. Die Mehrheit isst zwischen den Extremen - oder nimmt zu sich, was die Armut gerade erlaubt.

Doch die Frage noch dem Verhältnis zur Mitkreatur ist existenziell, sich mit ihr ernsthaft, eindringlich zu beschäftigen mittels Information, im Gespräch, im Nachdenken ist gerade für naturentfremdete, dem massenhaften Konsum hingegebene Industriegesellschaften eine fortdauernde zivilisatorische Notwendigkeit. Der gedankenlose Extremismus von Peta stößt ab, blockiert die Bemühungen zu praktischen Verbesserungen zu kommen, die Hühnerhaltung weniger quälerisch zu gestalten, Tiertransporte zu reduzieren, Tierversuche einzuschränken. In Demokratien werden praktische Lösungen gesucht, notwendigerweise haftet ihnen das Unschöne des Kompromisses an. Keinesfalls aber wird die - vegane - Endlösung für das Tierhaltungsproblem angestrebt.

Über schlechten Geschmack lässt sich streiten, über die Banalisierung des Holocausts nicht. Wenn es um Tiere geht, so schreibt Peta auf einem Plakat, wird jeder zum Nazi. Die behandelten Menschen wie Tiere. Wenn Peta beide gleichsetzt, fällt der Vorwurf auf seine Urheber zurück.


Kaum Applaus für die Tierhaltung im Zirkus

Beanstandungen des Schweizer Tierschutzes
crz. Dass der Schweizer Tierschutz (STS) alles andere als in Begeisterungsstürme ausbricht, wenn die Tierhaltung in den Winterquartieren von Zirkussen zur Sprache kommt, ist spätestens seit dem vergangenen Sonntag klar. Denn schon in der Sonntagspresse hatte man eine Kostprobe davon lesen können, was der STS am Mittwoch - just zum Auftakt der Zirkussaison - in Zürich den Medien offiziell präsentiert hat. Nach Ansicht des STS werden in den Winterquartieren verschiedener Zirkusse die Tiere nicht artgerecht gehalten, und teilweise herrschen nach dem Urteil des STS «unhaltbare Zustände». Zwar werden die Anforderungen des Tierschutzgesetzes in der Regel eingehalten, doch diese Minimalanforderungen erachtet der STS als unzureichend. Tierschutz-Präsident Heinz Lienhard verwies am Mittwoch auf die STS-Initiative «Tierschutz - Ja», welche die Haltung von Wildtieren nur noch dann erlauben will, wenn das künstliche Umfeld dem natürlichen Lebensraum weitgehend entspricht. Und weil Lienhard nicht am Erfolg dieser Forderungen zweifelt, forderte er die Zirkusse auf, schon jetzt die Wildtierhaltung zu überdenken. Grundlage für die Beanstandungen des STS ist eine Recherche des Schweizer Tierschutzes bei fünf verschiedenen Zirkussen, namentlich Knie, Medrano, Monti, Nock und Wulli Reimanns Raubtierschau, durch die STS-Tierärztin Cynthia Lerch. Die Tierärztin kritisierte vor den Medien, dass beispielsweise die Elefanten von Knie viele Stunden an den Füssen angekettet im Stall verbringen müssten. Selbst mit einem Elefantenkind werde so verfahren, sagte sie. - Bei den Pferden ist die Lage nach Ansicht von Lerch nicht viel besser. Die Zirkusse würden lieber mit Hengsten arbeiten als mit Wallachen, Hengste aber könne man nicht in Gruppen halten. Deshalb müssten ausgerechnet die bewegungsfreudigen Hengste viele Stunden am Tag in Einzelboxen hinter Gittern verbringen.

Ein trostloses Bild malte Lerch auch von der Grosskatzenhaltung. Die Löwen und Tiger des Dompteurs Wulli Reimann würden den Winter auf den wenigen Quadratmetern Fläche eines Zirkuswagens verbringen, und nur für wenige Stunden pro Tag werde im Aussenkäfig trainiert. Neben all dieser Kritik schlug Lerch zum Schluss ihrer Ausführungen aber doch noch ein paar versöhnliche Töne an. Und zwar ist es der Zirkus Monti, der dank seinem Verzicht auf Wildtiere und dank der Freilandhaltung seiner Schafe, Ziegen, Enten, Esel und Pferde ein Lob des Tierschutzes für sich verbuchen darf. Die Medienkonferenz des STS hatte freilich auch das Interesse der Zirkuswelt geweckt, welche mit einigen Vertretern vor den versammelten Medien anwesend war. Ueli Eggenberger, Tierarzt des Zirkus Knie, wies die Vorwürfe zum Teil zurück und sprach die zahlreichen Trainingsstunden und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Pferde an. Und Filip Vinzenz von der Zirkuszeitung «Manege» bezeichnete die Forderung nach artgerechter Haltung von Wildtieren als Illusion.


BMU Pressedienst Nr. 66/04
Berlin, 17. Maerz 2004

Naturschutz/Woelfe
Rueckkehr der Woelfe nach Sachsen ? Erfolg fuer den Artenschutz und Chance fuer die Region
Trittin staerkt saechsischen Naturschutzbehoerden den Ruecken

Seit rund vier Jahren leben wieder Woelfe dauerhaft in Deutschland. Aus Polen zugewandert, hat sich mittlerweile eine kleine Population dieser Wildtiere in Sachsen angesiedelt. Schwerpunkt des Vorkommens ist der 17.000 Hektar grosse Truppenuebungsplatz Oberlausitz. "Die Rueckkehr der Woelfe ist eines der spektakulaersten Ereignisse des Artenschutzes in Deutschland in den letzten Jahren", sagte Bundesumweltminister Juergen Trittin. Die Rueckkehr der Woelfe stellt allerdings die zustaendigen saechsischen Naturschutzbehoerden vor neue und unerwartete Herausforderungen. Denn Woelfe sind Raubtiere, die sich vorzugsweise von Rehen oder Hirschen ernaehren und auch Schaeden an Haustieren verursachen koennen, vor allem an Schafen.

Der Bundesumweltminister begruesst die Bemuehungen des Landes, dem Wolf die Wiederbesiedlung Sachsens zu ermoeglichen. "Das umsichtige und breit angelegte Vorgehen der saechsischen Naturschutzbehoerden findet unsere ausdrueckliche Anerkennung", betonte Trittin. Seit rund anderthalb Jahren wird in Sachsen ein sogenanntes "Wolfsmanagement" praktiziert. Die bislang zwei Wolfsrudel werden intensiv beobachtet, die ortsansaessige Bevoelkerung, Jaeger, Landwirte und Schaefer werden eingehend informiert, Schaeden vermieden durch wolfssichere Elektrozaeune oder durch Herdenschutzhunde. "Woelfe in unmittelbarer Nachbarschaft wecken bei vielen Mitbuergern zunaechst auch Aengste und Sorgen. Deshalb freue ich mich besonders ueber Bemuehungen auf kommunaler Ebene vor Ort, den Wolf als Werbepartner fuer einen sanften Naturtourismus zu nutzen und so zur Entwicklung der Region beizutragen", sagte Trittin.

Forderungen nach Abschuss von Woelfen, wie juengst von einzelnen Jaegern im Rahmen einer Stimmungskampagne erhoben, erteilt der Minister eine klare Absage. "Wer das fordert, der spielt in unverantwortlicher Weise mit dem Rotkaeppchensyndrom, der Angst vor dem boesen Wolf aus dem Kindermaerchen", sagte Trittin. Diese Forderungen konterkarierten den ausdruecklichen Anspruch der Jaegerschaft, als Partner im Naturschutz anerkannt zu werden. "Der Wolf geniesst als streng geschuetzte Tierart einen besonders hohen Schutzstatus nach nationalem und nach europaeischem Recht. Und er ist eine Chance fuer die Entwicklung der Region", so der Bundesumweltminister.


Tierschützer auf den Barrikaden
Pelzmesse in Frankfurt

Von Martin Labadz
Sie zählt in Frankfurt zu den klassischen Gastveranstaltungen, die praktisch seit Kriegsende auf dem Messe-Gelände ihre Heimat haben: die internationale Pelzmesse. Seit 1990 firmiert sie unter dem Namen "Fur & Fashion Frankfurt". Zwar sind die goldenen Zeiten der 80er Jahre für die Branche vorbei - nicht zuletzt dank militanter Proteste von Tierschützern. Doch langsam scheint die Dame von Welt wieder Gefallen zu finden am Fell - beeinflusst durch namhafte Modehäuser wie Dior, Gucci oder auch Chanel. Weltweit stieg der Einzelhandelsumsatz im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar - sehr zur Sorge von Tierschützern. Die größte und älteste Pelzmesse weltweit, die "Fur & Fashion" lockte das vergangene Wochenende zahlreiche Fachbesucher nach Frankfurt am Main. Susanne Kolb-Wachtel, Geschäftsführerin des Deutschen Pelz Instituts, dem Sprachrohr der deutschen Pelzbranche, über die Bedeutung der Fur & Fashion: Es ist ein Marktplatz der Kommunikation und der einzige richtig große Marktplatz der Kommunikation in Deutschland. Mehr als 130 Aussteller aus dem In- und Ausland zeigten hier ihre neuesten Echtpelz-Angebote. Der Markt sei riesig, so das Deutsche Pelz Institut, und liege dieses Jahr gegenüber der normalen Textilbranche sogar im Aufwärtstrend. Nerz, Fuchs oder Zobel - die Nachfrage steige. Die Aussichten könnten folglich nicht besser sein, wären da nicht die Tierschützer: "Pelz ist Schönheit, die dem Tier gehört". "Lieber nackt als im Pelz" - die international anerkannte Pelzmesse dient auch als idealer Zeitpunkt, das Thema Tierschutz und die damit verbundenen Rechte wieder publik zu machen. Mehr als 200 aus Deutschland und anderen EU-Ländern stammende Tierschützer nutzten diese Möglichkeit.. Gemeinsamer Tenor der Demonstranten in der Frankfurter Innenstadt: Die Menschen wachrütteln und auf die ihrer Meinung nach nicht artgerechte Haltung der Tiere aufmerksam machen. Heiko Weber, Organisator der Veranstaltung: Diese Pelztierfarmen sind reine Massentierhaltungsanlagen. Die Farmen haben bis zu 35.000 Tiere pro Farm und das Schlimme ist auch noch, dass diese Farmen sich zum Großteil gar nicht an die geltenden Gesetze halten in Deutschland. Susanne Kolb-Wachtel beurteilt die Situation jedoch völlig anders. Das Deutsche Pelzinstitut sehe im Deutschen Tierschutzgesetzt die Grundlage für die Züchtung und Haltung der Pelztiere. Zudem richte sich die Pelzindustrie nach einem vom Bundeslandwirtschaftsministerium im Jahr 1986 herausgegebenen Gutachten zur Pelztierzüchtung. Kolb-Wachtel geht sogar noch weiter: Wir haben seit Jahren einen Verhaltenskodex, an den sich alle Farmer gehalten haben. Die Farmer hier in Deutschland gehen weit über das hinaus, was sie in diesem Gutachten machen müssen. 85 Prozent der Tierfelle stammen von Farmen. Hauptzuchttier ist hier der amerikanische Nerz. In freier Wildbahn durchstreifen die als Einzelgänger lebenden Tiere ein Gebiet von bis zu 25 Quadratkilometern. Nerze bewohnen die Uferzonen, sind gute Schwimmer, jagen hauptsächlich im Wasser und kühlen sich darin ab. In der Zucht jedoch werden diese Tiere in 90 mal 30 Zentimeter großen Drahtkäfigen gehalten. Auslauf haben sie keinen. Auf Pelztierfarmen hängen diese Käfige in langen Reihen neben einander. Eine Nerzfarm in Aachen ist besonders in das Interesse der Tierschützer geraten. Die Käfige erfüllten nicht die neuen Landesauflagen, sie seien zu klein und zahlreiche Gebäude der Farm besäßen keine Baugenehmigung. Susanne Kolb-Wachtel kann diese Mängel jedoch nicht nachvollziehen: Sie erfüllt alle Auflagen, sonst wäre sie nämlich zu. Ist übrigens eine der schönsten Nerzfarmen. Die ist riesig von der Fläche her. Hat sehr breite Abstände zwischen den Gehegen. Es sind relativ große Gehege und er erfüllt alle Auflagen. Lediglich gegen die neuen Vorgaben der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen habe der Betreiber Widerspruch eingelegt. Für Heiko Weber ist es jedoch offensichtlich. Hier werden die mehr als 30.000 Nerze nicht artgerecht gehalten. Geschlossen wurde die Farm nur nicht, weil die Gesetzesvertreter bei derartigen Angelegenheiten zu lasch vorgingen. Die Farm in Aachen hält sich nicht an diese Bestimmungen. Das wissen wir ganz genau, dass ein Großteil der Käfige auf der Farm in Aachen nicht diesen Mindestanforderungen entsprechen. Die Tierschützer sehen gerade an der Nerzfarm in Aachen, dass eine artgerechte Haltung von Pelztieren ihrer Meinung nach gar nicht durchführbar sei. Sie berufen sich auf das Tierschutzgesetz, nach dem Tiere nicht ohne nötigen Grund getötet werden dürfen. Ihre Forderung: Die weltweite Abschaffung der Echtpelzproduktion. Wir sind halt fest davon überzeugt, dass es nicht nötig ist, dass wir Echtpelzprodukte tragen. Also ist eigentlich schon die Haltung von Pelztieren ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

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Walfang
"Grausamkeit ohne Ende"

09. März 2004
Die Umweltorganisation Whalewatch hat einen Report veröffentlicht, der erneut Werbung für einen globalen Walschutz machen soll. Einen humanen Tod der Wale gibt es nach Ansicht von 140 Umwelt- und Naturschutzorganisationen nicht: Die Methoden, mit denen die Meeressäuger getötet werden, sind inhuman und grausam, attestiert die Umweltorganisation Whalewatch. Die Naturschützer fordern erneut einen Stopp der drei verbliebenen Walfangnationen Japan, Norwegen und Island. "Es gibt überhaupt keine humane Art einen Wal auf hoher See zu töten", erklärt der preisgekrönte Naturfilmer David Attenborough im Vorwort des Whalewatch Reports.

Derzeit sind Vertreter aus 55 Ländern der Koalition beigetreten. Whalewatch tritt als Lobby bei der International Whaling Commission auf, um sich vor allem gegen den kommerziellen und wissenschaftlichen Walfang stark zu machen. Zu den neuesten Argumenten zählt nun auch die Brutalität und Grausamkeit, mit der beim Walfang vorgegangen wird.

Pro Jahr werden etwa 1.400 Wale getötet, trotz eines Moratoriums, das den kommerziellen Walfang verbietet. Norwegen hat dieses Moratorium übrigens nie unterzeichnet, Japan und Island umgehen es, indem sie behaupten, dass Wale ausschließlich zu wissenschaftlichen Untersuchungszwecken erlegt werden.

In den meisten Fällen werden dazu Harpunen verwendet, die im lebenden Wal explodieren. Ausnahmen bilden einige kleine traditionelle Gemeinschaften in arktischen Regionen, die immer noch auf traditionelle Weise die Wale töten.

Darüber hinaus kritisieren die Tierschützer auch, dass es nicht einmal adäquate Methoden gebe, um festzustellen, ob der Meeressäuger bereits tot sei oder nicht. Wie nicht anders zu erwarten argumentieren, die Walfänger mit der Feststellung, dass dies nicht stimme. Als besonders verwerflich bezeichnen die Umweltorganisationen die Tatsache, dass viele der Tiere stundenlang leiden, bevor sie verenden.

Text unter Verwendung von Material von: pte


Messe der skrupellosen Tierquälerei öffnet ihre Tore

Deutscher Tierschutzbund e.V. – Pressemeldung vom 10. März 2004
Der Deutsche Tierschutzbund fordert Verzicht auf Pelze

Am 11. März eröffnet die Pelzindustrie einmal mehr ihren blutigen Markt der Grausamkeiten in Frankfurt. „Auch nach über 50 Jahren haben die Veranstalter dieser skrupellos praktizierten Tierquälerei noch nicht akzeptiert, dass die aufgeklärte Bevölkerung Pelzprodukte für verwerflich hält und ablehnt“, kritisiert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Modemacher und Pelzindustrie wollen den Verbrauchern weismachen, dass Pelz salonfähig sei. Der Deutsche Pelzverband behauptet sogar der Pelz erlebe sein Comeback. Stagnierende Umsätze beweisen jedoch, dass der Rubel mit tierquälerischen Pelzen nicht mehr rollt. Lediglich ungekennzeichneter Pelzbesatz und Fellaccessoires finden hierzulande noch Käufer. „Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Messe nun Russland, China und die EU-Beitrittsländer in ihr Visier genommen hat“, so Apel weiter. Erstmals erheben die Veranstalter nicht mal mehr eine Eintrittsgebühr.

„Wer auf dieser Messe ausstellt, ist maßgeblich beteiligt an unerträglichem Tierleid“, erklärt Wolfgang Apel. An der tierquälerischen Gewinnung der Pelze hat sich nichts geändert. Weltweit geraten jedes Jahr Millionen Pelztiere in