Von Ingolf Bossenz
Wenn am 1. Mai das "Hoch Europa" kommt, wird auch die auf Tierausbeutung basierende Agrarindustrie zu den Gewinnern zählen. Das machte die jüngste Tagung der EU-Fachminister deutlich, die sich nicht einmal auf minimale Verbesserungen bei Tiertransporten einigen konnte. Der Vorschlag, die auf engstem Raum zusammengepferchten Rinder, Schweine oder Schafe maximal neun Stunden am Stück durch den Kontinent zu karren, zerbrach an der ehernen Phalanx von Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und Griechenland. Was zu erwarten war. Denn mit der diese Woche erfolgenden Osterweiterung kriegen die Hardliner Zuwachs. So gilt Ungarn als Haupttransitland mit jährlich mehr als einer halben Million Tieren auf Durchfahrt. Polen ist gleichfalls ein großer Exporteur von Tieren. In beiden Ländern spielt Tierschutz für so genannte Nutztiere praktisch keine Rolle. Selbst wenn die Vorschriften auf dem Papier verschärft worden wären: Pferde-Transporte, die von Litauen oder Belorussland rund 3000 Kilometer bis Süditalien durchfahren, werden wohl weder in Ungarn noch in Polen kontrolliert. Und in Italien – so haben Tierschützer recherchiert – ist das auch nur in Ausnahmen der Fall. In Sachen Tierschutz wird das "Hoch Europa" einen Tiefpunkt markieren. (ND 28.04.04)
Tierschützer fürchten Gefahr für seltene Arten durch EU-Erweiterung Polizei in der EU "muss stärker zusammenarbeiten" Paris (APA) - Die Erweiterung der Europäischen Union am Samstag stellt nach Ansicht von Tierschützern eine große Gefahr für geschützte Tierarten wie die ägyptische Landschildkröte dar. Bereits jetzt sei die EU mit ihren 15 Mitgliedern ein wichtiger Abnehmer für geschützte Tier- und Pflanzenarten, hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht von TRAFFIC, dem gemeinsamen Programm des World Wildlife Fund (WWF) und der Internationalen Union für die Natur (IUCN). Wenn ab Mai auch die neuen Mitgliedsländer auf legale Weise zum Beispiel wilde Papageien und Orchideen einführen dürften, gerieten die bedrohten Arten weiter in Gefahr. Von 1996 bis 2002 habe die EU zum Beispiel sechs Millionen Vögel, 1,5 Millionen Reptilien, zehn Millionen Reptilienhäute und 21 Millionen Orchideen legal eingeführt. Fast drei Viertel aller ausgeführten Reptilien gingen in die EU, hieß es weiter. Die ehemaligen Ostblockländer hätten sich zu einer Art Drehscheibe für den Handel mit wild lebenden Tieren und Pflanzen entwickelt. In den Beitrittsländern seien in den vergangenen Jahren immer mehr illegal eingeführte Tiere und Pflanzen beschlagnahmt worden, berichtete TRAFFIC. Von 2000 bis 2002 seien allein in Tschechien 248 und in der Slowakei weitere 172 wilde Papageien entdeckt worden. Die Organisation forderte, dass die Polizei in den EU-Mitgliedsstaaten sich untereinander besser absprechen und enger zusammenarbeiten müsse, um den Artenschutz zu stärken. Die EU zählt nach der Erweiterung rund 450 Millionen Einwohner und wird dadurch zum drittgrößten Bevölkerungsblock weltweit. 2004-04-29 13:27:46
Anlässlich des internationalen Tags des Versuchstieres am 24. April 2004 mahnt der Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) ein Umdenken bei der Forschungsförderung an. Es müsse mehr Geld und Energie in die Erforschung alternativer Versuchsverfahren investiert werden, statt in Tierversuche. Zudem startet die große, bundesweit aktive Tierschutzorganisation eine emotionsgeladene Plakatkampagne gegen Tierversuche mit dem Titel "Da spielen wir nicht mit!"
"Mit großer Sorge betrachtet der bmt den kontinuierlichen Anstieg der Tierversuchszahlen in Deutschland. Allein nach der aktuellsten, offiziellen Statistik aus dem Jahr 2002 sind die Tierversuchszahlen um 85.815 Tiere auf insgesamt 2.212.376 gestiegen. Auf EU-Ebene werden in den nächsten Monaten vermutlich mehr als 10 Millionen Tiere im Tierversuch malträtiert, befürchtet der bmt, wenn die EU-Chemikalienpolitik ohne änderungen umgesetzt werde. Die EU plant, bereits auf dem Markt befindliche Produkte einer Überprüfung zu unterziehen und setzt dabei auf den klassischen Tierversuch, obwohl es Alternativen gäbe.
Zwar werde in der rot-grünen Bundesregierung der Thematik mehr Beachtung beigemessen, erklären die Tierschützer, aber die Anstrengungen, Tierleid zu verhindern, seien leider immer noch halbherzig. Der bmt appelliert am internationalen Tag des Versuchstieres daher an die Bundesregierung, die erfolgten Kürzungen im Bereich der Förderung von Alternativmethoden zum Tierversuch um knapp 50% (von 5 auf 2,8 Millionen) zurückzunehmen. Auf EU-Ebene gelte es, die tierfeindlichen Pläne der EU-Kommission aufzuhalten.
"Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Förderung der Alternativmethoden. Die millionenfache Qual in den Laboratorien darf nicht ignoriert werden. Anstatt Unsummen zur Finanzierung grausamer Tierversuche im Bereich von Biomedizin oder Gentechnologie auszugeben, sollte die Regierung die Weltspitze bei tierversuchsfreien Untersuchungsmethoden im Bereich der weltweiten Produktsicherheit oder bei der wissenschaftlichen Ausbildung anstreben. Dies würde dem Wirtschaftsstandort Deutschland, der nicht zuletzt dem Staatsziel Tierschutz verpflichtet ist, besser zu Gesicht stehen", fordert Jutta Breitwieser, bmt-Vorsitzende.
Anlässlich des Internationalen Tag des Versuchstieres startet der bmt zudem eine Plakataktion unter dem Motto "Da spielen wir nicht mit!". Auf dem Plakat ist ein Stoffkaninchen mit verätztem Auge und Sezierbesteck im Gehirn zu sehen. Diese realistische Nachbildung eines Tierversuches soll zum Nachdenken anregen. Das Plakat wird in diesen Tagen über die Mitgliederzeitung, das Internet, per Anzeigen und mit Aufklebern publik gemacht. Die Startauflage des Plakates (A3 und A2) liegt allein bei knapp 30.000 Stück.
ots Originaltext: Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) e.V.
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de/
Pressekontakt:
Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) e.V.
Jochen Prinz
Mobil: 01739389338
Tel: 0228 / 651072
Fax: 0228 / 651082
office@bmt-tierschutz.de
http://www.bmt-tierschutz.d
Tobias Schormann
BERLIN, 22. April. Der Streit um die Plakat-Aktion "Holocaust auf Ihrem Teller" der Tierschutzgruppe PETA ist am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht in die nächste Runde gegangen. Nach einstündiger Verhandlung erklärte Richter Michael Mauck das Verbot der Wanderausstellung weiterhin für gültig. Die Tierschützer hatten Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung eingelegt, mit der die Kammer bereits Ende März untersagt hatte, sieben der acht Plakat-Motive öffentlich zu zeigen.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte das Verbot vor dem Gericht erwirkt, weil die Darstellung aus seiner Sicht als eine Beleidigung der Opfer des Holocaust zu werten sei. Die Plakate zeigen Häftlinge aus Konzentrationslagern unter anderem neben zusammengepferchten Hühnern in einer Legebatterie. Dies stelle eine Verletzung der Menschenwürde dar, urteilte das Gericht. Der bildhafte Vergleich beinhalte eine Herabsetzung der dargestellten Personen, denn nach dem Grundgesetz seien dem Mensch höhere Rechte als dem Tier eingeräumt. Man dürfe das Leid anderer Menschen nicht instrumentalisieren, auch wenn es einem hehren Ziel diene, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Die Grenze der freien Meinungsäußerung sei daher in diesem Fall überschritten.
Die Peta-Aktivisten zeigten sich enttäuscht über die Entscheidung des Gerichts. "Wir werden vor dem Kammergericht Berufung einlegen und notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht marschieren", kündigte Harald Ullmann an, stellvertretender Vorsitzender der Organisation. Man wolle keineswegs die Nazigräuel verharmlosen, im Gegenteil - die Lehren aus der Geschichte sollte der Mensch nicht nur seinesgleichen gegenüber, sondern auch im Umgang mit Tieren beherzigen, so Ullmann. Das Leiden von Tieren und Menschen lasse sich aber durchaus vergleichen, auch wenn es um NS-Opfer gehe.
In Amerika ist die Kampagne bereits vor einem Jahr gestartet und hat seitdem bereits in mehreren europäischen Städten stattgefunden. Zuletzt stellten die Tierrechtler die zwei mal drei Meter großen Plakate in der Amsterdamer Innenstadt auf. Zwar seien auch dort viele Passanten schockiert gewesen, rechtlichen ärger habe es bislang aber noch nie gegeben, sagt Ullmann. In Stuttgart fand Mitte März wegen des Verbots eine kleinere Variante der Ausstellung statt: mit nur einem Plakat, auf dem statt eines Bildes das Adorno-Zitat prangt: "Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt, es sind ja nur Tiere". Genau hier sah nämlich der Anwalt der Plakat-Gegner Christian-Oliver Moser den ausschlaggebenden Unterschied: Die Schockwirkung der Bilder sei mit Worten gar nicht zu erreichen. Gerade in der grafischen Gleichsetzung würden die Opfer der NS-Zeit verunglimpft, ein Zitat lasse dagegen weniger Interpretationsspielraum.
Andere Tierschutz-Vertreter verurteilten die PETA-Aktion ebenfalls. "Wir distanzieren uns ausdrücklich davon, eine solch massive Provokation ist nicht unsere Sache", so Jutta Siebers, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Tierschutz e.V. Sie hoffe, dass das grundlegende Anliegen der Tierschützer durch die Aktion keinen Image-Schaden nehme.
Reicht die bloße Existenz eines Kampfhundes als Haftungsgrund aus, wenn durch den Anblick des Tieres ein erschreckter Zeitgenosse falsch reagiert und dadurch zu Schaden kommt?
Ganz sicher nicht, entschieden gestern die Richter der 17. Zivilkammer am Dortmunder Landgericht, die diese Frage in zweiter Instanz zu klären hatten. Damit korrigierten sie ein Urteil des Amtsgerichts, dass dem 65-jährigen Kläger 3000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen hatte. Zu Unrecht, wie die Kammer meinte, denn um eine Haftung zu begründen, müsse aus dem Verhalten des Tieres schon eine konkrete Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit abzuleiten sein.
Davon aber schien die siebenjährige, behäbige Stella (sie ist inzwischen an Herzverfettung eingegangen) offenbar weit entfernt. Ihr vermutlich einziger Fehler: Stella war ein American Staffordshire Terrier und damit per se als Kampfhund angsteinflößend. Sogar trotz Maulkorb und kurzer Leine. Als sie sich beim Gassi-Gehen mit ihrem 19-jährigen Ersatz-Frauchen (die eigentliche Hundehalterin war in Urlaub) auf dem nur ein Meter breiten Gehweg an einer Mauer entlangschnüffelte, hatte sie vermutlich nichts Böses im Sinn. Trotzdem jagte ihr bloßer Anblick einem entgegen kommenden Passanten einen solchen Schrecken ein, dass er panisch zur Seite sprang, auf die Fahrbahn geriet, zu Boden stürzte und unter ein Auto kam. Der 65-Jährige wurde bei dem Unfall schwer verletzt, war drei Tage bewusstlos und musste sechs Wochen später noch einmal zur Behandlung in die Neurochirurgie.
Keine Berührung von Mann und Hund
Bedauerlich, aber was konnte Stella dazu? Der Kläger behauptete vor Gericht, die Hündin habe ihn ange-sprungen, angebellt oder geknurrt und keinen Maulkorb getragen. Die beteiligte Autofahrerin allerdings bekundete in erster Instanz ganz klar, dass Passant und Hund noch ungefähr ein bis zwei Meter voneinander entfernt waren, als sich der Unfall ereignet.
Übrigens: Die 3000 Euro bekommt der Kläger kurioserweise trotzdem. Zwar nicht von Stellas Ersatz-Frauchen, aber von der Hundehalterin, die eigentlich nichts mit der Sache zu tun hatte. Sie zog den Kürzeren, weil sie es dummerweise auf ein Versäumnisurteil ankommen ließ. 23.04.2004 Von Christina Füssmann
Von Katharina Geßler
Die drastische Vermehrung des Wildschweinbestandes in Hamburg nimmt bedrohliche Ausmaße an. Jüngstes Beispiel: die Attacke auf eine Joggerin an der Straße Muusbarg in Lehmsahl-Mellingstedt (das Abendblatt berichtete) - ein Einzelfall, wie Rainer Wujciak (57), Leiter der Abteilung Landwirtschaft und Forsten der Wirtschaftsbehörde, einräumt. Dennoch: "Wenn nichts passiert, haben wir bald eine Plage wie in Berlin, wo auch schon ein Hund getötet wurde."
Beleg für Wujciaks Befürchtung: Die Zahl der Wildschweine ist in kurzer Zeit um das Vierfache gestiegen. Abzulesen ist der Zulauf auch am Abschussergebnis der Jäger. Während früher allenfalls 40 Tiere erlegt wurden, ist die Zahl in der Jagdsaison 2002/03 auf 240 und in 2003/04 sogar auf 255 gewachsen.
In Hamburgs Nordosten ist das Problem besonders akut. Grund: Der international arbeitende Verein Vogelschutz-Komitee, der lediglich in Hamburg als Naturschutzverband anerkannt ist, hat seit ungefähr vier Jahren immer wieder verhindert, dass die Borstentiere abgeschossen werden dürfen. Tatsächlich gilt im Duvenstedter Brook seit 35 Jahren eine Naturschutzverordnung, die das Jagen in dem etwa 5000 Hektar großen Gebiet verbietet. Allerdings wurde Jahr für Jahr eine Ausnahmegenehmigung verabschiedet - in übereinstimmung mit den vor Ort aktiven Naturschutzverbänden, die in einer Arbeitsgemeinschaft regelmäßig und einvernehmlich über die Ausnahmegenehmigung befanden. Bis das Vogelschutz-Komitee auf den Plan trat. Denn dessen Vorsitzender, der Göttinger Diplombiologe Dr. Eberhard Schneider (56), sieht durch die Wildschweinjagd die Ruhe der Vögel gestört.
Auf Grund geltender Verordnungen war Schneiders Protest jeweils höchst effektiv. Denn es genügt der Widerspruch eines einzelnen Naturschutzverbandes, und die Jagd wird verboten. Wujciak: "Es reichte also, dass Schneider eine Postkarte schrieb: ,Ich bin dagegen'." Das Verfahren, das er damit lostrat, war jedes Mal so zeitaufwendig, dass de facto keine Wildschweine mehr gejagt wurden.
Der Senat machte diesem Treiben jedoch im Juni 2003 ein Ende: Seither dürfen die Tiere zumindest eingeschränkt (vom 1. Mai bis 31. Januar) wieder gejagt werden. Eine längst überfällige Maßnahme, findet öko-Bauer Heinz Cordes (37), der seit zehn Jahren zu den Betreibern des Wohldorfer Hofes im Duvenstedter Brook gehört. "Früher hatten wir so gut wie keine Wildschäden", sagt er. Das hat sich drastisch geändert: "Allein im vergangenen Jahr verursachten die Schweine einen Schaden von 12 000 Euro." Immer wieder machte sich Schwarzwild über sein Grünland her, wühlte Flächen um, auf denen er Getreide, Erbsen, Bohnen oder Mais anbaut: "Das sieht dann aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen."
Cordes wirft Schneider radikale Ansichten vor. Was ihn besonders wurmt: "Er sitzt in Göttingen und kennt die örtlichen Verhältnisse kaum." Vorwürfe, die Schneider nicht gelten lässt. Er ist zwar nicht mehr Mitglied der Arbeitsgemeinschaft ("da sitzen Leute, mit denen ich nichts zu tun haben möchte"), aber seine Einwände seien stets fundiert. Geschlagen gibt er sich nicht: "Wir bereiten eine Beschwerde vor, die wir bei der EU-Kommission in Brüssel vorlegen."
Dabei gibt es für Rainer Wujciak nur einen Weg, um zu verhindern, dass der Wildschweinbestand zu einer ebenso bedrohlichen Plage wie in Berlin wird: "Die Jäger müssen mehr Tiere schießen." Ohnehin "ein mühsames Geschäft". Schließlich sei das Borstentier - gleich nach dem Menschen - das intelligenteste Säugetier: "Alles, was Wildschwein heißt, zieht sich dahin zurück, wo es nicht knallt."
Wegberg/Aachen. Gegen die Kampfhundesteuer der Stadt Wegberg hat ein Bürger geklagt. Seinen Antrag auf aufschiebende Wirkung, bis die Klage verhandelt wird, hat das Verwaltungsgericht Aachen jetzt abgelehnt.
Der Kläger hatte moniert, dass die Stadt bei ihrer Hundesteuer einen erhöhten Satz von 552 Euro pro Jahr für einen Hund festgelegt habe.
Dieses Regelung ist nach Auffassung der Kammer rechtlich nicht zu beanstanden. Eine Hundesteuer sei eine zulässige örtliche Aufwandsteuer.
Es sei daher der Stadt Wegberg unbenommen, als Folge des Landeshundegesetzes eine «normale» Steuer von 56 Euro und eine Steuer für Kampfhunde von 552 Euro zu erheben.
Auch habe die höhere Steuer keine «erdrosselnde Wirkung». Maßgeblich für die Ermittlung einer «Erdrosselungsgrenze» als äußerster Schranke der Besteuerung sei die Gesamtheit aller vom Steuertatbestand Betroffenen, nicht dagegen die Situation einzelner Hundehalter.
Dieser Steuersatz erscheine bei Haltung eines gefährlichen Hundes unproblematisch. Selbst unter Berücksichtigung der übrigen Kosten für den Unterhalt eines Hundes erreiche dieser Betrag bei weitem nicht eine Größenordnung, die dessen Haltung generell unmöglich mache.
Wie das Gericht abschließend mitteilt, kann der Antragsteller Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen.
2,1 Millionen Versuchstiere weist die aktuelle Versuchstierstatistik in Deutschland aus – darunter rund 2000 Affen – mit steigender Tendenz. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund anlässlich des Internationalen Tags des Versuchstiers am 24. April hin. "Diese Situation ist zwei Jahre nach Verabschiedung des Staatsziels Tierschutz völlig inakzeptabel", erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Wir erwarten von Bund und Ländern, dass diese endlich Maßnahmen ergreifen, um durchgreifende änderungen zu bewirken."
Handlungsbedarf macht der Deutsche Tierschutzbund an Beispielen in Bremen, Münster und München deutlich, bei denen Affen im Fokus stehen. In Bremen werden immer noch belastende Hirnversuche an Affen durchgeführt, obwohl inzwischen nach jahrelangem Kampf tierversuchsfreie Alternativen zur Verfügung stehen. Ungeachtet dessen laufen die Tierversuche parallel weiter – mit der Begründung, man brauche Vergleichsdaten.
Der Fall "Covance" in Münster ist durch die Ausstrahlung verdeckt aufgenommener Videobilder im ZDF (Frontal 21) bekannt geworden. Auf diesen Aufnahmen war zu sehen, dass Affen, die u.a. für die Sicherheitsprüfung von Produkten herhalten müssen, unzureichend tierärztlich versorgt, brutal behandelt und verhöhnt wurden.
In München vegetiert eine Pavianzuchtgruppe auf wenigen Quadratmetern im Keller der Universitätsklinik ohne Tageslicht dahin. Die Affenbabys, die dort zur Welt kommen, fristen ihr kurzes Leben teilweise ohne Kontakt zu ihrer Mutter, bevor sie etwa für umstrittene Transplantationsexperimente sterben müssen.
In allen Fällen ist klar, dass – unabhängig von den ohnehin schrecklichen Versuchen – den Tieren erhebliche Leiden erspart werden könnten. Aber in München, Münster und Bremen beruft man sich darauf, dass die gesetzlichen Mindestbestimmungen eingehalten werden. "Wenn die Gesetze zulassen, dass selbst hoch sensible Affen völlig unnötig leiden, ist es höchste Zeit, dass sich hier etwas ändert. Wir fordern auch die Länder auf, umgehend aktiv zu werden. Für die Kellerpaviane in München ist beispielsweise die Landesregierung verantwortlich. Es muss für jeden tierlieben Bürger unbegreiflich sein, wenn die Landesregierung keinen Handlungsbedarf sieht und auf Platzmangel in der Münchner Innenstadt verweist“, so Apel abschließend.
Beispiel Affenschande München: Bayerische Tierschützer werden gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund, der durch seine Vizepräsidentin Dr. Brigitte Rusche repräsentiert wird, und zusammen mit den Abgeordneten MdEP Dr. Gabriele Stauner und MdL Barbara Rütting am Freitag, 23. April 2004, von 11.00 bis 13.00 Uhr eine Mahnwache vor dem Gebäude der Münchner Universitätsklinik in der Nussbaumstraße / Ecke Ziemssenstraße in München-Mitte durchführen und in Redebeiträgen auf das Schicksal der dort eingesperrten „Kellerpaviane“ und ihrer 2000 Leidensgenossen in deutschen Tierversuchslabors hinweisen.
Risiko für die Fleisch-Konsumenten BRAUNAU/RIED. Dramatische Missstände bei der Haltung von bis zu 3600 Mastschweinen im Raum Braunau deckt ein Gutachten auf: Mit Medikamenten verseuchtes Fleisch sei ein Risiko für die Gesundheit der Konsumenten.
Die Zustände in der "Tierfabrik" Beckerle in Neukirchen an der Enknach waren von Tierschützern schon im Jahr 2000 und 2001 angeprangert worden. Jahrelang erstatteten Amtstierärzte Anzeigen, bis nach Besetzungs-Aktionen und öffentlichem Aufsehen der Betrieb mehrmals behördlich geschlossen wurde.
Jetzt bestätigt ein Gerichtsgutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Ried, dass nicht nur den Schweinen unnötige Qualen zugefügt wurden: Durch die unvorstellbar grausamen Haltungs-Bedingungen und den unkontrollierten Einsatz nicht zugelassener Medikamente habe auch ein Risiko für die Fleisch-Konsumenten bestanden. Die Gutachter warnen, dass Wartezeiten zwischen dem Absetzen der Medikamente und Schlachtung der Tiere nicht kontrollierbar gewesen seien. Die Antibiotika und ein verbotenes Hormon-Präparat könnten zu schweren gesundheitlichen Folgen führen: Schäden von Knochenwachstum und Zähnen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Hautkrankheiten, Allergien.
Seit 14. November 2003 ist das 60 Seiten starke Gutachten der beiden Experten schon fertig, doch die zuständige Bezirkshauptmannschaft Braunau kennt den Inhalt bis heute nicht: Der Akt liegt bei der Staatsanwaltschaft Ried. Deren Leiter Walter Jerk sagte im OöN-Gespräch, es werde erst geprüft, ob ein Strafantrag zu stellen sei oder man noch ergänzende Erhebungen brauche. Bisher habe das Gutachten der Untersuchungsrichter gehabt, und es gebe keine Veranlassung, es der BH Braunau weiterzuleiten.
Behörden schweigen sich an
"Wir kennen dieses Gutachten nicht", bestätigt auch Werner Roitner von der Landes-Veterinärdirektion: Der Betrieb sei lange gesperrt gewesen, und es habe sich "einiges geändert". Es gebe ständige Kontrollen durch den Amtstierarzt, mittlerweile auch Licht in den Ställen und teilweise sei der Boden erneuert worden.
Eine Auffangstation für beschlagnahmte exotische Tiere aus ganz Osteuropa soll im Safaripark Gänserndorf eingerichtet werden. Das forderten am Freitag Vertreter zahlreicher österreichischer und deutscher Tierschutzvereine. Dieses Zentrum könne auch als Primatenforschungsstation ausgebaut werden, hoffen die Vereine.
"Zu 99 Prozent sicher" sei außerdem, dass das Moratorium - also die Konkursverlängerung - um drei Monate verlängert werde, so Harald Schwammer vom Tiergarten Schönbrunn. Österreich habe sich 1982 mit dem Beitritt zum Washingtoner Artenschutzabkommen verpflichtet, ein entsprechendes Zentrum mit angegliederter Unterbringungsmöglichkeit für Exoten zu errichten, was bisher nicht geschehen sei. "Das ist eine einmalige Chance für eine Auffangstation", versicherte Lucie Loube, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins.
In den kommenden 30 Jahren sei mit einer exorbitanten Zahl an zu versorgenden Tieren zu rechnen, da durch die EU-Osterweiterung zahllose Zoos und Zirkusse mit "grauenvollen Haltungsbedingungen" hinzukämen. Kein Land der 150 Unterzeichnerstaaten des Abkommens hätte bisher ein solches Zentrum für Großtiere, unterstrich Günther Peter vom europäischen Tier- und Naturschutzbund in Bonn. Somit habe Österreich die Chance, sich an die Weltspitze zu setzen. "Gänserndorf könnte einen Schlüsselpunkt bilden im osteuropäischen Raum", hoffte Peter.
Das Geld müsse aus EU-Forschungstöpfen, vom Staat Österreich und der Pharmafirma Baxter kommen, meinten die Tierrechtler. Der Pharmakonzern hatte 1999 die Tierversuche an Affen in österreich eingestellt und sie dem Park übergeben. Um Besucher zum erhofften Zentrum zu locken, soll ein Investor für die umgebenden Liegenschaften gefunden werden, der mit einem Vergnügungspark Tagestouristen in die Nähe der Anlage lockt.
Die Storchensiedlung Altreu gibt es nicht mehr. Und Storchenvater Max Blösch würde sich darüber freuen: Die Störche kommen wieder alleine zurecht. Ab heute steht dort das Infozentrum Witi offen.
Robert Grogg
Die Störche werden nicht mehr gefüttert, das Gehege ist überflüssig geworden. Trotzdem bleiben sie Altreu treu und zwar freiwillig: Die einen ganzjährig, weil sie den natürlichen Zugtrieb verloren haben, die andern in der warmen Jahreszeit, weil es ihnen hier gefällt. Der Weissstorch ist nach seiner Ausrottung wieder erfolgreich angesiedelt worden - von Altreu aus. Auch im benachbarten Ausland. 50 Brutpaare wurden letztes Jahr im Revier Altreu/Staad gezählt. Deutlich abgenommen haben aber die Besucherzahlen in der ehemaligen Storchenstation.
Das soll jetzt wieder anders werden: Die Gesellschaft Storch Schweiz stellte hier dem Verein "Für üsi Witi" Land für einen neuen Infopavillon gratis zur Verfügung. Der Pavillon wird heute Donnerstag um 17 Uhr offiziell eröffnet. "Das Informationszentrum soll zur Eingangspforte in die Welt von Storch und Co. werden", sagt Tobias Salathé, Präsident der Gesellschaft Storch Schweiz.
Rastplatz für Zugvögel
Genau um dieses "und Co." geht es auch dem Verein "Für üsi Witi", Pro Natura und weiteren Umweltorganisationen sowie den betroffenen Gemeinden: Der vom Flugplatz in die ehemalige Storchensiedlung gezügelte Informationspavillon soll zum neuen Ausgangspunkt für Exkursionen werden. Er kann Schulklassen beherbergen, allenfalls auch Vereine für Sitzungen und Versammlungen. Boris Banga, Präsident des Vereins "Für üsi Witi", bezeichnet eben dieses Gebiet als "Rastplatz auf der Nord-Süd-Route der Zugvögel". "Der Lebensraum für den Storch unterscheidet sich nicht grundsätzlich von jenem der übrigen Tierwelt. Wenns für den Storch stimmt, dann stimmts auch für die bedrohten Hasen oder die über 30 Arten von Wattvögeln, die hier rasten und durchziehen", so Banga.
Erst der Anfang
"Füs üsi Witi" und Storch Schweiz hätten somit eine gemeinsame Ausgangslage. Man wolle sich für die Erhaltung und Aufwertung dieses Lebensraumes einsetzen, und zwar nicht nur einseitig für die wildlebende Tier- und Pflanzenwelt. "Wir nehmen auch die Ansprüche der Landwirtschaft und der Erholungssuchenden ernst", bekräftigt Banga. Damit Schutzmassnahmen greifen, komme der Information grosse Bedeutung zu. Wenn breiten Bevölkerungsschichten die Werte und Besonderheiten der Witi bekannt seien, dann wachse auch die Bereitschaft, Hunde an der Leine zu führen oder gewisse Flächen überflutet zu lassen.
Das Infozentrum mit Audio-show soll erst ein Anfang sein. Weitere verwandte Organisationen sind eingeladen, mit eigenen Projekten mitzumachen. Weil die Repla RSU und der Kanton ihre Zahlungen längerfristig einschränken oder von den Gemeindebeiträgen abhängig machen möchten, appelliert Stadtpräsident Banga an seine Amtskollegen in der Region, sich vermehrt zu engagieren.
Exkursionen Viktor Stüdeli, "Witi-Sheriff" und Gemeindepräsident von Selzach, sowie Verena Flückiger und Annette Oberholzer von Pro Natura machen sich bereits Gedanken, wie und wo weitere Exkursionsleiter gefunden werden könnten. Die Störche und die Witi sind ein beliebtes Ziel für Schulreisen aus der ganzen Schweiz.
Das neue Informationszentrum ist ab sofort täglich bis Ende September geöffnet. Am Mittwoch und Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr mit Betreuung. Noch hat der Pavillon keinen Namen. Der Verein "Für üsi Witi" und Pro Natura haben deshalb einen Wettbewerb ausgeschrieben. Vorschläge sind bis 15. August erbeten.
Für Führungen und Exkursionen von Gruppen oder Schulklassen: v.stüdeli@witi-schutzzone.ch
Bonn (ots) - Das könnte der Anfang vom Ende der Stierkämpfe in Spanien sein: Barcelonas Stadtrat erklärte gestern die katalonische Hauptstadt - immerhin zweitgrößte Metropole Spaniens - zur stierkampffreien Stadt. Bei der historischen Abstimmung im Stadtrat votierten 21 Abgeordnete mit "Ja" und 15 mit & quot;Nein", zwei enthielten sich.
Die Abgeordneten folgten damit einer Forderung des stellvertretenden Bürgermeisters, Jordi Portabella, der gegen den Stierkampf ist und die Gesetzesvorlage vor zwei Wochen in den Stadtrat eingebracht hatte. "Die katalonische Hauptstadt Barcelona muss ihrer Hauptstadtrolle gerecht werden und Vorreiter sein bei der Beendigung des Stierkampfes", hatte Portabella erklärt.
Martin Riebe, Geschäftsführer der WSPA Welttierschutzgesellschaft in Deutschland erläutert: "Diese Entscheidung ist ein großer Erfolg für den Tierschutz und könnte der Anfang vom Ende der Stierkämpfe in Spanien sein. Wir sind sehr erfreut über das tierfreundliche Abstimmungsergebnis, das die Meinung der eigenen Bürger ernst nimmt und sich mutig gegen eine überkommene und grausame Tradition ausspricht."
Eine Umfrage aus dem Jahr 2003 belegt, dass 63 % der Einwohner von Barcelona gegen Stierkämpfe in ihrer Stadt sind, wobei über die Hälfte (55 %) der Meinung sind, dass Barcelona sich zur Anti-Stierkampf-Stadt erklären soll. 76 % betrachten Stierkämpfe als grausam und unkultiviert. 59 % der Einwohner haben niemals eine Stierkampf besucht und nur 7 % betrachten Stierkämpfe als positiv für das Ansehen der Stadt.
Vorausgegangen war der Entscheidung eine jahrelange Kampagne der WSPA Welttierschutzgesellschaft gemeinsam mit WSPA-Mitgliedsorganisationen wie der spanischen Asociación Defensa Derechos Animal (ADDA). Die gemeinsame "Kultur ohne Grausamkeit"-Kampage hat mittlerweile 250.000 Protestunterschriften aus der ganzen Welt gegen den Stierkampf in Katalonien gesammelt.
Tierheim: Politiker, Steuerzahlerbund und Bürger fordern eine Lösung.
Viele Hamburger sind empört darüber, dass im Tierheim Süderstraße zehn Kampfhunde der Kategorie I auf Kosten von Steuerzahlern untergebracht sind. Weil die Halter der Tiere in Haft sitzen oder unbekannt sind, wurden einige der Tiere bereits vor drei Jahren im Tierheim abgegeben (das Abendblatt berichtete). Ihre Pflege und Betreuung kostet die Stadt jährlich 50 000 Euro - Geld, das für die Unterbringung anderer Tiere fehlt. Doch niemand will für das Töten der Tiere die Verantwortung tragen.
"Das ist wieder ein Beispiel dafür, wie in Hamburg Dinge im Bürokratie-Dschungel stecken bleiben", kritisiert Frank Neubauer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler in Hamburg. Er fordert, dass die Bezirksamtsleiter innerhalb von zehn Tagen eine Lösung für das Problem finden. "Dieser Vorgang verdeutlicht, wie dringend eine Bezirksreform in Hamburg umgesetzt werden muss", so Neubauer. "Bei mir haben zahlreiche Bürger angerufen, die meinen, dass man so nicht mit Steuergeldern umgehen kann", sagt Karl-Heinz Warnholz (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses der Bürgerschaft.
Die zehn Kampfhunde sind nicht an Interessenten vermittelbar, weil sie aggressiv sind und den Charakter- und Wesenstest für Kampfhunde nicht bestanden haben. Demnach müssten sie eingeschläfert werden. Doch aus den Wirtschafts- und Ordnungsämtern der Bezirke kam dafür bisher keine Anweisung. "Niemand will für die Entscheidung verantwortlich sein", klagt Poggendorf, gleichzeitig Hamburger Vorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes. Auch das Tierheim will nicht töten: "Wir sind nicht zuständig für das Einschläfern", sagt Poggendorf. "Wir sind Tierschützer."
"Es ist korrekt, dass die Bezirke die Vorgänge gründlich prüfen", urteilt Christian Maaß, umweltpolitischer Sprecher der GAL-Bürgerschaftsfraktion. "Es handelt sich schließlich um Lebewesen", so Maaß weiter. "Aber die Entscheidung muss zeitnah umgesetzt werden." Auch Mathias Petersen, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, äußert Verständnis für die Prüfungen durch die Bezirksämter: "Trotzdem muss die Regierung dafür sorgen, dass das Gesetz eingehalten wird", so Mathias Petersen.
Von Christina Gerlach
Bei jeder Sitzung der Internationalen Walfang-Kommission ist die
Aufregung groß. Der kommerzielle Walfang ist zwar seit 1986 verboten, Länder
aber wie Norwegen und Japan und neuerdings auch Island setzen trotzdem die
Jagd auf Großwale fort. Das Ganze geschieht unter dem Deckmantel der
Wissenschaft. Denn zu wissenschaftlichen Zwecken ist die Jagd erlaubt.
Allerdings sind sich fast alle Tierschutz- und Umweltschutzgruppen einig,
dass beispielsweise das umfangreiche Forschungsprogramm in Japan nichts
anderes als eine Tarnung ist für den kommerziellen Fang. Doch man muss gar
nicht in die Ferne schweifen, um sich über derart spitzfindige Auslegungen
und Begründungen zu wundern oder gar zu ärgern. Genau die gleiche Diskussion
findet nämlich auch in Deutschland statt, und zwar bei der Vogeljagd mit
Lebendfallen, die eigentlich innerhalb der Europäischen Union strikt
verboten ist. Wie gesagt, eigentlich.
Die ostfriesischen Jäger im Landkreis Leer schwören auf die norwegische Falle. Sie sieht aus wie eine große Voliere und funktioniert wie eine Fischreuse. Was einmal drin ist, findet nicht wieder raus. Sieben schwarze Krähen flattern nervös gegen den Maschendraht. Dass das kein schöner Anblick ist, weiß auch der Jäger, dem das Feld mit der Falle gehört:
Sie gehen mir da nicht ran, und ich gebe keine Auskunft. Da nicht rangehen. Und untersteht Euch nicht, dass ihr auf die Weide geht.
Die Jäger kommen jeden Abend, erschlagen die Krähen mit Knüppeln und werfen sie weg. Das passiert ganz fachmännisch, versichert der Leeraner Kreisjägermeister Jan-Wilhelm Hilbrands:
Die werden tierartschutzgerecht getötet. Das heißt mit einem Rundholz und einem Schlag auf den Kopf, dass ein Genickbruch eintritt.
Alles im Dienste der Wissenschaft. Denn vorgeblich geht es darum, dass das Töten Teil einer Studie ist, die zeigen soll, ob Rabenvögel wirklich Schuld sind, dass es so wenig Wiesenbrüter gibt. Denn die Krähen oder Elstern gelten als Nesträuber.
Naturschützer sind empört. Sie vermuten, dass es den Jägern einzig darum geht, möglichst viele Krähen zu töten, ohne dabei teure Munition zu verschießen. Matthias Bergmann vom Naturschutzbund Ostfriesland:
Dass hier massenhaft die Krähen gefangen und mit dem Knüppel totgeschlagen werden, das ist für mich keine wissenschaftliche Studie und hat mit Wiesenvogelschutz nichts mehr zu tun.
Die wissenschaftliche Studie ist fest in Jägerhand. Die Leeraner Kreisjägerschaft gab den Auftrag. Und trotz der rigorosen Vorschriften für Lebendfallen war auch die Genehmigung für Kreisjägermeister Hilbrands kein Problem. Er erteilte sie sich nämlich gleich selber:
Ich, in meiner Funktion als Kreisjägermeister, habe in Absprache mit dem Kreis Leer diese Aktion genehmigt.
Und obwohl es sich ja um eine wissenschaftliche Studie handelt, weiß er nicht einmal, wie viele Fallen überhaupt aufgestellt sind. Und wie viele Vögel bisher gefangen und erschlagen wurden:
Kann ich Ihnen noch nicht genau sagen, wir sind ja in der Versuchsphase, hätte ich fast gesagt, in der Anfangsphase. Ich mache ja nicht die wissenschaftliche Begleitung. Die macht das Institut für Wildtierforschung.
Das genannte Institut hat seinen Sitz in Hannover. Sein Chef ist passionierter Jäger und zweiter Vorsitzender der Niedersächsischen Landesjägerschaft. Finanziert wird die Studie vom Landwirtschaftsministerium mit 22.000 Euro pro Jahr. Sie ist auf drei Jahre angelegt und die will man auch durchhalten, sagt Dr. Gert Hahne, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums:
Wir sind eigentlich optimistisch, dass wir das weitermachen werden, weil das für uns erst mal ein wirklich wissenschaftlicher Beweis ist, ob Krähen so schädlich sind, wie behauptet wird. Es kann auch dabei herauskommen, dass die Krähen nicht so schädlich sind, wie behauptet wird, aber wir brauchen fundierte Daten.
Dabei sind schon zahlreiche, wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass keineswegs die Krähenvögel Schuld sind, wenn Wiesenbrüter aussterben. Das meint auch Matthias Bergmann vom NABU. Die Krähen spielen die geringste Rolle. Den größten Schaden verursacht die intensive Landwirtschaft: Massive Entwässerung, intensive Bewirtschaftung und zu frühe Mahd vertreibt die Wiesenbrüter und obendrein zieht Güllen Rabenvögel an. Matthias Bergmann:
Es müssen Lebensräume wieder hergestellt werden, das ist ja unser Hauptanliegen. Es muss nasse Feuchtwiesen geben, die auch extensiv bewirtschaftet werden, und dann haben die Wiesenbrüter auch langfristig einen Erfolg.
Wegen der Tötung der Krähen wird der Naturschützer Anzeige erstatten. Er fordert die sofortige Beendigung der zweifelhaften Aktion.
© DEUTSCHLANDRADIO
Alle Rechte vorbehalten
30. März 2004
Die deutschen Natur- und Tierschutzverbände begrüßen die Pläne der Bundesregierung zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes. Der Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), Hubert Weinzierl, lobte am Dienstag in Berlin die von Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) formulierten änderungen als "richtungsweisenden Fortschritt". Es sei nun an der Zeit, die Vorhaben schnellstmöglich in Gesetzesform zu gießen, betonte Weinzierl. über das Künast-Papier erfreut zeigte sich auch das Bündnis Tierschutz. Dessen Sprecher Wolfgang Apel forderte Rot-Grün auf, die Versprechen des Koalitionsvertrages einzulösen und "grausame Jagdmethoden wie die Fallenjagd und überlange Jagdzeiten" zu verbieten.
Diese Praktiken widersprächen dem seit zwei Jahren im Grundgesetz festgeschriebenen Gebot des Tierschutzes, sagte Apel. Er forderte zudem, die Zahl zum Abschuss freigegebener Arten von 103 auf 12 zu begrenzen. Das vor zwei Wochen vom Agrarministerium vorgelegte Arbeitspapier sieht vor, Jäger beim Artenschutz stärker in die Pflicht zu nehmen. Dazu sollen die Fallenjagd und die Verwendung von Bleischrot bei der Jagd auf Wasservögel verboten werden. Das Abschießen von Hunden und Katzen während der Jagd soll ebenso unter Strafe gestellt werden wie die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren. Jäger- und Bauernverbände lehnen die Neuerungsvorhaben ab.
Der folgende Beitrag erschien in einer österreichischen Tageszeitung, ist aber inzwischen von der Website der Zeitung entfernt worden - warum ???
http://www.ktz.at/_content_detail.php?detail_id=13522
So genannte Jäger und auch Trophäensammler bekunden Interesse am Abschuss der Wildtiere im von einem Konkurs bedrohten Safaripark Gänserndorf. Betriebsleiter und Tierschützer empört. GÄNSERNDORF, KLAGENFURT. Fassungslos zeigte sich gestern der aus Ungarn stammende Betriebsleiter des Safariparks Gänserndorf, Laszlo Töröek, im Gespräch mit der neuen "KÄRNTNER TAGESZEITUNG".
Tatsächlich haben nämlich bei ihm diverse Herren - darunter auch Kärntner - vorgesprochen, die sich für den Abschuss von Tieren im Park interessieren. Wie bereits berichtet, steht der Safaripark Gänserndorf vor dem finanziellen Ruin. über die Unterbringung der Tiere im Falle einer Schließung des Parks wird seit Wochen spekuliert. Der Tierpark Schönbrunn und der Wildpark Herberstein haben sich angeboten, Tiere aufzunehmen. Entschieden ist aber noch nichts. Jetzt wollen Weidmänner das Problem lösen - mit ihren Gewehren.
Besonderes Interesse, so Töröek, haben die so genannten Jäger an Elefantenköpfen bekundet, die ihnen "in der Trophäensammlung noch fehlen" würden.
Landesjägermeister Ferdinand Gorton zu den jüngsten Vorkommnissen: "Ein solches Ansinnen hat mit der von uns in Kärnten praktizierten Jagd, die sich als Hege- und Pflegedienst an Tieren versteht, nichts zu tun." Ausschließen könne er es aber freilich auch nicht, so Kärntens oberster Weidmann.
Bernhard Wadl, Chef des Kärntner Jagdaufseherverbandes: "Möglich ist alles. Mit einem Abschuss in Gänserndorf könnten sich die Herren die Flugkosten nach Afrika sparen. Befürworten kann ich ein solches Vorgehen allerdings keinesfalls."
Silvia Summerer von der Tierschutzorganisation "For Animals" versteht die Welt nicht mehr ob so viel Berechnung: "Da wird über die Köpfe der noch lebenden Elefanten versucht, ein Geschäft abzuschließen, und das von Männern, die sich Jäger nennen."
Eine weitere Meldung aus der Gerüchteküche macht den Tierschützern Kopfzerbrechen. Der Pharmakonzern Baxter soll den Tierpark übernehmen. "Das Schicksal der Tiere wäre damit aber auch ungewiss, da das Unternehmen Baxter Tierversuche durchführt", gibt Summerer zu bedenken.
Der jahrelange Streit um die Käfighaltung von Legehennen ist beigelegt. Gemeinsam mit Tierschützern soll eine Kleinvoliere entwickelt werden
Osnabrück - Die deutschen Agrarminister haben den jahrelangen Streit um die Käfighaltung von Legehennen beigelegt. Bund und Länder wollen gemeinsam mit Eierproduzenten und Tierschützern eine neue Kleinvoliere für Hennen entwickeln, die beim Verbot der Käfige im Jahr 2007 als tierschutzgerechte und wirtschaftliche tragbare Alternative zur Verfügung stehen soll. Die neue Kleinvoliere müsse den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts für die Hennenhaltung entsprechen, beschloss die Agrarministerkonferenz am Freitag in Osnabrück einstimmig.
Der von einigen Ländern vorgeschlagene, von Künast aber bereits vor der Agrarministerkonferenz abgelehnte „ausgestaltete Käfig“ mit Sitzstangen und Sandbad wurde in Osnabrück nun einhellig als nicht verhaltensgerechte Haltungsform verworfen. Beide Seiten bezeichneten den Kompromiss als Durchbruch. Erstmals würden auch Tierschützer an einem Verfahren für eine neue Haltungsform beteiligt, betonte NRW-Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne). Zugleich einigten sich die Agrarminister darauf, die Einführung eines Prüf- und Zulassungsverfahrens für die Legehennenhaltung voranzutreiben. Der Landwirtschaftminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), der den Kompromiss vorgeschlagen hatte, sprach vom „Hühnerfrieden von Osnabrück“, der auf der Konferenz gelungen sei. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) sagte, durch die Kleinvolieren wolle man die Produktion von Eiern in Deutschland halten und zugleich eine Haltungsform entwickeln, die den Anforderungen des Tierschutzes und der Hygiene entspreche.
Laut Künast steht die Größe der neuen Kleinvolieren noch nicht fest. Die Konferenz habe ein Gutachten der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft diskutiert, nach dem die bislang von den Eierproduzenten favorisierten größeren ausgestalteten Käfige den Hennen kein artgerechtes Verhalten ermöglichten und den Kriterien des Bundesverfassungsgerichts nicht entsprächen, sagte die Grünen-Politikerin.
In der Frage der EU-Agrarreform kam die Runde zu keinen neuen Entscheidungen. Bis auf die unionsgeführten Länder Bayern, Sachsen und Hessen unterstützen weiterhin alle Länder das von Künast vorgeschlagene regionale Flächenmodell. Es sieht vor, die Direktzahlungen der Europäischen Union an deutsche Bauern in Höhe von jährlich rund sechs Milliarden Euro von der Produktionsmenge abzukoppeln und stattdessen eine regionale Flächenprämie einzuführen.
BUND kritisiert Kompromiss
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert den Beschluss der Agrarministerkonferenz als Versuch, „die geltende Legehennenverordnung mit ihrem Verbot der Käfighaltung aufzuweichen“. Kleinvolieren gebe es nicht, allenfalls Großkäfige, erklärte die Umweltorganisation. Eine artgerechte Haltung sei in ihnen nicht möglich. Die Agrarminister dürften sich nicht dem Druck der Geflügelindustrie beugen, mahnte die Organisation.
Begleitet wurde die Agrarministerkonferenz des Bundes und der Länder in Osnabrück von Aktionen für und gegen die Käfighaltung. Auf einer Kundgebung forderten 500 Eierproduzenten und Bauern, eine Haltung von Legehennen in vergrößerten Käfigen weiter zuzulassen. Ein Dutzend als Käfighühner verkleidete Tierschützer verlangten dagegen, am generellen Verbot der Käfighaltung ab 2007 festzuhalten. WELT.de/AP/dpa
Hunde vergiften im Wald: Die Fälle häufen sich, in denen Hunde und Wildtiere an präparierten Ködern sterben
Cloppenburg/Hannover taz Es passiert immer wieder: Hunde verenden qualvoll, weil sie mit Gift präparierte Köder gefressen haben. Zuletzt gab es eine Häufung von Fällen im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg, wo die Tiere mit Pflanzenschutzmitteln vergiftet wurden. Innerhalb von drei Wochen seien ihnen vier Fälle gemeldet worden, so der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Cloppenburg, Hans Große Beilage. "Aber wir wissen nicht, wieviele Wildtiere sich ebenfalls vergiftet haben, die suchen ja nicht den Menschen auf wie Hunde." Die Köder seien in der freien Natur gefunden worden. Sollte hinter den Attacken ein Jäger oder jemand mit Jagdschein stecken, der auf diese Weise Füchse oder Raubvögel los werden wolle, so würde diesem sofort der Jagdschein entzogen, so Große Beilage. "Das verstößt gegen das Jagdgesetz und wird von uns überhaupt nicht geduldet." Um Hinweise auf den oder die Täter zu bekommen, habe man jetzt eine Belohnung von 1.000 Euro ausgesetzt. Er glaube allerdings nicht, dass ein Jäger das Gift auslege. "Das kann auch ein Hundehasser sein."
Auch im Raum Steinfurt, sowie bei Braunschweig und Herford sollen Tierschützern zufolge in den vergangenen Monaten Hunde gezielt vergiftet worden sein. Naturschutzverbände bezweifeln allerdings, dass es momentan eine Häufung von Fällen gibt. "Das ist ein bundesweites Phänomen und kommt immer wieder vor", so Claus Mayr vom Naturschutzbund NABU.
Das Aussetzen von Giftködern sei nicht neu, dürfe aber eigentlich nicht vorkommen, sagt auch der Geschäftsführer der niedersächsischen Landesjägerschaft Dirk Schulte-Frohlinde. Gegen Jäger, die so etwas tun würden, ginge der Verband "brutal" vor: "Wenn wir jemand dabei erwischen, schmeißen wir den sofort raus". Jäger hätten einen so schweren Stand, dass derartige Rechtsverstöße dem Ansehen nur noch weiter schaden würden. Wer ein vergiftetes Tier finde, solle sofort die Polizei informieren.
Die Mitglieder der Tierrechtsorganisation Peta sind moderne Guerilleros. Sie kämpfen mit aggressiver Werbung, provozierendem Witz und nackter Prominenz. In ihrer jüngsten Aktion vergleichen sie die Massentierhaltung mit dem Holocaust. Von Hauke Goos
Alles ist ganz einfach, wenn man nur lange genug auf diese Zahl starrt. Sie steht auf einer Web-Seite, ganz unten, noch unter den Bildern und dem Text. Es ist eine Zahl, die im Sekundentakt weiterspringt, ein so genannter Counter. Die Zahl zeigt an, wie viele Tiere seit dem 1. Januar 2003 in den USA für Nahrungszwecke getötet wurden. Wer begreifen will, was Peta ist, muss sich nur diese Zahl anschauen, die von Sekunde zu Sekunde größer wird. Am vergangenen Freitag stand der Counter bei 31 393 551 721.
31 Milliarden tote Tiere in etwas über einem Jahr, das sind auf jeden Amerikaner 108 Kühe, Schweine, Hühner oder Schafe. Die Seite heißt www.masskilling.com, es geht um die Ohnmacht der Tiere und um die Verantwortung des Menschen.
Die Zahl auf der Web-Seite ist Teil eines Kreuzzugs. Sie soll eine Kampagne unterstützen, die den Titel "Holocaust on Your Plate" trägt, "Der Holocaust auf Ihrem Teller". Die Kampagne besteht, in der Hauptsache, aus Fotos. Sie stellt Bilder von Juden in Konzentrationslagern neben Fotos von Hühnern und Schweinen in der Massentierhaltung. In einigen amerikanischen Städten wurde die Ausstellung verboten. Wo sie gezeigt werden durfte, provozierte sie wütende Ablehnung und wütende Zustimmung. Peta ist die Abkürzung für People for the Ethical Treatment of Animals, es ist das erste Mal, dass eine Tierrechtsorganisation auf diese Weise Werbung mit dem Holocaust macht.
Es ist ein Tabubruch.
Harald Ullmann, 2. Vorsitzender der deutschen Peta-Sektion, sitzt in seinem Stuttgarter Büro, vor sich einen Laptop, und klickt sich durch die Kampagnenmotive: ausgemergelte, auf einen Haufen geworfene Menschenleiber gegen tote Schweine; Häftlinge auf Pritschen gegen Hühner in einer Legebatterie; Frauen und Kinder in KZ-Kleidung hinter Stacheldraht gegen junge Schweine hinter Gittern - Hühnerfarmen gegen Auschwitz.
Es ist eine Art Krieg, den sie führen, ein Krieg um das Wohlergehen der Tiere und um die Herzen der Menschen. Er wird geführt mit Ideen, mit Bildern und Argumenten, und, wenn es sein muss, mit der Verletzung von Tabus. Peta will eine Welt ohne Pelz und ohne Leder, in der die Menschen kein Fleisch essen, auf Milch von Tieren verzichten und auf Honig.
"Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum man den Menschen als Krone der Schöpfung bezeichnen soll", sagt Ullmann. "Wir sind auch nur ein Tier, das sich die Erde mit anderen Tieren teilt."
Sie wollen eine bessere Welt, möglicherweise, auf alle Fälle aber eine andere.
An diesem Donnerstag soll "Der Holocaust auf Ihrem Teller" in Deutschland starten, acht Großplakate in einer Wanderausstellung, jeweils zwei mal drei Meter groß. Es ist auch ein Krieg um die Frage, ob es beim Kampf für eine bessere Welt Grenzen gibt.
Am Anfang habe er die Kampagne "etwas schwierig" gefunden, sagt Ullmann. Sie haben ihm eine E-Mail geschickt, aus dem Peta-Hauptquartier in Norfolk, Virginia, als die Paneele für die amerikanische Ausstellung gerade fertig waren. Ob er sich vorstellen könne, die Ausstellung in Deutschland zu zeigen?
Ullmann ist 48 Jahre alt, er hat Englisch und Sport studiert, ursprünglich wollte er Lehrer werden. Nach mittlerweile 17 Jahren bei Peta hat er ein Gespür dafür, welche Kampagnen in Deutschland funktionieren und welche nicht.
Ob sie ihm nicht erst mal den Inhalt und die Argumente zukommen lassen könnten, mailte er zurück.
Peta schickte zwei Zitate. Eines von dem jüdischen Literatur-Nobelpreisträger Isaac B. Singer, von dem der Satz stammt: "Für die Tiere sind alle Menschen Nazis; für sie ist jeden Tag Treblinka", das andere von Theodor W. Adorno: "Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt: ,Es sind ja nur Tiere.'"
Zwei Zitate, zwei Kronzeugen. Sie hatten wirklich an alles gedacht. Ullmann erinnerte sich daran, dass Bernhard Grzimek in den siebziger Jahren Hühner aus Legebatterien als "KZ-Hühner" bezeichnet hatte. Er war damals vor allem von den Betreibern von Legebatterien attackiert worden, nicht von jüdischen Verbänden. Ullmann beschloss, "Der Holocaust auf Ihrem Teller" nach Deutschland zu holen.
"Wir wollen polarisieren, wir wollen, dass die Menschen darüber reden", sagt Ullmann. "Wir versuchen, das Produkt Mitgefühl zu verkaufen."<7p>
Sie sind eine Bewegung. Die Zahl auf der Web-Seite ist ihr stärkstes Argument.
"Zwischen 1938 und 1945 starben zwölf Millionen Menschen im Holocaust", heißt es in der Kampagne. "Genauso viele Tiere werden für den menschlichen Verzehr jede Stunde in Europa getötet."
Wieso ausgerechnet 1938?
Ullmann zuckt mit den Schultern. Sie haben die Zahl vom Hauptquartier bekommen.
Wegen der Reichspogromnacht?
Ullmann nickt. Es ist nicht wirklich wichtig. Sie brauchten einen Zeitraum und eine Zahl. Zwölf Millionen Menschen, zwölf Millionen Tiere. Darauf kommt es an. "Wir vergleichen Tiere und Menschen nur da, wo 's gleich ist: bei der Leidensfähigkeit."
"Kann man die Bevölkerung mit einer solchen Analogie konfrontieren?", fragt Ullmann. Er sagt "Bevölkerung". Er fragt nicht, ob man die Überlebenden des Holocaust mit einer solchen Analogie konfrontieren kann. "Wir sagen: Holocaust war schlimm, und was den Tieren passiert, ist schlimm", sagt Ullmann, aber er sieht ein wenig unbehaglich aus dabei.
Am 3. November schrieb Peta dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, einen Brief.
Die Opfer seien heute andere als damals, aber das System von Einpferchen, Missbrauch, Vorurteil und Abschlachten sei dasselbe, las Spiegel. "Ein paar Zeilen des Wohlwollens in Bezug auf diese Ausstellung wären schön."
Spiegel gab den Brief an seine Anwälte weiter. Sollte die Ausstellung in Deutschland starten, werde er Peta verklagen, ließ er ausrichten. Die Kampagne sei "menschenverachtend" und "eine Beleidigung der Opfer".
Die Sache ist kompliziert, jedenfalls in Deutschland.
Man kann so viele Fehler machen.
"Wir sind nicht dazu da, um geliebt zu werden", sagt Dan Mathews, der Vizepräsident von Peta. "Jede Interessengruppe, die geliebt werden möchte, ist zum Scheitern verurteilt. Wir spielen die Rolle eines Agent provocateur."
Mathews hat kurze, graue Haare, er lacht gern, man kann sich ihn gut in einer amerikanischen Vorabendserie vorstellen. Bevor er bei Peta anfing, arbeitete er als Model, er brachte Kontakte zu Stars und anderen Models mit und ein wenig Glamour. Außerdem ist er Jude. Etwas Besseres als Dan Mathews hätte Peta kaum passieren können.
Peta war 1980 von Ingrid Newkirk und Alex Pacheco gegründet worden. Newkirk, die ein fanatischer Formel-1-Fan ist, wollte eigentlich Börsenmaklerin werden. Sie war 22 Jahre alt, als sie Zeugin wurde, wie in einem Tierheim junge Katzen getötet wurden, die sie dem Heim zur Obhut überlassen hatte. Sie beschloss, sich fortan dem Tierschutz zu widmen.
Zunächst machte sich die Organisation mit Undercover-Aktionen einen Namen. Aktivisten ließen sich von Hühnerfarmern einstellen und dokumentierten, was sie sahen: Tiere, die sich an den Wärmelampen verbrannt hatten; verkrüppelte Tiere, deren Knochen ihr Gewicht nicht tragen konnten; Hühner, deren Schnäbel gekürzt worden waren, damit sie in den engen Käfigen nicht nach anderen Hühnern hackten.
In den achtziger Jahren erfand Mathews die Kampagne "Lieber nackt als Pelz". Eine junge Frau aus Florida hatte ihm ein Foto geschickt, das sie auf einer Demonstration zeigte: Sie trug einen hautfarbenen Anzug, auf den sie "I'd rather go naked than wear fur" gepinselt hatte. Es war die Wende.
Bald zogen sich Stars wie Nina Hagen, Pamela Anderson oder Naomi Campbell für Peta aus, und Mathews entdeckte, dass sich alles mit ein bisschen Sex viel besser verkaufen ließ. Die Werbung für eine Idee funktioniert nicht viel anders als die Werbung für ein Produkt.
Sie legten sich mit General Motors an, weil der Konzern Crashtests mit Schweinen und Frettchen durchführte, und zwangen McDonald's, schärfere Standards bei den Hühnerfarmen durchzusetzen. Mittlerweile haben sie über 800 000 Mitglieder weltweit - die erfolgreichste radikale Gruppe Amerikas, wie der "New Yorker" schrieb.
Sie sind schnell, sie spielen mit den Medien, und sie haben auf alles eine Antwort. Als Mathews vor ein paar Jahren gefragt wurde, welches sein Kandidat für eine Liste der "100 beliebtesten Menschen des Landes" sei, fiel ihm der Mörder von Gianni Versace ein, ein Spaß, wie er hinterher einschränkte. Schließlich habe der den Modeschöpfer davon abgehalten, weiter Pelze zu verarbeiten.
Und als Roy Horn kürzlich von einem Tiger lebensgefährlich verletzt wurde, schrieb Mathews ihm: "Vielleicht verstehst du nach diesem schrecklichen Zwischenfall, dass eine grell erleuchtete Bühne mit lauter Musik und einem schreienden Publikum nicht der natürliche Lebensraum für Tiger ist."
"Peta ist wie Vaudeville", sagt Mathews, wie Jahrmarktstheater. "Wir haben verschiedene Kunststücke im Repertoire, wir wechseln ständig das Programm."
Harald Ullmann studierte in Heidelberg und ging dann für ein paar Jahre in die USA. Peta musste nicht lange um ihn werben. Sie zeigten ihm einfach ein Video. Er starrte auf ein Rind, das kopfüber an einem Fleischerhaken hing, lebend, "und die Gurgel aufgeschnitten bekommt und das Blut rausströmt".
Er ist auf dem Dorf aufgewachsen, wo Fleisch zu einer anständigen Mahlzeit dazugehörte. "Als ich ein Kind war, gab's donnerstags beim Metzger immer Leberkäse mit Semmeln. Warmen Leberkäse, dazu eine Scheibe Wurst, kostenlos, das war schon was Tolles."
Das Video war eine Bekehrung, eine Art Erweckungserlebnis. Zum ersten Mal in seinem Leben brachte er das Schnitzel auf dem Teller in Verbindung mit dem Tier, das für dieses Schnitzel gemästet, gequält und schließlich getötet worden war. Er beschloss, nie wieder Fleisch zu essen.
1994 gründete Ullmann die deutsche Sektion von Peta. "Wir wollen zeigen, dass man kein Außenseiter sein muss, wenn man sich für Tiere einsetzt", sagt er. "Man muss auf Spaß im Leben nicht verzichten."
Ullmann setzte durch, dass er und seine Helfer hauptamtlich arbeiteten und dafür angemessen bezahlt wurden, und er bestand darauf, dass Peta mit "Bild" und "Bild am Sonntag" selbstverständlich zusammenarbeitete. Er wollte die Ursachen bekämpfen, nicht nur die Symptome. Deshalb mussten sie die Massen erreichen. Manchen Tierfreunden ging das zu weit. "Als ich 1986 anfing, war ein Großteil der Leute bei Peta Körneresser. Alles war basisdemokratisch, alles musste abgesprochen werden. Wir haben sehr schnell gemerkt: So kommen wir nicht weiter. Die Industrie ist nicht basisdemokratisch. Wir müssen Strukturen wählen, mit denen wir erfolgreich sind."
Peta erkannte früh, dass man Konzerne mit moralischen Argumenten kaum beeindrucken kann. Also vertrauen die Tierrechtler auf die Kräfte des Marktes. "Wir setzen auf den Konsumenten", sagt Ullmann. "Ob die Tiere hinterher aus ethischen Gründen nicht geschlachtet werden oder weil der Bedarf nicht mehr vorhanden ist, ist den Tieren egal."
Ullmann gewann Prominente wie Désirée Nosbusch, die Toten Hosen oder Dirk Bach dafür, sich für die Anti-Pelz-Kampagne nackt fotografieren zu lassen; Reinhard Mey schickte ein Foto, auf dem er sich eine Gitarre vors Geschlechtsteil hält.
Die Gemeinde Fischen im Allgäu forderte Ullmann auf, ihren Namen in "Wandern" zu ändern, da der bisherige Name für ein "grausames Hobby" stehe. Und als bei einem Anschlag in Jerusalem ein mit Sprengstoff beladener Esel explodierte, bat Peta Jassir Arafat, "Tiere aus diesem Konflikt rauszuhalten".
"Wir scheuen uns nicht davor, uns lächerlich zu machen", sagt Ullmann. Er begann, Peta Deutschland für das Vaudeville zu öffnen.
Er holte Jürgen Faulmann in sein Team, als Kampagnenleiter - einen gelernten Koch, der sichtlich Spaß daran hat, den Feind zu provozieren.
Peta lehnt Gewalt ab, jedenfalls Gewalt gegen Lebewesen.
Ist es legitim, Hochsitze umzustürzen und Labors zu verwüsten?
"Ich mach's nicht, aber mir ist klar, warum manche Leute das machen", sagt Ullmann.
Als Faulmann noch in Österreich aktiv war, fuhren vier Jäger zur Jagd nach Kroatien. Sie gerieten auf eine Mine, alle vier starben. In einer Pressemitteilung gaben die Tierschützer bekannt, dass ihr Mitleid sich in Grenzen halte. Der Text schloss mit "Waidmanns Dank".
"Wenn jemand stirbt, ist das immer ein trauriges Ereignis", sagt Ullmann. "Bei manchen ist man eben weniger traurig als bei anderen."
Im vergangenen Sommer reiste Faulmann nach Hannover. Der Mutterkonzern von Kentucky Fried Chicken, mit denen sich Peta kurz zuvor angelegt hatte, wollte in Garbsen eine Fast-Food-Filiale eröffnen, und aus irgendeinem Grund hatte David Novak sein Kommen angekündigt, der Vorstandschef. Novak gab geduldig Interviews, als ihn irgendwann eine Peta-Fotografin hinaus vor den Laden bat.
Novak hatte sein Jackett ausgezogen, und so stand er im weißen Oberhemd bereit, als plötzlich Jürgen Faulmann auf ihn zustürmte. Er hatte eine Tüte mit Kunstblut dabei, und auf dem Foto, das Peta auf seine Web-Seite stellte, kann man Novak in seinem blutroten Hemd sehen, wie er ein wenig verdutzt vor seiner Filiale steht.
Vor ein paar Wochen feierte Peta Deutschland seinen zehnten Geburtstag mit einer Gala im Hamburger "Hotel Vier Jahreszeiten". Als Moderator hatte Tobi Schlegl zugesagt, der auf Viva eine eigene Sendung hat. Sie hatten eine Modenschau vorbereitet mit prominenten Models, Thomas D., der Sänger der Fantastischen Vier, war gekommen und Bela B. von den ärzten, Cosma Shiva Hagen und Charlotte Karlinder Kusmagk, die bei MTV arbeitet. Dan Mathews war extra aus Amerika angereist, und bevor es losging, sprang er auf den Laufsteg, um eine kleine Rede zu halten.
Eigentlich habe er den berühmten Ausspruch von John F. Kennedy variieren und die Gäste mit dem Satz "Ich bin ein Hamburger" begrüßen wollen, sagte Mathews. "Aber passender scheint mir, zu sagen: ,Ich bin ein Veggieburger'!" Alle lachten. Es machte auf einmal Spaß, Vegetarier zu sein.
Ullmann trug ein weißes Hemd, das offensichtlich schwer zu bügeln war, und eine Krawatte mit Tiermotiven, die er sich vor Jahren für solche Anlässe gekauft hatte. "Wir spielen mit der Öffentlichkeit", sagt Ullmann. "Was müssen wir tun, um unsere Botschaften in den Medien unterzubringen?"
Als sie die Chance erblickten, Auschwitz in ihre Show zu integrieren, haben sie es einfach gemacht.
"Es hat in der Tierrechtsbewegung nie eine Diskussion darüber gegeben, ob das inhaltlich falsch oder richtig ist. Es hat immer nur Diskussionen darüber gegeben, ob es strategisch richtig ist, es zu tun - ob's uns mehr schadet oder mehr bringt", sagt Jürgen Faulmann. "Das Schnitzel auf dem Teller muss blutiger werden."
Als die Kampagnen-Pläne bekannt wurden, war das Echo gewaltig. Die "Frankfurter Allgemeine" nannte die Kampagne "abscheulich", in der alternativen "tageszeitung" erschien eine Geschichte mit dem Titel "Der Jude, das Grillhähnchen". Irgendwann kündigte die Aktion Sühnezeichen an, dass sie die Kampagne bekämpfen werde, und "Kraut und Rüben", ein Berliner Bioladen, sammelte Unterschriften gegen Peta.
Eine Front aus "FAZ", "taz" und "Kraut und Rüben".
Sie haben es weit gebracht.
24. März 2004
Der Deutsche Tierschutzbund bezeichnet die aktuelle Diskussion zum bereits letzten Juli vorgelegten EU-Vorschlag zum Schutz der Tiere beim Transport als einen untragbaren Rücktritt. "Schon damals kritisierte der Deutsche Tierschutzbund die Gesetzesvorlage als völlig unzureichend, um die Situation für die Tiere bei tagelangen zermürbenden Transporten nachhaltig zu verbessern", kommentiert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Seit einigen Monaten wurde nun in verschiedenen Arbeitsgruppen auf EU-Ebene über den Vorschlag diskutiert. Der Deutsche Tierschutzbund, die Tierärztliche Vereinigung Europas und das Europäische Parlament fordern eine Transportzeitbegrenzung auf Acht Stunden.
Und auch die Bundesregierung tritt für eine Transportzeitbegrenzung ein. "Wir erwarten und gehen davon aus, dass Verbraucherministerin Künast sich zusammen mit den sieben weiteren tierfreundlichen EU-Staaten mit allem Nachdruck in Brüssel dafür einsetzt, dass der Verordnungsentwurf entweder maßgeblich verbessert oder aber abgeblockt wird", so Apel.
Dem komplexen Verordnungsvorschlag nach wird es weiterhin möglich bleiben, Tiere unbegrenzt über den Globus zu transportieren. Die Transport- und Ruheintervalle für die Tiere orientieren sich dabei an den Lenk- und Pausenzeiten der Fahrer. Intervalle, die endlos oft wiederholt werden können. Aufwändige Bestimmungen sollen dabei die Unterbringung und Versorgung der Tiere auf dem Fahrzeug sichern. "Im Grundsatz enthält der Entwurf die selben Schwachstellen, wie die derzeit gültige Gesetzgebung", erläutert Apel die Problematik. Deren Hauptproblem sei, dass die komplexen Regelungen kaum kontrollierbar und damit kaum durchsetzbar sind. Das wird sich sogar noch verschlechtern, sollten die Tiere für die Pausen, wie derzeit vorgesehen, auf dem Fahrzeug belassen werden können. Eine ausreichende Versorgung der Tiere ist nach den von der EU-Kommission dafür vorgesehenen Vorkehrungen in diesem Falle nicht gewährleistet. Darüber hinaus bleibt offen, wo diese Pausen stattzufinden haben und somit auch, wie ihre Einhaltung kontrolliert werden kann. Da aber auch eine Be- und Entladung der Tiere aus Sicht des Tierschutzes problematisch ist, sollten Tiertransporte im Grunde enden, bevor eine Versorgung der Tiere erforderlich ist.
Gerd Braune
OTTAWA, 22. März. Das Eis im St. Lorenz-Golf und vor der Nordostküste Neufundlands ist alljährlich Kinderstube für hunderttausende junge Robben, ab gestern aber auch wieder wie in jedem Jahr Schauplatz der wohl umstrittensten Jagd. Rund 350 000 Sattel- und Klappmützenrobben dürfen wegen ihres Fells getötet werden. Im vergangenen Frühjahr hatte Kanadas Regierung die Jagd neu geordnet. Durften vorher jährlich 275 000 Sattelrobben erlegt werden, wurde nun für die Jahre 2003 bis 2005 eine Gesamtquote von 975 000 Tieren festgelegt.
Tierschützer weigern sich, von einer Jagd zu sprechen. Für sie handelt es sich um ein "grausames und sinnloses Schlachten". Dass die Robbenjagd solche Emotionen weckt, liegt an den Jagdpraktiken. Denn die Tiere werden meist mit Pickel oder Keule erschlagen, dann werden sie, entweder gleich auf dem Eis oder in den Booten der Robbenfänger, gehäutet. Auf dem Eis bleiben blutige Spuren dieser Jagd. Die Tierschützer beschuldigen die Robbenjäger zudem, dass sie Tiere oftmals häuten, wenn diese noch leben, und viele möglicherweise nur bewusstlos waren, als die Jäger sie ausbluten ließen. Streitpunkt ist auch, ob der Robbenbestand trotz der Jagd langfristig nicht gefährdet wird. Das Fischereiministerium schätzt, dass im Nordatlantik mindesten 5,2 Millionen, wenn nicht gar 5,5 Millionen Sattelrobben leben und sich der Bestand seit den frühen 70er-Jahren fast verdreifacht hat. "Robben sind eine Naturressource, die etwa 12 000 Robbenjägern und ihren Familien eine wichtige Einkommensquelle bietet", erklärt das Ministerium. Und Sprecher der Robbenjäger werben um Verständnis: "Den ganzen Winter über haben wir keine Arbeit. Die Robbenjagd ist im Frühjahr die erste Möglichkeit, Geld zu verdienen."
Von Ingolf Bossenz
Die Europäische Union wird größer, die Gelder werden knapper und die Verteilungskämpfe härter. Aber wenn’s um Traditionen geht, die angeblich zur kulturellen Identität von Mitgliedsländern gehören, ist Brüssel nicht knausrig. So soll der Stierkampf in Spanien auch nach der Reform der EU-Agrarpolitik finanzielle Förderung erfahren. Die über tausend Züchter von Kampfstieren werden derzeit jährlich mit bis zu 22,5 Millionen Euro subventioniert. Die Befürworter des blutigen Spektakels in der Arena preisen unterdessen das »privilegierte Leben« der
Toros, deren Leben in nahezu freier Wildbahn von einem majestätischen Tod vor Tausenden Zuschauern gekrönt werde.
Doch auch in Spanien selbst wächst der Widerstand gegen die Barbarei, alljährlich rund 70000 Stiere, Kühe und Kälber in den Stierkampfarenen sowie bei Tierhatzen und anderen »Fiestas« unter dem Deckmantel der Tradition zu quälen und zu töten. Zwar hat die EU im Vertrag von Amsterdam den Tierschutz verankert. Allerdings wird der Stierkampf als Teil der iberischen »Identität« betrachtet. In Portugal, wo der Stierkampf während der Diktatur lange Zeit verboten war, wurde er übrigens mit Unterstützung der EU wieder eingeführt. Demokratie verlangt eben ihre Opfer. Aber es sind ja nur Tiere.
(ND 23.03.04)
15. Mär 2004 11:41
Deutsche Forscher haben ein Modellsystem der Haut entwickelt. Damit können Angriffe von Krankheitserregern auf den Menschen simuliert werden.
Aus humanen Hautzellen haben Forscher ein «in-vitro»-Infektionsmodell entwickelt, mit dem die Virulenz von verschiedenen Stämmen des Pilzes Candida albicans, aber auch von anderen Krankheitserregern wie Bakterien, Viren oder Parasiten untersucht werden kann.
Forscher vom am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB haben das Modell auf der Messe «Medtec» in Stuttgart vorgestellt. Das Modell besteht aus so genannten Fibroblasten, Hautzellen, die in eine Biomatrix aus gewebetypischen Proteinen eingebettet werden. Darauf werden Hornhaut-bildende Keratinozyten «ausgesät». Nach einigen Wochen differenzieren sich diese Zellen zu einer mehrschichtigen Epidermis mit abschließender Hornschicht – wie beim Menschen. Das Modell sei Haut vergleichbar und eigne sich zur Erforschung von Erkrankungen, die durch Mikroorganismen wie Pilze, Bakterien oder Viren und Parasiten hervorgerufen werden, teilte das Fraunhofer Institut mit.
Einer der häufigsten unter Menschen verbreitete Erreger ist Candida albicans. Dieser Pilz ist gegen viele verwendete Medikamente bereits resistent. Das Haut-Modell könnte zur Erforschung neuer Wirkstoffe eingesetzt werden. Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe um Steffen Rupp am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB sucht dazu Proteine, die nur in der infektiösen Form von Candida albicans vorkommen. Um den Beitrag dieser Proteine zum Pilzangriff auf das menschliche Gewebe zu untersuchen, werden so genannte Deletionsmutanten erzeugt, denen ein Gen für eines der Proteine fehlt. Die entstehenden Stämme können im Tierversuch auf ihre Virulenz überprüft werden. Ein Nachteil der Methode ist jedoch, dass Mäuse in der Natur nicht von Candida befallen werden und unklar ist, inwieweit die Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden können. Die in-vitro-Modelle erlauben es dagegen, die Anheftung der Erreger an die Wirtszellen und die anschließende Invasion zu verfolgen. Die Modelle ergänzen so Tierversuche oder helfen, sie zu vermeiden. (nz)
Trotz internationalen Protesten von Tierschützern beginnt am Dienstag vor der Nordostküste Kanadas wieder die Robbenjagd.
(sda/dpa) Beim weltweit grössten Abschlachten von Meeressäugetieren sollen in den nächsten Wochen mindestens 350'000 Sattelrobben und Klappmützen zur Gewinnung von Fell und öl getötet werden.
Der Internationale Tierschutzfonds (IFAW), Greenpeace und weitere Umweltorganisationen sehen darin «sinnlose Massaker». Sie kritisieren, dass vor allem wenige Wochen alte und völlig wehrlose Jungtiere auf oft grausame Weise getötet und nicht selten bei lebendigem Leib gehäutet werden. Sie appellierten an Regierungen in Europa und Asien, den Import von Robbenfellen zu verbieten.
Seit 1995 wieder zugelassen
Kanadas Regierung hatte die kommerzielle Robbentötung 1987 untersagt, jedoch 1995 unter Auflagen wieder zugelassen. Für 2003 bis 2005 wurde eine Rekordschlachtquote von insgesamt etwas mehr einer Million Tiere erlaubt.
Das kanadische Fischereiministerium begründete dies damit, dass die Robben sich stark vermehrt und dabei die Kabeljaubestände dezimiert hätten. Dagegen machen die Tierschützer eine unkontrollierte Überfischung für den Zusammenbruch der Kabeljaubestände verantwortlich.
München (ots) -
Einigung der EU Fischereiminister verabsäumt es, effiziente Maßnahmen zur Verringerung des Beifangs von Walen und Delfinen einzuleiten
Vergangene Nacht einigten sich die Fischereiminister der Europäischen Union in Brüssel auf einen Verordnungstext, der Maßnahmen zur Verringerung des Beifangs von Walen und Delfinen in europäischen Gewässern einleiten soll. Der ursprünglich von der EU Kommission im Sommer 2003 vorgeschlagene und vom EU Parlament unterstützte Entwurf wurde auf Druck zahlreicher Mitgliedsstaaten, darunter Finnland, Spanien, Italien und Frankreich, stark abgeschwächt. Die WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society, kritisiert die vorliegenden Bestimmungen, da diese keinen effizienten Schutz für die Meeressäuger gewährleisten.
In einem im Januar 2004 veröffentlichten wissenschaftlichen Bericht legte die WDCS dar, dass jährlich Tausende Kleinwale im Nordostatlantik als Beifang in Fischernetzen einen qualvollen Tod finden. Hunderte von ihnen stranden jedes Jahr an den britischen und französischen Küsten.
Die beschlossene Verordnung beinhaltet nicht die ursprünglich vorgeschlagene Beschränkung von Treibnetzen in der Ostsee auf 2,5 km Länge und verschiebt das Treibnetzfischereiverbot in dem Gebiet von 2007 auf 2008. Die Treibnetzfischerei ist in den restlichen europäischen Gewässern stark eingeschränkt. In der Ostsee werden die bis zu 21 km langen Netze jedoch weiterhin zum Fang von Lachs eingesetzt. "Die WDCS sieht genau darin eine verpasste Chance, die vom Aussterben bedrohte Schweinswalpopulation der Ostsee effizienter zu schützen" sagt Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS in Deutschland.
Akustische Scheuchvorrichtungen sollen ausschließlich auf Stellnetzfischerbooten mit einer Länge ab 12 Metern eingesetzt werden, in einigen Gebieten erst ab 2005 bzw. 2007. Zahlreiche Stellnetzfischer sind somit von den Bestimmungen ausgenommen. Die Stellnetzfischerei ist vor allem in der Nordsee für den Tod von Tausenden Kleinwalen jährlich verantwortlich. Der Einsatz von Beobachtern ist im Rahmen bestimmter Fischereien auf Schiffen ab einer Länge von 15 Metern vorgesehen. Die Beobachterprogramme umfassen 5% der Fangflotte bzw. 10% der Schleppnetzfischerboote. Auf Schiffen, die akustische Scheuchvorrichtungen einsetzen, sind keine Beobachter vorgesehen, wodurch eine Erhebung der Effizienz der Maßnahme nicht möglich und etwaige negative Auswirkungen durch die dadurch verursachte Lärmbelästigung kaum abschätzbar sind.
"Die EU Mitgliedstaaten sind seit Jahren durch die Habitatsrichtlinie verpflichtet, Beifangzahlen von Walen und Delfinen zu reduzieren und wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Mit dem heutigen Beschluss kann dieses Ziel nicht erreicht werden, zu viele Tiere werden weiterhin einen sinnlosen Tod in Fischernetzen sterben", äußert sich Ali Ross, Fischereiexpertin der WDCS, enttäuscht über den Entscheid.
In den vergangenen Wochen war das Greenpeaceschiff "Esperanza" mit Wissenschaftern der WDCS an Bord auf einer Kontrollfahrt im Nordostatlantik, um Aktivitäten von Schleppnetzfischern zu dokumentieren. Mehrere tote Delfine mit eindeutigen Verletzungen durch Fischernetze wurden in der Nähe von Schleppnetzfischern im Wasser treibend entdeckt und untersucht.
ots Originaltext: Whale and Dolphin Conservation Society
Digitale Pressemappe: presseportal.de/story.htx
Pressekontakt:
Nicolas Entrup, WDCS Deutschland
Tel. 089 61002395 oder Mobil 0171 1423117
E-Mail: niki.entrup@wdcs.org
Jagd- und Waldgesetz sollen ökologischer werden
19. März 2004
Die Bundesregierung will Grundbesitzer und Jäger stärker zur nachhaltigen Pflege des Waldes in die Pflicht nehmen. Hierzu sollen das Bundeswaldgesetz und das Bundesjagdgesetz überarbeitet werden, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) am Freitag in Berlin. Natur- und Artenschützer begrüßten die Ankündigung und forderten eine zügige Umsetzung. An vielen Punkten ließen die Planungen jedoch noch zu wünschen übrig. Das Jagdrecht müsse vom Ballast des Reichsjagdgesetzes von 1934 befreit werden und der Wildbiologie, dem naturnahen Waldbau und dem Tierschutz Rechnung tragen, forderte der Präsident des Naturschutzbundes NABU, Olaf Tschimpke. Im Waldgesetz, das in seiner geltenden Fassung nahezu "ökologiefrei" sei, müssten die anerkannten Grundsätze einer naturnahen Waldwirtschaft verankert werden. Diesem Anspruch würden die von Renate Künast vorgestellten Eckpunkte laut NABU jedoch nur teilweise gerecht. "Insbesondere die Eckpunkte zum Waldgesetz fallen sehr dürftig aus und bleiben weit hinter den Ergebnissen des von der Bundesregierung initiierten nationalen Waldprogramms zurück", so Tschimpke. Wesentliche Bestandteile eines naturnahen Waldes, wie der Schutz von Totholz und besonderen Lebensräumen, würden gar nicht oder weitgehend unverbindlich geregelt. Als positiv hingegen wertete der NABU den angestrebten Verzicht auf Kahlschläge, Pflanzenschutzmittel und Gentechnik im Wald. Nach den Reformplänen sollen Kahlschläge grundsätzlich verboten werden, ebenso sollen Pflanzenschutzmittel oder gentechnisch veränderte Pflanzen im Wald tabu sein. Um das Ziel eines naturnahen Mischwaldes zu erreichen, sollen die Mängel strukturarmer Wälder allmählich abgebaut werden. Durch die Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse soll zudem die Holzvermarktung verbessert werden.
Jäger und Grundbesitzer sollen künftig die Pflicht haben, Wildlebensräume zu pflegen und zu verbessern, so Künasts Planungen. Um das Problem des erhöhten Wildbestandes zu lösen, sollen die Schalenwildbestände auf ein "verträgliches Maß" zurückgeführt werden. Auch solle die Fütterung von Wild grundsätzlich verboten werden. Diese finde nur statt, um "schöne Trophäen vor der Flinte zu haben", sagte die Ministerin. Verboten werden sollen auch bestimmte Jagdtechniken wie die Verwendung von Bleischrot bei Wasserjagd oder die Jagd mit Fallen. Das Abschießen von Hunden und Katzen während der Jagd soll ebenso verboten werden wie die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren. Eine Ausnahme sei der Fang von Frischlingen, wenn die Schweinepest bekämpft werden müsse.
Der NABU kritisierte, die Eckpunkte zum Bundesjagdgesetz ließen die notwendige Entschiedenheit vermissen. "Es ist völlig unverständlich, warum die meisten Wasservogelarten, darunter gefährdete Enten, Gänse und Taucher, weiterhin zur Liste der jagdbaren Arten gehören sollen", sagte NABU-Präsident Tschimpke. Die Regelung zur Jagd in Schutzgebieten geht Natur- und Artenschützern nicht weit genug. So stieß die Ankündigung der Ministerin, die Jagd in Naturschutzgebieten künftig zu verbieten, sofern der Schutzzweck dadurch nicht gefährdet ist, auch auf eher kritische Zustimmung. "Da müssen klarere Formulierungen her", fordert Alexander Heyd, Sprecher des Komitees gegen den Vogelmord. Jagd habe in Naturschutzgebieten grundsätzlich nichts zu suchen. Auch der NABU verlangte, in Nationalparken und Kernzonen von Großschutzgebieten die Jagd entsprechend internationaler Kriterien gänzlich zu verbieten. Ebenso müsse der Einsatz von giftiger bleihaltiger Munition generell verboten werden, nicht nur in Form des Bleischrots bei der Wasserjagd.
Die nun vorgelegten Eckpunkte sollen innerhalb eines Jahres Gesetz werden. Unterdessen wird in Deutschlands Revieren weiter geschossen. Allein im Jagdjahr 2002/03 wurden nach Angaben des Komitees gegen den Vogelmord insgesamt 5.346.986 Wildtiere von Jägern getötet, darunter mehr als 1,5 Millionen Zugvögel. Text unter Verwendung von Material von: ddp
Im Jahr 2003 wurden fünf Millionen Wildtiere getötet
27. Jan. 2004
Anlässlich der am Dienstag beginnenden Ausstellung "Jagd und Hund 2004" in Dortmund bekräftigt der Deutsche Tierschutzbund seine Forderung nach einer grundlegenden überarbeitung des Bundesjagdgesetzes. "Wir erwarten von der rot-grünen Bundesregierung, dass sie ihr im Koalitionsvertrag festgeschriebenes Versprechen hält und das Jagdrecht novelliert", erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Eine solche Reform ist längst überfällig. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als fünf Millionen Wildtiere durch Jäger getötet."
Nehme man den Begriff der Jagdstrecke wörtlich, so bildeten diese getöteten Tiere aneinandergelegt eine Strecke von über 4000 Kilometer Länge. Daher appelliert der Tierschutzbund an die Bundesregierung, sich dieses drängenden Themas verstärkt anzunehmen und das Staatsziel Tierschutz zu verwirklichen. "Eine Novellierung des Jagdrechtes unter Berücksichtigung einer naturnahen Waldbewirtschaftung und unter Tierschutzaspekten hat die rot-grüne Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vom 15.10.2002 versprochen. Wenn dieses Versprechen eingehalten wird, wächst die Chance, dass zukünftig auch der Tierschutz im Bereich der Jagd angemessen berücksichtigt wird", erklärt Wolfgang Apel. Eine Reform des Jagdgesetzes, so Apel, ist überfällig und die änderungsliste aus Sicht des Tier- und Naturschutzes lang. Es geht dabei nicht darum, in einigen Punkten kleine Verbesserungen und Zugeständnisse zu erreichen. Vielmehr muss das Jagdrecht vom Kopf auf den Fuß gestellt werden.
"Es kann nicht sein, dass traditionell festgefahrene Nutzerinteressen im Jagdrecht beharrlich über den Belangen des Tierschutzes stehen und dies noch mit dem Begriff "Weidgerechtigkeit" verharmlosend umschrieben wird", so Apel und fährt fort: "Es muss Schluss sein mit der Einteilung in gute und schlechte Tierarten. Fast 100 Tierarten sind bundesweit zum Abschuss freigegeben, darunter auch geschützte Tierarten. Die einzelnen Bundesländer dürfen sogar zusätzliche Todeskandidaten auf ihre Liste setzen. Es muss Schluss sein, Tiere zu töten, wenn dafür kein vernünftiger Grund vorliegt, wie bspw. die Jagd auf Haustiere oder bedrohte Tierarten. Daneben müssen auch die Jagdzeiten und Jagdmethoden dringend auf den Prüfstand. Der Einsatz tierquälerischer Totschlagfallen oder die Verwendung von Bleischrot bei der Vogeljagd, um nur einige weitere Beispiele zu nennen, müssen endlich der Vergangenheit angehören."
Breite Rückendeckung erhält der Deutsche Tierschutzbund auch vom größten deutschen Dachverband der Umwelt- und Naturschutzverbände, dem Deutschen Naturschutzring (DNR) mit über 5,2 Millionen Mitgliedern. Das unter Mitwirkung des Deutschen Tierschutzbundes vom DNR ausgearbeitete Eckpunktpapier zur Reformierung des Bundesjagdgesetzes liegt der Bundesregierung vor.
vom 20.03.2004
Der Ökologische Jagdverband (ÖJV) begrüßt ausdrücklich die Initiative von Verbraucherschutzministerin Renate Künast zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes. "Eine umfassende Reform dieses Gesetzes ist längst überfällig und Grundlage für eine Neuausrichtung des Jagdwesens in Deutschland, wie sie der öJV seit langem fordert" sagte ÖJV-Bundesvorsitzende Elisabeth Emmert. Die enge Orientierung an Vorgaben des Natur- und Artenschutzes, einer naturnahen Waldentwicklung und Waldbewirtschaftung sowie berechtigten Ansprüchen des Tierschutzes und des Grundeigentums werden zu einer besseren Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft beitragen. Auch von Ministerin Künast wurde betont, dass die Basis des derzeit gültigen, seit Inkrafttreten nur marginal geänderten, Bundesjagdgesetzes das Reichsjagdgesetz von 1934 sei. Nun soll die Neuformulierung von Ziel und Zweck des Gesetzes sowie der Begriffe "Hege" und "Waidgerechtigkeit" die zeitgemäße Ausrichtung an ökologischen und gesellschaftlichen Anforderungen widerspiegeln.
Ebenso wird ein Verbot der Fallenjagd und Fütterung, die Kürzung der Liste der jagdbaren Tierarten und eine an Zielen des Naturschutzes orientierte Jagdausübung in Schutzgebieten vom öJV unterstützt.
Der ÖJV steht auch hinter dem grundsätzliche Bekenntnis der Ministerin zur Beibehaltung der Bundeskompetenz im Jagdrecht und das Festschreiben hoher bundesweiter Standards für eine nachhaltige Jagdausübung.
Jetzt gilt es, die vorgestellten Eckpunkte mit Leben zu füllen und die Formulierung eines konkreten Gesetzesentwurfs an den Erfordernissen einer praktikablen Jagdausübung auszurichten. Der ÖJV dringt auf eine zügige Umsetzung der von Bundesministerin Künast vorgestellten Reform des Bundesjagd und -waldgesetzes, deren Synchronisierung aufgrund des brisanten Wald-Wild-Konfliktes zwingend erforderlich ist.
Ökologischer Jagdverband Deutschland
1. Vorsitzende
Elisabeth Emmert
Alte Poststraße 20
57537 Wissen
Tel.: 02742 - 910626
Fax: 02742 - 910628
Geschäftsstelle
Erlanger Str. 19
91341 Röttenbach
Tel.: 09195 - 923224
Fax: 09195 - 923225
Mail: bayern@oejv.de
Maulkorb für fiese Viecher
Es gibt also doch Kampfhunde. Das Bundesverfassungsgericht hat gestern befunden, Hunde bestimmter Bullterrierrassen seien für "Leib und Leben" von Menschen gefährlich, gefährlicher als etwa Schäferhunde oder Dobermänner. Tierschützer und Hundelobbyisten bestreiten das vehement. Ein Hund sei, argumentieren sie, stets so gefährlich wie sein Halter. Für die genetisch bedingte Aggressivität bestimmter Rassen gebe es keine Beweise. Und dass Zuhälter nun mal gerne Pitbulls kraulen, dafür könnten die Hunde nichts.
Recht haben sie. Es gibt keine verlässlichen, kontinuierlich geführten Beißstatistiken. Und dass, wie eine Gutachterin vor dem Gericht ausführte, das Verhalten eines Tieres immer im Zusammenspiel von Erbanlagen und Erziehung entstehe, ist nicht mehr als eine Binsenweisheit. Das Verfassungsgericht formulierte dementsprechend vage, die vorhandenen Daten seien immerhin "nicht unergiebig" und die "darauf gestützten Erwägungen des Gesetzgebers nicht offensichtlich fehlerhaft". Mit anderen Worten: Es weiß zwar niemand genau, ob Kampfhunde wirklich besonders gefährlich sind, aber wenn alle Angst vor ihnen haben, wird ja wohl was dran sein. Das Verbot bestimmter Hunderassen entspringt nicht der Ratio, sondern einem Gefühl. In der Urteilsbegründung des Verfassungsgerichts klingt noch leise die Hysterie nach, aufgrund derer das Gesetz verabschiedet worden war. Zwar ist der Wunsch verständlich, dass martialisch-bedrohliche Viecher aus der öffentlichkeit verschwinden mögen, egal wie. Doch wird das latente Bedrohungsgefühl durch Riesenköter nicht beseitigt, nur weil im Park künftig Vertreter bestimmter Rassen fehlen.
Hierfür gibt es eine ganz einfache Lösung: Ist ein Hund größer als eine Katze, muss er einen Maulkorb tragen. Besieht man die Effizienz, mit der Ordnungshüter falsch parkende Autofahrer ermitteln, sollte auch diese Pflicht durchsetzbar sein. Und Schnauzer, Dobermann und Co würden sich an einen Maulkorb sicher schneller gewöhnen als ihre Besitzer. HEIKE HOLDINGHAUSEN
betr.: "Maulkorb für fiese Viecher", taz vom 17. 3. 04
Sehr zu Recht verweist Heike Holdinghausen auf den Mangel an Ratio, der bei der Verabschiedung der Gesetze gegen so genannte Kampfhunde zu beklagen war. Eine gesetzliche Regelung mit einem vagen Gefühl (und nicht etwa mit belegbaren Fakten) zu begründen, schafft in der Tat einen bedenklichen Präzedenzfall.
Denn wer weiß in unserer sensationshungrigen Zeit schon, wer oder was morgen möglicherweise zum Objekt eines latenten, nicht näher begründeten gemeinschaftlichen Bedrohungsgefühls wird? Hier jedes Mal mit einem gesetzgeberischen Schnellschuss zu reagieren, dies wäre ein besorgniserregendes Symptom für eine zunehmende Anfälligkeit der Politik gegenüber populistischer Stimmungsmache. Dieselbe Ratio, die von der Autorin eingefordert wird, möchte man ihr jedoch auch selber wünschen: Denn die überwältigende Mehrzahl der rund fünf Millionen Hunde in Deutschland ist noch nie auffällig geworden und erfüllt dabei für ihre Besitzer und die sie umgebenden Menschen wichtige soziale Funktionen. Einen rationalen Grund, für den friedlichen Familienhund von nebenan einen Maulkorb zu fordern, gibt es also beim besten Willen nicht.
JAN SCOTLAND, Bremen
Umstrittene Aktion am Paradeplatz
Mit ihrer Kampagne der provokativen Gleichsetzung von Tieren mit Holocaust-Opfern hat die umstrittene internationale Tierrechtsorganisation «Peta» am Freitag in Zürich Station gemacht. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) ist empört.
(sda) Acht grossformatige Fototafeln stehen auf dem Zürcher Paradeplatz. Jeweils links in schwarz-weiss eine Szene aus einem Nazi-Vernichtungslager und rechts in Farbe ein Bild aus einem Schlachthaus, einer Tierfabrik oder dergleichen. Der Titel darüber soll für beides gelten. So etwa wird «Endgültige Demütigung» illustriert mit einem Bild achtlos aufeinander geschichteter, zum Skelett abgemagerter Menschenleichen; daneben ein Haufen toter Schweine. Und unter dem Titel «Kinder-Schlachter» sind links Kinder in Sträflingskleidung hinter einer Stacheldraht-Absperrung zu sehen, rechts drängeln sich Ferkel hinter einem Stallgitter.
Appell zum Vegetarismus
Die Botschaft von «Peta» (»People for Ethical Treatment of Animals») lautet: Den Tieren geht es genau gleich wie seinerzeit den Opfern des Hitler-Regimes. Die Wanderausstellung heisst entsprechend «Der Holocaust auf Ihrem Teller». Die Organisation appelliert an die Passanten, sich nur noch vegetarisch zu ernähren.
«Perverse Kampagne»
Die Kampagne stösst weitherum auf Ablehnung und Abscheu. «Ein ungeheuerlicher Vergleich», sagte Thomas Lyssy, Vizepräsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) auf Anfrage. Die «absolut perverse» Kampagne sei eine Beleidigung der sechs Millionen Holocaust-Opfer. Laut Lyssy prüft nun der SIG, ob eine Möglichkeit besteht, die Organisation im Rahmen des Antirassismus-Gesetzes strafrechtlich zu belangen. In Deutschland hat der Zentralrat der Juden eine Anzeige wegen Volksverhetzung angekündigt, ein Straftatbestand, den es in der Schweiz nicht gibt.
Auch innerhalb von Tierschutz-Kreisen verwahrt man sich gegen die Gleichsetzung: Die internationale Organisation «Vier Pfoten» disqualifiziert die Ausstellung in einem Communiqué als reine «Effekthascherei». Sie diene allein der Publicity der Organisation «Peta», aber sicher nicht dem Tierschutz.
19. Mär 15:57
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat gegen die Tierschutz-Organisation Peta eine einstweilige Verfügung erwirkt. Bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld drohen der Organisation, wenn sie weiterhin auf Plakaten Bilder von KZ-Häftlingen und Bilder von Tieren in Käfighaltung nebeneinander zeigt.
Bereits am Donnerstag war der Tierschützer-Organisation jede Verbreitung der Bilder, sei es auf Plakaten, Handzetteln oder im Internet, gerichtlich untersagt worden. Die direkte Gegenüberstellung von Tieren mit Opfern des nationalsozialistischen Völkermordes sei menschenverachtend und verharmlose den Holocaust, sagte ein Sprecher des Zentralrates am Freitag.
Die Tierschützer planten eine Wanderausstellung mit acht Großplakaten, die das Töten von Tieren anprangern sollten. Darauf sollten in direktem Vergleich Bilder von Menschen im KZ und Bilder von Tieren wie Hühner, Schweine oder Rinder in Käfighaltung gezeigt werden.
Die ökumenische «Aktion Sühnezeichen» hatte bereits Anfang der Woche gegen die Kampagne protestiert und eine Postkarten- und Mailaktion gestartet. (nz)
Bonn/Berlin (ots) - Der Naturschutzbund NABU hat die Initiative von Verbraucherministerin Renate Künast zur Reform des Wald- und Jagdgesetzes begrüßt und gleichzeitig die zügige Umsetzung beider Vorhaben gefordert. "Der Jahrzehnte dauernde Reformstau im Jagdrecht und beim Bundeswaldgesetz müssen endlich aufgelöst werden. Eine nur ordnungsgemäße Waldwirtschaft und eine irgendwie waidgerechte Jagd werden den zeitgemäßen Anforderungen doch schon lange nicht mehr gerecht", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Das Jagdrecht müsse vom Ballast des Reichsjagdgesetzes von 1934 befreit werden und der Wildbiologie, dem naturnahen Waldbau und dem Tierschutz Rechnung tragen.
Im Waldgesetz, das in seiner geltenden Fassung nahezu "ökologiefrei" sei, müssten die anerkannten Grundsätze einer naturnahen Waldwirtschaft verankert werden. Diesem Anspruch würden die von Renate Künast vorgestellten Eckpunkte laut NABU jedoch nur teilweise gerecht. "Insbesondere die Eckpunkte zum Waldgesetz fallen sehr dürftig aus und bleiben weit hinter den Ergebnissen des von der Bundesregierung initiierten nationalen Waldprogramms zurück", so Tschimpke. Wesentliche Bestandteile eines naturnahen Waldes, wie der Schutz von Totholz und besonderen Lebensräumen, würden gar nicht oder weitgehend unverbindlich geregelt. Als positiv hingegen wertete der NABU den angestrebten Verzicht auf Kahlschläge, Pflanzenschutzmittel und Gentechnik im Wald.
Auch die Eckpunkte zum Bundesjagdgesetz ließen die notwendige Entschiedenheit vermissen. "Es ist völlig unverständlich, warum die meisten Wasservogelarten, darunter gefährdete Enten, Gänse und Taucher weiterhin zur Liste der jagdbaren Arten gehören sollen", sagte der NABU-Präsident. Die Regelung zur Jagd in Schutzgebieten sei praxisfern und bestätige nur den privilegierten Status der Jagd. "In Schutzgebieten muss weitgehende Jagdruhe herrschen", so Tschimpke. In Nationalparken und Kernzonen von Großschutzgebieten sei die Jagd entsprechend internationaler Kriterien gänzlich zu verbieten. Auch müsste der Einsatz von giftiger bleihaltiger Munition generell verboten werden, nicht nur in Form des Bleischrots bei der Wasserjagd. Begrüßt wurde vom NABU das Verbot der Fallenjagd, der Schutz von Greifvogelarten sowie das grundsätzliche Verbot der Fütterung von Wildtieren und des Medikamenteneinsatzes.
Im Internet zu finden unter www.NABU.de
ots Originaltext: NABU
Digitale Pressemappe: presseportal.de/story.htx
Für Rückfragen:
Christoph Heinrich,
NABU-Waldexperte,
Tel. 0228-4036-163
Gregor Beyer,
NABU-Jagdeperte,
0174-182 65 04
Berlin (ots) - Die heutige Ankündigung von Verbraucherschutzministerin Renate Künast, das deutsche Jagdwesen grundlegend zu reformieren, ist von Natur- und Artenschützern in ganz Deutschland begrüßt worden. Wie das Bonner Komitee gegen den Vogelmord in einer Stellungnahme mitteilte, sei eine solche Wende in der Jagdpolitik seit Jahrzehnten überfällig gewesen. Insbesondere begrüße man die Pläne der Ministerin, gefährdete Tierarten wie Greifvögel, Hermelin und Mauswiesel von der Liste der jagdbaren Tierarten zu streichen. "Die Zeiten, in denen Jäger nach Gutsherrenart über das Leben und Sterben bedrohter Wildtiere entscheiden konnten, sind hoffentlich bald vorbei", so Komiteesprecher Alexander Heyd. Auch die vom Verbraucherschutzministerium (BMVEL) geforderten Verbote der Fallenjagd, des Abschusses von Haustieren und der Verwendung von Bleischrot an Gewässern werden vom Komitee unterstützt.
Entscheidend für den Naturschutz ist nach Ansicht des Komitees die Ankündigung der Ministerin, die Jagd künftig an den Zielen des Natur- und Tierschutzes auszurichten. Heyd: "Bisher ist es genau umgekehrt. Selbst mitten in Naturschutzgebieten und Nationalparks dürfen Rote-Liste-Arten und Zugvögel geschossen werden." So stieß die Ankündigung der Ministerin, die Jagd in Naturschutzgebieten künftig zu verbieten, sofern der Schutzzweck dadurch nicht gefährdet ist, auch auf eher kritische Zustimmung. "Da müssen klarere Formulierungen her", fordert Heyd, Jagd habe in Naturschutzgebieten grundsätzlich nichts zu suchen.
Damit die nach Meinung der Vogelschützer längst überfällige Reform endlich "in die Gänge kommt"(Heyd), fordert das Komitee vom BMVEL einen klaren zeitlichen Fahrplan für die Reform. Denn während man in Berlin noch an einem Referentenentwurf arbeitet, wird in Deutschlands Revieren weiter fleißig geschossen. Allein im Jagdjahr 2002/03 wurden nach Angaben des Komitees insgesamt 5.346 986 Wildtiere von Jägern zur Streck gebracht, darunter mehr als 1,5 Millionen Zugvögel.
ots Originaltext: Komitee gegen den Vogelmord e. V.
Digitale Pressemappe: presseportal.de/story.htx
Pressekontakt:
V.i.S.d.P.:
A.Hirschfeld, Komitee gegen den Vogelmord e.V.
Dransdorfer Berg 98
53121 Bonn
Weitere Informationen,
Bildmaterial: Tel.: 0228/665521 oder 0179/4803805
Von Robert Leicht
In Deutschland kommt es nicht nur darauf an, dass jemand etwas Richtiges tut. Es muss auch der Richtige sein, der es tut: nicht nur Recht haben, sondern auch berechtigt sein. Keine Revolution ohne berechtigende Bahnsteigkarte! Nur der Bundesgesetzgeber, der es besser wissen müsste, handelt dem oft zuwider. Deshalb hat das Bundesverfassungsgericht ihm wieder eins auf die Finger gegeben.
Zwar – so die Karlsruher Richter – habe der Bundesgesetzgeber das Phänomen des Kampfhundes richtig eingeschätzt oder vielmehr, wie das Richter zurückhaltend ausdrücken: Seine Einschätzung war „vertretbar und nicht offensichtlich unrichtig.“ Freilich war damit nur das „Einfuhr- und Verbringungsverbot des § 2 Abs. 1 Satz 1 HundVerbrEinfG“ gedeckt. Hingegen: „Das Verbot des Züchtens von Hunden zur Vermeidung von Nachkommen mit erblich bedingten Aggressionssteigerungen“ – das ging zu weit. Dieses Verbot diene nämlich nicht dem Tierschutz (Bundesangelegenheit), sondern dem Schutz der Menschen (Ländersache, da öffentliche Sicherheit und Ordnung).
Doch hier hätten die Richter sorgfältiger differenzieren müssen: Greift der Kampfhund einen Nicht-Kampfhund an – dann ist der Tierschutz gefragt, also Bundessache; vergeht er sich indessen am Herrchen (Mensch!), muss sofort das Land eingreifen; nimmt es der Kampfhund allerdings mit beiden zugleich auf, sind Bund und Land gefragt.
(c) DIE ZEIT 18.03.2004 Nr.13
Maritta Tkalec
Die Tierschutzorganisation Peta stellt ab heute acht verschiedene Plakate aus, die das Leid von Tieren mit den Leiden von KZ-Opfern gleichsetzen und insgesamt unter der überschrift stehen "Der Holocaust auf dem Teller". Zu sehen ist da beispielsweise ein Haufen zum Schlachten getöteter Schweine und ein Berg menschlicher Leichen in einem deutschen Vernichtungslager. Wer ein Schnitzel isst, so die Botschaft, steht mit den KZ-Mördern moralisch auf einer Stufe.
Diese Bildanalogie ist nun derart absurd und auch inhuman, dass sie nicht mehr belächelt werden kann wie die anderen, nur wunderlichen Kampagnen der Tierschutz-Extremisten in den vergangenen Jahren. Eine davon richtete sich gegen Angler, also Menschen, die stundenlang meist schweigend, reglos und entschieden gewaltfrei auf Gewässer schauen in der oft trügerischen Hoffnung, einen Fisch zu fangen. Die meisten Mörder seien früher Angler gewesen, lautete eines der merkwürdigen Argumente, und wer Kindern das Angeln erlaube, züchte künftige Mörder heran. Das war zwar schon extremer Unfug, aber immerhin noch Gegenstand von Spott.
Jetzt aber erreicht der Moral-Terror das Gruselstadium, und es drängen sich Vergleiche mit anderen idealistisch befeuerten Bewegungen auf. Die in den USA gegründete Bewegung Peta - People for the Ethical Treatment of Animals - vereinigt moralisch hoch stehende, sensible Leute, die sich für die besseren Menschen halten, weil sie sich für einen ethischen Umgang mit Tieren einsetzen. Entschlossen, ihre historische Mission zu erfüllen, heiligt ihnen offenbar der Zweck die Mittel - anders kann man die Instrumentalisierung des Holocausts für den Gedanken des Tierschutzes nicht interpretieren.
Mit solchen Idealisten hat die Welt schon diverse Erfahrungen gemacht: Wenn ihnen weder die Argumente noch die Geduld ausreichen, um die verrottete Menschheit auf den einen Pfad der Tugend zu führen, werden sie energischer. Abtreibungsgegner in den USA ermorden ärzte im Namen des Lebens; Sekten treiben ihre Mitglieder zwecks Erleuchtung in den Selbstmord. Politische Bewegungen zur Durchsetzung reiner Lehren endeten immer verheerend - es sei nur daran erinnert wie Pol Pot sein Ideal von sozialer Gleichheit durch Ausmerzung ungleicher Elemente energisch umsetzte. Adolf Hitler, um den Ideenlieferanten der Peta-Holocaust-Kampagne in die Beispielreihe aufzunehmen, betrieb den Menschenschutz nur höchst selektiv, war aber ein Liebhaber der vegetarischen Küche, vor allem des Apfelkuchens, sowie ein ausgemachter Tier- und Naturschutzfreund. Da er Menschenversuche befürwortete, konnte er auf die Misshandlung von Laborratten leicht verzichten. Das sind grobe Vergleiche, in der Tat. Doch das müssen die Peta-Aktivisten aushalten, sie haben die Waffen gewählt.
Bedauerlich ist die Entgleisung der Tierschützer vor allem, weil sie dem Tierschutz schadet. Fast jeder Mensch ringt irgendwann im Leben mit den Konsequenzen, die sich aus der Tatsache ergeben, dass er am oberen Ende der Nahrungskette steht. Mancher hält es dann wie der Löwe, der über seine Lust am Fleisch nicht nachdenkt und seine Zähne in das blutige, zuckende Kitz schlägt. Andere kommen tatsächlich zu dem Schluss, nur mit sich selbst im Reinen leben zu können, wenn sie sogar auf Milch und Honig verzichten. Die Mehrheit isst zwischen den Extremen - oder nimmt zu sich, was die Armut gerade erlaubt.
Doch die Frage noch dem Verhältnis zur Mitkreatur ist existenziell, sich mit ihr ernsthaft, eindringlich zu beschäftigen mittels Information, im Gespräch, im Nachdenken ist gerade für naturentfremdete, dem massenhaften Konsum hingegebene Industriegesellschaften eine fortdauernde zivilisatorische Notwendigkeit. Der gedankenlose Extremismus von Peta stößt ab, blockiert die Bemühungen zu praktischen Verbesserungen zu kommen, die Hühnerhaltung weniger quälerisch zu gestalten, Tiertransporte zu reduzieren, Tierversuche einzuschränken. In Demokratien werden praktische Lösungen gesucht, notwendigerweise haftet ihnen das Unschöne des Kompromisses an. Keinesfalls aber wird die - vegane - Endlösung für das Tierhaltungsproblem angestrebt.
Über schlechten Geschmack lässt sich streiten, über die Banalisierung des Holocausts nicht. Wenn es um Tiere geht, so schreibt Peta auf einem Plakat, wird jeder zum Nazi. Die behandelten Menschen wie Tiere. Wenn Peta beide gleichsetzt, fällt der Vorwurf auf seine Urheber zurück.
Beanstandungen des Schweizer Tierschutzes
crz. Dass der Schweizer Tierschutz (STS) alles andere als in Begeisterungsstürme ausbricht, wenn die Tierhaltung in den Winterquartieren von Zirkussen zur Sprache kommt, ist spätestens seit dem vergangenen Sonntag klar. Denn schon in der Sonntagspresse hatte man eine Kostprobe davon lesen können, was der STS am Mittwoch - just zum Auftakt der Zirkussaison - in Zürich den Medien offiziell präsentiert hat. Nach Ansicht des STS werden in den Winterquartieren verschiedener Zirkusse die Tiere nicht artgerecht gehalten, und teilweise herrschen nach dem Urteil des STS «unhaltbare Zustände». Zwar werden die Anforderungen des Tierschutzgesetzes in der Regel eingehalten, doch diese Minimalanforderungen erachtet der STS als unzureichend. Tierschutz-Präsident Heinz Lienhard verwies am Mittwoch auf die STS-Initiative «Tierschutz - Ja», welche die Haltung von Wildtieren nur noch dann erlauben will, wenn das künstliche Umfeld dem natürlichen Lebensraum weitgehend entspricht. Und weil Lienhard nicht am Erfolg dieser Forderungen zweifelt, forderte er die Zirkusse auf, schon jetzt die Wildtierhaltung zu überdenken.
Grundlage für die Beanstandungen des STS ist eine Recherche des Schweizer Tierschutzes bei fünf verschiedenen Zirkussen, namentlich Knie, Medrano, Monti, Nock und Wulli Reimanns Raubtierschau, durch die STS-Tierärztin Cynthia Lerch. Die Tierärztin kritisierte vor den Medien, dass beispielsweise die Elefanten von Knie viele Stunden an den Füssen angekettet im Stall verbringen müssten. Selbst mit einem Elefantenkind werde so verfahren, sagte sie. - Bei den Pferden ist die Lage nach Ansicht von Lerch nicht viel besser. Die Zirkusse würden lieber mit Hengsten arbeiten als mit Wallachen, Hengste aber könne man nicht in Gruppen halten. Deshalb müssten ausgerechnet die bewegungsfreudigen Hengste viele Stunden am Tag in Einzelboxen hinter Gittern verbringen.
Ein trostloses Bild malte Lerch auch von der Grosskatzenhaltung. Die Löwen und Tiger des Dompteurs Wulli Reimann würden den Winter auf den wenigen Quadratmetern Fläche eines Zirkuswagens verbringen, und nur für wenige Stunden pro Tag werde im Aussenkäfig trainiert. Neben all dieser Kritik schlug Lerch zum Schluss ihrer Ausführungen aber doch noch ein paar versöhnliche Töne an. Und zwar ist es der Zirkus Monti, der dank seinem Verzicht auf Wildtiere und dank der Freilandhaltung seiner Schafe, Ziegen, Enten, Esel und Pferde ein Lob des Tierschutzes für sich verbuchen darf. Die Medienkonferenz des STS hatte freilich auch das Interesse der Zirkuswelt geweckt, welche mit einigen Vertretern vor den versammelten Medien anwesend war. Ueli Eggenberger, Tierarzt des Zirkus Knie, wies die Vorwürfe zum Teil zurück und sprach die zahlreichen Trainingsstunden und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Pferde an. Und Filip Vinzenz von der Zirkuszeitung «Manege» bezeichnete die Forderung nach artgerechter Haltung von Wildtieren als Illusion.
BMU Pressedienst Nr. 66/04
Berlin, 17. Maerz 2004
Seit rund vier Jahren leben wieder Woelfe dauerhaft in Deutschland. Aus Polen zugewandert, hat sich mittlerweile eine kleine Population dieser Wildtiere in Sachsen angesiedelt. Schwerpunkt des Vorkommens ist der 17.000 Hektar grosse Truppenuebungsplatz Oberlausitz. "Die Rueckkehr der Woelfe ist eines der spektakulaersten Ereignisse des Artenschutzes in Deutschland in den letzten Jahren", sagte Bundesumweltminister Juergen Trittin. Die Rueckkehr der Woelfe stellt allerdings die zustaendigen saechsischen Naturschutzbehoerden vor neue und unerwartete Herausforderungen. Denn Woelfe sind Raubtiere, die sich vorzugsweise von Rehen oder Hirschen ernaehren und auch Schaeden an Haustieren verursachen koennen, vor allem an Schafen.
Der Bundesumweltminister begruesst die Bemuehungen des Landes, dem Wolf die Wiederbesiedlung Sachsens zu ermoeglichen. "Das umsichtige und breit angelegte Vorgehen der saechsischen Naturschutzbehoerden findet unsere ausdrueckliche Anerkennung", betonte Trittin. Seit rund anderthalb Jahren wird in Sachsen ein sogenanntes "Wolfsmanagement" praktiziert. Die bislang zwei Wolfsrudel werden intensiv beobachtet, die ortsansaessige Bevoelkerung, Jaeger, Landwirte und Schaefer werden eingehend informiert, Schaeden vermieden durch wolfssichere Elektrozaeune oder durch Herdenschutzhunde. "Woelfe in unmittelbarer Nachbarschaft wecken bei vielen Mitbuergern zunaechst auch Aengste und Sorgen. Deshalb freue ich mich besonders ueber Bemuehungen auf kommunaler Ebene vor Ort, den Wolf als Werbepartner fuer einen sanften Naturtourismus zu nutzen und so zur Entwicklung der Region beizutragen", sagte Trittin.
Forderungen nach Abschuss von Woelfen, wie juengst von einzelnen Jaegern im Rahmen einer Stimmungskampagne erhoben, erteilt der Minister eine klare Absage. "Wer das fordert, der spielt in unverantwortlicher Weise mit dem Rotkaeppchensyndrom, der Angst vor dem boesen Wolf aus dem Kindermaerchen", sagte Trittin. Diese Forderungen konterkarierten den ausdruecklichen Anspruch der Jaegerschaft, als Partner im Naturschutz anerkannt zu werden. "Der Wolf geniesst als streng geschuetzte Tierart einen besonders hohen Schutzstatus nach nationalem und nach europaeischem Recht. Und er ist eine Chance fuer die Entwicklung der Region", so der Bundesumweltminister.
Von Martin Labadz
Sie zählt in Frankfurt zu den klassischen Gastveranstaltungen, die praktisch seit Kriegsende auf dem Messe-Gelände ihre Heimat haben: die internationale Pelzmesse. Seit 1990 firmiert sie unter dem Namen "Fur & Fashion Frankfurt". Zwar sind die goldenen Zeiten der 80er Jahre für die Branche vorbei - nicht zuletzt dank militanter Proteste von Tierschützern. Doch langsam scheint die Dame von Welt wieder Gefallen zu finden am Fell - beeinflusst durch namhafte Modehäuser wie Dior, Gucci oder auch Chanel. Weltweit stieg der Einzelhandelsumsatz im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar - sehr zur Sorge von Tierschützern. Die größte und älteste Pelzmesse weltweit, die "Fur & Fashion" lockte das vergangene Wochenende zahlreiche Fachbesucher nach Frankfurt am Main. Susanne Kolb-Wachtel, Geschäftsführerin des Deutschen Pelz Instituts, dem Sprachrohr der deutschen Pelzbranche, über die Bedeutung der Fur & Fashion: Es ist ein Marktplatz der Kommunikation und der einzige richtig große Marktplatz der Kommunikation in Deutschland. Mehr als 130 Aussteller aus dem In- und Ausland zeigten hier ihre neuesten Echtpelz-Angebote. Der Markt sei riesig, so das Deutsche Pelz Institut, und liege dieses Jahr gegenüber der normalen Textilbranche sogar im Aufwärtstrend. Nerz, Fuchs oder Zobel - die Nachfrage steige. Die Aussichten könnten folglich nicht besser sein, wären da nicht die Tierschützer: "Pelz ist Schönheit, die dem Tier gehört". "Lieber nackt als im Pelz" - die international anerkannte Pelzmesse dient auch als idealer Zeitpunkt, das Thema Tierschutz und die damit verbundenen Rechte wieder publik zu machen. Mehr als 200 aus Deutschland und anderen EU-Ländern stammende Tierschützer nutzten diese Möglichkeit.. Gemeinsamer Tenor der Demonstranten in der Frankfurter Innenstadt: Die Menschen wachrütteln und auf die ihrer Meinung nach nicht artgerechte Haltung der Tiere aufmerksam machen. Heiko Weber, Organisator der Veranstaltung: Diese Pelztierfarmen sind reine Massentierhaltungsanlagen. Die Farmen haben bis zu 35.000 Tiere pro Farm und das Schlimme ist auch noch, dass diese Farmen sich zum Großteil gar nicht an die geltenden Gesetze halten in Deutschland. Susanne Kolb-Wachtel beurteilt die Situation jedoch völlig anders. Das Deutsche Pelzinstitut sehe im Deutschen Tierschutzgesetzt die Grundlage für die Züchtung und Haltung der Pelztiere. Zudem richte sich die Pelzindustrie nach einem vom Bundeslandwirtschaftsministerium im Jahr 1986 herausgegebenen Gutachten zur Pelztierzüchtung. Kolb-Wachtel geht sogar noch weiter: Wir haben seit Jahren einen Verhaltenskodex, an den sich alle Farmer gehalten haben. Die Farmer hier in Deutschland gehen weit über das hinaus, was sie in diesem Gutachten machen müssen. 85 Prozent der Tierfelle stammen von Farmen. Hauptzuchttier ist hier der amerikanische Nerz. In freier Wildbahn durchstreifen die als Einzelgänger lebenden Tiere ein Gebiet von bis zu 25 Quadratkilometern. Nerze bewohnen die Uferzonen, sind gute Schwimmer, jagen hauptsächlich im Wasser und kühlen sich darin ab. In der Zucht jedoch werden diese Tiere in 90 mal 30 Zentimeter großen Drahtkäfigen gehalten. Auslauf haben sie keinen. Auf Pelztierfarmen hängen diese Käfige in langen Reihen neben einander. Eine Nerzfarm in Aachen ist besonders in das Interesse der Tierschützer geraten. Die Käfige erfüllten nicht die neuen Landesauflagen, sie seien zu klein und zahlreiche Gebäude der Farm besäßen keine Baugenehmigung. Susanne Kolb-Wachtel kann diese Mängel jedoch nicht nachvollziehen: Sie erfüllt alle Auflagen, sonst wäre sie nämlich zu. Ist übrigens eine der schönsten Nerzfarmen. Die ist riesig von der Fläche her. Hat sehr breite Abstände zwischen den Gehegen. Es sind relativ große Gehege und er erfüllt alle Auflagen. Lediglich gegen die neuen Vorgaben der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen habe der Betreiber Widerspruch eingelegt. Für Heiko Weber ist es jedoch offensichtlich. Hier werden die mehr als 30.000 Nerze nicht artgerecht gehalten. Geschlossen wurde die Farm nur nicht, weil die Gesetzesvertreter bei derartigen Angelegenheiten zu lasch vorgingen. Die Farm in Aachen hält sich nicht an diese Bestimmungen. Das wissen wir ganz genau, dass ein Großteil der Käfige auf der Farm in Aachen nicht diesen Mindestanforderungen entsprechen. Die Tierschützer sehen gerade an der Nerzfarm in Aachen, dass eine artgerechte Haltung von Pelztieren ihrer Meinung nach gar nicht durchführbar sei. Sie berufen sich auf das Tierschutzgesetz, nach dem Tiere nicht ohne nötigen Grund getötet werden dürfen. Ihre Forderung: Die weltweite Abschaffung der Echtpelzproduktion. Wir sind halt fest davon überzeugt, dass es nicht nötig ist, dass wir Echtpelzprodukte tragen. Also ist eigentlich schon die Haltung von Pelztieren ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.
© DEUTSCHLANDRADIO 2003 Alle Rechte vorbehalten
09. März 2004
Die Umweltorganisation Whalewatch hat einen Report veröffentlicht, der erneut Werbung für einen globalen Walschutz machen soll. Einen humanen Tod der Wale gibt es nach Ansicht von 140 Umwelt- und Naturschutzorganisationen nicht: Die Methoden, mit denen die Meeressäuger getötet werden, sind inhuman und grausam, attestiert die Umweltorganisation Whalewatch. Die Naturschützer fordern erneut einen Stopp der drei verbliebenen Walfangnationen Japan, Norwegen und Island. "Es gibt überhaupt keine humane Art einen Wal auf hoher See zu töten", erklärt der preisgekrönte Naturfilmer David Attenborough im Vorwort des Whalewatch Reports.
Derzeit sind Vertreter aus 55 Ländern der Koalition beigetreten. Whalewatch tritt als Lobby bei der International Whaling Commission auf, um sich vor allem gegen den kommerziellen und wissenschaftlichen Walfang stark zu machen. Zu den neuesten Argumenten zählt nun auch die Brutalität und Grausamkeit, mit der beim Walfang vorgegangen wird.
Pro Jahr werden etwa 1.400 Wale getötet, trotz eines Moratoriums, das den kommerziellen Walfang verbietet. Norwegen hat dieses Moratorium übrigens nie unterzeichnet, Japan und Island umgehen es, indem sie behaupten, dass Wale ausschließlich zu wissenschaftlichen Untersuchungszwecken erlegt werden.
In den meisten Fällen werden dazu Harpunen verwendet, die im lebenden Wal explodieren. Ausnahmen bilden einige kleine traditionelle Gemeinschaften in arktischen Regionen, die immer noch auf traditionelle Weise die Wale töten.
Darüber hinaus kritisieren die Tierschützer auch, dass es nicht einmal adäquate Methoden gebe, um festzustellen, ob der Meeressäuger bereits tot sei oder nicht. Wie nicht anders zu erwarten argumentieren, die Walfänger mit der Feststellung, dass dies nicht stimme. Als besonders verwerflich bezeichnen die Umweltorganisationen die Tatsache, dass viele der Tiere stundenlang leiden, bevor sie verenden.
Text unter Verwendung von Material von: pte
Deutscher Tierschutzbund e.V. – Pressemeldung vom 10. März 2004
Der Deutsche Tierschutzbund fordert Verzicht auf Pelze
Am 11. März eröffnet die Pelzindustrie einmal mehr ihren blutigen Markt der Grausamkeiten in Frankfurt. „Auch nach über 50 Jahren haben die Veranstalter dieser skrupellos praktizierten Tierquälerei noch nicht akzeptiert, dass die aufgeklärte Bevölkerung Pelzprodukte für verwerflich hält und ablehnt“, kritisiert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Modemacher und Pelzindustrie wollen den Verbrauchern weismachen, dass Pelz salonfähig sei. Der Deutsche Pelzverband behauptet sogar der Pelz erlebe sein Comeback. Stagnierende Umsätze beweisen jedoch, dass der Rubel mit tierquälerischen Pelzen nicht mehr rollt. Lediglich ungekennzeichneter Pelzbesatz und Fellaccessoires finden hierzulande noch Käufer. „Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Messe nun Russland, China und die EU-Beitrittsländer in ihr Visier genommen hat“, so Apel weiter. Erstmals erheben die Veranstalter nicht mal mehr eine Eintrittsgebühr.
„Wer auf dieser Messe ausstellt, ist maßgeblich beteiligt an unerträglichem Tierleid“, erklärt Wolfgang Apel. An der tierquälerischen Gewinnung der Pelze hat sich nichts geändert. Weltweit geraten jedes Jahr Millionen Pelztiere in Fangeisen oder Schlingen von Fallenstellern und kämpfen Stunden oder gar Tage um ihr Leben, bevor sie qualvoll sterben. In Deutschland und in den Exportländern müssen abertausende Nerze und andere Pelztiere in kleinsten Drahtkäfigen dahinvegetieren. Da sie ihrem natürlichen Bewegungs-, Jagd-, Fress- und Spieldrang nicht nachgehen können, zeigen sie massive Verhaltensstörungen: Sie fügen sich böse Bisswunden zu, verstümmeln sich selber und töten zum Teil ihren eigenen Nachwuchs. „Zur ‚Pelzernte’, wie die Zeit der Tötung von der Pelzindustrie genannt wird, werden sie dann vergast und sterben elendig für unnötigen modischen Firlefanz“, beschreibt Apel einige Einzelheiten der Tierquälerei.
„Boykottieren Sie dieses blutiges Geschäft – kaufen Sie keinen Pelz“, so der Appell des Tierschutzbundpräsidenten an alle Verbraucherinnen und Verbraucher. Dies gilt insbesondere für Pelzbesatz und modische Accessoires, bei denen auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, dass es sich auch hierbei um Produkte von getöteten Tieren handelt. Die Modeindustrie hält für jede Temperatur und jeden modischen Geschmack Bekleidungen bereit, für die kein Tier leiden und sterben musste. Nach dem Motto „ein Mensch mit Herz kauft keinen Nerz“ erhofft sich Apel, dass diese Branche bald endgültig der Vergangenheit abgehört.
Ihre
Pressestelle
Deutscher Tierschutzbund e.V.
Baumschulallee 15
53115 Bonn
Tel. 0228 / 604 96-24
Fax: 0228 / 604 96-41
e-mail: presse@tierschutzbund.de
Besuchen Sie auch unsere Website www.tierschutzbund.de
Robbenbabys: Nach dem Fellwechsel droht der Tod
Düsseldorf (rpo). Im Frühjahr ist wieder Jagdsaison auf dem Eis vor Kanadas Küste: Bis zu 350.000 Sattelrobben dürfen Jäger in diesem Jahr erlegen.
Nachdem die Tiere in den siebziger Jahren beinahe ausgerottet worden waren, gab es nach weltweiten Protesten ein zeitweises Jagdverbot. Inzwischen haben sich die Bestände erholt, und das Jagdverbot gilt nur noch für die Jungtiere im weißen Babypelz.
Wenn diese im Alter von etwa 2 Monaten ihr Haarkleid wechseln, werden allerdings auch sie zur begehrten Beute der Robbenfänger. Das berichtet das Magazin "National Geographic Deutschland".
Tierschützern ist die von der kanadischen Regierung erlaubte Fangquote zu hoch. Sie sehen die Tierart bedroht und zweifeln an den Bestandszahlen, auf denen die Festlegung der erlaubten Fangmenge beruht.
Für die Robbenfänger ist die Jagd ein lukratives Geschäft. Absatz finden vor allem die Felle der Robben. Aber auch für das Fett der Tiere gibt es einen Markt: Es findet Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln und Handcremes.
Legehennenbetrieb in Alvern mit ungewisser Zukunft – Was passiert nach 2006?
Produktiver und gesünder? Dicht an dicht stehen die Hennen im Käfig.
Ab 2007 ist die Käfighaltung in Deutschland grundsätzlich verboten, das verspricht zumindest Verbraucherministerin Renate Künast. Seit Jahresbeginn müssen Stempel auf den Hühnereiern Auskunft über die Haltungsart der Tiere geben. Der Verbraucher soll leichter erkennen können, was auf den Tisch kommt und keine Eier aus Käfighaltung untergejubelt bekommen. Der Käfighaltung eilt ein schlechter Ruf voraus – was ist dran an diesem Vorurteil?
Die größte Legebatterie im Kreis Celle steht vor den Toren Alverns, knapp 104000 Legehennen leben hier für ein Jahr in Käfighaltung. Danach werden sie geschlachtet. „Wir wechseln immer komplett alle Tiere aus, dass ist einfacher mit den Impfungen”, berichtet Gerold Bartels, Geschäftsführer der egga-Landei GmbH, die auch in Alvern produziert. Er hält die Käfighaltung nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen für die beste Methode: „Natürlich ist das alles weniger kostenintensiv, aber wir haben auch eine geringere Verlustrate gegenüber den anderen Haltungsformen. Bei uns sind es nur fünf Prozent, draußen sind es 15 bis 20.” Den Grund sieht Bartels darin, dass die Tiere bei der alternativen Tierhaltung mehr Kontakt mit Parasiten und Krankheitserregern bekommen. „Nehmen wir nur die Vogelgrippe, wenn die Zugvögel aus Asien zurückkommen, wer garantiert denn, dass sie nicht etwas einschleppen”, fragt Bartels. Kreisveterinär Dr. Eckhard Peters pflichtet ihm bei: „Die Tiere sind nirgends so gesund wie im Käfig.” Damit das auch so bleibt, lässt Bartels seine Tiere über das Trinkwasser gegen alle erdenklichen Krankheiten impfen und ist sich auch sicher, dass die Hühner nicht unglücklich sind: „Wenn ein Huhn im Käfig im Jahr 320 Eier legt und die Hühner draußen nur 270, dann frage ich mich schon welches sich wohler fühlt. Genug Platz haben sie auch im Käfig. Es ist nur umgerechnet wenig Platz pro Huhn, aber sie können sich dort schon bewegen.”
Noch mehr Platz gibt es, seitdem der Betrieb aus zwei Käfigen mit je fünf Hühnern, einen großen Käfig mit neun Hühnern machen musste. Diese Maßnahme wurde nach änderungen im Tierschutzgesetz notwendig.
„Wir wollen doch auch, dass es den Tieren gut geht, sie sind unser Kapital”, sagt Bartels, „in den USA sagt man zum Beispiel, die Käfighaltung sei Tierschutz. Wir sind gar nicht gegen Alternativen, ein ausgestalteter großer Käfig wäre super. Käfighaltung generell zu verbieten wird nicht umsetzbar sein.”
„Die so genannten ausgestalteten Käfige sollen den Legehennen alles bieten was sie brauchen”, erklärt Dr. Eckhard Peters, „eine Scharrfläche, Nester, Sitzgelegenheiten. Es wäre ein größerer Käfig mit bis zu sechzig Hühnern.” Peters setzt sich vehement für diese Haltungsform ein, nur so ließe sich die Produktion auffangen, denn 84 Prozent der deutschen Legehennen leben in Käfighaltung.
Deutscher Tierschutzbund e.V. – Pressemeldung vom 8. März 2004
„Der Schutz von Tieren darf nicht nur auf dem Papier stehen. Er muss auch umgesetzt werden. Tierschutzverbände brauchen das Recht, den gesetzlich verbrieften Tierschutz durchzusetzen. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt nachdrücklich die Initiative des Landes Schleswig-Holstein zur Einführung der tierschutzrechtlichen Verbandklage. Wir fordern den Bundesrat auf, dem Gesetzentwurf des Landes Schleswig-Holstein zuzustimmen.“ Mit diesen Worten kommentiert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, den Gesetzentwurf des Landes Schleswig-Holstein für ein bundesweites Verbandsklagerecht im Tierschutz, den der zuständige Landesminister für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft , Klaus Müller, heute gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund und dem Bundesverband gegen Tierversuche – Menschen für Tierrechte in der Bundespressekonferenz vorstellt.
Zum 1. August 2002 ist das Staatsziel Tierschutz in Kraft getreten. Bund und Länder sind damit zu einem effektiven Tierschutz verpflichtet. Das wirksamste Mittel hierzu ist das Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen. „Wo kein Kläger, da kein Richter. Tiere aber können nicht klagen. Daher müssen die Tierschutzorganisationen die Möglichkeit haben, anstelle der Tiere zu klagen, um Tierquäler zu belangen oder auch, um das Tierschutzrecht einzufordern, wenn sich Behörden und Regierungsstellen hierüber hinwegsetzen. Die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes in die Praxis umzusetzen ist nur mit dem Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände möglich“, erläutert Apel. „Was im Naturschutz selbstverständlich ist, soll angesichts der neuen Verfassungslage dem Tierschutz nicht verwehrt bleiben.“ Durch das Verbandsklagerecht würden Rechtslücken geschlossen und eine „Waffengleichheit“ im Verhältnis zwischen Tiernutzern, Behörden und zu schützenden Tieren hergestellt. „Während Tiernutzer gegen alles und jeden klagen dürfen, können Tierschützer noch nicht einmal in Fällen schlimmster Tierquälerei einschreiten. Wo jetzt noch tierquälerische Massentierhaltungen oder Massentötungen von Tieren widerspruchslos praktiziert werden, könnte dann im Namen der Tiere Einspruch eingelegt werden“, erklärt Apel. überdies wäre es dann den Tierschutzorganisationen möglich, begründete Rechtsbehelfe gegen das betäubungslose Schächten und grausame Tierversuche einzulegen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Pressestelle
Deutscher Tierschutzbund e.V.
Baumschulallee 15
53115 Bonn
Tel. 0228 / 604 96-24
Fax: 0228 / 604 96-41
e-mail: presse@tierschutzbund.de
Besuchen Sie auch unsere Website www.tierschutzbund.de
Der Kurfürstendamm war gestern Mittag für kurze Zeit um einen Blickfang reicher. Denn über 200 Jagdgegner und Tierschützer aus ganz Europa zogen vom Adenauerplatz über den Kudamm zum Breitscheidplatz. Einige von ihnen hatten sich riesige Tierköpfe aus Pappmaché aufgesetzt oder sich als Jäger verkleidet.
Den Demonstrationszug führten vier Männer im schwarzen Traueranzug an, die einen Sarg mit einem Hirschgeweih trugen. Lautstark beschallt wurde die Shopping-Meile von Parolen wie "Schafft die Jagd ab!" und einem gleich klingenden Rap-Song, der alle paar Meter gespielt wurde.
Das Anliegen der Demonstranten wurde so zum Happening für Touristen und Passanten. Viele zückten ihre Digitalkameras und fotografierten die Aktivisten oder ließen sich vor der Gruppe wie vor einem Denkmal ablichten. Die meisten hatten dann aber auch nicht mehr als ein Lächeln für die Jagdgegner und ihre teils radikalen Forderungen und Parolen übrig. Einige beschimpften die Demonstranten auch, schüttelten verächtlich den Kopf oder machten die Scheibenwischer-Bewegung.
Zum 30. Mal fand die Demonstration wie an jedem ersten Samstag im Monat in Berlin statt. Die Aktivisten fordern vor allem ein generelles Jagdverbot und einen intensiveren Tier- und Naturschutz. Nach ihrer Auffassung ist Jagd "Terror gegen Tiere", schade der Natur und der natürlichen Population und stelle eine Lebensgefahr für Spaziergänger, Kinder und Haustiere dar. Sie bezeichnen Jäger als "Lust-Töter" oder "Folterknechte" und schrecken auch nicht davor zurück, die Jagd mit dem Holocaust zu vergleichen.
Veranstalter ist die "Initiative zur Abschaffung der Jagd". Um diese gab es bereits 2003 Diskussionen, weil sie mit der umstrittenen spiritistischen Sekte "Universelles Leben" in Verbindung gebracht wurde. Demo- Organisator Kurt Eicher bestätigte der Berliner Morgenpost, dass sich unter den Demonstranten Anhänger dieser Sekte befinden. "Für mich ist das aber völlig unproblematisch", sagte er.
Von GERDA SAXLER-SCHMIDT
06.03.2004 07:22 Uhr
SWISTTAL-MIEL. Pauli ist ein sehr lebhafter, verspielter Labrador- Mischling. Am Freitag der vergangenen Woche änderte sich das Verhalten des 22 Monate alten Hundes plötzlich. „Pauli hat nur noch geschlafen", erzählt sein Besitzer Martin Engers aus Miel. Als der Labrador dann mehrfach erbrochen hatte, brachte sein Herrchen ihn zu seiner Tierärztin. „Und dort wurde ich gleich gefragt, ob ich denn auch mit Pauli in der Nähe der Golfplatzes spazieren gewesen sei", so Martin Engers.
Wie die Tierärztin auch gegenüber der Rundschau erklärte, seien in den vergangenen Wochen mehrfach Hunde zu ihr gebracht worden, die in Miel offensichtlich gezielt ausgelegte Köder gefressen und danach mit Symptomen wie Erbrechen zu ihr gebracht worden waren. Die Köder seien als „Hundekekse" verschiedener Sorten getarnt gewesen. In einem Fall hätten diese Kekse sogar im Vorgarten einer Hundebesitzerin gelegen, in deren Briefkasten auch eine Art „Drohbrief" mit dem Hinweis auf diese Köder und die Absicht, die Hunde zu vergiften, gefunden worden sei.
Was sein Labradormischling Pauli gefressen hat, weiß Martin Engers nicht. In den letzten Tagen aber hat er bei seinen Spaziergängen um Miel gezielt andere Hundebesitzer angesprochen, erzählt er. Eine Hundebesitzerin habe ihm gesagt, dass sie selbst am Sportplatz in der Ortsmitte solche Köder gefunden habe. Auch an dem „Grasweg" parallel zur Autobahn und in Richtung der Parkanlage am Friedhof seien sie aufgetaucht.
„Ich weiß, dass eine englische Bulldogge jetzt auch flach liegt", hat Engers erfahren. „Mir geht es jetzt darum, die Hundebesitzer für die Gefahr zu sensibilisieren." Beim Ordnungsamt der Gemeinde Swisttal war von diesen Gift-Ködern gestern nichts bekannt. Balthasar Schumacher, selbst Mieler und Hundebesitzer, war bei seinen „Runden" darauf angesprochen worden, hatte aber keine „Kekse" gefunden.
Auch bei der Polizei in Heimerzheim waren bislang noch keine Hinweise oder Anzeigen von Hundebesitzern eingegangen, so der zuständige Bezirksbeamte Fred Klöckner gegenüber der Rundschau. Wie Paulis Tierärztin auf Anfrage erklärte, nimmt nicht jeder Hund die Köder an. Während einige Tiere die gefährlichen „Kekse" fressen, lassen andere sie achtlos liegen.
Die Fachfrau rät, bei Anzeichen wie Erbrechen oder übermäßigem Schlafbedürfnis der Tiere, sofort einen Tierarzt aufzusuchen. Auch wenn Besitzer beobachten, dass ihr Tier einen solchen Köder gefressen hat, sollte umgehend tierärztlicher Rat gesucht werden. (sax)
Heringsdorf Seit der Karlshagener Revierförster Uwe Wobser im November 2003 nahe Peenemünde einen Keiler erlegte, der aufgebrochen 172 kg auf die Waage brachte, beanspruchen immer neue Jäger den Ruhm, Deutschlands schwersten Keiler geschossen zu haben (OZ berichtete).
Erst meldeten sich Velgaster Jäger bei der OSTSEE-ZEITUNG, um für ihren Weidgenossen Ralf Berner Anspruch auf den Titel anzumelden. Berner hatte am 12. September 2003 in einem Maisfeld Nordvorpommerns einen Keiler zur Strecke gebracht, der aufgebrochen 2,5 kg mehr als der des Karlshagener Försters wog.
Kurz darauf verwies Christel Mathias aus Buggenhagen auf einen Keiler, den ihr inzwischen verstorbener Mann Erwin als 23-Jähriger 1956 erlegt hatte. Sage und schreibe 192 kg wog das aufgebrochene Tier.
Doch auch dieses scheint nicht Deutschlands schwerster Keiler gewesen zu sein. Diesen glaubt in aller Bescheidenheit der Gothener Jagdpächter Joachim Meißner 1962 erlegt zu haben. An den Tag, als er den Schuss auf ein kapitales Wildschwein abgegeben hatte, das später aufgebrochen sage und schreibe 199 kg wog, erinnert sich Meißner, als wäre es gestern gewesen. „Schließlich war das schon damals der größte Keiler, der im Bezirk Rostock erlegt wurde.“
Getroffen wurde das Tier am 19. September um 22.45 Uhr im Gothener Wald. „Es war ein außergewöhnliches Jahr, denn an diesem Tag war Schnee gefallen“, sagt Meißner. Das habe seinem Hund geholfen, die Fährte aufzunehmen. Erst am Tag darauf hat er den Keiler im Bruch an der Ahlbecker Beeck gefunden. „Das Schwein versuchte den Hund, der sich an seinem Hals fest gebissen hatte, zu Boden zu drücken und zu töten, doch das gelang nicht. Ich habe ihm dann einen weiteren Schuss versetzt und es sank zusammen.“ Sechs Mann wurden benötigt, um das Tier an Stangen aus dem Bruch zu tragen.
Die Gewehre waren 27 cm lang und 29 mm breit und sind mit den Harderern bis heute der Schmuck der Trophäensammlung des Jägers, der seit 1953 mehr als 1000 Schweine erlegt hat. Am 1. April endet seine Jagdpacht für das Gothener Revier, in dem er so erfolgreich war. Lediglich einen großen Hirsch hatte er außerhalb davon im Benzer Wald erlegt. Wie für alle Anwärter auf den schwersten Keiler, zählt auch für Joachim Meißner das Jagderlebnis mehr als irgendwelche Auszeichnungen und Titel.
Britische Tierschützer greifen zu radikalen Methoden. Sie terrorisieren nicht nur Forscher und Züchter, sondern auch deren Familien
Von Reiner Luyken
An einem kalten Samstag im Februar schwärmen fünf, sechs in dicke Anoraks und Armeeparkas gehüllte Gestalten über den Parkplatz des Riverside Hotel in der mittelenglischen Kleinstadt Burton-upon-Trent und klemmen Flugblätter hinter Scheibenwischer. Auf den Flugblättern sind drei Männer abgebildet, die Farmer John, David und Christopher Hall. Unter den Fotos steht: „Diese Leute züchten Meerschweinchen für Labore, in denen die Tiere bei qualvollen Experimenten umgebracht werden. Das Riverside Hotel nimmt bedenkenlos ihr mit Folter und Missbrauch verdientes Geld. Wir fordern Hausverbot für die widerliche Familie.“
„Kampagne zur Rettung der Meerschweinchen von Newchurch“ nennt sich die Gruppe. Newchurch ist die Gemeinde, in der die Halls wohnen. Dort produziert die „widerliche Familie“ auf ihren Höfen neben Agrarprodukten eine begehrte Zuchtlinie der Nagetiere, die bei Tierversuchen im National Institute for Medical Research, im Institute of Neurology des University College London und an den Universitäten Cardiff und Sheffield Verwendung findet.
Minuten nachdem die Meerschweinchen-Retter ihre Zettel auf dem Parkplatz verteilt haben, kommt der Geschäftsführer des Riverside Hotel aus seiner mit einer Stinkbombe verpesteten Rezeption. Er fleht die Demonstranten an, sie möchten sein Etablissement doch bitte in Ruhe lassen. „Ich kann Ihnen versichern“, sagt er, „dass ich die Halls nie wissentlich bedient habe. Ich habe meine Bücher geprüft. Unter ihrem Namen wurde nie ein Tisch reserviert.“
Das hilft ihm nichts. Erst dann werde er in Ruhe gelassen, macht ihm der Anführer des Trupps klar – ein hochgeschossener, bebrillter, immer zum Lachen aufgelegter Charakterkopf namens Johnny–, wenn er sich in einer E-Mail an die Organisation von den Halls distanziere. Bis dahin bleibe das Hotel auf einer im Internet veröffentlichten schwarzen Liste, neben über 20 Zulieferern und indirekt mit den Halls assoziierten Unternehmen und Personen.
Zwei Molkereien sind dort nicht mehr aufgeführt, seit sie den Farmern die Verträge zur Abnahme ihrer Milch gekündigt haben. Den Hall-Brüdern blieb nichts anderes übrig, als ihre Kuhherde zu verkaufen. Auch die Firma, die den Halls öl zustellte, gab dem Druck der ALF nach und stellte ihre Lieferungen ein. Der örtliche Golfclub wurde als Hort der Kollaboration verunglimpft, bis er öffentlich versicherte, dass die Halls nicht mehr im Mitgliedsregister stünden.
Großbritanniens Ruf als idealer Forschungsstandort ist in Gefahr
Die Adresse der Tierschützer-Kampagne ist ein Postfach im 120 Kilometer entfernten Evesham. Sie deckt sich mit der einer anderen Organisation, die gegen angebliche Tierquälerei agitiert. Beide Gruppen gehören zu einem weit verzweigten Netzwerk, das von der schattenhaften Animal Liberation Front (ALF) gesteuert wird, der radikalsten und militantesten Tierrechtsbewegung der Welt. Ende Januar errang die ALF ihren bislang größten Erfolg. Die Universität Cambridge stornierte Pläne zum Bau eines Instituts für Alzheimer- und Parkinsonforschung an Primaten. Fast 32 Millionen Pfund sollte der Bau kosten. Die Pläne waren von höchster Regierungsstelle abgesegnet. Ein Kostenfaktor geriet jedoch immer mehr außer Kontrolle: der Aufwand für Sicherheits- und Schutzmaßnahmen gegen Extremisten.
Ein Schock für britische Bioforscher. Generell haben sie weniger Akzeptanzprobleme als Kollegen anderswo. Die Regierung steht hinter ihnen, die Bevölkerung ebenso. Bei einer Umfrage erklärten sich 90 Prozent der Befragten mit Tierversuchen einverstanden, solange diese unumgänglich seien und kein unnötiges Leiden verursachten. 70 Prozent aller Berichte über medizinische Forschung in Radio und Fernsehen, in Massenblättern und Qualitätszeitungen betonen die positiven Ergebnisse von Tierversuchen; der Rest stellt das Pro und Contra meist gleichgewichtig dar.
Doch auf einmal steht Großbritanniens Ruf als Forschungsstandort, in den es sich zu investieren lohnt, dahin. Niemand wird noch einmal wagen, hier Hirnforschung in der in Cambridge angestrebten Größenordnung zu betreiben.
Die ALF machte zum ersten Mal Anfang der siebziger Jahre auf sich aufmerksam, als sie Briefbomben an die Parteiführer des Unterhauses versandte. Sie hält Tierhaltung für Sklaverei und nennt die vorherrschende Einstellung gegenüber anderen Kreaturen in Anlehnung an Rassismus speciesism – „Speziesismus“. Als wissenschaftlichen Kronzeugen führt sie gern den vor drei Jahren verstorbenen deutschen Chirurgen Werner Hartinger, einen Tierversuchs-, Impf- und Gentechnikgegner, an. Ihm zufolge habe Vivisektion, wie die ALF alle Tierexperimente nennt, nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern nur mit der Profitgier pharmazeutischer Konzerne. Die Organisation besteht aus einem Pressesprecher, einem harten Kern von etwa 12 führenden Köpfen und 30 Vollzeitaktivisten. Ihre ersten Erfolge vor dem Coup von Cambridge verbuchte sie 1999 mit der erzwungenen Schließung einer Katzenfarm und, im darauf folgenden Jahr, einer Affenzuchtanstalt.
Die Hauptstraße wird wegen Bombendrohungen gesperrt
Inzwischen regiert die schlichte Angst vor den Tierschutzbrigaden. Trommel schlagende und mit Presslufthörnern hupende Demonstranten umringen die Häuser von Firmenangestellten, verschreien sie als „Mörder“, „Folterknechte“ und „Abschaum“. Nachts schütten sie Abbeizmittel über Autos, schlagen Scheiben ein, zwicken Telefonleitungen ab und sägen Strommasten um. Sogar die Schwiegereltern eines Angestellten der Halls wurden aufs Korn genommen. Die Haupteinkaufsstraße in Burton-upon-Trent musste an drei aufeinander folgenden Samstagen wegen anonymer Bombendrohungen geräumt werden. Nicht jeder hat einen breiten Rücken wie der Wirt des Red Lyon Pub im nahen Newborough, der den Farmern öffentlich die Stange hält: „Da müssen wir eben durch.“
Wie jede Terrorbewegung hat auch die ALF ihre Märtyrer, sieben an der Zahl. Einer starb 2001 bei einem Hungerstreik gegen die Massenabschlachtung von Rindern, als die Maul- und Klauenseuche wütete. Andere wurden bei Protesten gegen Kälbertransporte und die Fuchsjagd der ALF zufolge „vorsätzlich überfahren.“ Einer ihrer noch lebenden Helden sitzt eine zehnjährige Gefängnisstrafe ab. Er hatte bei einem Einbruch in Newchurch 800 Meerschweinchen der Halls „befreit“, Brandbomben besorgt und mit zwei nicht identifizierten Mittätern den Direktor der Firma Huntington Life Sciences (HLS) zusammengeschlagen.
HLS ist ein Unternehmen, das im Auftrag der pharmazeutischen Industrie Tierexperimente durchführt. Die Tierrechtler führten eine jahrelange Kampagne gegen die Firma, auch gegen deren Geldgeber. Die Royal Bank of Scotland kündigte daraufhin ihre Kredite. Kein anderes Geldinstitut sprang in die Bresche. Die Regierung rettete HLS vor dem Bankrott, indem sie ein Sonderkonto bei der Bank of England einrichtete – ein einmaliger Vorgang.
Huntington Life Sciences erwirkte eine gerichtliche Verfügung gegen die gewaltsamen Proteste. Das kostete eine viertel Million Pfund, weit mehr, als es sich Forschungsinstitute oder Farmer wie die Halls – auch HLS gehört zu ihren Kunden – leisten können. Die angesehene Royal Society stellte sich vergangene Woche mit der Veröffentlichung eines Leitfadens für ethisch verantwortbare Tierversuche hinter die Forscher. Um sie und ihre Infrastruktur zu schützen, sagt Mark Matfield, Direktor der Research Defence Society (RDS) und der European Biomedical Research Association, sei die Zeit für strengere Gesetze und drastischere Strafandrohungen gekommen: Nur mit medialer und politischer Überzeugungsarbeit, mit der die RDS seit 1908 die damals zum ersten Mal laut werdenden Proteste der Tierrechtler kontert, ließe sich der Vormarsch der Extremisten nicht mehr aufhalten. Die USA, „die einen Bruchteil unserer Probleme haben“, verabschiedeten bereits 1992 Gesetze gegen Tierrechtsterrorismus.
Die englische Polizei richtete bislang eine zwei Dutzend Mann starke Sondertruppe ein. In Staffordshire, der Grafschaft, in der die Farmen der Halls liegen, sind sieben Beamte zur überwachung der Antivivisektionisten abgestellt. Sie kontrollieren die zwei- bis dreimal wöchentlich vor der Einfahrt zum Hall-Hof abgehaltenen Demonstrationen auf die feine englische Art. Krachmachen ist erlaubt, aber nicht mit Trommeln. Niemand sagt etwas, als Demonstranten die Halls über Lautsprecher obszön verleumden. Als sie jedoch ein Spruchband ausbreiten, das die Meerschweinchenzucht mit Auschwitz vergleicht, interveniert ein Constable. Das verstoße gegen Artikel 42 des Gesetzes zur Aufrechterhaltung öffentlicher Ordnung.
Um die 30 Demonstranten sind an diesem Nachmittag gekommen, die meisten davon Profis aus der radikalvegetarischen Antiglobalisierungsszene, aber auch einige ältere Damen. Eine vertraut Johnny (dem Rädelsführer auf dem Riverside- Parkplatz) in einem Briefumschlag eine 20-Pfund-Note an. „Gott vergelt’s“, bedankt er sich fröhlich.
Neil Lea, Gründervater der ALF, ist zu Hause geblieben. Er ist an einen Rollstuhl gefesselt. Er lebt mit einer verpflanzten Niere – Ergebnis einer Operationstechnik, die mit Tierexperimenten entwickelt wurde, genauso wie die bei Verpflanzungen notwendige Medikation. Das ist kein Grund für seine Partnerin Mary, von den fundamentalistischen Argumenten der ALF abzurücken. Ohne Tierversuche wäre die Transplantationstechnik viel schneller entwickelt worden, behauptet die Oxford-Absolventin. Und: Die ärzte seien verblüfft, dass Neil Lea ohne das in seinem Zustand eigentlich notwendige Insulin auskäme; das schrieben sie allein seiner vegetarischen Ernährung zu.
In Marys Welt gibt es keine Schattierungen. Gier und Korruption, das sei die Verderbtheit der Erwachsenen. Das Gute spricht aus Kindermund. Sie hat ihren siebenjährigen Sohn mitgebracht. Der weiß jetzt schon, dass er nie in seinem Leben Fleisch essen wird. Warum? – „Weil ich nicht will, dass Tiere getötet werden“, plappert er brav, als die Mutter ihn, zur Aufklärung des lauschenden Reporters, verhört.
Am 24. April wollen die Antivivisektionisten den „Welttag der UN für Labortiere“ mit einer Großdemonstration vor der Farm der Halls begehen. Erkundigt man sich allerdings im Hauptquartier der Weltorganisation nach dem „Welttag für Labortiere“, bekommt man zur Antwort: „Den gibt es im Kalender der Vereinten Nationen nicht.“
(c) DIE ZEIT 04.03.2004 Nr.11
Peking - Nach dem neuen SARS-Fall in der chinesischen Provinz Guangdong haben die Behörden mit der Tötung Tausender Zibetkatzen begonnen. Die auf der Roten Liste stehenden Tiere gelten als überträger der Lungenseuche. Sie sind in China eine Delikatesse.
In der gesamten Provinz wurden die Katzen auf Märkten, in Restaurants und Zuchtbetrieben beschlagnahmt. Sie werden mit Elektroschocks getötet oder ertränkt und dann verbrannt. Tierschützer in Hongkong sprachen von einer unnötig grausamen Überreaktion.
Der SARS-Patient (32) gab indessen an, keine Zibetkatzen verzehrt zu haben. ap
erschienen am 7. Jan 2004 in Aus aller Welt
Durch Hundebisse sind in der Nacht zum Freitag zwei Menschen an der Dosestraße (Altona) schwer verletzt worden. Polizisten wollten die Boxer-Pointer-Mischung bändigen, dabei starb der Hund. Das Tier war bereits 2001 auffällig, ein Gericht hatte dem mehrfach polizeibekannten Halter Geza L. (36) auferlegt, den Mischling nur mit Maulkorb oder kurzer Leine auszuführen.
Nach ersten Ermittlungen hatte das Tier seinen Halter angegriffen, nachdem es nach einer Operation aus der Narkose erwachte. "Herr Schmidt" attackierte nach Geza L. auch dessen Schwiegervater Fridolin G. (65) mit Bissen in den Unterleib und die Arme. Es gelang den Männern um 22.16 Uhr, das Tier im Badezimmer einzusperren. Zwei Hundeführer der Polizei versuchten, den Hund zu beruhigen und ihn mit einer Schlinge zu fassen - vergeblich: "Das Tier zerbiss alles", so ein Beamter.
Eine Obduktion ergab laut Wolfgang Poggendorf, Leiter des Tierheims Süderstraße, dass sowohl die Strangulierung durch die Polizeischlinge als auch Kreislaufkollaps die Todesursache waren. Poggendorf kündigte Strafanzeige gegen die Beamten wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz an. cd
Die vermeintlich neue Grenzfreiheit beglückt bislang nur den Brüsseler Amtsschimmel Von OTZ-Korrespondent Tobias Blasius, Brüssel Das Dokument misst 100 mal 152 Millimeter, der Einband ist marineblau und der gelbe Sternenkranz der Europäischen Union darf natürlich nicht fehlen.
Wie der neue Reisepass für Haustiere aussehen soll, hat die EU- Kommission bereits penibel festgelegt. Wann und wo die Papiere ausgegeben werden, ist jedoch bis dato ebenso fraglich wie ihr exakter Inhalt. Das "Schengen-Abkommen für Schmusetiere" scheint vertrackter als das Jahrhundertwerk europäischer Grenzfreiheit für Zweibeiner.
Dabei meinte man es in Brüssel gut: Die Mobilität mit tierischer Begleitung sollte entscheidend erleichtert werden. Ein EU-weit akzeptiertes Einheitsdokument, das die wichtige Tollwutimpfung attestiert und zugleich Aufschluss über den allgemeinen Gesundheitszustand des Tieres gibt, versprach die Zettelwirtschaft der international unterschiedlichen Bestimmungen abzulösen. Etwas vorschnell aber bejubelte der zuständige Kommissar David Byrne seine eigene EU-Verordnung Nr. 998/2003 als "erfreuliche Nachricht für Tierhalter wie mich".
In Deutschlands Kleintierpraxen sehen sich genervte Veterinäre seit Wochen mit Fragen konfrontiert, die sie beim besten Willen nicht beantworten können: Wo und wann werden die neuen Pässe ausgegeben? Wie ernst muss man die Brüsseler Vorschriften nehmen? Worin liegt der Qualitätssprung gegenüber bisherigen Impfdokumenten? Die Ungeduld der Kundschaft wächst - der 3. Juli als Stichtag für die Passpflicht liegt in der Haupturlaubszeit. Die Korrespondenz zwischen Tierärzten, Verbraucherschützern, EU- Kommission, Bundesregierung und Landesbehörden wirkt hektisch. Jeder hat was gehört, keiner weiß Genaues. Klar ist nur, dass jeder Tierarzt irgendwann für das Ausstellen der Ausweise präpariert und autorisiert sein soll. "Da wurde mal wieder etwas verkündet, ohne ausreichend mit den direkt Betroffenen zu reden", ärgert sich Heiko Färber, Geschäftsführer im Bundesverband der Praktizierenden Tierärzte.
"Die Schwerpunktsetzung der Kommission in ihrer Arbeit kann schon überraschen", lästert der Europaabgeordnete Ingo Schmitt (CDU), selbst kein Tierhalter. Auch die Experten der Bundesregierung sind mit dem EU-Tierpass nicht richtig glücklich. Das Verbraucherschutzministerium hatte in dem EU-Dokumentenzwang zunächst eine geeignete Maßnahme gesehen, deutschen Tierhaltern die Einreise nach Großbritannien, Irland und Schweden zu erleichtern. Diese Länder gelten als "tollwutfrei" und erlauben die Einfuhr von Tieren seit Jahren nur unter strengen Auflagen. Aber auch den EU- Pass wird man auf der Insel und in Schweden vorerst nicht akzeptieren. Die drei Regierungen erkämpften in Brüssel ein noch fünf Jahre währendes Recht auf Sonderbestimmungen.
Experten trösten sich, dass behördliche Hürden wohl nur den grenzüberschreitenden Kleintierhandel behindern. Erholung suchende Hundehalter und Katzenliebhaber würden wahrscheinlich einfach ohne hochoffizielle Dokumente verreisen.
Endstation Tierheim: Zahl der Heimtiere deutlich gestiegen – Werden Tierhalter in Salzgitter immer gefühlloser?
Von Bianca Hannig
LEBENSTEDT. Gespitzte Ohren, wachsame, treue Augen und ein guter Riecher. Ein kräftiger Schäferhund hechtet hinter üblen Ganoven her, bringt sie zur Strecke und ganz nebenbei rettet er seinem Herrchen noch das Leben – ein wahrer Held und ein Hund zum Verlieben.
Heißt das Tier nun Lassie oder Rex, eins steht fest: Tierserien im Fernsehen gibt es wie Sand am Meer und sie verursachen bei vielen Zuschauern immer wieder einen Gedanken: "So ein Tier muss ich auch haben". Doch was in den Medien so wunderbar dargestellt wird, bedeutet in der Realität oft eine Menge Arbeit. Arbeit, die viele Menschen scheuen oder für die ihnen einfach Geduld und Zeit fehlen.
"Das Ergebnis bekommen wir hier täglich zu spüren. Viele Tiere landen nach kurzer Zeit einfach im Tierheim. Sie beherrschen oft die einfachsten Befehle wie ,Sitz‘ und ,Platz‘ nicht", erzählt Sonja Nagler, Leiterin des Tierheims Salzgitter. Allein in den vergangenen zwei Monaten sind im Tierheim 37 Fund- und 15 Abgabetiere eingegangen. Die meisten davon sind Hunde aller Rassen, aber auch Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen. Kein Wunder, dass Sonja Nadler da bald der Kragen platzt. "Die Anschaffung und die Abgabe von Tieren wird den Menschen einfach zu leicht gemacht", klagt sie.
Am Eingang des Tierheims wartet bereits ein Neuzugang – ein Schäferhund namens Elvis. Eine junge Frau mit ihrem Baby steht im Büro des Tierheims und will ihn abgeben. Elvis lebte sechs Jahre bei ihr, nun ist er zum Problem geworden. Sie erzählt von einem Umzug in eine Wohnung, in der Hunde nicht zugelassen sind.
"Viele Besitzer lügen, weil sie nicht zugeben wollen, dass ihnen der Hund zu stressig geworden ist", sagt Dieter Ducziewicz, 2. Vorsitzender des Tierheims. Es gebe so viele freie Wohnungen, in denen Tierhaltung kein Problem sei. Doch wenn sich die Familienverhältnisse änderten, seien die Tiere oft die Leidtragenden, sei es, weil die Halter ein Kind bekommen hätten oder sich scheiden ließen.
Auch die zwei neunjährigen Huskies in einem Zwinger sind solche Scheidungsfälle. Neugierig schnuppern sie durch das Gitter. Vor einem dreiviertel Jahr wurden sie im Tierheim abgegeben und sind nun schwer zu vermitteln. Die Tiere brauchen viel Auslauf, am besten einen großen Garten.
Wie Menschen ihre Tiere nach Jahren des Zusammenlebens, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Tierheim bringen können, ist für Sonja Nagler und Dieter Ducziewicz nicht nachzuvollziehen. Sie sind immer wieder aufs Neue über die Gefühllosigkeit mancher Tierhalter schockiert, trotz etlicher erlebter Schicksale.
"Sogar vor den niedrigen Temperaturen momentan schrecken manche Menschen nicht zurück. Viele Tiere werden einfach ausgesetzt, in einen Pappkarton gesteckt oder an einen Baum gebunden. Wir sind froh, wenn wir die Tiere noch lebend finden", erzählt Ducziewicz.
Zahlreiche Fund- und Abgabetiere erreichen das Tierheim in einem erbärmlichen Allgemeinzustand. Es ist nicht selten, dass Tiere von ihren Haltern misshandelt und vernachlässigt werden. "Der Zugang zu manchen ist am Anfang nicht leicht. Aber bisher haben wir doch jedes wieder aufgepäppelt", sagt Sonja Nagler und blickt dabei lächelnd auf den kleinen Jack Russell Terrier Nicki, der lebhaft um sie herumspringt.
Der Neue, Schäferhund Elvis, ist alles andere als lebhaft. Das Tier zittert am ganzen Leib, ist unruhig und erschrickt bei jedem Wort. Alles, was Elvis von seinem ehemaligen Zuhause geblieben ist, ist eine Decke und sein Hundekissen. Für die nächste Zeit ist ein Zwinger im Tierheim sein Zuhause.
Elvis ist heute nicht der einzige Neuzugang, zwei weitere Hunde sollen noch kommen und eine Fundkatze. "Wenn das weiter so geht, sind wir in den nächsten Tagen voll – und das vor der Urlaubszeit", befürchtet Ducziewicz.
Im vergangenen Jahr kamen allein 199 Fundtiere ins Tierheim Salzgitter, nur 103 konnten vermittelt werden.
Amsterdam (AP) Für 39 Schimpansen, die jahrelang als Versuchstiere in niederländischen Laboren dienten, ist ihr versprochenes Rentendomizil in Spanien nicht mehr sicher. Als der niederländische Gesundheitsminister Hans Hoogervoorst erfuhr, dass das Programm die Regierung pro Tier etwa 13 000 Euro kosten würde, drohte er, das Projekt zurückzuziehen. Damit löste er einen Aufschrei unter Tierschützern aus. Die niederländischen Behörden gaben jetzt bekannt, dass sie über eine Kostenreduzierung verhandeln wollen. Die Tierrechtler erklärten, sie würden weiter für die Sache der Versuchsschimpansen kämpfen. Laut einer 2002 getroffenen Vereinbarung sollten die Affen dieses Jahr in ihr eigenes, 45 Hektar großes Gehege an die Costa Blanca ziehen. Doch Hoogervoorst, der sein Amt erst nach dieser Abmachung antrat, bezeichnete die Affen-Rente als „ziemlich wahnsinnig“. „Sie können doch in holländische Zoos kommen“, sagte er.
Frankfurt. Ende Januar hat der Verwaltungsgerichtshof in Kassel das hessische Kampfhundegesetz für rechtmäßig erklärt. Damit endete auch hier eine dreieinhalbjährige Phase verschiedener, zum Teil wenig überzeugender Versuche, die Bürger vor den mitunter lebensgefährlichen Attacken beißwütiger Vierbeiner zu schützen. Mittelpunkt der nun gültigen Verordnung ist ein so genannter Wesenstest, dem sich Hunde bestimmter Rassen oder solche anderer Abstammung, die durch Aggressivität aufgefallen sind unterziehen müssen.
Nachdem im Juni 2000 in Hamburg ein sechsjähriger Junge von zwei aggressiven Hunden zerfleischt wurde, war bundesweit der Ruf nach einer entsprechenden Gesetzesänderung laut geworden. In jedem Bundesland wurden eilig neue Gesetze verfasst, denen im Laufe der Jahre immer wieder Änderungen und Neuerungen folgten.
In Hessen verlangt die "Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden" seit dem Januar vergangenen Jahres von Haltern "gefährlicher Hunde" verschiedene Anforderungen und Nachweise, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Bei einem Verstoß gegen die Auflagen werden 5000 Euro fällig. So muss der Halter mindestens 18 Jahre alt sein, darf keine Vorstrafen aufweisen und muss belegen, die erhöhte Hundesteuer von 900 Euro bezahlt, sowie eine Haftpflichtversicherung über mindestens 500 000 Euro abgeschlossen zu haben.
Weiterer Bestandteil der Eignungsprüfung ist ein Sachkundenachweis, bei dem das für die Hundehaltung und -führung erforderliche Wissen mit einem schriftlichen oder mündlichen Test abgefragt wird. Im anschließenden praktischen Teil soll der Halter zeigen, dass sein Hund auf die gängigen Kommandos hört. Besteht der Halter des Hundes die Sachkundeprüfung nicht, muss er mit dem Tier zu einem Trainer und wird in Hundeführung geschult. Danach ist die Prüfung zu wiederholen.
Auch für den Hund wurden die Sicherheitsprüfungen verschärft. Das Tier muss einen Erkennungschip tragen und eben jenen Wesenstest erfolgreich absolvieren, der sich für viele aber als zu hohe Hürde erweist. Erst wer alle diese Nachweise erbracht hat, erhält die Erlaubnis, einen "gefährlichen Hund" zu halten.
Ein Hund gilt im Sinne der Verordnung als "gefährlich", wenn er bereits einen Menschen oder ein Tier verletzt hat, ohne dass er bedroht wurde, oder wenn er zu den elf Hunderassen gehört, bei denen die Behörden Gefährlichkeit vermuten. Darunter fallen die Rassen Pitbull Terrier, Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier und weitere. Diese so genannten "Listenhunde" müssen den Wesenstest alle zwei Jahre wiederholen. Der Wesenstest wird von einem Gutachter durchgeführt und kostet rund 125 Euro. Die Aufgaben sind vom Regierungspräsidium festgeschrieben: in alltäglichen Umweltsituationen sollen die Reaktionen des Hundes beobachtet und bewertet werden.
Manfred Willnat, Leiter des Diensthundewesens bei der hessischen Polizei, ist einer dieser Gutachter. Er geht mit seinen Prüflingen im Wiesbadener Hafenbereich spazieren, wo immer viele Spaziergänger, Kinder, Fahrradfahrer und auch andere Hunde unterwegs sind. Am Anfang steht der Handschlag für den Hundehalter, was von manchem Vierbeiner schon misstrauisch beäugt wird. Der Hund wird dann vom Herrchen an der Leine an Kinderwagen, Rollerskatern und flatternden Enten vorbei geführt, während der Gutachter die Reaktionen des Hundes beobachtet. So lange der Hund artgerecht reagiere und beherrschbar bleibe, sieht Willnat darin keine Gefahr. Knurren, bellen oder auch das Aufstellen des Nackenhaares sei durchaus normales Verhalten, gerade gegenüber Artgenossen oder wenn sich der Hund bedroht fühle. Wichtig dabei sei nur, wie schnell der Hund sich vom eigenen Frauchen oder Herrchen wieder beruhigen lasse.
Der Gutachter verschärft die Alltagssituationen mitunter, indem er sehr dicht am Hund vorbei geht, oder sogar hinfällt und dabei dem Prüfling ganz nahe kommt. "Der Hund muss sich auch in solchen Situationen benehmen", sagt der Prüfer. Zum Wesenstest gehöre aber auch, dass sich der Hund anfassen oder den Erkennungschip lesen lässt und auch mal alleine vor einem Geschäft sitzen bleibt.
Beeinflussbar sei das Testergebnis schon, die Auswahl des Umfeldes oder der Abstand zum Hund mache einiges aus, so Willnat. Die Prüfungen gingen in Grenzbereiche. "Aber am Ende kann die Entscheidung, die ich zu treffen habe, eine Entscheidung auf Leben und Tod sein. Und ich will nachts auch noch ruhig schlafen können", sagt Manfred Willnat.
Ist ein Hund durchgefallen, wird er sofort vom Ordnungsamt eingezogen und anschließend geprüft, ob er getötet werden muss. In Grenzfällen erhält er die Chance, nach einer erneuten Schulung den Wesenstest erneut zu absolvieren. Von August 2000 bis Ende September 2003 waren in Hessen insgesamt 8030 Hunde beim Wesenstest. 326 davon bestanden die Prüfung nicht. Weil auch bei vielen Haltern Mängel festgestellt wurden, mussten insgesamt 538 Tiere eingezogen werden; 456 wurden eingeschläfert.
Das heißt ja wohl, dass 130 Hunde eingeschläfert wurden, die nicht durch den Wesenstest gefallen waren.
Knapp 20 Wolfsgegner haben am Mittwoch den Verein "Sicherheit und Artenschutz" aus der Taufe gehoben
Von Werner Müller
Die Wolfsschützer bekommen Gegenwind: Am Mittwoch hat sich der Verein "Sicherheit und Artenschutz" gegründet. Die 16 Mitglieder wollen die ungebremste Vermehrung des Wolfes verhindern.
Neudorf-Klösterlich. Die Gegner der Lausitzer Wölfe machen mobil. 16 Nord-Sachsen, unter ihnen Landwirte, Tierzüchter, Jäger und Tourismus-Anbieter, haben am Mittwochabend in Neudorf-Klösterlich einen Verein gegründet, der die ungebremste Ausbreitung und Vermehrung der Lausitzer Wölfe verhindern will. "Unser Bestreben wird es sein, die Wolfspopulation auf drei bis vier Stück im Wolfsgebiet zu reduzieren", sagte Joachim Bachmann, frischgebackener Vereinsvorsitzender und Jäger aus Bärwalde. "Alles was darüber hinaus geht, muss abgeschossen werden. Genau dafür werden wir die Menschen in unserer Gegend mobilisieren und sensibilisieren."
Kinder sollen vor dem Wolf geschützt werden (ja klar, kann man schon bei Rotkäppchen nachlesen)
Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung vor Isegrimm zu schützen. "Es geht darum zu verhindern, dass jemals ein Kind von einem Wolf angegriffen oder gar getötet wird", hieß es. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen die "Artenschützer" Aufklärungsarbeit leisten, den Behörden bei der Arbeit helfen und mit Gleichgesinnten Erfahrungen austauschen. Laut Bachmann liegt ein weiterer Schwerpunkt der Vereinsarbeit darauf, die heimische Tierwelt in ihrer Vielfalt zu bewahren. Der neue Verein fürchtet um den gesunden Wildbestand und dessen natürlichen Lebensgrundlagen.
Im Verlauf der Versammlung wurde viel über die grauen Tiere in den Wäldern diskutiert. Vor der unkontrollierten Vermehrung des Wolfes, warnte unter anderem Manfred Alltag aus Klitten. Bisher sei die Entwicklung "verniedlicht, verharmlost" worden, sagte er. Auch gelte es die Menschen aufzuklären wie gefährlich die Hybriden aus Hunden und Wölfen sind. Der Verein, forderte er, muss Druck auf die Politik ausüben. "Vom Naturschutzgesetz her gesehen dürfte der Wolf gar nicht hier sein, denn er ist kein heimisches Tier, was es zu schützen gilt", sagte Benno Retschke aus Hoyerswerda.
Die Gründung basiert nach Angaben des Vereins auf den zunehmenden Problemen mit den Wölfen. In den letzten Monaten wurden immer wieder Schafe gerissen. Unklar war bisher, ob es Wölfe oder Hunde waren, die die Tiere töteten. Es müssen Wölfe gewesen sein, sagte Bachmann in Neudorf-Klösterlich. Er stützte seine Aussage auf Tierarzt Dr. Peter Bresan, der das am 10. Dezember gerissene Schaf seziert hat. "Die Biss- und Reißspuren, als auch das Verzehren der Organe und der Kopf- und Keulenmuskulatur an Ort und Stelle sind typische Bissverletzungen und Verzehrgewohnheiten vom Wolf. Diese Feststellung wird durch eigene Diagnosen und Behandlungen an etwa 40 Schafen und Hundebissen in meiner 47-jährigen tierärztlichen Tätigkeit erhärtet", bewertete Bresan seinen Befund.
Ein Wolfspaar war 1998 aus Polen eingewandert und hatte sich auf dem Truppenübungsplatz Nochten niedergelassen. Ihre Nachkommen gründeten wenige Jahre später ein zweites Rudel, dass sich weiter im Landesinneren niedergelassen hat. Mittlerweile sollen Wölfe auf der sächsischen Seite der Landesgrenze bereits in Lohsa, Spreetal und Elsterheide gesehen worden sein. Bresan verkündete am Mittwoch, dass er sogar Fährten im Dubringer Moor gefunden hat.
Vorsitzender: Joachim Bachmann aus Bärwalde, Stellvertreter: Roland Kockert aus Wittichenau, Peter Schuba aus Spohla, Hans-Bernd Fromm aus Bärwalde, Schatzmeister: Hartmut Schkade aus Großdubrau; Kassenprüfer: Manfred Alltag aus Klitten und Dr. Hubertus Zelder aus Neudorf-Klösterlich
Neue Polizeiverordnung in Dorfhain beschlossen
Von Jörg Stock
In Dorfhain werden die Ratten jetzt nicht mehr per Polizeiverordnung mit dem Tode bedroht. Der entsprechende Paragraf wurde gestrichen. Am Rosenmontag beschlossen die Gemeinderäte eine Neufassung des Papieres.
Bürgermeister Lothar Mende (CDU) leitete die Versammlung trotz des närrischen Datums mit dem gebotenen Ernst. Was die Ratten anbeträfe, so seien die Bestimmungen nicht mehr zeitgemäß gewesen, sagte er. Dazu habe auch die Modernisierung der Abwasser- und Müllentsorgung beigetragen. "Die besondere Gefährdung durch Ratten ist nicht mehr gegeben."
Das Fütterverbot für Tauben auf öffentlichem Gelände entfällt ebenfalls. Die Taubenzüchter, so sagte Mende, müssten dafür sorgen, dass sich ihre Tiere nicht auf der Straße herumtrieben. "Verwilderte Tauben werden sowieso von Raubvögeln geschlagen."
Im Gegensatz zu vielen Nachbarorten verzichtet Dorfhain auf den Maulkorbzwang für Hunde. Für gewöhnlich muss die Hundeschnauze in so genannten Menschenansammlungen hinter Gitter. Doch der Bürgermeister setzt wie so oft auf die Vernunft der Einwohner. "Wer seinem Hund nicht traut, der sollte ihm von sich aus einen Maulkorb anlegen", erklärte Mende. "Für mich gibt es keine Hundeprobleme, nur Halterprobleme." Sollte ein Hund auffällig werden, bekomme der Halter Auflagen, stellte der Gemeindechef fest. Milde walten lassen möchte man in Dorfhain auch in Sachen Hundehaufen. Nur in Sportanlagen und auf Kinderspielplätzen soll der Kot entfernt werden. Ins Dorfhainer Erlebnisbad dürfen die Tiere gar nicht erst rein.
Das Problem der Lärmbelästigung sehen Mende und seine Räte unaufgeregt. "An Sonn- und Feiertagen hat Ruhe zu sein", so lautete das Dictum des Bürgermeisters. Auf die Fixierung von Stille und legalem Lärm mittels Uhrzeiten legt die neue Polizeiverordnung jedoch keinen Wert. So was habe man noch nie gemacht, sagte Mende der Versammlung, und bislang habe es immer geklappt.
Der Bürgermeister ist sich auch selbst nicht zu schade, bei undisziplinierten Zeitgenossen für Ruhe zu sorgen, wie er berichtete. "Aber das wird alles mit dem warnenden Zeigefinger geklärt."
Die neue Dorfhainer Polizeiverordnung soll demnächst im Amtsblatt abgedruckt werden.
Moosburg (ots) - In Tianjin, China, konnte die Animals Asia Foundation (AAF) erstmals zwei Braunbären aus einer illegalen Bärenfarm befreien. Eine Zeitung in Tianjin hatte über das Schicksal der Bären berichtet. Die zuständige Forstbehörde konfiszierte daraufhin die Tiere und übergab sie am 21. Februar der Obhut von AAF.
Am Mittwoch kamen die Tiere nach einem zweitausend Meilen langen Transport in Chengdu auf dem Bärenrettungszentrum der AAF an. Ein Empfangskomitee aus Vertretern der Forstbehörde und zahlreichen Journalisten stand bereits zur Begrüßung bereit.
Die zehn Jahre alten und über 300 kg schweren Bären sind Opfer einer altertümlichen Methode der Gallensaftentnahme. Bewegungsunfähig in winzige Käfige gesperrt, ist ihr Körper zusätzlich in ein hautenges Metallkorsett eingezwängt, das die verunreinigten Latexkatheter und Flüssigkeitsbeutel mit der Gallenflüssigkeit an ihrem Bauch fixiert. Nach Auskunft der Forstbehörde wurde der Gallensaft an koreanische Konsumenten in Nordchina verkauft und in Medikamenten und Stärkungsmitteln verwendet. Braunbären haben eine Lebenserwartung von bis zu dreißig Jahren.
Fast 140 Bären konnte AAF seit dem historischen Abkommen mit den chinesischen Regierungsstellen im Jahr 2000 befreien, 40 Farmen wurden geschlossen. Erst im November 2003 wurden 38 "Mondbären" an AAF übergeben. Die Schirmherrin der deutschen Organisation, Alexandra Oetker, war dabei: "Die enorme Medienresonanz sowie die Tatsache, dass der Hinweis auf die grauenvoll gehaltenen Bären von Journalisten einer staatlichen chinesischen Zeitung kam, ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Aufklärungsarbeit von Jill Robinson greift. Eine veränderte Haltung der chinesischen Bevölkerung gegenüber Bärenfarmen wird erkennbar. Auch die Zusammenarbeit der Regierungsbehörden bei der Rettung der Tianjin-Bären kann als erneute Zustimmung zur Arbeit der AAF gewertet werden. Das ist ein großer Fortschritt!"
Mehr Informationen unter www.animalsasia.org
© Martin Rickett/ DPA
Dieses Mal hat der Hase keine Chance: Die beiden schlanken Windhunde eilen pfeilschnell heran, schnappen zu und wirbeln das Langohr durch die Luft, die Menge jubelt. Diese Szene wiederholt sich derzeit täglich wieder und wieder auf einer Wiese im englischen Great Altcar bei der größten britischen Hundehetzjagd auf lebende Hasen. Und wieder sorgt der umstrittene Waterloo Cup, bei dem es für Meister Lampe bereits seit 175 Jahren um Leben oder Tod geht, für schlechte Stimmung im Königreich.
Dieses Mal stellen sich vor Ort sogar 100 Polizisten auf der Wettkampfwiese zwischen die Freunde der Traditionsjagd und die 150 Tierschützer, die sich gegenseitig beschimpfen. "Das ist das bestgehütete Geheimnis des Vereinigten Königreichs. Niemand im Rest Europas weiß, was hier vorgeht. Es ist widerlich", lässt Tierschutzaktivist Tony Moore gegenüber der 'Times' seinem ärger freien Lauf.
Der Hase bekommt 90 Meter Vorsprung
Beim mehrtägigen Waterloo Cup jagen insgesamt 64 Windhunde aus ganz Großbritannien und Irland immer paarweise auf einer umzäunten Wiese einem Hasen hinterher, der gut 90 Meter Vorsprung bekommt. Tausende Zuschauer kommen zu den täglich 50 Rennen. Simon Hart, Chef der Countryside Alliance, hält an dem umstrittenen "Traditionssport" fest wie Prinz Charles an der ebenso umstrittenen Fuchsjagd: "Bis jetzt sind alle Versuche fehlgeschlagen, einen annehmbaren Grund vorzuweisen, warum dies eine Straftat sein sollte."
John Rolls von der Königlichen Gesellschaft zur Verhinderung von Grausamkeiten gegen Tiere (RSPCA) nennt das Schauspiel hingegen ein "barbarisches Geschehen", bei dem "das Töten ein wichtiger Teil der Unterhaltung" sei. Dem müsse die Regierung jetzt endlich ein Ende bereiten. Die Tierschützerin und Journalistin Emma Milne fragt, warum die Veranstalter die Rennen nicht mit falschen Hasen organisieren könnten und merkt an: "Wenn eine Gruppe von Teenagern aus einer Innenstadtgemeinde ihre Hunde auf eine Katze hetzen würden, gäbe es sofort einen Tumult."
Die Liebhaber dieser Art des Jagdsports machen geltend, jeder Hase habe eine gute Chance zu entkommen. Nur jedes achte oder neunte Tier gerate in die Fänge der superschnellen Hunde. Die Tierschützer stellen die unnötigen Qualen für die Nager in den Vordergrund.
Die Regierung müht sich seit Jahren
Das Problem ist weiter ungelöst: Das nun schon mehr als fünf Jahre währende Bemühen der britischen Regierung um ein Verbot der Hetzjagd mit Hunden ist immer noch nicht von Erfolg gekrönt. Im vergangenen Oktober stimmte das Oberhaus gegen das zuvor vom Unterhaus beschlossene Verbot, das sich vorrangig gegen die Fuchsjagd richtet. Die Lords und Ladys des Oberhauses hatten gegen das Gesetz vor allem vorgebracht, dass sich danach künftig auch jeder strafbar mache, dessen Hund beim Spaziergang im Wald einem Hasen nachjage.
Die Labour-Regierung kann trotz der Ablehnung im Oberhaus mit einem Sondergesetz ihr Hetzjagdverbot durchsetzen - und kündigte dies auch bereits an. Der Labour- Unterhausabgeordnete Colin Pickthall, der seinen Wahlkreis in Altcar hat, gibt sich kämpferisch: "Unser Wille kann nicht ignoriert werden. Ich bin zuversichtlich, das Ende der Hetzjagd mit Hunden ist nahe."
Jörg Berendsmeier, DPA
Silke Storz möchte im und am Gutshaus in Hof Reppenhagen eine Hundeschule und Tierpension einrichten. Die Gemeinde hat nichts dagegen. Die Antwort des Kreises auf eine Bauvoranfrage lässt auf sich warten.
Hof Reppenhagen Eine Hundeschule und Tierpension in Hof Reppenhagen einrichten, dazu Tierschutz-Ferien für Kinder, Lama-Trekking sowie Seminare und Kurse für Tierhalter anbieten. „Und wenn das Ganze gut läuft und wir davon leben können, wollen wir ein Ausbildungsbetrieb für Tierpfleger werden.“ Das sind die Vorstellungen der gelernten Tierarzthelferin und Tierpflegerin Silke Storz. Doch ob die 38-Jährige das ehrgeizige Projekt mit Unterstützung ihres Lebensgefährten Norbert Grunert (48) im und am alten Gutshaus des kleinen Ortes bei Damshagen umsetzen kann, steht noch nicht fest.
Denn bislang liegt der gebürtigen Heilbronnerin keine Antwort auf ihre Bauvoranfrage vor. Diese reichte sie im November vergangenen Jahres bei der Kreisverwaltung ein. „Wir wollen wissen, ob wir das Objekt für unsere Zwecke nutzen können“, sagt Silke Storz. Solange das nicht klar ist, sieht sie von einem Kauf ab. Da es noch viele Fragezeichen gebe, unter anderem in Sachen Finanzierung, „ist es unbefriedigend, wenn man für den ersten Schritt so viel Zeit braucht“. Sie hofft, dass der Landkreis die Bauvoranfrage im März beantwortet hat. Von Seiten der Gemeinde gibt es keine Bedenken zu dem Vorhaben. Ein Grundstück in Damshagen, das Silke Storz zunächst für ihre Hundeschule und Tierpension vorgesehen hatte, wurde zwar abgelehnt, aber dafür schlugen die Gemeindeverantwortlichen das in Privathand befindliche Objekt in Hof Reppenhagen vor.
Auf die Idee, ein solches Projekt in der hiesigen Region in Angriff zu nehmen, kam die Baden- Württembergerin vor einigen Jahren, als „ich ein Pferd hierher vermittelt habe“. Da lernte sie die Gegend kennen und schätzen. Und um noch ein besseres Bild zu bekommen, „haben wir seit zweieinhalb Jahren unseren Zweitwohnsitz in Grevesmühlen“.
Seitdem tourt sie gemeinsam mit ihrem Partner zwischen Süddeutschland und Nordwestmecklenburg hin und her. Schließlich verdienen beide in Baden- Württemberg ihren Lebensunterhalt. Er bei der Post, sie als Betreiberin von Silke's Vierpfoten-Akademie. In Rettigheim bietet sie Dienstleistungen wie Hundeschule, Hundehalter-Beratung und Hundespielstunden an. Zudem besucht sie mit Tieren beispielsweise eine Jugendarrestanstalt und Altenheime, um Therapien zu unterstützen. Sollte es mit dem Vorhaben in Hof Reppenhagen klappen, werde sie die Vierpfoten-Akademie aufgeben, so Silke Storz.
Dass im Hause Storz/Grunert Tiere nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst. Neben den Hunden „Cezanne“ (Mischling), „Whoopi“ (Stafford- Bullterrier), „Gina“ (Boxer) und „Chambi-Li“ (Shar- Pei-Mischling) zählen dazu noch ein Kakadu, ein großer Papagei und zwei Sperlings-Papageien sowie drei Zwerghamster.
SVEN ASMUS
Die Wogen gehen hoch beim neuen Bundestierschutzgesetz. Strittig sind Schächtung, Tierhaltung und die Aufnahme von Tieren in die Verfassung. Tierschützer kündigen Proteste an.
Gegackert wurde schon viel - aber das Ei des Columbus ist noch nicht da. Zumindest nicht für die Tierschützer, für die Opposition, für den eigenen Koalitionspartner und die Bauernvertreter: Wie berichtet, musste die öVP das Bundestierschutzgesetz erneut zurückziehen.
Schächtung soll erlaubt sein. Doch die Gegner des Vorschlages ziehen in verschiedene Richtungen; noch hapert es koalitionsintern beim Thema Schächtungen. Die FPö will ein Verbot, Kanzler Schüssel hält das verfassungsmäßig nicht möglich. Gestern appellierte Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, an die Freiheitlichen, ihre Ablehnung gegen die Schächtung aufzugeben.
Ganz anders die Tierschützer: Sie wollen - und das lehnen Moslems und Juden ab - zumindest die Betäubung vor der Schächtung. Schüssel hat als Kompromiss die Betäubung unmittelbar nach der Schächtung angeboten.
Widerstand. Doch anderswo regt sich ebenfalls Widerstand. Im Parlament wetterte gestern SP- Sprecherin Ulli Sima gegen den VP-Vorschlag: Er berücksichtige überhaupt nicht die Forderungen des Tierschutz-Volksbegehrens.
Auch die Landwirtschaft ist mit Teilen des Vorschlages nicht zufrieden; man wünscht sich längere Übergangsfristen bei der Frage der Legebatterien und Änderungen bei der Tierhaltung.
"Gesetz ist ein Hohn". In der Steiermark geht es schon in Richtung Kampfmaßnahmen. "Das Gesetz ist ein Hohn", schimpft Herbert Oster, Obmann des Aktiven Tierschutzes Steiermark. Man werde vor dem Parlament demonstrieren. Der Verein der Tierfabriken will heute in Wien eine Umfrage präsentieren, wonach die Bevölkerung "nicht hinter diesem Entwurf steht".
Tiere sollen in die Verfassung, wünschen sich die Tierfreunde. Die Tierschutzsprecherin der steirischen Grünen, Edith Zitz: "Derzeit gelten Tiere nur als Sache. Und wer ihnen Leid antut, der begeht lediglich Sachbeschädigung." Schüssel will dies vorerst nur am Österreich-Konvent debattieren lassen.
Tierschützer schaden den Bauern. Ganz anders sieht das die Landwirtschaftskammer. Von einer Entwürdigung der Tiere will Gerhard Wlodkowski, Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer, nichts wissen. "Im Gegenteil: Tierschützer und Grüne schaden mit ihren Forderungen genau jenen, denen sie helfen wollen, nämlich den kleinen Bauern", sagt er. "Neue Käfighaltungen zu installieren ist bei uns bereits verboten." Dass die Legebatterien schon 2008 (statt wie EU-weit erst 2012) abgeschafft werden, hält der Präsident für einen Fehler: "Dann werden eben die Eier aus Asien importiert und bei uns zerstört man die Produktion". Mit dem geplanten Tier- Ombudsmann kann Wlodkowski leben, "solange das nicht zu bürokratisch ist".
Bei der Anbindehaltung für Rinder sieht Wlodkowski vor allem die kleinen Betriebe gefährdet. Er will, dass die Ausnahmebestimmungen nicht per Verordnung, sondern bereits im Gesetz festgelegt sind
Von LARS STROMBACH
25.02.2004 07:09 Uhr
WASSERFUHR. Ulrich Steiniger steigt am Waldrand des Hömerich auf die Alu-Leiter, die Sylvie König vom NABU-Ortsverein Gummersbach an die hohe alte Buche gestellt hat. Dann holt er aus knapp drei Metern Höhe eine braune, etwa eineinhalb Kilo schwere, röhrenförmige Vogelnisthilfe mit Dach herunter, die zuvor an einem Ast hing.
Ohne Werkzeug können die Helfer die aus Holzbeton angefertigte Nisthöhle öffnen, sie legen den Spanndraht nach oben und schieben den Bügel nach unten. Mit einem Haken holt Professor Walter Breuer ein altes Nest heraus und füllt Holzmehl als neue Unterlage hinein. Im alten Nest liegt ein sehr kleines, offenbar nicht befruchtetes Ei. „Ein Blindgänger“, lachen die Naturschützer.
Am Rundweg um den Hömerich zwischen Wasserfuhr und Strombach trafen sich am Wochenende Mitglieder des NABU-Ortsvereins Gummersbach, um dort 30 Vogelnisthilfen zu kontrollieren und die alten Nester aus den selbst gebauten Nisthöhlen zu entfernen. „Wenn die alten Nester drin bleiben, bauen die Vögel in diesem Jahr ihr Nest einfach auf dem alten. Irgendwann ist dann der richtige Abstand zur öffnung nicht mehr gegeben, und die Jungvögel können herausfallen“, erklärt Walter Breuer.
Schon 1970 hat Breuer begonnen, Nisthilfen aufzuhängen. Mittlerweile entstanden unter seine Regie auch in der Volkshochschule Gummersbach rund 2 000 Vogelnisthilfen, die im Oberbergischen Kreis und im Sauerland hängen. Die Nisthöhlenbewohner scheinen nicht zimperlich zu sein bei der Wahl ihrer Behausung, denn Meisen bauen ihr neues Nest auch gerne Mal auf einem alten Nest, in dem noch ein toter Jungvogel oder ein faulendes Ei liegt. „Als ich einmal mit einem Hund ein solches Nest aufsuchte, wandte der sich angewidert vom Gestank ab. Doch die Vögel stört das offenbar nicht. Die sind nicht geruchsempfindlich.“
Während sich eine Gruppe um die 30 Nisthilfen am Hömerich kümmerte, fuhr eine zweite Gruppe der OBN-Naturschützer zur gleichen Zeit zur Kontrolle der Raufußkauzhöhlen an die Genkeltalsperre.
„Es war höchste Zeit, die Nisthilfen zu kontrollieren“ sagt Norbert Przibilla, denn das Frühjahr steht vor der Tür.
Die Mitglieder vom Naturschutzbund, Kreisverband Oberberg (OBN), können viele interessante Geschichten und Erlebnisse rund um den Hausputz der Nisthilfen erzählen. „Faule Eichhörnchen wollten auch schon mal die Nistkästen als Wohnung benutzen“, erinnert sich Walter Breuer. Deswegen hängt Breuer als Ersatz mittlerweile mit Maschendraht umhüllte Nest-Kugeln in die Nähe mancher Vogelnisthilfen, damit die Eichhörnchen nicht auf dumme Gedanken kommen. Dort können diese dann wohnen. Denn die Hauptzielgruppe der OBN-Bemühungen sind die gefiederten Höhlenbrüter, so die heimischen Meisenarten, Gartenrotschwänze und Kleiber.
Beton hat sich als Baustoff bewährt
Die heute verwendeten Nisthöhlen sind aus Holzbeton gefertigt, da dieser Baustoff sich in den letzten 30 Jahren als bestmögliche Alternative herausgestellt hat. Nistkästen nur aus Holz haben sich dagegen nicht bewährt. „Ein hungriger Specht, der es auf die Jungvögel abgesehen hat, hackt diese Kästen mit seinem Schnabel einfach auf“, erläutert Breuer.
Die Vogelnisthilfen, so erklären die Naturschützer, sind heute so wichtig, weil es bei uns mittlerweile so wenig natürliche Nistplätze wie alte Scheunen, Häuserruinen oder abgestorbene Bäume gibt.
Wien - In die Debatte um das Tierschutzgesetz und das von der FPö geforderte Verbot des Schächtens hat sich nun auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Ariel Muzicant, eingeschaltet. Er appellierte am Mittwoch an die Freiheitlichen, von ihrem bisherigen Standpunkt abzugehen. Denn für die Juden handle es sich um ein mehr als 3.000 Jahre altes Gesetz, das einzuhalten sei: "Eine Auseinandersetzung zu diesem Thema ist eigentlich nicht zu führen."
Kompromiss: Rasche Betäubung danach
Begrüßt hat Muzicant hingegen die jüngsten Aussagen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Dieser hatte gemeint, ein absolutes Verbot des Schächtens sei von der Verfassung her nicht zulässig.
Als Kompromiss hatte der Kanzler vorgeschlagen, die Betäubung des Tieres solle unmittelbar nach dem Schächtschnitt erfolgen. "Das ist möglich. Das wird auch weltweit so gehandhabt", so der IKG-Präsident dazu. Ein klares Nein komme aber zur FPÖ- Forderung nach einer Betäubung vor dem Schächtschnitt: "Das ist rituell nicht zulässig, weil man nicht feststellen kann, ob das Tier gesund ist."
"Respekt vor religiösen Vorschriften"
Der IKG-Präsident beruft sich mit seiner Position auf das Alte Testament, die "gemeinsame Grundlage der jüdischen und der christlichen Wertegemeinschaft", und vor allem auf die Thora, die fünf Bücher Mose. Dort heißt es: "Du sollst von Deinem Großvieh und von Deinem Kleinvieh schlachten, wie ich es Dir befohlen habe." Muzicant: "Wir Juden leben seit tausenden von Jahren nach diesem Gesetz."
Die Frage, wie viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde tatsächlich nach diesen Speisevorschriften leben, sei dabei nicht relevant, so Muzicant weiter. Denn wenn bei einer Feier oder in einem jüdischen Altenheim auch nur eine Person koscher lebe, müssten die Speisegesetz für alle gelten. "Im Prinzip" lebe daher die ganze Gemeinde nach dem Speisegesetz. Der Respekt vor den religiösen Vorschriften gehöre nun einmal zum Wesen einer Religionsgemeinschaft.
Artikel vom 25.02.2004 |apa |rf
Von Angelika Dornich
Sächsische Zeitung
Freitag, 20. Februar 2004
Die Absicht eines zugezogenen Pfälzers, in einem abgelegenen Bauernhof im Berthelsdorfer Ortsteil Rennersdorf einen Gnadenhof zu errichten, erhitzt die Gemüter. Tierschützer sehen ein Dauerproblem von West nach Ost verlagert. Wolfgang Köhler indes hat beim Verwaltungsgericht Dresden Einspruch gegen die Bescheide hiesiger Behörden eingelegt.
Der sich selbst als eine Art Tarzan bezeichnende Tierfreund Wolfgang Köhler hat Tierschützer aus West und Ost auf den Plan gerufen. „Was Herr Köhler treibt, ist ganz und gar keine gute Sache“, reagiert eine Tierschützerin aus der Pfalz (Name der Red. bekannt) auf den SZ- Beitrag „Wolfgang Köhler hat ein zu großes Herz für Tiere“ (5. 2.). In Neustadt an der Weinstraße, wo Köhler herkommt, seien im Laufe der vergangenen zehn bis zwölf Jahre Hunderte von Tieren, vor allem Hunde und Katzen, aus seinem Besitz beschlagnahmt worden. „Viele von ihnen waren auf Grund der desolaten hygienischen Verhältnisse und der fehlenden tierärztlichen Betreuung heruntergekommen und krank, dass sie eingeschläfert werden mussten. Der Rest landete im Tierheim“, schreibt die Pfälzerin. Und solche Aktionen wurden „alle paar Monate“ durchgeführt, da der Sozialhilfeempfänger von einer unbeherrschbaren Tiersammelwut besessen sei. Um offensichtlich das Problem loszuwerden, erfolgte sein Umzug in die Oberlausitz, laut Pfälzer Presseberichten sogar mit Unterstützung der Neustadter Behörden.
Das zuständige Herrnhuter Ordnungsamt hat nach Zusendung von Unterlagen aus Neustadt a. d. Weinstraße Anfang Februar Köhler verboten, zu den bereits 25 Hunden, etlichen Katzen und Kleintieren weitere Tiere aufzunehmen und Auflagen erteilt. Momentan halte er sich wohl auch daran. „Als ich vorige Woche dort war, hat sich der Bestand nicht merklich erhöht. Und Anfang dieser Woche hat uns Herr Köhler einen Tierarzt aus Mittelherwigsdorf benannt, der die ge- forderte Betreuung übernehme“, berichtet Ordnungsamtsleiter Dagomar Oboth. Eine Tierhalterhaftpflichtversicherung habe er jetzt auch abgeschlossen. Doch eine Ersatzperson, die sich um die Tiere in seinem Krankheitsfall kümmert, hat er noch nicht gefunden. „Die meisten wollen Kohle dafür sehen, die ich nicht habe“, erklärt Köhler.
Er sieht nicht ein, warum er keine Tiere mehr aufnehmen darf. Deshalb habe er beim Verwaltungsgericht in Dresden Widerspruch eingelegt gegen das sofortige Aufnahmeverbot und den Bescheid vom Veterinäramt“, sagt er. Dieses habe seinen Antrag auf Betreiben eines Gnadenhofes mittlerweile abgelehnt. Marina Richter vom Sachgebiet Tierschutz im Landratsamt bestätigt der SZ allerdings nur: „Wir haben den Fall mehrfach überprüft und den Tierbestand aufgenommen.“ Mehr könne sie derzeit nicht dazu sagen, weil es sich noch um ein laufendes Verfahren handelt.
Im Herrnhuter Ordnungsamt hingegen mehren sich Bürgeranfragen und -bedenken. „Wir werden mit den unterschiedlichsten Meinungen konfrontiert“, sagt Dagomar Oboth. Es gibt Beschwerden und Befürchtungen, so von Rennersdorfer Bürgern und vom Berthelsdorfer Gemeinderat. Andererseits sei aber auch eine Protestresolution mit Unterschriftensammlung eingegangen, in der sich eine Gruppe von Tierfreunden aus dem Raum Zittau für Wolfgang Köhler und den beabsichtigten Gnadenhof einsetzt.
Wolfgang Köhler hat schon selbst gemerkt, dass er allein den riesigen Bauernhof in Rennersdorf – das gesamte Grundstück ist 23 000 Quadratmeter groß – nicht bewältigt. „Aber ob ich ihn überhaupt loswerde und ein kleineres geeignetes Objekt finde, ist fraglich.“ Ein Problem ist auch die unmittelbar vorbeiführende Kreisstraße. So habe sich erst dieser Tage ein Rüde wegen einer läufigen Hündin unbemerkt aus dem Hof „gewühlt“. Köhler hat ihn dann am Dienstag tot im Straßengraben gefunden.
Mittwoch, 18. Februar 2004
Norddeutschland
Tönning/Bonn - Das Vogelsterben vor der schleswig- holsteinischen Nordseeküste nach einer illegalen Öleinleitung nimmt immer größere Ausmaße an. Die Zahl der verölten Seevögel ist auf 3300 gestiegen. Etwa 900 Tiere sind bereits verendet. Immer mehr Tiere, die bereits seit Tagen mit ölverklebtem Gefieder auf dem Wasser treiben, sterben an Entkräftung. Westwind treibt ihre Kadaver an die Küste.
Der Deutsche Tierschutzbund (Bonn) erstattete Strafanzeige gegen den Verursacher der Ölkatastrophe und bot seine Hilfe bei der Rettung der Tiere an. "Bei diesem vorsätzlichen verantwortungslosen Handeln aus reiner Profitgier wird der qualvolle Tod von Tausenden von Tieren in Kauf genommen", sagte der Präsident Wolfgang Apel in Bonn.
Die Suche nach dem Verursacher hat bis gestern Abend keine neuen Erkenntnisse gebracht. Bei zwei überwachungsflügen am Montag und Dienstag ist kein Öl entdeckt worden. dpa
Von Hanna-Lotte Mikuteit
Mittwoch, 18. Februar 2004
Norddeutschland
Tönning - Das Vogeldrama nach illegaler Öl-Einleitung in die Nordsee hält an. Das Sterben geht jetzt erst richtig los, weil die Temperatur sinkt und die Vögel auskühlen.
Wie viele Vögel sind betroffen?
Mehr als 3000 Hochseevögel mit veröltem Gefieder sind an der nordfriesischen Küste gezählt worden. 750 Tiere sind tot. 270 wurden zum Reinigen gebracht. "Die Zahl der schwer verölten Vögel, die nicht mehr zu retten sind, wird weiter steigen", sagt der Biologe Klaus Koßmagk-Stephan vom Nationalparkamt Tönning.
Ist der Bestand gefährdet?
80 Prozent der Ölvögel sind Trauerenten. Sie zählen nicht zu den gefährdeten Arten. Im Winter rasten in der Nordsee und im Skagerrak bis zu 800 000, vor der deutschen Küste sind es zwischen 50 000 und 60 000. "So weit wir es heute einschätzen können, ist der Bestand nicht gefährdet", so Biologe Koßmagk-Stephan.
Was passiert mit den Ölvögeln?
An den nordfriesischen Stränden sind jetzt 50 Fachleute im Einsatz. Sie entscheiden nach Kriterien des schleswig- holsteinischen Umweltministeriums, ob die Tiere sich selbst überlassen oder getötet werden. Leicht verölte Vögel werden in die Pflegestationen gebracht.
Wie schadet das Öl den Vögeln?
Schon ein kleiner Ölfleck beeinträchtigt die Kälte- Isolierung des Federkleids. Die Tiere verbrauchen mehr Energie, um die Körperwärme zu halten. Der Reinigungstrieb überlagert zudem den Nahrungstrieb. Die Tiere sterben völlig entkräftet.
Ist das Waschen sinnvoll?
Nach Untersuchungen von Biologen liegen die Überlebenschancen auch bei artgerechter Reinigung des Gefieders nur bei fünf Prozent. Selbst Naturschützer halten den Aufwand nur bei sehr robusten Vögeln für sinnvoll. Das schleswig-holsteinische Umweltministerium unterstützt die Reinigungen deshalb nicht. Für viele Tierschützer gilt aber, "jedes gerettete Tier ist ein Erfolg", so Peter Marke vom Westküstenpark in St. Peter-Ording. Die ersten gewaschenen Vögel sind freigelassen worden.
Wie läuft die Verfolgung des Verursachers?
Die Wasserschutzpolizei in Husum ermittelt. Nach Untersuchungen des Bundesamtes für Seeschifffart und Hydrographie handelt es sich vermutlich um Brennstoffrückstände, die aus dem russisch-baltischen Raum stammen. "Unser Problem ist, dass die Proben auf viele Schiffe passen", so Ermittlungsleiter Matthias Bieder.
Welche Strafen drohen Tätern?
Laut Strafgesetzbuch können bei illegaler Ölentsorgung Geldstrafen sowie Freiheitsstrafen zwischen drei und zehn Jahren verhängt werden. Aber die Täter werden selten gefasst. Der Naturschutzbund fordert einen neuen Straftatbestand, nach dem allen Ölsündern eine Haftstrafe droht.
Was muss geschehen, um Ölverseuchungen zu verhindern?
Die Naturschützer fordern eine bessere Flugüberwachung der Nordsee. Außerdem soll die ölentsorgung in die Hafengebühren einbezogen werden. Es gibt auch den Vorschlag, alle Schiffseigner zu verpflichten, in eine Haftungskasse einzuzahlen.
Mittwoch, 18. Februar 2004
Stephan Speicher
"Unter allen macht keiner solche Vergnügung, als der Bär, welcher, wann er von den kleinen Bärbeissern hin und her gezwackelt wird, so, dass er sich in ein Fass mit Wasser retirieren muss, so sitzet er darinnen, und theilet aus demselben mit vieler angenehmer Lust unter die Hunde Ohrfeigen aus." Das teilt "Der Vollkommene Teutsche Jäger" mit, der Klassiker der Jagdliteratur des 18. Jahrhunders, verfasst von Hanns Friedrich von Fleming. Auch andere komische Dinge kennt Fleming, zum Beispiel das Fuchsprellen, das von Herren und Damen gemeinsam ausgeübt werden konnte. Dabei standen sich in einem Schlosshof je zwei Jagdfreunde oder Jagdfreundinnen gegenüber, die ein etwa fünf Meter langes Tuch zwischen sich auf den Boden legten, die "Prellen%quot;. Auf ein Zeichen des Jagdherren wurden nun die gefangenen Füchse laufen gelassen. Betraten sie eines der auf dem Boden liegenden Tücher, so wurden diese ruckartig hochgerissen, dass die Füchse durch die Luft flogen. Waren sie dann hart auf den Boden geprallt und hatten sich wieder aufgerappelt, wurde die Prozedur wiederholt, bis zuletzt die Tiere tot waren.
Solche Schnurren erzählt Cecilie Hollberg in ihrem Aufsatz "Die Lust am Jagen", der den Katalog "Hofjagd" eröffnet. Hofjagd war eine Ausstellung, die das Deutsche Historische Museum (DHM) zunächst im Knauf-Museum Iphofen zeigte, dann in Torgau und die nun in Berlin angekommen ist. Die größte Vergnügung dabei ist allerdings der zitierte Katalogbeitrag, der zwar auch nicht tief schürft, aber immerhin einige kuriose Details bietet. Die Ausstellung dagegen ist historisch völlig lustlos. Ihrem Untertitel "Aus den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums" getreu hat sie sich nichts anderes vorgenommen, als aus den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums dies und das hervorzuziehen. Wer sich für historische Jagdwaffen interessiert, der kommt wohl auf seine Kosten. Wer aber etwas von der Kulturgeschichte der Jagd erfahren will, bleibt unberaten.
Warum spielt die Jagd zwischen 16. und 18. Jahrhundert eine solche Rolle? Warum ist sie für die höfische Repräsentation so wichtig? Und was verrät sie über das Verhältnis von Zivilisation und Natur? Hat man die Tiere wirklich nur als seelenlose Automaten gesehen, wie es Descartes lehrte? Oder verraten die alten Jagdbräuche nicht doch, dass den Menschen die Tötung der Tiere unheimlich war und es daher eines rechtfertigenden Ritus bedurfte? Und wie passen dazu solche grausigen Scherze wie das Fuchsprellen? Das alles interessiert im DHM nicht. Die deutsche Winde zum Spannen der Armbrust ist jedoch in einem gewiss vorzüglichen Exemplar vertreten.
Bis 12. April, täglich geöffnet von 10-18 Uhr. Der Katalog kostet 20 Euro.
Von Anja Stammler
Ein seltener Vorschlag. Ein SPD- Politiker will eine Steuer abschaffen - die Hundesteuer. Darüber erhitzen sich die Gemüter. Für die Hundebesitzer wäre es ein Glücksfall. Aber in die Chemnitzer Stadtkasse würde die Umsetzung ein großes Loch reißen.
Der Abgeordnete der SPD- Bundestagsfraktion Wilhelm Priesmeier fordert aus sozialen Gründen die Abschaffung der Hundesteuer. Zur Morgenpost sagte er: „Besonders für alte Menschen und Familien sind Hunde wichtige Gefährten. Grund genug, dass diese Freundschaft nicht durch steuerliche Abgaben belastet werden sollte.“
Was die Hundebesitzer wohl eher freut, würde bei einer Umsetzung dieses Antrages die Stadt jedoch ein hübsches Sümmchen kosten. Denn derzeit sind 7650 Hunde in Chemnitz gemeldet. Die Besitzer müssen pro Hund 78 Euro im Jahr berappen. Für Kampfhunde liegt der zu zahlende Steuerbetrag sogar noch weitaus höher. Deren Besitzer sind verpflichtet, laut Hundesteuersatzung, mit 492 Euro im Jahr noch tiefer in die Tasche zu greifen.
„Eine Abschaffung der Hundesteuer wäre untragbar“, so die Leiterin des Steueramtes, Hannelore Mehlhorn. „Dies würde für die Haushaltskasse einen Einnahmeverlust von 610000 Euro jährlich bedeuten.“ Wer aber denkt, das Geld würde für die Beseitigung der Hunde-Hinterlassenschaften verwendet, irrt. Das Geld wird von der Stadt in den allgemeinen Topf geworfen. Hundehalter als Melkkühe. Und: „Die Hundesteuer erheben wir auch noch aus ordnungspolitischen Gründen“, so Hannelore Mehlhorn. „Ansonsten würde die Zahl der Hundebesitzer in der Stadt unkontrolliert steigen und die damit verbundenen Probleme einfach überhand nehmen.“
Damit es nicht so weit kommt, kontrollieren seit dem vergangenen Jahr acht zusätzliche Angestellte des Gemeindlichen Vollzugsdienstes die ordnungsgemäße Anmeldung der Vierbeiner.
Der Tierschutz-politische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Wilhelm Priesmeier, hält die Hundesteuer für überholt und verlangt ihre Abschaffung. Sie sei ein Relikt aus preußischen Zeiten, sagte Priesmeier laut einer am Montag veröffentlichten Vorabmeldung der Zeitschrift „Tier Bild“. „Damals sollte verhindert werden, dass sich zu viele Menschen einen Hund anschaffen.“ Doch heute sei diese Steuer völlig überflüssig geworden. Tiere nähmen in der Gesellschaft mittlerweile eine sehr wichtige Aufgabe ein. „Das darf nicht mit einer Steuer bestraft werden“, sagte Priesmeier.
Obolus lieber für Tierschutz als für Fiskus
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Susanne Jaffke schlug vor, die Steuer in eine zweckgebundene Abgabe zu verwandeln. „Kein Tierfreund hat etwas dagegen, wenn das, was er bisher an Hundesteuer bezahlen muss, zum Beispiel zielgerichtet für den Tierschutz verwendet würde“, sagte Jaffke laut „Tier Bild“.
Tierschützer besorgt über Verschärfung des städtischen Taubenfütterungsverbots – Stadttauben AG
Von Norbert Jonscher
Erhalten Braunschweigs arg gebeutelte Stadttauben bald Schützenhilfe?
Wie die BZ erfuhr, gibt es eine Initiative, die erwägt, nach dem Vorbild in anderen Städten eine Braunschweiger Stadttauben AG zu gründen, eine Interessenvertretung für die schätzungsweise 5000 ausgewilderten Haus- und Brieftauben, die nicht eben über eine starke Lobby verfügen.
Früher wurden sie mit Blausäure vergiftet (wir berichteten), später mit Taubenhäusern und untergeschobenen Porzellaneiern aus der Stadt gelockt, jetzt soll ihnen womöglich ein Wüstenbussard Beine machen. Bis zur Gründung der AG müsste allerdings noch einiges geklärt werden, heißt es.
Woran sich die Tauben-Lobbyisten vor allem stoßen? Dass die Stadt ihre Tauben, unfähig, sich selbst aus ihrer misslichen Lage zu befreien, per Fütterungsverbot derzeit dem sicheren Hungertod ausliefert. Das sei nichts anderes als Tierquälerei.
Tauben jaulen nicht
Heidi Noseck, eine Tauben-Sympathisantin: Die Missachtung dieser Tiere sei vermutlich darin begründet, dass sie ihr Leiden nicht laut artikulieren können. "Sie können ja nicht zum Beispiel Jaulen wie ein Hund." An alle Taubenhasser dieser Stadt richtet sie folgenden Appell: "Stellen Sie sich doch einmal vor: Eine Stadttaube klopft freundlich mit ihrem Schnabel an Ihre Wade und sagt: ,Wissen Sie, mein verkrüppelter Fuß tut furchtbar weh, aber noch schlimmer ist mein Hunger – könnten Sie mir eventuell eine Brötchenhälfte abgeben? Wenn Sie sich dann immer noch trauen, Ihre bisherigen Gedanken laut zu formulieren: ,Von euch Tauben gibt es doch sowieso viel zu viele und ihr verdreckt alles!’ – dann würde Sie die Taube vermutlich erstaunt fragen: ,Aber ist das nicht mit euch Menschen genauso?’"
Verstößt ein Fütterungsverbot gegen das Tierschutzgesetz? Das OVG Lüneburg urteilte im Jahr 1997: nein, ein Verstoß liege u.a. "schon deshalb nicht vor, weil es sich bei den verwilderten Haustauben weder um gezüchtete noch um aufgezogene Tiere handelt, die sich in der Obhut des Menschen befinden".
Es gehe in dem Gesetz darum, dass "ein nicht ausreichend vorbereitetes Lebewesen durch eine positive Handlung aus seinem geschützten Zustand in einen neuen verbracht wird, in dem sein Leben gefährdet ist". Gemeint sei eine "positive Handlung", kein Unterlassen. Ein Fütterungsverbot verstoße insofern schon tatbestandsmäßig nicht gegen das Tierschutzgesetz (Urteil vom 6. Februar 1997 - 3 K 5809/96).
Sie gehören ins Stadtbild
Gleichwohl, die Argumente überzeugen viele Tierschützer nicht. Sie sind hochbesorgt über das den Braunschweiger Tauben nun drohende Schicksal und die damit einhergehende Verelendung: Tauben, heißt es, gehörten seit jeher in ein lebendiges Stadtbild. In Venedig etwa und in vielen anderen Städten sei das Füttern ja auch erlaubt.
Harte Geschütze fährt die Organisation Menschen für Tierrechte auf: Das Fütterungsverbot, urteilt sie auf ihrer Internet-Homepage www.animal2000.de, sei "eindeutig eine Tötungsmethode". Und das an Populationen, die der Zucht entstammen. Diese Tauben seien domestizierte Lebewesen, wie Hund, Katze, "und auf Gedeih und Verderb auf den Menschen angewiesen".
Vor tausenden von Jahren hätten Menschen sie von den Felsen geholt, um sie zu züchten. Gerade bei uns in den Innenstädten, heißt es, fänden sie Ersatz für den geliebten Felsen, der ihnen genommen wurde. Im Grunde seien die Stadttauben herrenlose Haustiere, sie entstammten den Schlagtauben. Und müssten, mitten unter uns lebend, unbeschreibliches Leid erleiden; Glasscherben, spitze Dolche, Stromkabel, andere "Foltergegenstände" fügten ihnen schwere Verletzungen zu. Die Folge: verkrüppelte Füße, fehlende Zehen, ja sogar komplett amputierte Füße. Hinzu kommt: Dadurch, dass man ihnen jetzt auch noch das Futter entziehe, schwäche man ihre Immunabwehr.
Folge: Die Tiere würden krank, von Parasiten befallen. Mit dem Kot ausgeschiedene Krankheitserreger stellten übrigens auch eine Gefahr für den Menschen dar.
Montag, 16.02.2004
Von Andrzej Rybak
Die Suche nach Minen ist eine Mammutaufgabe. Was bisher kaum jemand weiß: Die besten Spezialisten für diesen Job sind Ratten.
Mit seiner Nase direkt am Boden durchkämmt Rivaldo eine abgesteckte Parzelle im afrikanischen Busch. Er zerrt nach links, nach rechts, stellt sich auf die Hinterbeine. Doch die kurze Leine an seinem Geschirr zwingt ihn, geradeaus in einem 50 Zentimeter schmalen Korridor zu laufen. Er wittert, bleibt hin und wieder stehen - und kratzt aufgeregt mit den Vorderbeinen im Sand. "Volltreffer, er hat eine Mine gefunden", freut sich Abdullah Mchomvu und klickt laut mit einem Plastik- Knipser. Rivaldo scheint auf das Signal gewartet zu haben: Für die gute Arbeit wird er mit einem Stück Banane belohnt.
Rivaldo, benannt nach dem brasilianischen Dribbelkünstler, ist eine Gambia- Riesenhamsterratte (Cricetomys gambianus). Auf dem Testgelände der Sokoine Universität für Landwirtschaft im tansanischen Morogoro wird der Nager - zusammen mit 59 Artgenossen - im Aufspüren von Landminen trainiert. Das Tier riecht TNT und kann sowohl tief vergrabene Anti-Panzer-Minen als auch winzige Plastikminen erschnuppern. "Die Ratten reagieren auf geringste Konzentrationen, die mit Gas-Chromatografen kaum nachzuweisen sind", schwärmt Christophe Cox. Mit seinem Kollegen Bart Weetjens leitet der Belgier die Nichtregierungsorganisation Apopo, die mit ihrem ungewöhnlichen Projekt für Aufsehen sorgt.
Seit Anfang 1998 arbeiten die beiden Europäer mit den Gambia-Ratten, zuerst in einem belgischen Labor und seit drei Jahren in Tansania. "Wir suchten nach einem effektiven und billigen Weg, um die Vernichtung von Landminen voranzutreiben", sagt Cox.
Enormer Handlungsbedarf
Der Handlungsbedarf ist riesig: 100 Millionen Minen liegen in 90 Staaten vergraben, darunter Angola und Mosambik, Afghanistan, Bosnien, Tschetschenien und Osttimor. Jeden Tag werden 50 Menschen zu Opfern der Sprengsätze, sie werden getötet oder verkrüppelt. Ein Ende des Schreckens ist nicht abzusehen: Bei dem jetzigen Tempo der Minenräumung würde es 500 Jahre dauern, das Arsenal aus der Welt zu schaffen.
Die traditionelle Technik mit dem Metalldetektor ist langsam. Das Gerät reagiert nicht nur auf Minen, sondern auch auf Kugeln und andere Metallstücke. Plastikminen bleiben oft unentdeckt. "Spürhunde können die Effektivität deutlich erhöhen", sagt Cox. "Doch sie sind teuer, anfällig für Tropenkrankheiten und hängen stark am Trainer." Das Ratten-Projekt weckte deswegen das Interesse der belgischen Regierung, die auch den Aufbau der Labors in Morogoro finanzierte. Zurzeit fördert die Europäische Union Apopo mit 1,1 Mio. Euro.
"Ratten haben eine feinere Nase als Hunde", preis Cox die Vorzüge der Nager. "Sie sind einfach zu züchten und zu halten, resistent gegen viele Erreger, leicht zu transportieren. Und sie lernen schneller." Etwa sechs bis acht Monate Training braucht eine Riesenratte, um im Freien Minen aufzuspüren. Die Trefferquote variiert je nach Tier und Wetterbedingungen.
Cox und Weetjens haben einen detaillierten Trainingsplan ausgearbeitet: Wenn die Ratte am TNT kratzt, ertönt der Klick-Laut, und das Tier bekommt Futter. Kratzt die Ratte an einer falschen Probe, geht sie leer aus. "Die meisten Tiere können schon nach vier Wochen den Sprengstoff erkennen", sagt Judy Cox, die seit fünf Jahren an dem Projekt arbeitet. Dann setzen die Trainer den Ratten mehrere Proben vor und variieren die TNT-Konzentration. Erst wenn die Tiere diese Aufgabe lösen, beginnt das Feld-Training.
Beeindruckende Fähigkeiten
Die Gambia-Ratten leben etwa acht Jahre, können also nach dem Training sechs bis sieben Jahre auf Minenfeldern arbeiten. Sie werden etwa 40 Zentimeter lang und bis zu zwei Kilo schwer - leicht genug, um keine Detonation auszulösen. In Mosambik demonstrierten sie kürzlich zum ersten Mal ihre Fähigkeiten auf einem echten Minenfeld. "Wir haben 20 Ratten eingesetzt", erzählt Weetjens. "Wir haben dort eine Erfolgsquote von 100 Prozent erreicht."
Michael Ehlers, Sprecher der deutschen Organisation Menschen gegen Minen (MgM), ist beeindruckt: "Die Nager zeigen erstaunliche Fähigkeiten. Sie werden die Hunde nicht ersetzen, können sie aber sinnvoll ergänzen." Hunde durchsuchen zwar schneller größere Gebiete, doch bei einer großen Dichte von Minen sind sie verwirrt. Manchmal freuen sie sich so sehr über ihre Funde, dass sie die Konzentration verlieren. Bis die Ratten in großem Maßstab eingesetzt werden, könne es aber noch Jahre dauern.
Bis es so weit ist, müssen Cox und Weetjens noch reichlich überzeugungsarbeit für ihr Projekt leisten - und weitere Wundergaben der Ratten anpreisen. Mit Erfolg: Apopo gewann erst kürzlich ein Forschungsstipendium der Weltbank, um den Einsatz der Nager bei der Diagnose von Tuberkulose zu untersuchen. "Wir wissen, dass die Raten den TB-infizierten Speichel erkennen", sagt Weetjens. Bei ersten Tests erreichten die Tiere eine Erfolgsquote von 76 Prozent. "Sie haben sogar Proben erkannt, die vom Labor als negativ getestet wurden." Die Ratten sind zudem rasend schnelle Analytiker: Während ein Labortechniker pro Tag 20 Proben unter dem Mikroskop untersuchen kann, schafft eine Ratte 100 Analysen in 15 Minuten.
Weitere Einsatzgebiete vorstellbar
Die Tiertrainer können sich für ihre Nager noch ganz andere Herausforderungen vorstellen. "Die Gambia-Ratten können verschiedene Substanzen erkennen", sagt Cox. "Es ist nur eine Frage des Trainings." Der Belgier denkt an verschiedene Aufgaben im sicherheitsrelevanten Bereich, etwa an das Aufspüren von Sprengstoff oder Drogen. "Wir könnten schnell Luftproben von Schiffscontainern nehmen, die heute kaum auf den Inhalt überprüft werden", sagt er. Die Ratten würden in Sekundenschnelle die Proben analysieren und zum Beispiel Spuren von Rauschgift erkennen.
"Wir fangen erst an, zu begreifen, was für Fähigkeiten verschiedene Tiere besitzen und wie der Mensch diese nutzen könnte", sagt Cox. Nur der Hund wurde zum Aufspüren von Drogen, Minen oder verschütteten Menschen eingesetzt. Delfinen brachten Forscher bei, Schiffsminen aufzuspüren und Menschen aus großen Tiefen zu retten. über die Fähigkeit der Bienen, Minen zu entdecken, sind sich Experten bis heute nicht einig. Cox witzelt: "Die Zukunft gehört den Ratten."
Minen-Sucher: Ratten können schon winzige Mengen TNT erschnuppern. Der Vorteil gegenüber Hunden: Die Nager kosten weniger, sind nicht anfällig gegen Tropenkrankheiten und arbeiten problemlos mit wechselnden Bezugsperonen. Wegen ihres geringen Gewichts lösen sie keine Detonationen aus. Zudem lernen sie sehr schnell: Nach vier Wochen Training erzielen sie die ersten Ergebnisse.
Krankheits-Tester: Die Tiere können auch Speichel erkennen, der mit Tuberkulose infiziert ist. Auch als Drogenfahnder könnten sich die Nager einsetzen lassen - alles eine Frage der übung. Die Ratten sind motiviert, solange sie von ihrem menschlichen Lehrer mit Futter belohnt werden.
Von Hanna-Lotte Mikuteit
St. Peter-Ording - Sie sind ein Bild des Jammers: Das Gefieder mit Öl verklebt, hocken Trauerenten an den nordfriesischen Stränden, blicken angstvoll aus großen Augen. "Wir haben seit Montag 600 verölte Vögel gezählt", sagt Klaus Koßmagk-Stephan vom Nationalparkamt in Tönning. 90 Tiere seien tot gefunden oder getötet worden. Obwohl die Ergebnisse der ölproben erst am Freitag erwartet werden, ist der Naturschützer sicher, "dass eine illegale ölentsorgung im Seegebiet westlich von Nordfriesland schuld an der Verseuchung ist".
Wieder einmal. Gerade zwei Jahre ist es her, dass 1500 Seevögel Opfer einer Ölpest wurden. 1300 starben. Experten schätzen die Zahl der illegalen Einleitungen in die Nordsee auf 200 im Jahr. Gefahr droht den Vögeln vor allem im Winter, wenn sie auf hoher See Nahrung suchen. In kaltem Wasser wird Öl langsamer abgebaut. "In der Deutschen Bucht sterben jährlich 20 000 Seevögel an der schleichenden Ölkatastrophe", sagt Claudia Viße vom schleswig-holsteinischen Umweltministerium.
Seit langem fordern Naturschützer eine bessere Überwachung der Umweltbestimmungen auf See. "Wir brauchen europaweit schärfere Kontrollen der Schifffahrt und strengere Strafen", sagt Hans von Wecheln von der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste in Husum. Derzeit werde nur ein Bruchteil der Fälle aufgeklärt.
Unterdessen sind an der nordfriesischen Küste zahlreiche Helfer auf der Suche nach betroffenen Tieren. Schwerpunkt sind die Inseln Amrum, Föhr und Sylt. Bislang sind 180 verölte Vögel in die Seevogel- Rettungsstation im Westküstenpark St. Peter-Ording gebracht worden. 15 Tierschützer versuchen, die sonst meist zu einem qualvollen Tod verurteilten Vögel zu waschen und aufzupäppeln. "Wir hoffen, dass wir morgen die ersten acht Enten wieder freilassen können", sagt Geschäftsführer Peter Marke.
Die vor zwei Jahren eingeweihte Station wird von mehreren Tierschutzorganisationen betrieben, von vielen Naturschützern allerdings wegen der geringen Erfolgschancen kritisch gesehen. "Im Schnitt können wir 70 Prozent der verölten Vögel retten", hält Marke dem entgegen. Allerdings übersteige die aktuelle Situation die Möglichkeiten. Deshalb soll nun ein Teil der Tiere in andere Stationen, darunter auch in Holland, gebracht werden.
4238 Vierbeiner leben in VW-Stadt – Sozialhilfeempfänger zahlen nur halbe Hundesteuer
Von Katharina Rosch
Prozentual ausgedrückt heißt das, dass mehr als 3,4 Prozent der Bürger der Volkswagenstadt ein bellendes Familienmitglied haben. Hinzu kommen allerdings noch die Vierbeiner, die von ihren Herrchen und Frauchen nicht angemeldet wurden. Die Dunkelziffer ist in diesem Fall erfahrungsgemäß nicht sehr groß. Zumal die Stadt Wolfsburg Sozialhilfeempfängern oder Menschen mit vergleichbar niedrigem Einkommen einen um 50 Prozent ermäßigten Steuersatz für ihren Liebling anbietet. "Manche Familie könnte den vollen Steuersatz nur sehr schwer aufbringen", sagt Michael Langer, Fachverantwortlicher für den Bereich Steuern bei der Stadt.
79,80 Euro pro Jahr fallen für den ersten Hund, das sind 3960 Tiere, in Wolfsburg an. Der Zweithund – davon gibt es in der Volkswagenstadt 162 – kostet bereits 116,40 Euro. Jeder weitere (25 Hunde) wird mit 135 Euro veranschlagt. Damit will die Stadt vor allem auch die Anzahl der Hunde begrenzen, erläutert Langer. Es gibt aber noch 21 Hunde, für die gar keine Steuer anfällt. Dabei handelt es sich um Blindenhunde, Hunde der Forstbehörden oder Hunde, die vom Sicherheits- und Bewachungsgewerbe eingesetzt werden.
Während in vielen Gemeinden Niedersachsens Unterschiede für die Größe der Vierbeiner gemacht wird, ist es in Wolfsburg egal, ob es sich um den Dackel Waldi oder den Schäferhund Rex handelt. Die Tiere werden vor dem Fiskus gleich behandelt. Auch eine Sondersteuer für Kampfhunde gibt es nicht, es hat sie auch nie gegeben. Die Hundesteuer wird übrigens nicht für die Reinigung vom Hundekot genutzt, sondern fließt in den Gesamtetat der Stadt. In den Verwaltungsstellen gibt es für Hundehalter kostenlose Hundekotbeutel.
Noch tierlieber als sind vor allem die Nordlichter. Delmenhorst ist Spitzenreiter. Dort besitzen fünf Prozent der Bürger einen bellenden Vierbeiner. An zweiter Stelle stehen Salzgitter und Wilhelmshaven. Vor den Wolfsburgern rangieren auch noch die Emder. Die wenigsten Hunde indes gibt es – trotz großer Parks – in Hannover und in Braunschweig. Nur 2,4 beziehungsweise 2 Prozent aller Bürger greifen dort täglich zur Leine, um Gassi zu gehen.
Todesanzeigen für Tiere entsprechen immer mehr dem Bedürfnis von Tierhaltern. Einige Schweizer Zeitungen und Zeitschriften haben darauf reagiert und bieten entsprechende Rubriken an. Ein Theologe ist gegen diese Art des Abschiednehmens.
Die Todesanzeige bei Tieren sei eine neue Version der Trauerverarbeitung, sagt Eva Waiblinger von der Fachstelle Heimtiere des Schweizer Tierschutz (STS). Bei Menschen hätten Todesanzeigen eine andere Aufgabe. Dort dienten sie normalerweise dazu, den Bekannten mitzuteilen, dass jemand gestorben sei und wann die Beerdigung stattfinde.
Die zunehmende Bedeutung von Todesanzeigen für Tiere zeige die wachsende Bedeutung der Tiere, sei gleichzeitig aber auch ein Symptom für die Vermenschlichung der Tiere, so Waiblinger. So lange die Vermenschlichung erst nach dem Tod eines Tieres stattfinde, sei dies weniger schlimm.
Würde des Tieres mit Verzicht besser bewahren
Georg Pfleiderer, Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität Basel, ist für einen Verzicht. So verständlich die Trauer von Tierfreunden sei; nur Menschen sollten seiner Meinung nach Todesanzeigen bekommen. Und zwar unabhängig davon, wie sehr oder wie wenig sie geliebt wurden.
Die Würde des Tieres, auch die des geliebten Tieres, werde besser gewahrt, indem man auf eine solche "Würdigung" verzichte, meint Pfleiderer. Bei Menschen gehe man davon aus, dass jeder Mensch, egal wie wichtig oder bekannt er ist, eigentlich eine Todesanzeige, und sei es nur eine einzeilige verdient hat.
Bei Tieren führe dieser Gedanke schnell in Absurditäten. "Wollen wir jeder Amsel, die vom Baum fällt, eine Todesanzeige schreiben?", fragt Pfleiderer. "Müssten wir, wenn wir alle Trauergefühle veröffentlichten wollten, nicht auch das Ende von langjährigen Freundschaften oder Ehescheidungen oder womöglich gar den Verlust eines lieben Gegenstandes in Traueranzeigen mitteilen?"
Jasper - Kind oder Katze?
Die Diskussion ausgelöst hatte eine Todesanzeige für den Kater Jasper im "Tages- Anzeiger" vom 3. Februar. Die Todesanzeige wurde allerdings nur deshalb veröffentlicht, weil die Auftraggeber aufgrund einer Nachfrage des Verlages versicherten, bei Jasper handle es sich um ein Kind und bei der abgebildeten Katze um sein Lieblingstier.
Das Missverständnis flog dann aber schnell auf. Der "Tages- Anzeiger" bedauerte die Veröffentlichung, erläuterte den Lesern, wie es dazu kommen konnte und erklärte, dass er künftig auf solche Anzeigen verzichte. Es sei das erste Mal gewesen, dass die Zeitung mit diesem Thema konfrontiert worden war, sagt Tamedia- Sprecherin Eta Pavlovic dazu auf Anfrage.
Auch die Leser reagierten - und zwar nicht nur negativ. Das Thema habe stark polarisiert, so Pavlovic. Inzwischen hat die Zeitung ihre Politik geändert und bietet unter der Rubrik "Privatmarkt" dreimal pro Woche die Möglichkeit an, Todesanzeigen für Tiere mit Fotos zu veröffentlichen. Bisher sei aber noch kein Auftrag eingegangen, sagte die Tamedia-Sprecherin.
Medien reagieren
Auch das "Tagblatt der Stadt Zürich" erkannte das Bedürfnis und bot flugs eine neue Rubrik mit dem Titel "Abschied vom Haustier" an. "Die einen halten einen solchen Schritt für überfällig, die anderen finden ihn geschmacklos", schrieb Chefredaktor Markus Hegglin dazu in seiner Zeitung.
Auch bei der "Tierwelt" hat man reagiert. Bisher seien solche Todesanzeigen kein Thema gewesen, aber ab Mitte/Ende März werde auch die "Tierwelt" diese Möglichkeit anbieten, sagte Verlagsleiter Kurt Lipp. Ob dies in Form einer eigenen Rubrik geschehe oder innerhalb der einzelnen Tierrubriken, sei noch nicht entschieden.
Publicitas, der grösste Schweizer Inseratevermittler, kennt bezüglich von Todesanzeigen für Tiere keine festen Richtlinien. Bedingung sei einzig, dass solche Anzeigen getrennt von Todesanzeigen für Personen platziert werden, sagte Georges von Csernatony von der Publicitas auf Anfrage.
Der endgültige Entscheid, ob Tier-Todesanzeigen publiziert werden, liege bei den Verlegern, so von Csernatony weiter. Allerdings seien bei Publicitas bisher nur sehr wenige Todesanzeigen für Tiere eingegangen.
11.02. 2004
Tönning (dpa). An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste sind mehrere hundert mit öl verunreinigte Vögel entdeckt worden. „Die Zahl steigt weiter an“, sagte Detlef Hansen vom Nationalparkamt in Tönning in einer ersten Bilanz am Mittwoch. Gezählt worden seien bisher über 600 Tiere, hauptsächlich auf den nordfriesischen Inseln Föhr, Amrum und Sylt. Unterdessen hat die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste schärfere Kontrollen und Strafen für Umweltsünder auf See gefordert.
Erste verölte Vögel waren am Montag auf Föhr bemerkt worden. Der Großteil der von Verölung betroffenen Tiere - in erster Linie Trauerenten - dümpelt den Beobachtungen zufolge zwischen den Inseln und Halligen auf dem Wasser. Die Tatsache, dass diese Hochseevögel die Nähe der Küste suchten, sei ein deutliches Zeichen für eine Verölung, sagte die Vogelexpertin der Schutzstation Wattenmeer, Silvia Gaus. Nach Informationen aus dem Nationalparkamt sind bis Mittwoch rund 180 Tiere in die Station von St. Peter- Ording gebracht worden, wo sie von Tierschützern und Helfern gesäubert werden.
Auf die Frage nach der Ursache der Verölung gab es auch am Mittwoch noch keine Antwort. Proben des öls seien genommen und würden noch untersucht, hieß es vom Nationalparkamt. Der Sprecher der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste, Hans von Wecheln, äußerte jedoch die überzeugung, dass wie so oft öl illegal aus Schiffen in das Meer eingeleitet wurde. Vorkommnisse dieser Art könnten nur durch eine strengere europaweite überwachung des Schiffsverkehrs und konsequente Strafen vermieden werden.
Dienstag, 10. Februar 2004
Staatsministerium hatte zum Wolf-Symposium geladen
Bis auf den letzten Platz gefüllt war am Donnerstagabend der große Saal der Gaststätte „Zum Hammer“. Das Dresdner Staatsministerium hatte zum Symposium geladen. Und das Thema erzeugte Aufmerksamkeit. Schließlich ging es um den Wolf.
Mitglieder des Landesjagdverbandes, Wolfsschützer, Naturschützer, Förster, Jäger und interessierte Laien waren gekommen. Und so durften im Laufe des Abends Befürworter und Gegner ihre Ansichten vorstellen. Um die Gesamtproblematik gründlich zu diskutieren, reichte freilich dieser Abend nicht aus.
Dr. Peter Blanché – von der „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ aus München angereist – ging es in seinen Ausführungen darum, objektive Aufklärung zu betreiben. Er wolle deutlich machen, dass sich die Jäger durchaus mit den Wölfen arrangieren könnten, denn ein Interessenkonflikt bestehe nicht.
Und natürlich wurden auch die jüngsten Ereignisse besprochen. Vor wenigen Tagen hatte die Meldung für Aufsehen gesorgt, dass es sich bei den vier Welpen des Neustädter Rudels mit großer Wahrscheinlichkeit um Mischlinge handelt. Die Mutter-Wölfin habe sich offenbar mit einem Hund eingelassen. So wurden die Gäste darüber informiert, dass vom Muttertier und den Welpen Blut zur Bestimmung der DNA entnommen wurde. Die Analyse übernimmt ein Labor in Krakau, um Sicherheit zu haben, ob nur die Welpen oder auch schon das Muttertier der Wolfsfamilie Hybriden (Mischlinge) sind. Das Ergebnis sei in den nächsten Wochen zu erwarten.
Der Vorsitzende des Landesjagdverbandes Dr. Giese richtetet an die Anwesenden die große Bitte, nicht vordergründig zu diskutieren, dass die sächsischen Wölfe gar keine Wölfe, sondern „nur“ so genannte Hybriden seien. „Doch könnten“, so fragte Jäger Jochen Bachmann, „die aus Polen eingewanderten Wölfe nicht auch schon Hybriden sein?“ Ilka Reinhardt vom Büro „Lupos“ verneinte: „Erst als wir die Welpen sahen, da kam der Verdacht auf.“ Das Gerücht, dass ein Schäfer vor den Wölfen flüchten musste, konnte durch das sächsische Umweltministerium nicht bestätigt werden. Dr. Michael Gruschwitz: „Wir haben keine Informationen, dass ein Kind oder Mensch durch einen Wolf bedrängt wurde.“
Auf die Frage, ob in Sachsen Wölfe aus anderen Gebieten umgesetzt wurden, wusste Dr. Gruschwitz eine eindeutige Antwort: „Kein einziger Wolf wurde jemals ausgesetzt oder umgesetzt. Alles ist auf natürlichem Weg passiert durch Zuwanderung der Wölfe aus Polen. Wir haben nicht die Wölfe nach Sachsen geholt, sondern die Wölfe sind nach Sachsen gekommen.“
Also alles in bester Ordnung? Nicht unbedingt. So meldete der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Hoyerswerda Steffen Bachmann seine Bedenken an, dass die Wölfe zu sehr verharmlost würden. Dabei zitierte er aus Fachbüchern. Er forderte die Anwesenden auf, die Gefahren nicht zu übersehen. „Wir neigen dazu in Deutschland zu über-, aber auch zu untertreiben, zu verharmlosen. Ich bin dafür, die Wolfspopulation im Auge zu behalten, denn die heimischen Tiere sind hier gefährdet.“ Und wenn das Gesetz dazu auffordere, die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu schützen, dann falle für ihn nicht der Wolf darunter, denn der Wolf sei für ihn kein heimisches Tier, so Bachmann.
Auf die Befürchtungen der Jäger antwortete Mike Eller vom sächsischen Umweltministerium: „Das Wild in der Lausitz ist durch den Wolf nicht gefährdet.“ Doch wie verhalte man sich, wenn man mit dem eigenen Hund dem Wolf begegne?, wollten die Jäger wissen. Eine Antwort mussten die Experten schuldig bleiben.
Am Ende der Veranstaltung wurde deutlich: Es müssen noch einige klärende Gespräche folgen, ehe es zu einem harmonischen Miteinander von Wolfschützern und Wolfskritikern in der Region kommen kann. (GEM/SZ)
Es wirkte schon sehr verzweifelt, wie die beiden Frauen die letzte Mailänder Schau von Dolce&Gabbana zu stürmen versuchten. Gerade hatte eines der Models einen bordeauxroten Pelzmantel präsentiert, da standen sie plötzlich auf dem Laufsteg und versuchten, ihre Transparente zu entrollen. Das Publikum konnte nur erahnen, dass es sich bei den zweien um Aktivistinnen von Peta handelte, der Organisation "People for the Ethical Treatment of Animals" - dann hatten Ordner sie schon wieder unsanft aus dem Rampenlicht entfernt. Großen Eindruck hinterließ ihre Aktion bei den Zuschauern nicht, überhaupt sind die Proteste der Tierschützer selten geworden, obwohl es in der Mode kaum einmal so viel Fell zu sehen gab wie zurzeit.
Mit Ausnahme von Stella McCartney - die Veganerin verzichtet in Leben und Werk grundsätzlich auf tierische Produkte - integrieren heute praktisch alle namhaften Designer das kuschelige Material so selbstverständlich in ihre Mode- wie Wohn-Kollektionen, als sei nie über die Pelzfrage diskutiert worden.
Das Comeback des Pelzes war anfangs begleitet von schlechtem Gewissen. "Guilty Pleasure" nennt man das. Zunächst fanden Modemacher den Ausweg aus dem Dilemma in "Fun-" oder "Fake-Furs", also Kunstpelzen, dann - unterstützt durch geschicktes Marketing des Dachverbandes der skandinavischen Pelzproduzenten (Saga Furs) - in neuen Verarbeitungsformen und Färbemethoden. Felle wurden leichter und moderner und einfach so lange geschoren, gefärbt und mit anderen Materialien verwebt, bis sie künstlich aussahen - eben gar nicht mehr nach Pelz. Und je unechter so ein Haarteilchen wirkte, umso besser verkaufte es sich.
Gleichzeitig aber entdeckten junge Trendsetter die alten Modelle auf Flohmärkten neu. Die Tiere waren schließlich schon lange tot, also durfte man getrost den Persianer aus Muttis Mottenkiste tragen. Außerdem: Wenn niemand Pelz zu tragen wagt, dann ist nichts schicker, als trotzdem einen zu tragen.
Schleichend veränderte sich die Zielgruppe, weg von der 50-jährigen, luxusverwöhnten Arztgattin hin zur "jungen, modebewussten, berufstätigen Frau zwischen 25 und 39 Jahren", sagt Andreas Lenhart, Geschäftsführer der International Fur Trade Federation. Und wärmen müssen die Tierhäute nun auch nicht mehr unbedingt: Ein Trend der kommenden Saison heißt Sommerpelz.
Pelz ist bezahlbar geworden, das hat den Wandel erleichtert. Natürlich kann man, etwa bei Baby Dior, ein Vermögen von 5000 Dollar für einen Kindermantel verprassen, aber es gibt eben auch Kaninchenmützen, Hasenstolas und -taschen bei Zara oder H&M. überhaupt werden zunehmend Fellaccessoires und -mode von Nutztieren gekauft, während etwa die Nerzproduktion seit Jahren rückläufig ist.
Trotzdem suchen die Designer schon wieder nach Spektakulärerem, nutzen Krokodil- (Versace, Marc Jacobs) oder Schlangenleder (Gucci, Bottega Veneta). Wenn das so weitergeht, kann man wohl bald auch wieder Froschschenkel essen. Pelzliebhaber müssen sich nicht halb so aussätzig fühlen wie etwa Raucher in New York. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Karstadt und C&A, die sich vor einigen Jahren dem Protest der Tierfreunde beugten, wieder Pelze führen. Der Großteil der Pelze stammt ohnehin aus Ländern, deren Tierfarmen sich an die Arten- und Tierschutzvorgaben des Citis- Abkommens der UN halten. Schließlich sieht Fell auch nur dann hübsch und glänzend aus, wenn die Tiere stressfrei gehalten wurden. (Offenkundig weiß die Dame nicht, wovon sie redet.)
Farbbeutel- und Rasiermesserattacken sind mittlerweile so gut wie ausgestorben, vorbei auch die Demos und Kampagnen gegen die Pelzindustrie der achtziger und frühen neunziger Jahre. Schon damals nutzten die Aktionen wenig. Zwischen 1995 und 2001 meldeten die deutschen pelzverarbeitenden Unternehmen einen Umsatzanstieg von knapp zehn Prozent. Die Lust auf Fell scheint größer als der Wille zur Political Correctness.
Boom beim Edel-Pelz: Allen Protesten und der Wirtschaftskrise zum Trotz, bejubeln Pelz-Boutiquen den neuen "Mut" zum Statussymbol. Die Zielgruppe ist jung und von Beruf häufig Erbe. Berühmteste Umfallerin ist Naomi Campbell, die noch 1994 das Motto "Lieber nackt als im Pelz" hochhielt und 1998 schon wieder einen Zobel präsentierte. Heute tragen nicht nur Diven wie Jennifer Lopez Pelze, sondern sogar die Stars der HipHop-Szene. Weltweit arbeiten etwa 400 Designer mit Echtfell, eine Dekade zuvor waren es nur 50. Kein Fell-Freund fürchtet noch, mit Tofu-Torten beworfen zu werden wie einst Karl Lagerfeld oder einen toten Waschbären in seiner Suppe zu finden wie die Chefredakteurin der amerikanischen "Vogue", Anna Wintour. Wer heute mit einer Springbocktasche, einem Ziegenmantel oder einem Fuchsschwanz herumläuft, muss allenfalls darauf gefasst sein, dass fremde Menschen im Vorbeigehen das Tier streicheln.
Denn kein Material ist anziehender und weicher als Fell. Und wer eine Fellsofadecke besitzt, muss mit ziemlicher Sicherheit allabendlich mit seiner Familie um den Platz unter dem molligen Teil kämpfen. Wir Journalisten allerdings zittern noch vor Protestbriefen unserer Leser und zeigen deshalb zu einem Text über das Revival des Pelzes ausschließlich Produkte aus Kunstfell. Die Leute von Peta setzen mittlerweile nicht mehr auf Sabotage. Stattdessen wollen sie die Branche mit eigener Mode überzeugen. Latex statt Leder, lautet ihr Motto. "Das ist Teil einer neuen Strategie", sagt Peta-Sprecher Michael McGraw.
Bianca Lang
09.02. 2004
Tierschützer protestieren erneut gegen Borchener Versuchstierzucht
Paderborn (elk). Rund 40 Tierschützer aus Nordrhein-Westfalen haben am Samstag erneut gegen die Versuchstierzucht Harlan-Winkelmann in Borchen demonstriert.
Vom Rathaus in Kirchborchen aus zogen sie mit Transparenten vorbei an den umliegenden Wohnhäusern zur Kleintierzucht in der Gartenstraße, wo sie zur Erinnerung an getötete Versuchtiere 60 Grableuchten aufstellten. Mehrere Hundert Beagles, Meerschweinchen, Hamster, Ratten und Mäuse werden hier in Borchen gezüchtet und an Versuchslabore verkauft.
"Ich kann nachts schlecht schlafen, wenn ich an die Bilder aus den Forschungslabors denke", begründete Hannelore Wiedemann von "Ärzte gegen Tierversuche" aus Bad Oeynhausen ihr Engagement bei der Demo. Sie ärgert sich, dass nicht mehr Geld in tierversuchsfreie Forschung investiert wird. "Mit welcher Berechtigung beuten wir die Tiere aus? Namhafte Wissenschaftler haben längst bewiesen, dass Tierversuche nicht auf den Menschen übertragbar sind! Viele Krankheiten sind hausgemacht, ein anderer Lebenswandel würde schon viel bewirken. Man schämt sich, ein Mensch zu sein!"
Einige Anwohner verfolgten den Demonstration vom Fenster aus. Von Seiten des Unternehmens gab es keine Reaktion. Die friedliche Demonstration war Teil der Kampagne "Harlan- schließen", die die Paderborner Tierrechtsinitiative TiPa seit Juni letzten Jahres mit Unterstützung von Tierschützern und Organisationen aus dem ganzen Bundesgebiet und Nachbarländern veranstaltet. Das Borchener Unternehmen, das selbst keine Versuche an Tieren durchführt, gehört zu der amerikanischen Firma Harlan, dem zweitgrößten "Produzenten" von Versuchstieren weltweit. Infos: www.harlan- schliessen.de
Freiheit für Kühe lässt Bauern zittern
Heiß diskutiert wird das geplante Bundes-Tierschutzgesetz.
Das Verbot des ständigen Anbindens von Rindern bereitet Bauern Probleme
INNSBRUCK (schra). Beim Tierschutz hat die heiße Phase begonnen. Die Bundesregierung will ein für ganz österreich einheitliches Gesetz, das die Landesgesetze ablöst. Am 17. Februar wird die Gesetzesvorlage ans Parlament verschickt, die Kernpunkte sorgen schon jetzt für Diskussionen.
Künftig soll es verboten sein, Tiere ständig anzubinden. Kühe etwa müssten laut Gesetzesvorlage mindestens 90 Tage pro Jahr Gelegenheit haben, sich bei Alm- und Weidegängen sozusagen die Paarhufe zu vertreten. Und auch die verpflichtende Anschaffung von Laufställen steht zur Debatte. Allesamt Maßnahmen, die für Unruhe in der Agrarierszene sorgen. Denn die Änderungen bei der Kuhhaltung wären mit Kosten verbunden.
In Tirol mit seinen Höfen in Hanglage fehle oft der Platz für einen Laufstall, gibt ÖVP-Nationalrat und Bauernbunddirektor Georg Keuschnigg zu bedenken. Überdies hätten bei weitem nicht alle Bauern die Möglichkeit, ihr Vieh auf eine Alm zu treiben, betonte Keuschnigg am Rande des Innsbrucker Stallbautages im TT- Gespräch. Und Kühe Woche für Woche mitten durch Dörfer auf die Weide zu geleiten, sei "auch nicht ganz unproblematisch".
Keuschnigg verlangt Übergangsregelungen. Es sei undenkbar, dass eben fertig gestellte Ställe umgebaut werden müssen. Dass Kanzler Schüssel und Minister Pröll eine Bundesregelung anstreben, versteht Keuschnigg aber: "Es ist nicht zu argumentieren, warum für eine Kuh in Salzburg etwas anderes gelten soll als in Tirol."
Beschlossen ist das Tierschutzgesetz des Bundes aber noch lange nicht. Die ÖVP braucht eine Zweidrittelmehrheit und somit das Okay von Koalitionspartner FPÖ und auch von der SPÖ. Die Freiheitlichen verlangen als Preis das Verbot des Schächtens (in der Vorlage mit Betäubung gestattet), die SPÖ hält sich noch bedeckt.
In einer Verordnung zum Tiroler Tierschutzgesetz werden Rindern übrigens sogar 120 Tage Weidegang pro Jahr zugestanden. Die dauernde Anbindung ist in Tirol also bereits verboten - wenn auch nur per Verordnung und nicht per Gesetz.
Ordnungsamt Herrnhut stoppt weitere Aufnahme von Hunden und Katzen Von Angelika Dornich
Das Ordnungsamt Herrnhut hat jetzt einem zugezogenen Pfälzer die weitere Aufnahme von Tieren verboten. Denn Wolfgang Köhler betreibt seit einigen Wochen im Berthelsdorfer Ortsteil Rennersdorf ungenehmigt einen Gnadenhof. Der allein stehende Sozialhilfeempfänger hält hier bereits über 20 Hunde, etliche Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen.
„Nehme alle Tiere auf meinem Gnadenhof auf“, „Nehme alle Tiere in Pension“, annonciert derzeit Wolfgang Köhler in Anzeigenblättern, berichtet Dagomar Oboth, Leiter des Herrnhuter Ordnungsamtes. Doch der im Dezember aus Neustadt an der Weinstraße hergezogene Tierfreund hat bislang für die Betreibung einer solchen Einrichtung keine Genehmigung vom Veterinäramt. Und ob er sie bekommen wird, sei fraglich. Weder die tierärztliche Betreuung noch die dauerhafte Versorgung der Tiere sieht Oboth gegeben. Auch die erforderliche Tierhalterhaftpflichtversicherung fehlt und eine Vertretung im Krankheitsfall. Deshalb hat die Herrnhuter Ortspolizeibehörde verfügt, dass Köhler keine weiteren Tiere aufnehmen darf, so lange er die Auflagen nicht erfüllt.
„Wir haben auch Hinweise von Tierschützern und dem Ordnungsamt von Neustadt an der Weinstraße erhalten“, sagt Oboth. Dort gab es jahrzehntelang Probleme mit der unkontrollierten Tierhaltung. Es mussten sogar Tiere beschlagnahmt werden. Der mittellose Mann nimmt zu viele auf, er überschätzt sich.
„Ich lebe nun mal für die Tiere und mit ihnen“, sagt Köhler. „Ich bin eine Art Tarzan.“ Von Kindes-beinen an habe er schon ein Herz für Tiere, und er wollte auch Tierpfleger werden. Doch seine Mutter bestand auf die Ausbildung zum „Anstreicher/Verputzer“. Weil ihn aber jedes traurige Tierschicksal berührt, und die Tierheime überfüllt sind, hat er sich dann doch der Vierbeiner angenommen. Der 50-Jährige erzählt selbst von seinen Schwierigkeiten und ewigem Nachbarschaftsstreit in Neustadt a. d. Weinstraße. Schließlich habe ihm ein Nachbar im Herbst vergangenen Jahres sein Haus abgekauft, und für das Geld suchte sich Köhler ein neues Domizil „für die Tiere“. „Bei der Auswahl habe ich extra darauf geachtet, dass es keine unmittelbaren Nachbarn gibt“, bemerkt er. Der schon länger leer stehende Bauernhof in Rennersdorf sei ideal für die Tiere. Allein 4 000 Quadratmeter sei der Hof, 23 000 das ganze Grundstück groß. Vor allem zur vorbeiführenden Staatsstraße zu müsste es aber unbedingt noch ein- gezäunt werden.
Die Hunde hält der 50-Jährige im Rudel. „Sie können raus und rein, wie sie wollen. Das ganze Erdgeschoss des Wohnhauses steht ihnen zur Verfügung.“ Er ist immer für sie da, sie haben genügend Wasser und Futter. Das hole er sich u. a. von Metzgern und bekomme es gesponsert. „Ich bin auch schon auf der Suche nach jemandem, der sich mit um die Tiere kümmert. Doch wer hier einsteigt, muss genauso verrückt sein wie ich.“
Der Antrag zur Betreibung eines Gnadenhofes ist gestellt. Vom Veterinäramt war aber noch niemand bei ihm. „Wenn ich die Genehmigung nicht bekomme, weiß ich nicht, wie’s weitergeht. Dann müsse er auch Hundesteuer bezahlen. „Doch wovon, wenn ich keine Einnahmequelle habe?“, fragt Köhler. „Ich lasse mich aber nicht einschüchtern. Es ist doch eine gute Sache, die ich mache.“
„Wir sind dabei, den Antrag zu prüfen“, sagt Amtstierarzt Ralph Schönfelder. Die Entscheidung werde in nächster Zeit fallen, ob des laufenden Verfahrens dürfe er sich aber nicht dazu äußern.
Im Kanton Bern hat ein 32-jähriger Mann seit Ende 2003 auf bestialische Weise mindestens drei Hauskatzen stranguliert und ertränkt. Er ist geständig und nennt das Verschwinden der eigenen Katze als Ausgangspunkt für sein Motiv.
Mitte Januar hatte eine Spaziergängerin an einem Baggersee in Meienried BE beobachtet, wie der Mann einer Katze ein Seil um den Hals band und das Tier mehrmals ins Wasser warf. Zudem soll er die Katze am Seil an einem Baum aufgehängt haben.
Auf Grund der Aussagen der Zeugin konnte der 32-jährige Schweizer aus dem bernischen Seeland verhaftet werden. Er hat zugegeben, am 30. Dezember zwei weitere Katzen auf die gleiche Art stranguliert und ertränkt zu haben, wie die Berner Untersuchungsbehörden am Freitag mitteilten.
Die Taten beging er an der Alten Aare und bei einem Feuerweiher in Oltigen BE. Die Tiere hatte er jeweils mittels Futter in seine Nähe gelockt.
Gefängnis oder Busse bis 40'000 Franken
Auf Grund der geltenden Tierschutzgesetzgebung erwartet den Mann eine Gefängnisstrafe oder eine Busse bis zu 40 000 Franken wegen Tierquälerei, wie Brigitte Rebsamen, Vizepräsidentin des Schweizer Tierschutzes, auf Anfrage sagte.
Seit der entsprechenden Änderung des Zivilgesetzbuches im April 2003 sei ein Tier rechtlich keine Sache mehr. Das ändere zwar nichts am Strafmass für den Täter, trotzdem werde kein Gericht eine solche Tierquälerei mehr als Bagatellfall beurteilen.
sda 05.02.2004
Von Norbert Jonscher
Viele der zahlreichen Braunschweiger Stadttauben sind Nachkommen entflogener Haus- und Brieftauben Nur, warum will sie niemand zurück? Die BZ unterhielt sich mit Werner Harazim vom Rassetaubenverein Harz-Heide. Nein, stellt Harazim mit Kennerblick fest: Rassetauben befänden sich "so gut wie keine" im Stadttaubenbestand. Seine Beobachtung: Manche Tiere hätten noch Ringe um ihre Fußgelenke, das seien wohl verirrte Brieftauben, die ihre Besitzer nicht mehr zurückhaben wollen. Harazim: "Eine Taube, die sich verfliegt, gilt als wertlos." Erst unlängst war ihm eine Reisetaube zugeflogen. "Ich habe natürlich sofort den Züchter angerufen, einen Bäckermeister aus Köln. Wissen Sie, was der mir gesagt hat? Schmeißen Sie die Taube in einen Kochtopf, ich habe kein Interesse."
Wo sich die Kölner Taube jetzt aufhält? Vermutlich hockt sie irgendwo rum. Hungernd. Auf dem Dach der VW-Halle, einer Platane am Kohlmarkt. Oder sie "geiert", auf sich selbst gestellt, in der Burgpassage nach Essensresten. Seit Jahren kritisieren Tierschützer das unsägliche Schicksal der einstigen "Leistungssportler", etwa der Bundesverband Menschen für Tierrechte: In Wahrheit, heißt es, gehe es beim Taubensport nur ums Geschäft. Ein riesiger Wirtschaftszweig habe sich um das Hobby gebildet, die mehreren Millionen Tauben ("Rennpferde des kleinen Mannes") würden als Sportgeräte missbraucht. Sie brächten ihren Haltern Auszeichnungen, Pokale, Geld. Nur, die Rechnung zahlten die Tauben. Und, natürlich die Städte, in denen sie, als Versager verstoßen, letztlich Asyl suchten. Bis zu 30 Prozent, heißt es, betrügen die "Verluste" bei Wettflügen.
Zahlen, die Günther Ebert (63), Mitglied im Verein "Heimattreu", einem von zehn Braunschweiger Zuchtvereinen (in ihnen werden schätzungsweise 10 000 Tiere gehalten), bestreitet. Er selbst besitzt ca. 200 Tauben, Der weiteste Wettflug der abgelaufenen Saison startete im 500 Kilometer entfernten Komin (Polen), wenige Stunden dauerte es, bis die austrainierten Tiere wieder im heimischen Schlag landeten. Wie viele Tiere sich verfliegen? Ebert: "Nur sehr wenige, das mit den 30 Prozent ist absoluter Quatsch." Die Tiere würden auf die Flüge gut vorbereitet, wie Athleten, die Wettervorhersagen vorher genau studiert. Und noch eines: Unter den Stadttauben gebe es nur wenige mit Ring.
Er wollte schnell ans große Geld, bot Kampfhunde illegal im Internet an. Das Veterinäramt kam einem Ukrainer jetzt auf die Schliche. Die Polizei beschlagnahmte in seiner Wohnung in Limbach-Oberfrohna zwei American Stafford, eine französische Bulldogge und einen Mastino.
Die Tiere litten qualvoll. Denn sie hatten eine knapp 1000 Kilometer lange Reise hinter sich. Nach ersten Ermittlungen brachte der Ukrainer sieben Hunde eingepfercht und versteckt in einem Auto nach Deutschland. Drei Hunde überlebten nicht, vier befreite die Polizei aus der kleinen Wohnung. Zwei Stafford waren an Parvovirose erkrankt. „Das ist eine schwere Infektion“, so Amtstierarzt Toby Pintscher (42). Die Organe der Hunde zersetzen sich, der Kreislauf der Hunde bricht zusammen. Die zehn Wochen alten Kampfhunde mussten eingeschläfert werden.
Übrig geblieben sind nur die französische Bulldogge und der Mastino. Sie sind im Tierheim Langenberg in Quarantäne, werden nun langsam aufgepäppelt. Oberstaatsanwalt Bernd Vogel (45): „Wir ermitteln wegen Verstoßes gegen das Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde.“ Außerdem ist der Ukrainer nicht in Limbach-Oberfrohna gemeldet und kein angemeldeter Züchter. „Er konnte uns nichts vorweisen“, so Amtstierarzt Pintscher.
Das Veterinäramt kam dem Ukrainer auf die Schliche. „Wir haben einen Testkauf durchgeführt“, so Pintscher. „Darauf ging der Mann ein.“ Der Hundehändler hatte die Kampfhunde im Internet für mehr als 1000 Euro angeboten. (tf)
Urlauber können vom 3. Juli an ihren Hund leichter nach Schweden mitnehmen. Der bisher erforderliche Einfuhrantrag beim Landwirtschaftsamt ist dann laut Schweden-Werbung nicht mehr notwendig. Auch die bisher geforderten Impfungen gegen Hundestaupe und Leptospirose entfallen dann. Damit seien Schwedenreisen mit Hund vom Sommer an auch spontan möglich. Weitere Infos gibt es im Internet auf den Seiten des schwedischen Landwirtschaftsamtes unter http://www.sjv.se. (gms)
erschienen am 31. Jan 2004 in Reise
Ahrensburg - Vögel im Winter füttern? "Ja, aber richtig", empfiehlt der Tierschutzverein Ahrensburg- Großhansdorf. Das Argument, die Vogelfütterung würde in den Kreislauf der Natur eingreifen und die natürliche Auslese verhindern, lässt der Verein nicht gelten. Schließlich sei durch die Flurbereinigung und das Abholzen von Sträuchern und Hecken schon so viel Natur zerstört, dass Vögeln immer weniger Brut- und Versteckmöglichkeiten zur Verfügung stünden. Außerdem seien die versprühten Pestizide, die die Vögel beim Fressen von Insekten zu sich nähmen, ebenfalls schädlich. "Ein natürlicher Ausleseprozess findet deshalb nicht mehr statt", sagt Monika Ehlers vom Verein. "Ein artgerechtes Futterangebot für die unterschiedlichen Vogelarten führt zu keiner Benachteiligung. Aus tierschützerischer Sicht gilt es, jedes Tier vor dem drohenden Hungertod zu bewahren." Allerdings müsse es das geeignete Futter sein. bw
erschienen am 31. Jan 2004 in Ahrensburg
Haustiere senken Medikamentenkonsum
veröffentlicht am: 30.01.04 -09:14 Uhr Uhr
Berlin (rpo). Menschen, die mit Haustieren zusammenleben, fördern damit ihre Gesundheit. So sinke der Medikamentenkonsum und auch die Zahl der Arztbesuche nimmt deutlich ab.
Die positiven Effekte reichen von niedrigerem Blutdruck, günstigeren Cholesterin- und Blutfettwerten, mehr körperlicher Bewegung und stärkerem Selbstvertrauen bis hin zu geringerem Medikamentenkonsum, wie das Robert- Koch-Institut unter Berufung auf verschiedene Studien berichtet. Dies führe auch zu zehn Prozent weniger Arztbesuchen im Vergleich zu Menschen ohne Heimtiere.
Das Beobachten und das Streicheln der Tiere unterstützen den Experten zufolge den Abbau von Aggressionen und helfen bei der Bewältigung von Stress. Im Umgang mit Hunden, Katzen oder Wellensittichen könnten zudem pflegerische Fähigkeiten entwickelt und geübt werden. Dies stärke Selbstvertrauen und Selbstachtung. Zudem werde dabei auch den eigenen Lebensumständen und Bedürfnissen mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
Auch bei der Bewältigung von Problemen sind die kleinen Mitbewohner hilfreich, wie das Institut betont: Sie würden häufig zum Kommunikationspartner und stellten damit vor allem bei allein lebenden und alten Menschen eine Alternative zu Selbstgesprächen dar. Dies unterstütze das Ausbilden der eigenen Meinung und das Lösen von Schwierigkeiten.
Bei einer Studie mit 120 Hundehaltern über 60 Jahren aus dem Großraum München erklärten 87 Prozent, ihre Lebensqualität habe sich mit Hilfe des Tieres deutlich gesteigert. Ein Drittel der Befragten schätzte die eigene Gesundheit als sehr gut ein, und weitere 39 Prozent attestierten sich selbst zumindest eine gute Gesundheit. Bei einer vergleichbaren Gruppe von Senioren ohne Heimtiere sprachen dagegen nur 10 Prozent von sehr guter und 30 Prozent von guter Gesundheit.
Zu ähnlichen Ergebnissen kam den Angaben zufolge eine Studie mit Alzheimer-Patienten. Besaßen sie ein Heimtier, litten sie deutlich seltener an Depressionen und Aggressionen als andere Demenz- Kranke. Auch bei anderen chronisch Kranken könnten Haustiere helfen, den Medikamentenverbrauch und damit die Behandlungskosten zu senken, berichtet das Robert-Koch-Institut. Auch der Verlust geliebter Menschen werde von Tierbesitzern leichter verwunden.
Schließlich führe etwa das Ausführen von Hunden zwangsläufig zu mehr körperlicher Bewegung. Zugleich gebe dies ein Sicherheitsgefühl und fördere häufig auch Sozialkontakte. 40 Prozent der Hundebesitzer und 46 Prozent der Katzenhalter haben einer weiteren Studie zufolge nach der Anschaffung des Tieres deutlich mehr Sozialkontakte.
Im europäischen Vergleich hat Deutschland mit 21,5 Millionen nach Italien (31,4 Millionen) und Frankreich (26,1 Millionen) die meisten Haustiere. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt die Bundesrepublik aber eher am Ende der Statistik: Auf 1.000 Einwohner kommen hier 262 Heimtiere. In Belgien sind es dagegen 685 und in Italien 545.
Quelle: http://www.rp-online.de
Im Jahr 2003 wurden fünf Millionen Wildtiere getötet
27. Jan. 2004
Anlässlich der am Dienstag beginnenden Ausstellung "Jagd und Hund 2004" in Dortmund bekräftigt der Deutsche Tierschutzbund seine Forderung nach einer grundlegenden überarbeitung des Bundesjagdgesetzes. "Wir erwarten von der rot-grünen Bundesregierung, dass sie ihr im Koalitionsvertrag festgeschriebenes Versprechen hält und das Jagdrecht novelliert", erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Eine solche Reform ist längst überfällig. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als fünf Millionen Wildtiere durch Jäger getötet."
Nehme man den Begriff der Jagdstrecke wörtlich, so bildeten diese getöteten Tiere aneinandergelegt eine Strecke von über 4000 Kilometer Länge. Daher appelliert der Tierschutzbund an die Bundesregierung, sich dieses drängenden Themas verstärkt anzunehmen und das Staatsziel Tierschutz zu verwirklichen.
"Eine Novellierung des Jagdrechtes unter Berücksichtigung einer naturnahen Waldbewirtschaftung und unter Tierschutzaspekten hat die rot-grüne Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vom 15.10.2002 versprochen. Wenn dieses Versprechen eingehalten wird, wächst die Chance, dass zukünftig auch der Tierschutz im Bereich der Jagd angemessen berücksichtigt wird", erklärt Wolfgang Apel. Eine Reform des Jagdgesetzes, so Apel, ist überfällig und die änderungsliste aus Sicht des Tier- und Naturschutzes lang. Es geht dabei nicht darum, in einigen Punkten kleine Verbesserungen und Zugeständnisse zu erreichen. Vielmehr muss das Jagdrecht vom Kopf auf den Fuß gestellt werden.
"Es kann nicht sein, dass traditionell festgefahrene Nutzerinteressen im Jagdrecht beharrlich über den Belangen des Tierschutzes stehen und dies noch mit dem Begriff "Weidgerechtigkeit" verharmlosend umschrieben wird", so Apel und fährt fort: "Es muss Schluss sein mit der Einteilung in gute und schlechte Tierarten. Fast 100 Tierarten sind bundesweit zum Abschuss freigegeben, darunter auch geschützte Tierarten. Die einzelnen Bundesländer dürfen sogar zusätzliche Todeskandidaten auf ihre Liste setzen. Es muss Schluss sein, Tiere zu töten, wenn dafür kein vernünftiger Grund vorliegt, wie bspw. die Jagd auf Haustiere oder bedrohte Tierarten. Daneben müssen auch die Jagdzeiten und Jagdmethoden dringend auf den Prüfstand. Der Einsatz tierquälerischer Totschlagfallen oder die Verwendung von Bleischrot bei der Vogeljagd, um nur einige weitere Beispiele zu nennen, müssen endlich der Vergangenheit angehören."
Breite Rückendeckung erhält der Deutsche Tierschutzbund auch vom größten deutschen Dachverband der Umwelt- und Naturschutzverbände, dem Deutschen Naturschutzring (DNR) mit über 5,2 Millionen Mitgliedern. Das unter Mitwirkung des Deutschen Tierschutzbundes vom DNR ausgearbeitete Eckpunktpapier zur Reformierung des Bundesjagdgesetzes liegt der Bundesregierung vor.
28. Jan. 2004
Die Welttierschutzgesellschaft (WSPA), ein weltweites Bündnis von Tierschutzorganisationen, verurteilt das Massentöten von Hühnern als Folge der Vogelgrippe. Mit der Schlachtung von Millionen Hühnern soll die Ausbreitung der Seuche verhindert werden. Es sei "unvorstellbar grausam", wie zur Zeit Millionen Hühner getötet würden, so die Tierschützer. Viele der Tiere würden lebend begraben werden. Oft hätten die eingesetzten Kräfte kaum oder überhaupt keine Erfahrung im Umgang mit Hühnern, geschweige denn mit dem Schlachten.
"Auch wenn Eile geboten ist angesichts der Geschwindigkeit mit der sich die Seuche ausbreitet, ist es nicht zu akzeptieren, dass Tiere so gequält werden.", so Martin Riebe, Geschäftsführer der WSPA Welttierschutzgesellschaft in Deutschland. Die Ursache für den Ausbruch der auch für den Menschen gefährlichen Seuche sieht die WSPA im hemmungslosen Wachstum der asiatischen Tierproduktionsindustrie. "Die rasante Entwicklung der industriellen Tierproduktion in Asien innerhalb weniger Jahre ist beispiellos", meint Riebe. Mit rund einer Milliarde geschlachteter Hühner pro Jahr sei Thailand mittlerweile einer der weltweit größten Geflügelproduzenten. Ohne ausreichende Tierschutzbestimmungen, Umweltrichtlinien oder Hygieneverordnungen seien solche schnell wachsenden Branchen jedoch Seuchen hilflos ausgeliefert. Massentötungen wären die logische Folge.
Auch die Haltung der Tiere sei keinesfalls artgerecht. Viele Milliarden Tiere fristeten ihr Dasein in überfüllten und dreckigen Ställen. Das sei der ideale Nährboden für Krankheiten aller Art, so die Tierschützer. Aber nicht nur die Tiere litten in der Intensivhaltung unter Darm- und Atemwegserkrankungen, auch die Arbeiter seien davon betroffen. Die hohe Konzentration der Schadstoffe und Erreger verursache bei vielen von ihnen chronische Entzündungen der Bronchien und schädige das Immunsystem. "Alle Verantwortlichen, nicht nur in Asien, müssen endlich einsehen, dass die Vogelgrippe nur das aktuellste Beispiel ist für die negativen Auswirkungen der intensiven Massentierhaltung auf die menschliche Gesundheit und die Qualität unserer Nahrungsmittel.", sagt Riebe. SARS, MKS, BSE und Schweinepest müssten zum Nachdenken anregen über die Art und Weise, wie die Tiere behandelt würden.
Deutscher Tierschutzbund fordert Schließung einer Versuchsanlage
11. Dez. 2003
Der Deutsche Tierschutzbund erstattet Strafanzeige gegen die Betreiber der Firma Covance Laboratories in Münster. Am Morgen hatte der Verband bereits die Aufsichtsbehörde in Münster sowie die nordrhein-westfälische Landesregierung aufgefordert, die Versuchstieranlagen der Firma zu überprüfen und gegebenenfalls stillzulegen. Hintergrund sind Berichte der ZDF-Sendung Frontal 21 vom 09.12.2003, in denen erhebliche Misshandlungen an Rhesusaffen und Makaken dokumentiert wurden.
"Der Deutsche Tierschutzbund fordert seit Jahren, Tierversuche an Affen generell zu verbieten. Die Versuche sind überflüssig und für die hoch entwickelten Tiere, die eng mit dem Menschen verwandt sind, besonders belastend", so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Wenn die Tiere, wie es die Fernsehbilder belegen, dann auch noch tierschutzwidrig gehalten und auf dem Experimentiertisch misshandelt werden, kann es kein Pardon geben: Die Versuchsanlagen müssen geschlossen und die Verantwortlichen hinter Gitter gebracht werden." Für derart schwere Vergehen sieht das Tierschutzgesetz Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren vor. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, muss der Strafrahmen in diesem Fall ausgeschöpft werden.
Die Firma Covance Laboratories führt im Auftrag verschiedener Pharmaunternehmen unter anderem Giftigkeitsprüfungen an Affen durch, unter denen die Tiere schwer leiden. "Obwohl es dafür im Regelfall weniger belastende oder sogar tierversuchsfreie Alternativen gibt, sind diese Versuche in Deutschland nicht grundsätzlich verboten", erläutert Apel. "Wenn die Betreiber behaupten, dass sie sich an die gesetzlichen Bedingungen halten, ist dies geradezu zynisch. Dass die Versuche grundsätzlich nicht verboten sind, heißt nicht, dass man die Tiere deshalb über Gebühr quälen darf. Laut Gesetz sind die Tiere von eigens ausgebildeten Fachkräften so schonend als irgend möglich zu behandeln."
Auch der Gesetzgeber müsse jetzt aber reagieren, so Apel weiter. "Der Bericht zeigt erneut, wie Tiere in der Forschung gequält werden. Sie haben selbst dann schwer zu leiden, wenn das Personal sie den Umständen entsprechend gut behandelt. Grundsätzlich sind Tierversuche verzichtbar. Experimente mit Affen müssen generell untersagt und auch bei anderen Tierarten wesentlich restriktiver gehandhabt werden als bisher. Im vergangenen Jahr ist das Staatsziel zum Tierschutz in Kraft getreten. Jetzt hat der Gesetzgeber dafür zu sorgen, dass auch die Versuchstiere etwas davon haben."
Die Tierrechtsorganisation Peta vergleicht die Viehschlachtung mit dem
Holocaust.
von Sebastian Wehrhahn
"Der Holocaust auf deinem Teller", soll der Titel einer Ausstellung lauten, die im Frühjahr in Deutschland gezeigt werden soll. Organisiert wird sie von der Tierschutzorganisation "People for Ethical Treatment of Animals" (Peta). Dass dieser Titel nicht lediglich eine mehr oder minder geschickt gewählte überschrift für eine gewöhnliche Ausstellung ist, zeigt ein Blick auf die dazugehörige Homepage www.masskilling.com. Dort sieht man die Exponate als Online-Animation. Ein Plakat wird gezeigt, auf dessen linker Seite ein Leichenberg abgebildet ist. Rechts sieht man die Kadaver toter Schweine.
Aus Bildern wie diesen besteht die Ausstellung. Es werden Fotografien aus deutschen Konzentrationslagern neben Abbildungen abgemagerter Tiere gezeigt. Die Botschaft ist simpel: Das Leid, das den Opfern der Nazis widerfuhr, ist vergleichbar mit dem Leiden der Schlachttiere; der Holocaust wiederholt sich täglich. So brachte Ingrid Newkirk, Mitbegründerin und Präsidentin von Peta in den USA, die Philosophie der Organisation auf den Punkt: "Sechs Millionen Juden starben in den Konzentrationslagern, aber sechs Milliarden Hähnchen werden dieses Jahr in den Schlachthäusern sterben."
1980 in den Vereinigten Staaten gegründet, avancierte Peta schnell zu einer der meistbeachteten Organisationen im Tierschutzbereich. Nicht nur die Kampagne "Lieber nackt als Pelz tragen", für die Models wie Nadja Auermann, Marcus Schenkenberg oder Cindy Crawford posierten, sorgte für Aufsehen, auch sonst gelang es den Tierschützern oft, das mediale Interesse auf sich zu ziehen.
In den USA, wo die Ausstellung unter dem Titel "Holocaust On Your Plate" bereits gezeigt wurde, protestierten Vertreter jüdischer Organisationen und die Anti-Defamation League gegen die Gleichsetzung.
Während der Zentralrat der Juden in Deutschland mittlerweile prüft, ob nicht juristisch gegen die Ausstellung vorzugehen sei, sieht Harald Ullmann, zweiter Vorsitzender von Peta in Deutschland, keine Veranlassung, die Ausstellung zurückzuziehen. "Ich wüsste nicht, warum die Kampagne in Deutschland verboten werden sollte. Wir sagen doch nicht, dass der Holocaust nicht schlimm war."
Ausführlich wird die Weltsicht von Peta in dem Buch "Eternal Treblinka" von Charles Patterson dargelegt. Der industrielle Massenmord, der in Auschwitz seinen Ausdruck fand, ist nach Patterson eine Entwicklung, die auf die Industrialisierung der Schlachthöfe in den USA zurückgeht. Im Vorwort schreibt die Peta-Aktivistin Lucy Rosen Kaplan von den "gemeinsamen Wurzeln des Nazi-Genozids und des Schlachtens der Tiere". Trotz der massiven Proteste gegen die Ausstellung in den USA bekräftigte Harald Ullmann das Anliegen von Peta: "Die Auschwitz-Assoziation ist gewollt. Wir wollen zeigen, dass das Tieren heute noch passiert."
Nach eigenen Angaben vertritt Peta 700 000 Mitglieder. Zu den 20 000 deutschen Unterstützern gehören u. a. Prominente wie Dirk Bach, die Toten Hosen und Nina Hagen. Nina Ruge, die ebenfalls für Peta wirbt, distanzierte sich von der geplanten Ausstellung: "Das unermessliche Leid der Juden für Werbezwecke zu missbrauchen, ist eine ungeheuerliche Anmaßung."
Bereits in den letzten Jahren sorgte die Organisation mehrere Male für Aufruhr.
In einem Werbespot, der auf Viva und MTV zu sehen war, werden Momente einer Deportation aus der Perspektive der Insassen eines Waggons dargestellt. Während der Zuschauer die Landschaft vorbeiziehen sieht, hört er den Text: "Im Dunkeln wurden wir in Waggons getrieben (…) Wie lange sind wir schon unterwegs? Stunden, Tage (…) Viele von uns sind schon tot, doch die Hoffnung stirbt zuletzt."
Gesprochen wird der Spot von Thomas D., langjähriges Mitglied von Peta und Sänger der Fantastischen Vier. Im Juni dieses Jahres äußerte er in einem Interview, dass er fürchte, dass "die Kampagne auch noch gar nicht radikal genug" sei.
Schon früher wandten sich die Tierschützer an den Papst mit der Bitte, "Tiere in das historische Schuldbekenntnis als achten Punkt aufzunehmen und sich öffentlich auch für den Holocaust, begangen an Milliarden von unschuldigen Tieren, zu entschuldigen". Eine Reaktion des Vatikans ist nicht bekannt. Unterstützung erhofft sich Peta offenbar auch von Yassir Arafat. Auch er gehört zu den Adressaten der offenen Briefe der Organisation. Im Februar 2003 schrieb Ingrid Newkirk persönlich an den Palästinenserführer, um sich für die Rechte von Tieren einzusetzen. Anlass des Schreibens war ein Anschlag palästinensischer Terroristen auf einen Linienbus in Jerusalem. Zu diesem Zweck war ein Esel mit Sprengstoff beladen worden. Da die Bombe vorzeitig explodierte, gab es außer einigen Verletzten keine Opfer. Newkirk bat nun Arafat, die "Tiere aus dem Konflikt" zu halten. Eine Distanzierung vom palästinensischen Terrorismus hielt sie ebenso für überflüssig wie eine Geste des Bedauerns gegenüber den Opfern solcher Anschläge.
Ein weiteres pikantes Detail in Bezug auf die geplante Ausstellung ist die Tatsache, dass einige der Fotos aus dem Bestand des Holocaust Memorial Museum in Washington stammen, welches Peta schon Anfang des Jahres aufforderte, die Verwendung einzustellen.
Nach Angaben des Museums hatte Peta die Erlaubnis, die Fotos zu benutzen, unter Angabe eines anderen Zwecks eingeholt. Nachdem die tatsächliche Konzeption der Ausstellung bekannt wurde, protestierte das Museum in einem offenen Brief an Ingrid Newkirk, die Präsidentin von Peta. "Das United States Holocaust Memorial Museum ist entsetzt von Petas absolut schamloser und verachtenswerter öffentlichkeitskampagne, die Millionen im Holocaust ermordeter Männer, Frauen und Kinder mit Tieren gleichsetzt", erklärt Fred Zeidman, der Vorsitzende des Holocaust Memorial Council.
Nach Angaben von Harald Ullmann soll die Ausstellung trotz aller Kritik im nächsten Jahr in Deutschland und anderen europäischen Ländern gezeigt werden.
Bonn (ots) - Die WSPA Welttierschutzgesellschaft, das weltweit größte Bündnis von Tierschutzorganisationen, verurteilt das grausame Massentöten von Hühnern als Folge der Vogelgrippe. Mit der Schlachtung von Millionen Hühnern soll die Ausbreitung der Seuche verhindert werden.
"Es ist unvorstellbar grausam, wie zur Zeit Millionen Hühner getötet werden. Viele der Tiere werden lebend begraben", so Martin Riebe, Geschäftsführer der WSPA Welttierschutzgesellschaft in Deutschland. "Oft haben die eingesetzten Kräfte kaum oder überhaupt keine Erfahrung im Umgang mit Hühnern, geschweige denn mit dem Schlachten. Auch wenn Eile geboten ist angesichts der Geschwindigkeit mit der sich die Seuche ausbreitet, ist es nicht zu akzeptieren, dass Tiere so gequält werden. Diese Quälerei muss sofort gestoppt werden."
Die Ursache für den Ausbruch der auch für den Menschen gefährlichen Seuche sieht die WSPA im hemmungslosen Wachstum der asiatischen Tierproduktionsindustrie. "Die rasante Entwicklung der industriellen Tierproduktion in Asien innerhalb weniger Jahre ist beispiellos", bestätigt Martin Riebe. "Mit rund einer Milliarde geschlachteter Hühner pro Jahr ist Thailand mittlerweile einer der weltweit größten Geflügelproduzenten. Ohne ausreichende Tierschutzbestimmungen, Umweltrichtlinien oder Hygieneverordnungen sind solche schnell wachsenden Branchen jedoch Seuchen hilflos ausgeliefert. Massentötungen sind die Folge."
Viele Milliarden Tiere fristen ihr Dasein in überfüllten und dreckigen Ställen. Das ist der ideale Nährboden für Krankheiten aller Art. Aber nicht nur die Tiere leiden in der Intensivhaltung unter Darm- und Atemwegserkrankungen, auch die Arbeiter sind davon betroffen. Die hohe Konzentration der Schadstoffe und Erreger verursacht bei vielen von ihnen chronische Entzündungen der Bronchien und schädigt das Immunsystem.
Dazu Martin Riebe: "Alle Verantwortlichen, nicht nur in Asien, müssen endlich einsehen, dass die Vogelgrippe nur das aktuellste Beispiel ist für die negativen Auswirkungen der intensiven Massentierhaltung auf die menschliche Gesundheit und die Qualität unserer Nahrungsmittel. SARS, MKS, BSE und Schweinepest sollten uns nachdenken lassen über die Art und Weise, wie wir unsere Tiere behandeln - zu unserem eigenen Vorteil.">
Berlin/Bonn (vwd) - Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf über die Umsetzung der EU-Agrarreform in nationales Recht beschlossen. Bundesverbraucherministerin Renate Künast wertete den Entwurf als einen großen Schritt nach vorn bei der angestrebten Wende in der deutschen bzw. der EU-Agrarpolitik. Dagegen kritisierte der deutsche Bauernverband (DBV) das Gesetz als nicht markt- und wettbewerbsorientiert. Nach den Beschlüssen des EU-Agrarrates vom vergangenen Juni setzt sich der grundlegende Wechsel in der EU- Agrarpolitik im wesentlichen aus 3 Elementen zusammen: der Abkehr von der Förderung der Produktion (Entkopplung der Direktzahlungen), einer besseren Förderung der Entwicklung in ländlichen Regionen mit Mitteln aus der Kürzung der Direktzahlungen (Modulation) sowie der Bindung der Direktzahlungen an Standards in den Bereichen Umweltschutz, Tierschutz und Lebensmittelsicherheit (cross compliance).
Der vom Bundeskabinett verabschiedete Gesetzentwurf zur Agrarwende in Deutschland greife die Eckpunkte auf, auf die sich die Agrarminister von Bund und Ländern im November vergangenen Jahres geeinigt haben, teilte das Bundesverbraucherministerium (BMVEL) mit. Dazu gehört zum einen die Entkopplung ab dem Jahr 2005 bei allen landwirtschaftlichen Produkten. Ferner die ausgewogene Verteilung von Prämienvolumen zwischen den Betrieben sowie eine begrenzte Umverteilung von Prämienvolumen zwischen den Ländern. Außerdem soll über ein Kombinationsmodell schrittweise ein einheitliches regionales Flächenprämienrecht erreicht werden.
Der Gesetzentwurf des Bundeskabinetts bringe mehr Gerechtigkeit in die Verteilung der Fördermittel, lobte Künast. Ferner trage er dazu bei, Klasse statt Masse zu fördern und komme so den Anforderungen der Verbraucher entgegen. Nach Ansicht des DBV bedarf der Gesetzentwurf dagegen einer grundlegenden überarbeitung in der parlamentarischen Beratung. So dürften etwa die neu eingeführten Milchprämien wegen der parallel beschlossenen Preissenkungen bis 2012 unter keinen Umständen in eine einheitliche Flächenprämie einbezogen werden, betonte der Verband. Er kritisiert darüber hinaus eine mangelnde Wettbewerbsorientierung des Entwurfes. Es werde nicht einmal der Versuch unternommen, einen Gleichklang mit den EU-Nachbarstaaten zu finden, so der DBV. Dass man darüber hinaus den Ländern auch noch Umsetzungsspielräume bei der Verteilung der Direktzahlungen zugestehen will, macht die EU-Agrarreform aus Sicht des DBV für die deutschen Landwirte noch unberechenbarer.
In die richtige Richtung geht demnach hingegen der Vorschlag, eine vorsichtige Korrektur des bisherigen Flächenausgleichs zwischen den Bundesländern vorzunehmen. Von der geplanten Umverteilung der Direktzahlungen auf die Fläche befürchtet der DBV eine existenzielle Bedrohung der landwirtschaftlichen Betriebe, die in den vergangenen Jahren langfristige Investitionen in die Rinder- und Milchviehhaltung getätigt haben.
Anders als Deutschland planten die wichtigsten EU-Mitgliedstaaten, den Landwirten die Direktzahlungen der Jahre 2000 bis 2002 zu belassen, heißt es. Zudem sollen erhebliche Teile der Tierprämien in der bisherigen, gekoppelten Form fortgeführt werden. Deshalb fordert der DBV, auch in Deutschland die Möglichkeit zur (Teil-)Kopplung der Schlachtprämie und auch der Schafprämie zu nutzen. Das im Gesetzesentwurf vorgeschlagene Kombimodell hält der DBV für äußerst kompliziert und verwaltungsaufwändiger als das von der EU vorgesehene "Standardmodell". Außerdem geht der Verband davon aus, dass das Kombimodell zu erheblichen rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Landwirten und Behörden über die ordnungsgemäße Zumessung der Betriebsprämie führen wird.
Was die Umsetzung der so genannten Cross Compliance in Deutschland anbetrifft, kritisiert der DBV die Absicht der Bundesregierung, über die EU- rechtlichen Mindestanforderungen hinausgehen zu wollen. Die EU- Verordnung eröffne grundsätzlich Möglichkeiten einer deutlich flexibleren Handhabung, heißt es zur Begründung. vwd/28.1.2004/jc/ste
28.01.2004, 28.01.
In der kommenden Woche feiern auch Muslime in Deutschland ihr Opferfest. Eine Herausforderung für den Tierschutz? über den Umgang mit Schlachttieren in der islamischen, jüdischen und christlichen Tradition
Von Heike Baranzke, Ilhan Ilkilic und Hanna Rheinz
Vor zwei Jahren erregte ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts Aufsehen, weil es einem muslimischen Metzger die betäubungslose Schlachtung erlaubte. Erst dieses Urteil veranlasste die CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Mai 2002, ihren Widerstand gegen die Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz aufzugeben. Seither reduziert sich das öffentlich diskutierte Spannungsverhältnis von Tierschutz und Religionsfreiheit im Fall der rituellen Schlachtung auf die Alternative „Betäubung oder Nichtbetäubung“. Dieser binären Sichtweise entgeht jedoch, dass in den Schlachtritualen der jüdischen und islamischen Religionen ein Ethos schlummert, das zur Diskussion um den Tierschutz beitragen kann. Das rabbinische Gebot, den „Schmerz der Tiere“ (za’ar ba’alei chajim) zu vermeiden, ist älter als europäische Tierschutzgesetze, und auch islamische Schlachtvorschriften fordern, unnötige Qualen der Tiere zu vermeiden.
Könnte ein religionsvergleichender Blick am Ende nicht etwa die Schächtrituale als zivilisatorisch rückschrittlich erweisen, sondern vielmehr die Unaufgeklärtheit jener „Leitkultur“ zutage fördern, die an der Fiktion des schmerzlosen Tötens nach Bolzenschuss und Dekapitation festhält und damit der ethischen Reflexion der Tötungsfrage ausweicht? Wir haben dazu drei Texte verfasst:
Die Muslime
Das muslimische Opferfest löst alljährlich in Deutschland Proteste aus. Ihr Anlass ist das mit diesem Fest verbundene betäubungslose Schlachten eines Opfertieres. Die Bedeutsamkeit, die dieses Fest für den Muslim hat, wird von der säkularen wie auch der christlichen öffentlichkeit in Deutschland nicht nachvollzogen. Allerdings weiß sie auch nicht viel darüber.
Der Koran schreibt vor: „So bete zu deinem Herrn und schächte (Opfertiere).“ Jedem erwachsenen, mündigen und begüterten Muslim – ob Mann oder Frau – obliegt nach islamischer Lehre die Pflicht, einmal im Jahr ein unversehrtes Tier zu opfern, um damit Gott zu ehren und Bedürftige zu speisen. Vorbild für diese Handlung ist der Prophet Abraham, der bereit war, seinen Sohn Ismael – nicht Isaak wie in der christlichen und jüdischen Tradition – zu opfern. Durch die Sendung eines Opfertieres setzte Gott der Hingabebereitschaft Abrahams eine Grenze. Beim Opferfest nimmt jeder Muslim Maß an der Opferbereitschaft Abrahams und erfährt durch die Eingrenzung des Opfers auf das Opfertier die Barmherzigkeit Gottes in der eigenen Familie. So wird das Opferfest zum wichtigsten Familienfest der Muslime, die ihrer Freude über die Barmherzigkeit Gottes durch die Speisung bedürftiger Muslime mit einem Teil des geopferten Tieres Ausdruck verleihen.
Während beim Opferfest auch das Tier besonderen Reinheitsbedingungen zu entsprechen hat, wird für die alltägliche Halal-Schlachtung von dem Schlachter vor allem gefordert, wegen der Barmherzigkeit Gottes „dem Tier kein unnötiges Leid zuzufügen“. Dieses religiöse Handlungsprinzip ist die Maxime des Schlachtvorgangs, der im Namen Gottes vollzogen wird. Unzweideutig fordert der Prophet Mohammed: „Gott hat für alles das Beste vorgeschrieben. Wenn ihr schlachtet, dann schlachtet auf die beste Weise und schärft das Messer und erspart dem Schlachttier unnötiges Leid.“ Mit einem scharfen Messer sollen beide Hauptschlagadern sowie Speise- und Luftröhre gleichzeitig mit einem einzigen sauberen Schnitt durchtrennt werden.
Die Person, die am Opferfest schlachtet, muss nach islamischen Vorschriften zwar kein ausgebildeter Metzger sein, aber dem tierschonenden Geist der Vorschriften ist zu entnehmen, dass nicht jeder, der ein Tier opfern will, dieses auch selbst töten soll. Wer darin nicht geübt ist, bezeugt sogar ein größeres Bewusstsein von der Barmherzigkeit Gottes, wenn er die Schlachtung des Opfertieres einem Fachmann überlässt. Dem Metzger empfehlen muslimische Rechtsgelehrte regelmäßige Pausen der Berufsausübung, um die Gefühle der Barmherzigkeit und der Achtung vor dem Leben zu pflegen. Ohne Unterbrechung viele Jahre lang zu schlachten, gilt als mekruh, als etwas, von dem streng abgeraten wird.
Die betäubungslose Schlachtmethode der Muslime kollidiert in Deutschland mit den tierschutz- und schlachtrechtlichen Bestimmungen. Die vorschriftsmäßigen modernen Betäubungsmethoden vor Beginn des Blutentzugs stellen die 1400- jährige Tradition der Muslime vor nicht geringe Herausforderungen. Können solche Schlachtungen noch als islamisches Schächten bezeichnet werden? Religiöse Autoritäten in muslimischen Ländern vertreten sowohl ablehnende als auch bejahende Positionen dazu. Wer aber glaubt, die Entscheidung eines Muftis aus Kairo oder Ankara könne die Betäubungsfrage in Deutschland klären, der irrt. Den hier lebenden Muslimen geht es zwar vor allem um die religiöse Pflichterfüllung. Aber für sie spielt außer der kulturellen Identität auch die unterschiedliche rechtliche Behandlung von Juden und Muslimen eine Rolle: Juden haben eine generelle Ausnahmegenehmigung für das Schächten, Muslime nicht. Die beiden größten Dachverbände der Muslime in Deutschland, der Zentralrat der Muslime und der Islamrat, sehen dies genauso. Gleichwohl handelt es sich wesentlich um eine Angelegenheit der Religionsfreiheit.
Die kollidierenden Verfassungsgüter Religionsfreiheit und Tierschutz können mit rechtlichen Mitteln allein nicht zur Koexistenz gebracht werden, zumindest nicht im Lebensalltag. Multikulturelle Gesellschaften sind gefordert, die Motive aller Beteiligten zu prüfen und in scheinbar unlösbaren Konflikten nach den zugrunde liegenden Werthaltungen zu fragen. Darin liegt für alle Parteien die Möglichkeit, den Sinn ihrer eigenen Handlungen und Forderungen noch einmal zu reflektieren – und neu zu bestimmen.
Der muslimische Philosoph und Mediziner Ilhan Ilkilic ist Mitglied der DFG- Forschergruppe „Kulturübergreifende Bioethik“ an der Universität Bochum
Die Juden
Schächten als schonende Tötungsmethode, die Welt des jüdischen Religionsgesetzes als Relikt des biblischen Tierschutzgebots – dieser Zusammenhang ist der deutschen öffentlichkeit unbekannt. Dabei sind die Spuren des frühen Dialoges zwischen Mensch und Tier in der Tora unübersehbar. Das rituelle Schlachten (schechita) des Tieres durch die Durchtrennung seiner Halsschlagader mit einem einzigen Schnitt; die Speisegesetze (kaschrut) mit ihrem Regelwerk, das den Verzehr von Fleisch und das Töten von Tieren begrenzt; die Verknüpfung des Schlachtens und Essens von Tieren mit Ritualen, die Schuld und Verantwortung zum Ausdruck bringen und diese, nachdem das Tabu zu töten gebrochen worden ist, durch Dank und Aussöhnung mit der Tierwelt wiederbeleben sollen – all dies zeugt von Skrupeln, die dem Menschen der Moderne lange fremd waren. Ihre bestürzende Aktualität wird erst in jüngster Zeit wieder bewusst. Umso mehr lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Nur wer nicht aus Grausamkeit oder Gier handelt, darf ein Tier töten, so lautet die jüdische Norm und fügt hinzu: Erst nach rabbinischer Ausbildung darf der Jude das schartenfreie Schächtmesser gegen ein Tier erheben und es in einem Schnitt niederstrecken. Die Tabuisierung des Tötens, das einst nur der Kaste der Priester (kohanim) im Tempel erlaubt war, beruht auf der Erkenntnis, dass Mensch (adam) und Tier aus der gleichen Substanz erschaffen sind, dass beide aus Blut (dam) und Erde (adama) bestehen. Im Mittelpunkt des biblischen Dialogs zwischen Mensch und Tier steht das Tötungstabu: „Von keinem Leibe dürft ihr Blut genießen, denn die Seele eines jeden Leibes ist sein Blut; wer es ißt, der soll getilgt werden“ (Leviticus 17:14).
Daraus leitet die Tora das Verbot des Blutvergießens, das Verbot jedweder zerstörerischen Handlung wider das Leben ab, wozu neben Tierquälerei und Verstümmelung (also auch Kastration) das sinnlose Zerstören von Pflanzen gehört. Das Töten von Tieren zum Fleischverzehr wurde somit zum spirituellen Akt erhoben, der vom Schlächter (schochet) Gesetzestreue ebenso wie Charakterfestigkeit verlangt. Die Idee des möglichst schmerzfreien Schlachtens ist mithin keineswegs erst im 20. Jahrhundert entdeckt worden.
Dieser auf die Seele, auf die Empfindungs- und Leidensfähigkeit der Tiere zielende Ansatz des jüdischen Schächtens geriet allerdings in Vergessenheit. Mehr noch, während der jahrhundertelangen Geschichte des christlichen Antijudaismus und völkischen Antisemitismus ist der jüdische Tierschutzgedanke ins glatte Gegenteil verfälscht worden. Das Schächten wurde zum Symbol angeblicher jüdischer Grausamkeit. Die Nazis erhoben schließlich mit dem 1933 verabschiedeten Reichstierschutzgesetz ihre Ideologie zur Staatsnorm, der zufolge sich die – angebliche – deutsche Tierliebe dem jüdischen Blutritual entgegenstelle.
Die antisemitische Verfälschung der jüdischen Kultur des Schlachtens ist das eine; das andere allerdings ein sehr wohl bestehendes Spannungsverhältnis zwischen Tierschutzanforderungen und dem Schächten unter den gegenwärtigen, industriellen Bedingungen des Schlachtens, insbesondere in Amerika und Frankreich – weshalb sich jüdische Tierschützer oft für eine vegetarische oder vegane Lebensweise entscheiden.
Die jüdische Kulturwissenschaftlerin und Psychologin Hanna Rheinz lebt als Publizistin in München
Die Christen
Im christlichen Bewusstsein ist kaum verankert, dass die ursprüngliche Schöpfungsordnung vegetarisch war. Im Paradies aß niemand Fleisch, weder Tier noch Mensch. Doch schon bald fielen die Lebewesen übereinander her, sodass der Schöpfer sich veranlasst sah, Konzessionen zu machen. Fleischessen wurde dem nachsintflutlichen Menschen nun unter der Bedingung erlaubt, dass er das Blut als Sitz der Lebensseele dem Herrn zurückerstatte. Ein Rechtfertigungsritus für die Tötung jedes einzelnen Tierindividuums war entstanden – das Schächten – und blieb als Zeichen unstillbarer Sehnsucht nach der gewaltfreien Zone des Paradieses in der jüdischen Kultur ein Stachel im Fleisch eines jeden Fleischessers und priesterlichen Metzgers.
Anders bei den Christen. Der Heidenmissionar Paulus verwarf die Rituale seiner ehemaligen jüdischen Glaubensgenossen. Seither ist die Tierschlachtung eine ganz und gar säkulare Angelegenheit, mit der sich die christliche Theologie lange Zeit nicht mehr befasste. Ob auf dem Speisezettel Fleisch, Fisch oder Gemüse stand, stellte sich von nun an nicht mehr als Problem des barmherzigen Umgangs mit einer Kreatur Gottes, sondern lediglich als Frage der religiösen Askese. Dafür bildeten sich die munter Fleisch essenden christlichen Gesellschaften seit der frühen Neuzeit viel darauf ein, Metzger wie Henker zunehmend sozial zu isolieren und – beispielsweise – als vermeintlich mitleidlose Gesellen nicht beim Schöffengericht zuzulassen. Der Metzgerberuf, der im Judentum nach geradezu rabbinischen Weihen verlangt und auch im Islam ein achtenswertes Handwerk mit besonderen charakterlichen Anforderungen darstellt, galt im katholischen Kirchenrecht noch bis 1983 als dispensbedürftiges Hindernis für den Priesterberuf. Ein Wandel kündigt sich allerdings schon an, als Luther dem selbstherrlichen Ebenbild Gottes den Spiegel des Homo peccator vorhält, wegen dessen Erbsünde die ganze Schöpfung seufze und leide. Hier setzt eine verantwortungsethische Wende von der Krone der Schöpfung zum Treuhänder Gottes ein und inspiriert noch die ökotheologische Debatte des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Zunehmend identifiziert sich der Mensch mit dem leidenden Tier, auf das sich nun auch die tätige christliche Nächstenliebe erstreckt.
Doch überwiegend stehen Christen und Religionslose mit leeren Händen vor den jüdischen und muslimischen Schlachtritualen. Technikgläubig füllen sie mit der Frage nach der Betäubung eine Lücke in der christlich-säkularen Kultur und lenken damit von dem Problem der Qualitätsstandards im Umgang mit Schlachttieren ab. Wo bleibt die Reflexion auf ein Ethos der Tiertötung – vom Schlachter bis zum Fleischkonsumenten? Die Realitäten unserer Massentierhaltung, Tiertransporte und Schlachthofvorgänge stellen den überlegenheitsgestus der Nichtjuden und Nichtmuslime infrage.
Ein interkultureller tierethischer Dialog kommt in Deutschland an drei Notwendigkeiten nicht vorbei: erstens, sich über die blinden Flecken der christlich-säkularen Tradition aufzuklären, zweitens den Holocaust als Manifestation einer menschenverachtenden Ausrottungsmentalität zu reflektieren sowie drittens über die durch die Suprematie der westlichen Industrienationen verursachte Kränkung der islamischen Kultur nachzudenken.
Die katholische Theologin Heike Baranzke arbeitet als Ethikerin an der Universität Tübingen
(c) DIE ZEIT 29.01.2004 Nr.6
Die Dänin Lone Drescher- Nielsen fährt mit einem Schützling im Boot nach Palas Island. Foto: afp Pontianak - Palas Island heißt das Paradies für Orang-Utans. Die indonesische Insel bei Borneo bietet den vom Aussterben bedrohten "Waldmenschen", wie die Einheimischen die Affen nennen, nicht nur einen gesicherten Lebensraum. Hier finden Jungtiere, deren Mütter von Wilderern erschossen wurden, eine neue Heimat und werden von Tierschützern aufgepäppelt. Jetzt konnten wieder sechs Waisen in die Freiheit entlassen werden.
Orang-Utan-Babys sind auf Borneo eine begehrte Ware für Schmuggler. Bis zu 30 000 Dollar werden auf dem Schwarzmarkt für so ein niedliches Affenkind gezahlt. In Taiwan gelten sie als Statussymbol. Aber auch die Brandrodung macht viele zu Waisen. Dabei hat sich der Bestand auf der Insel in den vergangenen 100 Jahren um 91 Prozent reduziert.
Die Affenkinder im Camp müssen mühselig alles lernen. Zwei Pfleger ersetzen die Mutter. Sie kümmern sich 24 Stunden um ihren Schützling. Verliert ein Baby seine "Menschenmama" aus den Augen, gibt es in der Regel ein Mordsgeschrei. Selbst Klettern müssen die Kleinen zunächst an aufgespannten Seilen lernen, ehe sie in die Bäume dürfen. Mit etwa fünf Jahren ziehen die Kinder "zu Hause" aus. jan
erschienen am 28. Jan 2004
Lütjensee - Die Pferde der in Lütjensee lebenden Schauspielerin Christine Zierl ("Dolly Dollar") waren gestern ein Fall für die Tierschützer. Anwohner des Heidewegs hatten den Tierschutzverein Hamburg alarmiert, weil die drei Ponys unversorgt in der Kälte standen. "Die haben seit Donnerstag nichts zu fressen und zu trinken", berichtet Heinz Bandmann (71), der mit seiner Frau Edeltraud (67) in der Nähe der Koppel wohnt.
Das Ehepaar hat die Sache aus Mitleid mit den Tieren publik gemacht. "Das konnten wir nicht länger mit ansehen", erklärt Bandmann. Die Bandmanns sind tagtäglich an dem leeren Heustand vorbeigekommen. Außerdem entdeckten sie, dass die Wassereimer eingefroren waren. Heinz Bandmann: "Die Pferde haben mit den Hufen gescharrt und unter dem Schnee nach Futter gesucht." Heimke Heinel (57) aus Lütjensee war ebenfalls sehr besorgt: "Die Tiere wurden seit Donnerstag weder gefüttert noch getränkt - das ist nicht das erste Mal." Die Anlieger erinnern sich noch gut daran, dass die Ponys auch in der Sommerhitze oft gelitten haben.
Die Tierschützer aus Hamburg rückten gestern um 9 Uhr zu viert an. Mit dabei hatten sie Heu, Karotten - und für den Ernstfall auch einen Pferdehänger. "Die Pferde waren nicht verwahrlost, aber ausgehungert", sagte der Chef des Tierschutzvereins Wolfgang Poggendorf (64) nach dem Einsatz. Eine ganze Stunde lang schlugen sich der Schecke, der Schimmel und der Fuchs dann die Mägen voll.
Christine Zierl hält ihre Ponys draußen in so genannter Robusthaltung. Da die Tiere im Winter ein dickes Fell bekommen, kann ihnen Kälte nichts anhaben. Aber verlässliche Fürsorge ist nötig. "Die Pferde müssen jeden Tag gefüttert und getränkt werden", sagt Tierschützer Poggendorf. Schauspielerin Christine Zierl soll zugesagt haben, dass sie sich künftig besser um die Ponys kümmern wird. Für eine Stellungnahme war sie gestern nicht zu erreichen. cob
erschienen am 28. Jan 2004 in Ahrensburg
Tierheim verbietet seinen Mitarbeitern Abgabe von Welpen an Senioren - Verbände und Politiker empört
Von Corinna Schlag
Berlins Senioren sind empört. Nachdem bekannt wurde, dass das Tierheim Berlin "Welpen und junge Hunde nicht an Interessenten im Rentenalter" abgibt, fühlen sich viele ältere Mitbürger diskriminiert und entmündigt. "So ein Blödsinn", schimpft Inge Frohnert, Vorsitzende des Arbeitskreises Berliner Senioren. "Ich selbst bin 80 Jahre alt und würde mir keinen Hund zutrauen. Aber manche 60- oder 70-Jährigen spazieren und wandern gern. Wer will denen vorschreiben, ob sie das mit oder ohne jungen Vierbeiner tun?", fragt sie wütend.
Auch Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) reagiert verwundert auf die Tierheim-Richtlinie: "Ich schätze die Arbeit des Tierheimes eigentlich sehr. Umso erstaunter bin ich über eine solche pauschale Entscheidung. Wer beurteilt eigentlich, ab wann man für was auch immer zu alt ist?", sagt die Senatorin und erinnert an die Hüftdebatte im Zuge der Gesundheitsreform. Damals hatte der CDU- Nachwuchspolitiker Philipp Mißfelder gefordert, Menschen über 85 Jahren keine künstliche Hüfte und Rentnern keine Zahnprothesen mehr zu finanzieren.
Doch Tierheim-Sprecherin Claudia Pfister verteidigt die Vorgabe, keine Jungtiere an Senioren abzugeben, vehement: "Wir sind als Tierschützer vor allem dem Wohl der Tiere verpflichtet und niemandem Rechenschaft schuldig. ältere Menschen sind durch junge Hunde, die noch sehr lebhaft sind und einen großen Bewegungsdrang haben, leicht überfordert", erläutert sie die Formulierungen in der Broschüre "Warum graue Schnäuzchen und Senioren so ideal zusammenpassen". Tierpfleger Jörn Leonhardt bestätigt, dass er ein- bis zweimal in der Woche Senioren den Wunsch nach einem jungen Hund ausreden müsse: "Denen erkläre ich, dass ein 70- Jähriger auch nicht mit einem 19-Jährigen in die Disko geht. Die meisten verstehen das", sagt er.
Das Tierheim, das sich ja ausschließlich durch Spenden finanziere, nehme sich hier das Recht, einzuschätzen, welches Herrchen oder Frauchen zu einem Hund passe, argumentiert Claudia Pfister weiter. Die Regel betreffe zudem vor allem große Vierbeiner wie Schäferhunde oder Rottweiler. "Yorkshire-Terrier oder Möpse brauchen selbstverständlich weniger Auslauf. Die vermitteln wir jedoch fast nie."
Dass Rottweiler oder Dobermänner nicht unbedingt geeignete Seniorenhunde sind, sieht auch Dieter Peuker ein. Der 63 Jahre alte stellvertretende Bundesvorsitzende der Grauen Panther empfindet die Tierheim-Regel dennoch "als Unverschämtheit: Es geht nicht an, dass irgendjemand meint, für uns ältere eine Entscheidung treffen oder sie uns abnehmen zu müssen", sagt er. Er habe sich gerade selbst einen Spitz-Welpen zugelegt, der mindestens viermal am Tag Gassi gehen müsse. "Mein alter Spitz ist nach 17 Jahren gestorben, da habe ich ein halbes Jahr gewartet und prompt zehn Pfund zugenommen." Hunde hielten Senioren gesund und fit, die wiederum kümmerten sich dank ihrer vielen Freizeit vielleicht sogar intensiver um ihr Tier, argumentiert Peuker gegen pauschale Altersbeschränkungen.
Mittwoch, 28. Januar 2004
Von Corinna Schlag
Wann ist ein Mensch zu alt, um für ein junges Tier zu sorgen? Diese Frage hat das Tierheim jetzt pauschal beantwortet: Rentner dürfen keine Welpen aufnehmen. Doch die so genannten Alten laufen Sturm und protestieren lautstark. Zu Recht. Immer öfter entscheidet eine willkürlich festgelegte Altersgrenze, wer noch kreditwürdig ist, wer zu welcher Zeit öffentliche Verkehrsmittel benutzen darf, wer hinter dem Steuer ein Risiko für die Allgemeinheit darstellt. Selbst Hüftgelenke und Zahnersatz sind auf dem Prüfstand der Altersgrenze. Dabei ist klar, unsere Alten sind immer jünger, fitter und mobiler. Wir Jüngeren bewundern, wenn Oma im Internet surft und Opa den Marathon mitläuft. Wir sind dankbar für Hilfe im Haushalt und Babysitterdienste. Also warum sollen Senioren nicht selbst beurteilen, was sie sich noch zumuten können und wollen. Das kann auch einmal danebengehen, wenn etwa der Hund sein Herrchen tatsächlich überlebt. Tierschutz ist gut und wichtig, aber Menschen haben auch Rechte. Zum Beispiel auf die Haltung eines Welpen.
Mittwoch, 28. Januar 2004
Berlin - Entrüstet reagieren Rentner und Seniorenverbände auf eine Empfehlung des Berliner Tierheimes, Welpen und junge Hunde nicht mehr an Senioren zu vermitteln. Das diskriminiere Ältere. Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner kritisierte das Tierheim und erinnerte an die "unselige Diskussion über Altersbeschränkungen für Hüftgelenke und Zahnersatz", die der JU-Bundesvorsitzende Philipp Mißfelder angezettelt habe.
27. Januar 2004 Die sogenannte Kampfhunde- Verordnung bleibt gültig, der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hat eine Normenkontrollklage abgewiesen. Die Richter des 11.Senats sahen in der Einstufung von elf Rassen als generell gefährlich keinen unzulässigen Eingriff in die Rechte der Halter im Vergleich zu den Besitzern anderer Tiere wie Rottweiler oder Schäferhunde. Diese gelten erst dann als bedrohlich, wenn sie Menschen oder Tier angegriffen haben.
Zu den Rassen, bei denen durch einen Wesenstest die Annahme zu widerlegen ist, sie gefährdeten in besonderem Maße die öffentliche Sicherheit und Ordnung, gehören unter anderem Pitbull-Terrier, Bullterrier, American Staffordshire Terrier oder Mastino Napoletano. Wer sich in Hessen einen solchen Hund halten will, muß volljährig sein, vom Ordnungsamt als zuverlässig betrachtet werden und Sachkunde im Umgang mit solchen Tieren nachweisen.
Der Verwaltungsgerichtshof hält in einem früheren Verfahren geäußerte Bedenken, die Differenzierung der "Kampfhunde" sei noch nicht erwiesen, nicht mehr aufrecht. Vom Innenministerium vorgelegte Statistiken belegten die vom Verordnungsgeber vermutete Gefährlichkeit der aufgelisteten Hunderassen und ihrer Kreuzungen, heißt es in der Begründung der Entscheidung. Daß es noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und praktische Erfahrungen über eine Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen allein aufgrund ererbter Verhaltensmuster oder rassetypischer äußerer Merkmale gebe, halte der Senat angesichts dieser Erkenntnisse nicht mehr für erheblich. Nach dem hessischen Polizeirecht komme es nicht darauf an, welche konkrete Ursache für die Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen verantwortlich sei. Maßgeblich sei vielmehr allein, daß eine Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen - aus welchen Gründen auch immer - tatsächlich feststellbar sei.
Die Richter teilten Bedenken gegen die Statistiken "ungeachtet einiger Unklarheiten", etwa bei der Zahl der auf behördliche Anordnung getöteten Hunde, nicht. Aus den statistischen Daten ergebe sich, daß Hunde der angeführten Rassen und deren Kreuzungen über einen Zeitraum von drei Jahren in einer nicht unerheblichen Zahl von Fällen durch Beißattacken auf Menschen und Tiere auffällig geworden seien oder häufig bei Wesensprüfungen versagt hätten. Der Ansicht der Kläger, eine solche Einteilung der Tiere hätte eines Gesetzes bedurft, folgte das Gericht nicht: Das Gesetz bietet seiner Ansicht nach eine ausreichende Rechtsgrundlage für die Verordnung.
Auch die anderen von den Klägern beanstandeten Bestimmungen der Verordnung - etwa zum Leinenzwang, zu Sicherstellungs- und Tötungsanordnungen, zur unterschiedlichen Erlaubnisdauer und zur Mitteilung der Anschrift des Halters gefährlicher Hunde an die für die Hundesteuer zuständige Behörde - sind nach Auffassung des 11.Senats nicht zu beanstanden.
Die in Hessen im Sommer 2000 nach einer tödlichen Hundeattacke auf einen Schüler in Hamburg eingeführte Kampfhundeverordnung hatte das Innenministerium zweimal abgeschwächt, auch weil der VGH sie teilweise für nichtig erklärt hatte. In anderen Bundesländern hatte es ebenfalls Streit um Hundeverordnungen gegeben, der bis zum Bundesverwaltungsgericht getragen wurde. Der Verwaltungsgerichtshof hat die Revision gegen das Urteil nicht zugelassen; allerdings ist noch eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde möglich (Aktenzeichen: 11 N 520/03 und 11 N 910/ 03). hs.
Anti-Jagd-Initiativen im Kanton Solothurn: Die Emotionen gehen hoch
Im Kanton Solothurn wollen Tierschützer mit zwei Volksinitiativen die Jäger in die Schranken weisen. Das Volk entscheidet am 8. Februar über die beiden Verbots- Initiativen.
Ganzseitige Zeitungsinserate, eine professionelle Website und markige Worte: Im Kanton Solothurn haben zwei Volksinitiativen, welche die Jagd massiv einschränken wollen, die Weidmänner aus dem Busch geklopft. "Jetzt sind wir angegriffen. Die Abstimmung ist daher eine gute Gelegenheit, das in den letzten 50 Jahren Versäumte nachzuholen: Die Jäger haben nie mit der Bevölkerung kommuniziert", sagte auf Anfrage Roland Büchler, Sekretär des Solothurnischen Jagdschutzverbandes (SJV). Das Rezept heisst: Image aufpolieren. Das kostet Geld; rund 250 000 Franken haben die 700 Jäger im Solothurnischen aufgeworfen.
Aufprall zweier Welten
Eigentlich hätten das die Jäger billiger haben können. "Wir luden sie zum runden Tisch und zu öffentlichen Debatten ein. Sie wiesen das Angebot schnöde zurück", berichtete auf Anfrage Martin Iseli, Mediensprecher des Initiativkomitees. Man frage sich, ob die Jäger so Angst hätten vor öffentlichen Diskussionen. Die zwei umstrittenen Volksbegehren mit je rund 3700 Unterschriften treffen die Jäger in ihrem Selbstverständnis. Die Initiative "zum Schutz der Feldhasen, Vögel und Dachse" will erreichen, dass diese Arten zu den geschützten Tieren gehören und nicht mehr gejagt werden dürfen. Der Bestand dieser Tiere ist in den letzten Jahren stark rückläufig. "Diese Wildtiertöterei ist unnötig, sinnlos und tierverachtend", argumentiert das Initiativkomitee. In elf Kantonen verzichten die Jäger darauf, Hasen zu schiessen. Die Solothurner Jäger halten dagegen, man habe im letzten Jahr gerade mal zwölf Hasen geschossen. Was für die Jäger ungelegen kommt: Die Naturschutzorganisation Pro Natura hat den Feldhasen "zum Tier des Jahres 2004" ausgerufen.
Die Gegenseite auf der Lauer
Die Volksinitiative "Jagen ohne Treiben" möchte das kantonale Jagdgesetz so ändern, dass "die Treibjagd durch Hunde, Menschen oder andere Mittel untersagt ist". Das Herumhetzen der Wildtiere sei "unnötig, unethisch und tierquälerisch und dient lediglich dem sinnlosen Freizeitvergnügen der Jäger". Die Gegenrede der Jäger: Ohne Bewegungsjagd könne die Regulierung der Wildbestände "nicht garantiert werden". Die Jäger würden "viele Arbeiten freiwillig verrichten, für die der Staat sonst Steuergelder ausgeben müsste". Als Motivation der Initianten vermutet SJV-Sekretär Büchler den so genannten "Bambi-Effekt". Süsse Tiere, die munter herumspringen, erfreuen nun mal die Gemüter. "Wir zwingen niemandem unseren Standpunkt auf. Aber die Initianten sind der Meinung, dass alle so handeln müssen, wie sie leben. Es hat einen Stich ins Sektiererische." Anders tönt es auf der anderen Seite. Es gebe verschiedene Jäger, differenziert Iseli, Sprecher der Initianten: "Für einige ist das Jagen mit der Flinte ein wichtiger Lebensinhalt. Aber es gibt auch Weidmänner, für die das Hegen und Pflegen im Wald sowie das Erlebnis in der freien Natur wichtig ist. Dafür braucht man doch keine Flinte, und man muss nicht Hasen abknallen." Aber der Durchschnittsjäger könne das nicht auseinanderhalten.
Offener Ausgang
Die Regierung, der Kantonsrat und die drei grossen bürgerlichen Parteien lehnen die Forderungen ab. Die SP beschloss Stimmfreigabe. Rückendeckung erhalten die Jäger von Pro Natura, vom kantonalen Vogelschutzverband, vom Verband der Bürgergemeinden und Waldeigentümer sowie vom solothurnischen Bauernverband. Der Ausgang der Volksabstimmung ist indes offen.
Bioläden sammeln Unterschriften gegen geplante Holocaust-Aktion, Tierschutzverbände schweigen
BERLIN taz Bundesweit sammeln Bioläden Unterschriften gegen die Tierrechtsorganisation People for the Ethical Treatment of Animals (Peta). "Wir finden die geplante Holcoaust-Kampagne von Peta unsäglich", sagt Gabi Russ vom Berliner Bioladen Kraut & Rüben. Das Frauenkollektiv, das den Laden führt, hatte die Idee mit der Unterschriftenliste.
Peta plant, im Frühjahr dieses Jahres die Kampagne "Der Holocaust auf deinem Teller" zu starten, in dem Tierquälerei mit dem Holocaust gleichgesetzt wird. Auf einer Ausstellung, die quer durch Europa zieht, werden Fotos von Holocaust-Opfern neben denen von eingesperrten oder getöteten Tieren zu sehen sein (die taz berichtete).
Organisationen wie der World Wild Life Found oder der Deutsche Tierschutzbund kritisierten Peta nicht. Man habe Angst, eigene Unterstützer zu verprellen, die auch Peta unterstützen, sagten Verbandsmitarbeiter. Kraut & Rüben hingegen ließ die Unterschriftenliste per Großhändler an knapp 200 Bioläden in Berlin verteilen. Andere Großhändler taten dies ebenfalls - beispielsweise in Hamburg und im Rheinland. Bis zum 15. Februar sollen die Unterschriften nach Berlin zurückgeschickt werden.
Doch längst nicht alle Bioläden machen bei der Aktion mit. "Einige stellen sich schon immer als wertfrei da und wollten auch diese Liste nicht bei sich auslegen", sagt Meinrad Schmitt vom Großhändler Terra. Die Inhaber anderer Läden stimmen dagegen mit der Argumentation von Peta überein - Tiere und Menschen sind gleichzusetzen und von daher auch deren Leid.
"Ein uns wohlgesonnener Laden aus Hamburg hat auch uns informiert", sagt Harald Ullmann, Sprecher von Peta. Er sei enttäuscht, dass die Initiatoren sich von Peta kein Hintergrundmaterial besorgt hätten bevor die Aktion gestartet sei. Die Holocaust-Kampagne werde natürlich dennoch kommen.
Montag, 26. Januar 2004
Bundesagentur für Arbeit wartet auf „ermessenslenkende Weisungen“
Von Manfred Müller
Krisenstimmung im Riesaer Tierheim. Für ausscheidende ABM-Kräfte kommt kein Ersatz. Die Stadtverwaltung kann sich nicht dazu durchringen, die Mittel zu erhöhen.
Alarm im Riesaer Tierheim: Ab Februar steht die Betreuung von Mischlingshündin Mona, sieben weiteren Hunden und 15 Katzen auf der Kippe. Tierschützerin Helga Nagel vergräbt das Gesicht in den Händen: „Unsere drei ABM-Leute müssen am 31. Januar aufhören“, sagt sie, „und ich habe keine Ahnung, wie es danach weitergehen soll.“ Seit Jahren kann das Tierheim im Stadtteil Göhlis nur mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen betrieben werden. Mit seiner bescheidenen finanziellen Ausstattung hält der Tierschutzverein die Einrichtung gerade mal so am Leben, an die Anstellung von Personal ist nicht zu denken. „Mein Mann und ich sind bereits im Rentenalter“, sagt Helga Nagel. „Wir schaffen das nicht allein. Sollen wir die Tiere in die Wüste jagen?“
Das Tierheim in Göhlis ist wochentags von 7 bis 18 Uhr und am Wochenende von 8 bis 12 Uhr besetzt. Bisher teilten sich die Nagels mit ihren ABMern in die Betreuung der Tiere. Bereits im Oktober beantragten sie neue AB-Maßnahmen, um den Betrieb auch im Winter sicherzustellen. Aber die Bundesagentur für Arbeit kann ihnen bis heute keine verbindliche Auskunft geben. „Unser Haushalt ist wesentlich kleiner als im vorigen Jahr“, begründet Sprecherin Heike Bellstedt das Zögern der Behörde. „Es wird mit Sicherheit weniger Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen geben, und deshalb stehen noch ermessenslenkende Weisungen ins Haus.“ Vor Ende nächster Woche, so Bellstedt, sei nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.
Große Hunde
erfordern viel Mut
Wie die „Ermessenslenkung“ bei schrumpfendem Haushalt aussehen wird, ist nicht schwer vorherzusehen. Eine Einschränkung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aber wäre der Anfang vom Ende des Tierheims. Hinzu kommt, dass nur wenige der vom Arbeitsamt gesandten ABM-Kräfte den Job wirklich bewältigen können. Für die Betreuung größerer Hunde braucht es eine gehörige Portion Mut und Einfühlungsvermögen. Bis die richtigen Leute fürs Tierheim gefunden sind, könnten deshalb weitere Wochen ins Land gehen.
Und selbst wenn die Personalfrage geklärt werden kann, bleibt die Last der Finanzierung. Die Einrichtung kann sich mit Spenden und mit den Zuwendungen der umliegenden Kommunen kaum über Wasser halten. Die Stadt Riesa stellt zwar die Räume kostenlos zur Verfügung und zahlt eine Pauschale von 6 000 Euro im Jahr, aber das ist angesichts der steigenden Zahl ausgesetzter Tiere nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Oberbürgermeister Köhler hatte noch nie ein Herz für das Tierheim“, sagt Helga Nagel, „deshalb setzten wir große Hoffnungen in den Wechsel.“ Die neue Chefin im Rathaus hörte sich die Probleme der Nagels auch interessiert an, zu einer Aufstockung der Finanzen konnte sie sich allerdings nicht durchringen. „Unser Vertrag stammt aus dem Jahr 1995“, reklamiert Gottfried Nagel. „Aber Riesa ist seitdem größer geworden, und die Verweildauer der Tiere im Heim wächst auch ständig.“ Außerdem habe sich die soziale Situation verschlechtert, immer mehr Hundebesitzer setzen ihre Tiere einfach aus, weil sie sich die Unterhaltung nicht mehr leisten können.
Dennoch ließ das Ordnungsamt den Tierschutzverein erst jüngst in einem Schreiben wissen, dass es seine Verpflichtung gegenüber dem Tierheim als erfüllt ansehe. Als Trostpflaster bot es allerdings für Januar/Februar einen Vor-Ort-Termin an. Sicher, auch die Stadt Riesa hat kaum noch Geld übrig. Und die Betreuung ausgesetzter Tiere ist nun mal eine Haftung der Allgemeinheit für das Versagen einiger weniger Bürger. Aber letztlich muss eine Kommune auch für die Sicherheit geradestehen, vom humanitären Gedanken des Tierschutzes ganz zu schweigen. Es geht nicht um Unsummen, die für die Weiterführung des Tierheims in Göhlis benötigt werden. Bundesagentur und Kommunen wären deshalb gut beraten, sich nicht hinter bürokratischen Hürden zu verstecken.
Warum die Vögel seit kurzem keine Nahrung mehr finden – Tierschützer: Massensterben droht
Von Norbert Jonscher
Braunschweigs Tauben schieben Kohldampf.
Schon seit Wochen. Es droht ein Massensterben, hier und da finden sich bereits erste Kadaver in der City. Warum? Nach einem anonymen Hinweis brachte die BZ in Erfahrung: Die entkräfteten Vögel starben herumirrend im Verkehr, ihre wichtigste Nahrungsquelle ist versiegt. Eine ältere Dame, sie sah ihre Lebensaufgabe darin, den Tieren zu helfen, ist schwer erkrankt – und musste die (illegalen) Fütterungen einstellen.
Das war Anfang Januar. Und was die Tauben seither in der Stadt vorfinden, sättigt sie kaum: Die vielen Pizza-, Döner- und Burgerreste können die Vögel nicht verwerten; sie sind auf andere, artgerechte Nahrung angewiesen (normalerweise ernähren sich Tauben von Körnern, Wildkrautsamen, Knospen, Blütenköpfen, in der Stadt auch von Brot- und Feingebäckresten, Weizen und Mais). Die Informantin zur BZ: "In ihrer Not fressen sie zurzeit sogar Erbrochenes und Hundekot."
Tiere kommen unter Räder
Etwa 40 Gramm Nahrung, sagen Experten, benötigt ein Tier pro Tag, und wenn es das nicht bekomme, zehre das an der Substanz. Folge: Geschwächte Tiere kommen unter die Räder, werden angefahren – und verenden. Oder noch schlimmer: Sie werden krank, können sich hartnäckige Infektionen zuziehen, Parasiten, die durch den Kot auch auf den Menschen übertragen werden können. Und gerade darin sieht Herbert Nagel, Geschäftsführer des Braunschweiger Tierschutzvereins, eine Gefahr: "Man stelle sich nur vor: Drei tote Tauben werden untersucht, in zwei finden sich Salmonellen, dann heißt es doch gleich: Mindestens die Hälfte der 6000 Braunschweiger Tauben ist krank, es besteht eine Gefahr für den Menschen." Was dann folge: eine amtlich verfügte Dezimierung des Taubenbestandes.
"Pille" in Darmstadt getestet
Wenn man schon die Population verringern wolle, gebe es bessere Lösungen, meint Nagel. In Darmstadt etwa habe man mit Erfolg eine Hormonpille getestet; sie mache die Tiere unfruchtbar. Großer Nachteil allerdings: Die Taubenpille sei relativ teuer, schließlich müssten in Braunschweig bis zu 6000 Tauben die "Pille" nehmen.
Keine gute Lösung, hört man, sei die von der Stadt favorisierte Variante: die Tiere per Fütterungsverbot auszuhungern. Keinesfalls würden sie so aus der Stadt getrieben. Dazu die Braunschweiger Tierschützerin: "Das was die Stadt, namentlich Herr Sperber, sagt, stimmt einfach nicht. Die Tauben ziehen sich nicht in ihre natürlichen Lebensräume zurück, dazu sind sie intellektuell gar nicht in der Lage." Sie verhungerten vielmehr qualvoll.
Dass Tauben keine Lobby haben, ja regelrecht als "Ekeltiere" gelten ("Ratten der Lüfte") – Tierschützer akzeptieren diese Diffamierungen nicht. Man tue der Kreatur bitter unrecht: "Denn was kann die Taube dafür, dass sie nicht ein Papagei ist oder eine Meise?" Und die ihnen oft zugeschriebene Frechheit besäßen Tauben auch nicht. Nicht vorwitzig, sondern scheu, ja ängstlich spazierten sie auf ihrer verzweifelten Suche nach Nahrung in die Innenstadt- Geschäfte. Und zwar neuerdings verstärkt – seit sie ihr Körnerfutter (ausgelegt von der jetzt erkrankten "Mutter" aller Braunschweiger Tauben) nicht mehr vorfinden.
Die Frau sei dem Ordnungsamt übrigens gut bekannt, heißt es. Sie habe seit Jahr und Tag "ihr ganzes Leben und ihr ganzes Geld geopfert, um die Tauben zu retten"; mehrfach sei sie von Taubenhassern angezeigt worden, habe "horrende Strafen" zahlen müssen – und dennoch, überzeugt von der Richtigkeit ihres Tuns, unbeirrt weitergemacht.
Angst vor Reifenstechern
Und das sei wahrlich kein angenehmes Hobby. "Man wird beschimpft und angezeigt", so die Informantin. Sie selbst, erklärt die 42-Jährige, möchte sich deshalb auch nicht als Tauben- Sympathisantin outen. "Ich möchte nicht, dass mir die Reifen zerstochen werden."
Montag, 26.01.2004
Die britische Königin Elizabeth II. hat eigenhändig mit ihrem Spazierstock einen Fasan erschlagen. Wie der „Sunday Mirror“ berichtete und mit Fotos belegte, bereitete die 77-Jährige dem verletzten Tier bei einem Jagdausflug auf ihrem Landsitz Schloss Sandringham das unkönigliche Ende. Ein Hund brachte der ein Kopftuch tragenden Queen den angeschossenen Fasan. „Sie nahm dem Hund den Vogel aus dem Maul und schlug dann vier- oder fünfmal mit dem Stock zu“, berichtete ein Augenzeuge der Zeitung. Das Tier sei erst nach einigen Minuten gestorben, und die Königin habe mit Freunden über den Vorfall gelacht, hieß es weiter.
Elizabeth II. greift zwar nicht selbst zum Gewehr wie zahlreiche ihrer Familienmitglieder, ist aber sehr an der Jagd interessiert. Andrew Tyler vom Tierschutzverband Animal Aid sagte: „Töten aus Spaß ist nicht zu akzeptieren, auch dann nicht, wenn die Königin daran teilnimmt.“ Die jüngste Tat zeige „die furchtbare Sucht der königlichen Familie, Vögel umzubringen“, sagte er weiter. Nach den Angaben wurde die Queen bereits in der Vergangenheit dabei fotografiert, wie sie Fasanen den Hals umdrehte.
25.01.04, 11:51 Uhr
Ein Kapfenberger hängte seinen Hund während des Beladens an die Anhängevorrichtung des Autos und "vergaß" dann, ihn abzhängen.
Mit einem kuriosen Fall von Tierquälerei waren kürzlich zwei Beamte der Stadtpolizei Kapfenberg konfrontiert. Ein Kapfenberger war gerade dabei, eine Ziehharmonika in den Kombi seines Vaters zu heben. Weil ihn nach eigener Aussage sein Hund, ein Pekinesenrüde, dabei störte, band er das Tier mit der Hundeleine an die Anhängevorrichtung des Autos.
Hektik. Nach dem Verladen fuhr der Mann rund 650 Meter weit zu seinem Vater - vergaß aber, so die spätere Rechtfertigung, in der Hektik seinen Hund abzuhängen. Unterwegs beobachtete eine Zeugin aus einem Auto den Vorfall, verständigte über Handy die Stadtpolizei und gab die Autonummer bekannt.
Ausgeforscht. Im Bereich des Neurologischen Therapiezentrums fanden die Polizisten den abgestellten Wagen auf einem Parkplatz. Auch entdeckten sie unmittelbar hinter dem Auto Blutspuren im Schnee. Aufgrund der Autonummer konnte auch die Wohnung des Vaters des Mannes ausgeforscht werden.
Der Mann hatte seinen Pekinesen mittlerweile in die Wohnung des Vaters gebracht und notdürftig versorgt. Als die Beamten in die Wohnung kamen, stellten sie fest, dass das Tier verletzt war. Eine tierärztliche Untersuchung wurde angeordnet. In der Brucker Tierklinik wurden zahlreiche oberflächliche Abschürfungen an den Extremitäten des Hundes sowie ein Schock festgestellt. Der Mann wurde wegen Verdachts der Tierquälerei angezeigt.
Keine Schlachtungen ohne vorherige Betäubung
Vom 1. bis 4. Februar findet wieder das islamische Opferfest "Kurban-Bayram", das Fest der Brüderlichkeit, statt. An diesen Festtagen schlachten die Muslime traditionell Schafe. Dieses religiöse Fest wird am Ende der Pilgerfahrt (Hadsch) nach Mekka vier Tage lang gefeiert. Die Riten dieser Pilgerfahrt wurden durch den Propheten Mohammed 632 nach Christus kurz vor seinem Tode selbst festgelegt.
Fleisch als Almosen
Nach diesen Riten schlachten auch die Muslime, die nicht pilgern, ein Schaf, vorzugsweise ein männliches, unkastriertes Tier. Dieses Fest erinnert an die verhinderte Opferung Isaaks durch Abraham. Wenigstens ein Drittel des erschlachteten Fleisches muss als Almosen (Zakat) den Armen gegeben werden. Bei dieser Opferschlachtung ist das in Deutschland geltende Recht zu beachten. Darauf hat das Presseamt des Rhein-Kreises Neuss am Freitag hingewiesen. Nach dem Tierschutzgesetz dürfe ein warmblütiges Tier nur geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des Blutentzuges betäubt worden ist.
Im Jahre 2002 wurde der Schutz der Tiere als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen. Ausnahmen vom Betäubungszwang sind nur bei Vorliegen ganz bestimmter Voraussetzungen auf Antrag möglich. Im Rhein-Kreis Neuss werde es anlässlich des Opferfestes keine Schlachtungen ohne vorheriges Betäuben geben, da Anträge auf betäubungsloses Schlachten dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt nicht vorliegen.
Wie die Erfahrung im vergangenen Jahr gezeigt habe, akzeptieren die Muslime im Kreis die Betäubung vor der Schlachtung. Das Fleischhygienerecht schreibe vor, dass die Tiere vor und nach der Schlachtung von einem amtlichen Tierarzt beziehungsweise einem Fleischkontrolleur untersucht werden. Im Rhein-Kreis Neuss werden an fünf Schlachtstätten Opferschlachtungen vorgenommen.
Ordnungswidrigkeit
Durch die permanente Anwesenheit von amtlichen Tierärzten und Fleischkontrolleuren an den Schlachtstätten sei gewährleistet, dass die Anforderungen des Tierschutzes und der Fleischhygiene eingehalten werden. Das Veterinäramt des Rhein-Kreises Neuss hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Verstöße gegen geltendes Recht (Betäubungsgebot, Schlachttier- und Fleischuntersuchungspflicht) den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit beziehungsweise Straftat erfüllen und entsprechend geahndet werden.
Erfolgreicher Kampf gegen die Taubenplage in Winterthur
Die Stadt Winterthur hat die Zahl der Stadttauben stark reduzieren können. Massgeblich zum Erfolg beigetragen haben Taubenschläge, aus denen Fachleute die Eier entfernen. Die Stadt Zürich setzt weiterhin auf das Abschiessen von Tauben.
em. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Taubenbestände in den Stadtzentren stark zugenommen. Die Tauben finden hier nicht nur reichlich fressbare Abfälle, sie werden auch gefüttert; entsprechend vergrösserten sich die Bestände. Auch in Winterthur hatten sich die wegen der überpopulation häufig gestressten und kranken Tiere zu einem ärgernis entwickelt. Die Folge davon waren durch Taubenkot verunreinigte Gebäude, Plätze und Strassen. Augenfällig war das Problem beim Hauptbahnhof, wo ganze Taubenschwärme lebten. Perrons und Sitzbänke waren häufig mit Kot verschmiert, und auch wartende Zugreisende wurden gelegentlich von Exkrementen in Mitleidenschaft gezogen, wenn Tauben unter dem Perrondach ihr Geschäft verrichteten.
Weniger Reklamationen als früher
Weil sich Geschäftsinhaber in der Altstadt sowie Anwohner und Passanten bei der Stadtpolizei und den SBB immer wieder über den unhaltbaren Zustand beklagten, erarbeiteten die Stadt und die Bahn in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Tierschutz im Jahre 2001 ein Konzept mit dem Ziel, die Zahl der Tauben zu reduzieren und einen gesunden, kontrollierten Taubenbestand zu erhalten. Deshalb wurde im Herbst 2001 im Bahnhofparking ein Taubenschlag mit Brut- und Schlafplätzen für rund 40 Tiere in Betrieb genommen. Im Oktober 2002 folgte ein zweiter. Ein von der Stadt angestellter Taubenwart füttert die Tiere, entfernt zum Zweck der Bestandesreduktion die Eier und merzt kranke und verkrüppelte Exemplare aus. Unterstützt werden diese Massnahmen durch Plakataktionen des Tierschutzvereins, der die Bevölkerung auffordert, auf das Füttern von Tauben zu verzichten. Der Erfolg ist offensichtlich. So sind vor dem Einkaufszentrum Neuwiesen hinter dem Bahnhof, wo vor einem Jahr noch ganze Schwärme auftraten, häufig überhaupt keine Tauben mehr zu sehen. Peter Gull, Mediensprecher der Stadtpolizei, spricht von einem stark reduzierten Bestand. Weil sich das Konzept bewährt habe und der Taubenbestand heute gesund sei, könne man entgegen den ursprünglichen Plänen auf einen dritten Taubenschlag verzichten.
Geringerer Reinigungsaufwand
Auch die SBB sind mit dem Resultat in Winterthur zufrieden. Laut Mediensprecher Roger Baumann ist im vergangenen Jahr keine Reklamation eingegangen. Dazu beigetragen habe, dass die SBB im letzten Jahr das Parkdeck renoviert und die darunter liegenden Sitzgelegenheiten für Tauben mit geeigneten Massnahmen aufgehoben haben. Heute gebe es im Hauptbahnhof praktisch keine Tauben mehr. Dadurch habe sich auch der Reinigungsaufwand deutlich verringert.
Peter Schlup vom Schweizer Tierschutz begrüsst das Vorgehen der Stadt Winterthur. Bei der Bekämpfung der Taubenplage habe man in der Stadt Basel in den achtziger Jahren Pionierarbeit geleistet und das entsprechende Projekt wissenschaftlich begleitet. Auch bei diesem Modell stünden kontrollierte Taubenschläge im Vordergrund. Gleichzeitig habe man dort durch entsprechende Information das unkontrollierte Füttern stark einschränken können. Taubenschläge hätten sich bewährt und würden wohl früher oder später in allen Städten eingerichtet. Dagegen sei das wahllose Abschiessen von Tauben äusserst fragwürdig. Diese Methode sei reine Symptombekämpfung. Die Taubenpopulation sei jeweils nach kurzer Zeit wieder gleich gross wie zuvor.
Zürich schiesst Tauben ab
em. Die Stadt Zürich geht bei der Bekämpfung der Taubenplage zum Teil anders vor. Laut Christian Stauffer, dem wissenschaftlichen Leiter des städtischen Wildschonreviers, unterhält die Stadt zwar ebenfalls Taubenschläge. Mit diesen könne der grosse Bestand allerdings nicht genügend eingedämmt werden. Notwendig wären rund 120 Taubenschläge. Man komme deshalb nicht darum herum, Tauben abzuschiessen. Die Hauptaufgabe bestehe jedoch darin, das Füttern der Tauben einzudämmen. Mit Plakataktionen erreicht man seiner Meinung nach nichts. Es gelte vielmehr, die Leute, die täglich mehrere Dutzend Kilogramm Taubenfutter ausstreuten, dazu zu bewegen, die Menge zu reduzieren. In diesem Bereich habe man Erfolge erzielen können. Die Zahl der Tauben in der Innenstadt sei denn auch in den vergangenen Jahren von rund 8000 auf unter 6000 zurückgegangen.
Berlin (ots) - Berlin: Milchkühe werden zunehmend auf Hochleistung gezüchtet und immer weniger tiergerecht gefüttert. Das belegt eine neue Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Preisverfall auf dem Milchmarkt erhöhe den Zwang für die Landwirte, die Leistungen ihrer Kühe weiter zu steigern. Der Einsatz von Antibiotika und gentechnisch verändertem Futter sowie die Züchtung mit Hilfe von Hormonen seien die Regel. Bäuerlichen Betrieben mit artgerechter und ökologisch sinnvoller Weidehaltung drohe das Aus.
Hubert Weiger, agrarpolitischer Sprecher des BUND: "Die grasende Kuh auf der Weide werden wir bald nur noch aus der Werbung kennen. In der Landwirtschaft hat dieses Bild keine Zukunft, wenn nichts gegen den dramatischen Einbruch der Milchpreise getan wird. Die EU darf die Milch-Quoten nicht noch weiter erhöhen. Agrarministerin Künast und die Länder müssen die Prämien rasch auf Grünlandbetriebe umlenken. Und die Verbraucher sollten daran denken, dass glückliche Kühe und abwechslungsreiche Landschaften nicht zum Preis von unter 40 Cent pro Liter Milch zu haben sind."
Durch die Haltungsbedingungen für Hochleistungskühe sei die Zahl der Eutererkrankungen in den zurückliegenden vierzig Jahren um das Sechsfache gestiegen; die der Klauen- und Stoffwechselkrankheiten um das Dreifache. Rund ein Drittel der Hochleistungstiere litten an akuten und chronischen Entzündungen. Unter dem Diktat der Hochleistungszucht verschwinde die Vielfalt der Rinderrassen.
Besonders erschreckend sei die Tatsache, dass in der intensiven Milchwirtschaft ohne Wissen der Bauern große Mengen gentechnisch veränderter Futtermittel eingesetzt würden. Schätzungsweise 900000 Tonnen GVO-Soja würden in Deutschland pro Jahr an Milchkühe verfüttert. Nach dem Willen der EU würden künftig die Landwirte, nicht aber die Verbraucher darüber informiert. Ab April 2004 seien GVO-Futtermittel zu kennzeichnen, nicht aber die Lebensmittel von Tieren, die damit ernährt worden sind. Auf diese Weise werde in Europa die Grüne Gentechnik gegen den Willen der Verbraucher auf die Teller gemogelt.
Die Erzeugerpreise für Milch seien im Jahr 2002 um rund 10 Prozent gesunken. Dieser Preisverfall werde vor allem durch die Marktmacht der Discounter und die von der EU geförderte überschussproduktion verursacht. Die größten Einbußen mussten Bio-Bauern hinnehmen: Die Biomilchpreise sanken stärker als die Preise für konventionelle Milch. Die Preisdifferenz zwischen Bio-Milch und konventioneller Milch verringerte sich um 20 Prozent.
ots-Originaltext: BUND
Digitale Pressemappe:
www.presseportal.de/story.htx?firmaid=7666
Bei Rückfragen: Reinhild Benning, BUND-Agrarexpertin oder Philipp Prein, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-464/-489, , Fax: -449, Mobil: 0151-11656734, E-Mail: presse@bund.net, Internet: www.bund.net/
Stuttgart (ots) - Die in einer gestrigen Pressemitteilung des ZDF formulierten Behauptungen, der ehemalige "Unser Charly" Schimpanse sei in bester Obhut ist laut PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) nichts als Wunschdenken und ein Versuch des ZDF, die eigene Beteiligung am trostlosen Schicksal des Tieres zu verbergen.
Während das ZDF behauptete, dass es keine Beanstandungen von der zuständigen Behörde auf der Tieranlage des Amarillo Wildlife Refuge (AWR), wo sich einer der Darsteller der ZDF-Fernsehserie "Unser Charly" befindet, gibt, veröffentlichte PETA unter peta.de den achtseitigen Behördenbericht vom 14.Dezember 2003. Ausgelöst durch PETA's verdeckte Ermittlungen bei AWR inspizierte laut PETA ein Beamter des U.S.-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) die Einrichtung und dokumentierte umfangreiche Nichteinhaltungen der Minimalanforderungen zur Versorgung der Tiere, wie sie vom Tierschutzgesetz der USA vorgeschrieben sind. Dabei werde AWR u.a. angelastet, den Tieren keine ausreichende tierärztliche Versorgung und nur unzureichende Unterschlupfmöglichkeiten zukommen zu lassen, unqualifiziertes Personal einzustellen, verrottete und kontaminierte Nahrung anzubieten und den Tieren nur mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten.
Der Ermittlungsbeamte der USDA dokumentierte die folgenden katastrophalen und gesetzeswidrigen Zustände, denen auch der ehemalige "Unser Charly" ausgesetzt ist:
Schimpansen mit Hautabschürfungen und schwerem Haarausfall. Keiner der Schimpansen wurde von einem Veterinär besucht und es gab keine Dokumente darüber, dass ein Tierarzt mit adäquater Erfahrung die Einrichtung in jüngster Zeit besucht hätte.
Schimpansen und andere Primaten die eine für Primaten unzulängliche Ernährung in Form von Hundefutter zusammen mit verdorbenen Früchten und Gemüse erhielten. Der größte Teil des Obst und Gemüses im Kühlschrank war verrottet und schimmelig. Das Lager des Obstes und Gemüses sowie die Zubereitungsstellen waren dreckig und stanken.
Der Einrichtung mangelte es an einem Programm, das eine zur Beschäftigung anregende Umgebung für Schimpansen und andere Primaten bietet. Dies wird verlangt, damit das psychische Wohlbefinden der Primaten gefördert wird. Gelangweilt und frustriert, verbringt "Bucky/Walter" seine Tage in einem sterilen Käfig, umgeben von Exkrement- und Dreckhaufen, an die Wand starrend, auf einer von Müll überzogenen Metallplatte liegend, oder mit anderen Schimpansen kämpfend.
Falsch sei auch die Veröffentlichung des ZDF, der ausgediente Schimpanse sei nicht bei AWR sondern bei dem Tiertrainer Steve Martin untergebracht. Laut PETA beweise dessen eigene Inventarliste jedoch, dass "Bucky/Walter" an einen Züchter verliehen ("breeder loan") ist und Angestellte des Händlers erzählten PETA's Ermittlerin, als sie deren Einrichtung Ende 2003 besuchte, dass es sich bei Walter und Bucky um ein und den selben Schimpansen handelt und dass dieser bei AWR sei.
"Das ZDF hätte sich die Mühe machen sollen, auf die homepage von AWR zu schauen", so Harald Ullmann, 2. Vorsitzender von PETA. Dort sei ein Foto von Walter/Charly zu sehen und es werde darauf hingewiesen, dass er ein Star in einer deutschen "sitcom" war (http://www.amarillowildliferefuge.org/bios/primates.htm).
In einer dpa Meldung vom 21. Januar 2004, bestätigte der Direktor von AWR, Charles Azzopardi, "Das Tier ist der Star bei uns...."
Auch die Behauptung des ZDF, eine örtliche Vertreterin von PETA hätte keine Beanstandungen bei der Tierhaltung in AWR gefunden, ist unerhört. Bei der angeblichen PETA-Vertreterin handele es sich um eine Person, die weder in der Mitgliederdatei von PETA noch jemals etwas im Namen der Organisation gemacht habe.
"Schimpansen in Fernsehsendungen, Filmen oder in der Werbung zu benutzen unterstützt eine grausame Industrie," so Harald Ullmann, 2. Vorsitzender von PETA-Deutschland e.V. "Babys werden ihren Müttern entrissen und grausamen Trainingsmethoden ausgesetzt. Strahlende, neugierige, lebhafte Schimpansenbabys werden so schnell zu verängstigten mutlosen Zombies reduziert, die vor Angst vor Schlägen in der Ecke kauern."
Das Schicksal von "Promi" Schimpansen wie "Unser Charly" ist immer miserabel wenn ihre "Karriere" zu Ende ist. Wenn sie zu kräftig sind und nicht mehr gebändigt werden können, enden viele in biomedizinischen Labors oder, wie "Unser Charly", auf erbärmlichen Pseudo-Auffangstationen.
"Das ZDF hat die Chance, diesen grausamen Zyklus zu durchbrechen indem es sich entschließt, keine Schimpansen mehr in seinen Programmen aufzunehmen und PETA dabei hilft "Unser Charly" zu retten und ihn in eine ordentliche Auffangstation zu bringen," so Ullmann abschließend.
ots Originaltext: PETA Deutschland e.V.
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=12276
Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
PETA-Deutschland e.V.
Harald Ullmann
0711-866-6165
Einpflanzung eines Mikrochips oder Tätowierung bis Ende 2004 geplant
Alle Hunde in der Schweiz sollen bis Ende 2004 mit einem Mikrochip oder einer Tätowierung gekennzeichnet werden. Eine entsprechende Änderung der Tierseuchenverordnung hat das Bundesamt für Veterinärwesen am Donnerstag in die Vernehmlassung geschickt. Um Kontrollen zu erleichtern, soll zusätzlich ein Hundeausweis mit Daten zu Impfungen, Krankheiten und Herkunft des Tieres ausgestellt werden.
(ap/bbu.) Hunde sollen in Zukunft spätestens drei Monate nach ihrer Geburt von einem Tierarzt mit einem unter die Haut eingepflanzten Mikrochip oder einer Tätowierung gekennzeichnet werden. So steht es im Entwurf der geänderten Tierseuchenverordnung, die das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) am Donnerstag in die Vernehmlassung schickte. Der Datensatz eines Hundes soll folgende Punkte enthalten: Name, Geschlecht, Geburtsdatum, Rasse, Fellfarbe, Name und Adresse des Tierhalters, bei dem der Hund geboren wurde und des Tierhalters zum Zeitpunkt der Kennzeichnung.
Eine Datenbank mit allen Hunden
Bis Ende dieses Jahres sollen laut dem BVET alle Hunde in der Schweiz auf diese Weise markiert und in einer Datenbank registriert werden. Um Kontrollen zu erleichtern, wird zusätzlich ein Hundeausweis mit Daten zu Impfungen, Krankheiten und Herkunft des Tieres ausgestellt. Die Kennzeichnung soll Abklärungen nach Beissunfällen, bei Seuchenausbrüchen oder das Suchen entlaufener Hunde erleichtern.
Entsorgung tierischer Abfälle neu geregelt
Ausserdem plant das BVET die komplette Überarbeitung der Verordnung über die Entsorgung tierischer Abfälle geplant. In Anpassung an EU-Recht werden die tierischen Nebenprodukte neu in drei Kategorien aufgeteilt. Kategorie-1-Produkte müssen verbrannt, jene der Kategorie 2 können als Dünger oder zur Biogas-Produktion verwendet und die risikoärmsten Kategorie-3-Produkte können unter anderem Heimtieren verfüttert werden. Grundsätzlich soll damit eine weitergehende Nutzung von tierischen Nebenprodukten etwa zur Energiegewinnung ermöglicht werden, ohne die wegen BSE erlassenen Einschränkungen aufzuheben.
Vernehmlassung bis am 1. März
Auch für Änderungen an der Verordnung über die Ein-, Durch- und Ausfuhr von Tieren und Tierprodukten sowie an der Fleischuntersuchungsverordnung begann die Anhörung, eine Vernehmlassung auf Departementsstufe. Sie dauert bis am kommenden 1. März.
Ob es Masthühnern in der Massentierhaltung gut geht, hängt nicht nur davon ab, wie viel Platz ihnen zur Verfügung steht. Noch wichtiger für das Wohlergehen der Tiere sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Hühnerstall, der Ammoniak-Gehalt der Luft sowie die Qualität der Einstreu. Das schreiben die Zoologin Marian Stamp Dawkins von der britischen University of Oxford und ihre Kollegen im Forschungsjournal Nature. In ihrem Experiment beobachten die Forscher 2,7 Millionen Hühner, die in zehn großen Farmen kommerziell gemästet wurden. In jedem Betrieb teilten Dawkins und ihr Team die Tiere in fünf Gruppen ein, die in unterschiedlich bedrängten Verhältnissen gehalten wurden. Alle weiteren Bedingungen beließen die Wissenschaftler so, wie sie sie in den Unternehmen vorfanden.
Kurz vor dem Schlachten hatten die Hühner in den Ställen, in denen es am engsten war, auf jedem Quadratmeter Stallfläche ein Gesamtgewicht von 46 Kilogramm. In den am wenigsten dicht besetzten Ställen kamen die Hühner am Ende der Mastzeit auf 30 Kilogramm pro Quadratmeter. In Deutschland ist die Massentierhaltung nur bis zu einem Gewicht von 35 Kilogramm pro Quadratmeter zulässig. Auf diesen Grenzwert haben sich die Agrarminister der Länder, Tierschützer und Geflügelmastunternehmen 1999 verständigt.
In der amerikanischen Studie war der Zustand der Hühner auf einigen Farmen überraschenderweise auch dann noch relativ gut, wenn sie extrem wenig Platz hatten. Zwar wuchsen sie langsamer, stießen öfter zusammen und hatten Probleme beim Laufen - Verletzungen und schwerwiegende Verhaltensstörungen waren jedoch nicht zu erkennen. Bei anderen Geflügelproduzenten ging es den Hühnern dagegen auch dann schlecht, wenn sie von Anfang relativ viel Platz zur Verfügung hatten. Die Sterblichkeit der Hühner war unabhängig vom Raumangebot, sie variierte jedoch stark von Unternehmen zu Unternehmen, schreiben die Autoren.
Die Forscher schließen daraus, dass es zwar wichtig ist, den Tieren genug Lebensraum zu geben, damit sie zum Beispiel mit den Flügeln schlagen oder im Staub baden können. Es sei allerdings sinnlos, wenn sich der Tierschutz nur auf diese Forderung beschränke. Es müsse auch darauf geachtet werden, dass die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit angemessen seien. Außerdem spielten die Qualität der Luft und der Einstreu eine wichtige Rolle. Das solle bei den neuen EU-Richtlinien zur Mastgeflügelhaltung berücksichtigt werden, fordert das Team um Dawkins.
Diese Forderung unterstützt auch der Veterinärmediziner Mohamed Hafez vom Institut für Geflügelkrankheiten der Freien Universität Berlin. Seiner Ansicht nach sollten hohe Anforderungen an die Hühnerhaltung EU-weit einheitlich gelten. (js.)
Nature, Bd. 427, S. 342
"Aussitzen" lautet das Motto der Lebensmittelindustrie in Krisenzeiten. Eine Umfrage der Verbraucherinitiative zeigt: Die BSE-Schludereien und Berichte über illegal Beschäftigte in Schlachtereien ändern daran nichts. Hersteller verweigern Information
AUS BERLIN MICHAEL SITTIG
"Ökologisch denken. Verantwortungsbewusst handeln. Wir pflegen eine offene Kommunikation", heißt es auf der Homepage des Fleischherstellers Wiesenhof. Der Bundesverband Verbraucher Initiative (VI) behauptete gestern das Gegenteil - und stützte sich dabei auf eine aktuelle Umfrage. Im Herbst 2003 hatten die Verbraucherschützer 200 marktbedeutende Fleischwarenhersteller Deutschlands nach den sozialen und ökologischen Bedingungen ihrer Produktion befragt. Doch gaben nur 18 Firmen Auskunft.
Die große Mehrheit der Fleischindustrie - 182 Unternehmen - antwortete erst gar nicht. Die Unternehmen sollten zum Beispiel Stellung beziehen zu den Fragen: "In welchen Bereichen übertreffen Sie die gesetzlichen Mindestanforderungen beim Tierschutz?" Und zu den Arbeitsbedingungen im Betrieb wollten die Verbraucherschützer etwa wissen, ob es einen Betriebsrat gibt.
Jeder Deutsche isst rund 60 Kilo Fleisch pro Jahr. Wie Steak und Salami hergestellt werden, darüber erfährt er kaum etwas. "Die Deutschen Fleischhersteller verweigern Verbraucherinformationen", empört sich Volkmar Lübke, Vorstandsmitglied der VI, auf der gestrigen Präsentation des Umfrageergebnisses. Noch mehr aber ärgerte ihn, dass selbst die Unternehmen, die geantwortet haben, "wohl nicht immer die Wahrheit gesagt haben". Über die Betriebsräte der 18 antwortbereiten Unternehmen hatte die VI überprüft, ob die Firmenauskünfte auch stimmen. Dabei stellte sich heraus, dass bei nur zwei Firmen die Angaben des Betriebsrates mit den offiziell mitgeteilten Infos übereinstimmten. Für Siegfried Leittretter, der die Untersuchung von Seiten der Hans-Böckler-Stiftung begleitete, heißt das: "Verbraucher können sich auf die Angaben der Hersteller nicht verlassen." Deshalb forderte VI-Vorstand Lübke: "In ein Verbraucherinformationsgesetz gehört unbedingt ein Rechtsanspruch des Verbrauchers auf Informationen über das Unternehmen." Doch das, so hieß es gestern von Seiten des grünen Bundesverbraucherministeriums, wird es so schnell nicht geben.
Zu den Auskunftsverweigerern gehören solche Branchengrößen wie Wiesenhof, Herta oder Meica. Eine Anfrage der taz bei der Firma Meica, die unter anderem Deutschländer Würstchen herstellt, bestätigte die Geheimniskrämerei: Man beantworte grundsätzlich keine Anfragen zu den Produkten seitens der Presse oder Verbraucherorganisationen, hieß es von Firmenseite. Dem Sprecher von Wiesenhof war es gestern unklar, warum die Firmenführung nicht teilgenommen hat. Wiesenhof kann für sein Geflügel immerhin das wenn auch umstrittene Qualitätssiegel QS nachweisen.
Über die Angaben der 18 Firmen, die Angaben zu den sozial-ökonomischen Herstellungsbedingungen gemacht haben, mochte die Verbraucher Initiative nicht viel sagen. Wegen der geringen Zahl könne dann der Datenschutz nicht gewährt werden. Eine Liste der Verweigerer steht auf www.verbraucher.org.
taz Nr. 7263 vom 21.1.2004, Seite 8, 101 Zeilen (TAZ-Bericht), MICHAEL SITTIG
20. Jan. 2004
Jäger dürfen zukünftig keine Trophäen von Grizzlybären aus der kanadischen Provinz Britisch Kolumbien (BC) in die Europäische Union (EU) einführen. Eine Expertengruppe der 15 EU Länder verhängte den Importstopp weil Britisch Kolumbien, eines der wichtigsten verbliebenen Verbreitungsge-biete, keine Fortschritte im Bärenschutz macht. Die Provinz ist beliebtes Reiseziel für Hobbyjäger aus dem Ausland, insbesondere aus den USA und Deutschland. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt die einstimmige Entscheidung. Obwohl Grizzlybären in weiten Teilen Kanadas als bedroht gelten, gibt die Regierung nach wie vor jedes Jahr Hunderte Tiere zum Abschuss durch betuchte Trophäenjäger frei.
Knapp 13.000 Grizzlies wurden nach Angaben der Artenschutzorganisation in 38 Jahren alleine in Britisch Kolumbien erlegt. In deutschen Jagdzimmern endeten mehr kanadische Grizzlies als Wanddekoration als in jedem anderen EU-Land.
"Der EU-Einfuhrstopp war längst überfällig und sollte Kanada endlich zum Umdenken bewegen. Denn kaum ein Jäger wird zukünftig noch bereit sein, 10.000 Dollar in eine Bärenjagd zu investieren, wenn er am Ende keine Trophäe mit nach Hause bringen kann," so Daniela Freyer von Pro Wildlife.
Der Grizzly sei in 99 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes in den USA bereits ausgerottet worden. Auch in Kanada, wo er als gefährdete Tierart eingestuft sei, schrumpfe sein Verbreitungsgebiet kontinuierlich: Die Regierung der Provinz Britisch Kolumbien lasse zu, wie der Lebensraum im großen Maßstab durch Holzeinschlag, Straßen- und Bergbau zerstört werde. Zugleich genehmige sie den massiven Abschuss von Grizzlybären durch Hobbyjäger.
Wissenschaftler und Artenschützer warnen seit langem vor Bestandsrückgängen der Grizzlybären. Die EU hatte bereits Ende 2001 die Einfuhr von Grizzlytrophäen untersagt, nahm die Entscheidung aber wenige Monate später zurück, nachdem die Regierung Britisch Kolumbiens Entgegenkommen beim Bärenschutz signalisiert hatte. Infolge eines kritischen Berichtes staatlich bestellter Gutachter setzte die EU im Sommer 2003 ein Ultimatum, bis zu dem die Regierung Britisch Kolumbiens wichtige Verbesserungen im Bärenschutz umsetzen sollte. Hierzu gehörte unter anderem die Schaffung großräumiger Schutzgebiete, in denen die Bären vor Jägern sicher sind sowie zuverlässige Bestandszählungen.
Nachdem die Kanadier ihre Versprechungen erneut nicht in die Tat umsetzten, habe die EU nun Konsequenzen gezogen.
"Anstatt weiterhin den Interessen der Jagdlobby nachzugeben sollte Britisch Kolumbiens Regierung zukünftig verstärkt auf den Naturtourismus setzen", so Pro Wildlife Expertin Freyer. Kanadas Tourismusbranche lebe vom Image der nahezu unberührten Natur, die Beobachtung lebender Grizzlybären bringe fast doppelt soviel Geld ein wie die Trophäenjagd. Etwa 350.000 Deutsche besuchten das Land jährlich. Wenn Britisch Kolumbien jetzt nicht auf den Schutz der Grizzlies setze bringe sich die Provinz noch weiter in Misskredit und schade dem internationalen Ruf des Landes.
Pressemitteilung vom 21. Januar 2004
Die "Allianz für Tiere in der Landwirtschaft" legt einen ersten Entwurf für die Einrichtung eines Prüf- und Zulassungsverfahrens für Tierhaltungssysteme vor.
Berlin - Auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin hat die "Allianz für Tiere in der Landwirtschaft" die Einführung eines "Tierschutz-TüVs" für Aufstallungssysteme und Stalleinrichtungen gefordert. Die Allianz hat einen Eckpunktekatalog vorgestellt, in dem erstmalig die Grundzüge eines obligatorischen Prüf- und Zulassungsverfahrens beschrieben werden, wie es das Tierschutzgesetz seit der letzten Novellierung im Jahr 2001 als Möglichkeit vorsieht (§ 13 a Abs 2 TschG).
Hauptaufgabe des von der Allianz vorgestellten "Tierschutz-TüVs" ist die Sicherstellung der Tiergerechtheit von serienmäßig hergestellten Stalleinrichtungen und Aufstallungssystemen. Die Marktzulassung soll in Zukunft vom Ergebnis der Untersuchung einer zentralen, unabhängigen Tierschutz-Prüfstelle abhängig gemacht werden. Das Verfahren wäre für alle in- und ausländischen Anbieter obligatorisch und sollte schrittweise auch auf bereits bestehende Haltungssysteme sowie auf sämtliche Nutztierarten ausgeweitet werden. Vorgesehen ist eine bundesweit einheitliche Regelung im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL).
Der "Tierschutz-TüV" soll sicherstellen, dass der Stallbau auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt wird und sich nicht nur an den ökonomischen Ansprüchen der Hersteller und Betreiber orientiert. Verletzungen, gesundheitliche Schäden und weitere Leiden der Tiere, die auf ein falsches "Stalldesign" zurückzuführen sind, können so verhindert werden.
Ein vergleichbares Prüf- und Zulassungsverfahren wird seit 1981 mit großem Erfolg in der Schweiz angewendet. Es trägt maßgeblich zu einer Verbesserung des Tierschutzes in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung bei und hat sich praktisch bewährt. Der Vorschlag der Allianz für Tiere orientiert sich daher weitgehend an dem &Quot;Schweizer Modell".
"Das neue Staatsziel zum Tierschutz verpflichtet Bund und Länder dazu, ihre Anstrengungen zu verstärken, allen Tieren den ihnen gebührenden Schutz zu gewährleisten und Tierquälerei zu verhindern", erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Gerade in der industriellen Massentierhaltung - aber nicht nur dort - sind die Belastungen für die Tiere bereits systembedingt besonders groß. Wissenschaftlich fundiert müssen hier kurzfristig die ohnehin unzureichenden gesetzlichen Vorgaben zum Schutz der Tiere optimal ausgeschöpft und langfristig unzureichende Rahmenbedingungen verbessert werden", so Apel weiter. Nur ein bundesweit einheitliches effektives Prüf- und Zulassungsverfahren für die marktgängigen Aufstallungssysteme und Stalleinrichtungen könne dies gewährleisten und haltungsbedingte Tierquälerei in Zukunft unterbinden.
Laut Gesetz trägt der Tierhalter die Verantwortung dafür, dass ein Aufstallungssystem art- und tiergerecht gestaltet ist. Doch bisher gab es kein etabliertes Prüfverfahren, um die Tiergerechtheit der auf dem Markt befindlichen Aufstallungssysteme und Stalleinrichtungen nachzuweisen. "Mit dem Prüf- und Zulassungsverfahren geht die Verantwortung stärker auf die Hersteller von Stalleinrichtungen über, dort wo die Einflussnahme auf die Gestaltung der Tierhaltungssysteme am größten ist", erläutert Dr. Angelika Zahrnt, Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das neue Verfahren. "Für die Landwirtinnen und Landwirte heißt das: das Investitionsrisiko sinkt und die Arbeitsplatzqualität in den Betrieben steigt."
"Tiergerechte Haltungsbedingungen wirken sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere aus. Gesunde Tiere sind die Voraussetzung für gesunde Nahrungsmittel. Daher begrüßen wir den Tierschutz-TüV", erklärt Frau Prof. Dr. Edda Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Das Prüf- und Zulassungsverfahren entspricht dem Wunsch der Verbraucher nach einer tiergerechten Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere. Damit hat die Irreführung von Verbrauchern mit dem unbestimmten Begriff der tiergerechten Haltung ein Ende," so der Vorstand des vzbv weiter.
"Mit dem geplanten Prüf- und Zulassungsverfahren steht auch die Ethik der Tierhaltung in Deutschland auf dem Prüfstand", betont Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth-Stiftung. "Der überwiegende Teil der Bevölkerung hat bereits seit langem den Wunsch und die Erwartung, Lebensmittel aus einer Landwirtschaft zu beziehen, die das Tier als Mitgeschöpf respektiert und dies auch in der Haltung der Tiere zum Ausdruck bringt", resümiert Prof. Gottwald das ethische Anliegen, das mit dem vorgelegten Eckpunktekatalog zur Einrichtung eines "Tierschutz-TüVs" verbunden ist.
Die Allianz für Tiere fordert die Bundesregierung nachdrücklich dazu auf, die Möglichkeiten zur Verbesserung des Tierschutzes, die das neue Tierschutzgesetz bietet, zu nutzen und die Einrichtung eines obligatorischen Prüf- und Zulassungsverfahrens für Haltungssysteme zeitnah in die Wege zu leiten. Der nächste Schritt auf diesem Weg wäre die baldige Einrichtung eines Runden Tisches im BMVEL mit Fachleuten aus den Behörden von Bund und Ländern, Fachwissenschaftlern, Vertretern der Stallbaufirmen und der Landwirtschaft sowie Vertretern des Tierschutzes, des Umwelt- und des Verbraucherschutzes.
Der Eckpunktekatalog findet sich im Internet als Download unter www.allianz-fuer-tiere.de sowie auf den Internetseiten der vier Allianzpartner.
Informationsblockade der deutschen Fleischindustrie
VERBRAUCHER INITIATIVE kritisiert Geheimniskrämerei von Fleischunternehmen Berlin, 20.01.2004. In einem von der HANS-BÖCKLER-STIFTUNG geförderten Projekt befragte der Bundesverband VERBRAUCHER INITIATIVE im vergangenen Jahr mehr als 200 deutsche Fleischhersteller nach der Produktqualität, der Arbeitssituation sowie dem Tier- und Umweltschutz in ihrer Produktion. Trotz aller Bemühungen und Nachfassaktionen waren nur 18 Unternehmen zur Beantwortung des kurzen Fragebogens bereit.
"Ein empörendes Ergebnis angesichts der Verantwortung der Branche und der aktuellen Skandale und der Vorgänge in der Vergangenheit, die eigentlich zu absoluter Offenheit dieser Unternehmen führen sollte", urteilte Volkmar Lübke, Vorstandsmitglied der VERBRAUCHER INITIATIVE bei der Vorstellung der Untersuchungsresultate. "Noch empörter waren wir aber, als wir bemerken mussten, dass auch die Unternehmen, die geantwortet haben, wohl nicht immer die Wahrheit gesagt haben." Durch zusätzliche Befragung von Betriebsräten und mit Unterstützung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wurden einige der eingegangenen Antworten auf ihre umfassende und korrekte Information hin geprüft. Dabei stellten sich solche Ungereimtheiten heraus, dass erhebliche Zweifel an der Informationspolitik der Unternehmen geweckt werden. Für einen glaubwürdigen Einkaufsführer können auch diese Angaben daher nicht genutzt werden.
Siegfried Leittretter, Referent für betrieblichen Arbeits- und Umweltschutz der HANS-BÖCKLER-STIFTUNG, wertete die Projektergebnisse als einen deutlichen Hinweis darauf, dass man sich bei der Bewertung von Unternehmen nicht allein auf freiwillige Selbstauskünfte verlassen kann. "Eine unabhängige Überprüfung der Selbstauskünfte ist im Interesse eines umfassenden Verbraucherschutzes erforderlich, besser wäre zusätzlich eine gesetzliche Verpflichtung zur Offenlegung von Daten, die für die Öffentlichkeit wichtig sind."
Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft NGG wies darauf hin, dass Arbeitnehmer und Betriebsräte wichtige Kompetenzen und Kenntnisse haben, die stärker genutzt werden müssten, um Produktqualität und Verantwortungsübernahme in der Produktion zu verbessern. "Besonders wichtig aus Sicht von NGG ist es, dass in diesem Projekt auch der Zusammenhang zwischen der sozialen Situation an den Arbeitsplätzen und den Informationsinteressen der Verbraucher hergestellt wurde." Wenn Verbraucher häufiger von Verstößen gegen Arbeitsrechte in der Fleischbranche erführen, könnte auch dadurch ein heilsamer öffentlicher Druck entstehen. Eine Liste der auskunftsverweigernden Unternehmen kann im Internet unter www.verbraucher.org eingesehen werden. Den Befragten wurde ansonsten Datenschutz zugesagt, so dass wir weitere Einzelergebnisse nicht offen legen können.
Für Rückfragen zur Studie wenden Sie sich bitte an: Volkmar Lübke, VERBRAUCHER INITIATIVE 0172/54 00 582.
MPRESSUM
Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. (Bundesverband)
Elsenstraße 106, 12435 Berlin
Georg Abel (V.i.S.d.P.)
Tel: 030 / 53 60 73-3
Fax: 030 / 53 60 73-45
presse@verbraucher.org
© Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V., Alle Rechte vorbehalten
Streit um den Scheidungspudel
dpa Lärmquelle Tier: Bellzeiten für den Nachbars-Kläffer Tiere sind vor allem lästig: Sie bellen und krähen, sie stechen und kratzen, oder sie sehen eklig aus und verscheuchen deshalb Urlauber aus dem Hotelzimmer. Der - zweifellos einseitige - Eindruck vom Tier als Störfaktor drängt sich zumindest auf, wenn man sich die Vielzahl von Gerichtsprozessen anschaut, in denen um Tiere gestritten wurde.
Doch nicht nur genervte Nachbarn oder gebissene Passanten ziehen vor Gericht. Auch Herrchen oder Frauchen kämpfen um ihr Recht, alles für die geliebte Kreatur tun zu dürfen: Ein Wellensittichbesitzer wehrte sich, wenn auch erfolglos, vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gegen ein Bußgeld wegen zu schnellen Fahrens - er hatte den ins Koma gefallenen Vogel möglichst schnell zum Tierarzt bringen wollen.
Scheidungsopfer: der gemeinsame Pudel
Und ein Ehepaar aus Bad Mergentheim wollte sich zwar voneinander, nicht aber vom geliebten Pudel trennen. Folgerichtig beantragte das Herrchen ein "Umgangsrecht", doch das Amtsgericht (AG) zog erst mal einen Tierpsychologen zu Rate. Weil der die Psyche des Pudels nicht in Gefahr sah, darf der Mann nun - gerichtlich verbrieft - zwei Mal monatlich mit dem Hund Gassi gehen.
Nachzulesen sind die Fälle bei Norbert Dörner: Tierisches im Recht, der eine Kuriositätensammlung tierischer Streitfälle zusammengetragen hat. Dabei ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) nicht so arg viel zum Thema Tier zu finden. Paragraf 90a stellt immerhin klar, dass Tiere keine "Sachen" mehr sind - noch bis 1990 hatte das BGB im Tier ein Ding gesehen. Besondere Aufmerksamkeit widmet das Gesetzeswerk allein der Biene in immerhin vier Paragrafen, vom "Herrenloswerden eines Bienenschwarms" bis zum "Einzug in eine fremde besetzte Bienenwohnung".
Die Lärmquelle Tier
Eine Vielzahl von Urteilen handelt vom Tier als Lärmquelle. Das AG Düsseldorf befasste sich mit einem Spitz, der bei der kleinsten Bewegung auf der Straße zu bellen begann, den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof beschäftigte die an einen Kojoten erinnernde hohe Stimme einer leicht erregbaren Hündin. Und das Verwaltungsgericht Stade bezeichnete einen Hovawart gar als "notorischen Kläffer", weil der Hund - "grundlos und anhaltend" - bis zu 60 Mal pro Tag anschlug.
Meist legen die Gerichte in diesen Fällen "Bellzeiten" fest, etwa zwischen morgens 7.00 oder 8.00 und abends 19.00 oder 20.00 Uhr, unter Einhaltung einer Mittagspause und nicht länger als 30 Minuten insgesamt. Das gleiche gilt selbstverständlich für Hähne wie den Gockel Blasi, der es nach den Feststellungen das Landgerichts (LG) München auf immerhin 75 Dezibel brachte - wenn Blasi krähte, war nicht einmal der Baulärm zu hören. Zudem, so stellte ein Sachverständiger fest, hatte das Federtier einen besonders schrillen Tonfall - der entnervte Nachbar bekam also Recht.
Bell- und Krähzeiten fürs liebe Vieh
Dagegen lassen sich die Richter - wenn es um Insekten oder Reptilien geht - nicht vom hässlichen Schein beeindrucken, sondern gehen dem Wesen auf den Grund. Die Kakerlake sei zwar von unansehnlicher äußerer Gestalt, aber generell ungefährlich, beschied das AG Bad Homburg eine Tunesien-Urlauberin. Die hatte gleich ihre Kleidung weggeworfen, nur weil die käferähnlichen Tiere mit "fädigen Fühlern und platten Körpern" drüber gekrabbelt waren - Schadensersatz bekam sie nicht.
Und der Gecko, bei dessen Anblick zwei Hawaii-Reisende mitten in der Nacht panikartig das Hotel verlassen hatten, erschien dem LG Frankfurt als harmlose Schuppenechse. Belehrend zitierten die Richter Brehms Tierleben: "Einen widerwärtigen Eindruck aber rufen die Geckos nur bei dem hervor, welcher sich nicht die Mühe gibt, ihr Treiben zu beachten."
Wolfgang Janisch, dpa
Heute bleibt es trocken, sogar die Sonne soll gelegentlich scheinen. Bei frostigen null Grad ist zum Beispiel gut Gassi gehen. Kampfhunde allerdings sind zumindest bei der SPD-Fraktion nicht so gern gesehen. Der Innenpolitiker Hermann Kleen forderte gestern, dass jeder Kampfhundhalter in Zukunft beim Anmelden des Hundes einen Nachweis über die von ihm erbrachte Hundesteuer zeigen soll. Bislang darf das Stadtamt aus Datenschutz-Gründen nicht beim Finanzamt fragen, ob Hundesteuer bezahlt wird. Wenn die Änderung im Ergebnis dazu führe, dass die Zahl der Kampfhunde in Bremen zurückgeht, so soll es der SPD recht sein: "Wir wollen diese Tiere wirksam aus dem öffentlichen Stadtbild herausdrängen", sagte Kleen.
taz Bremen Nr. 7262 vom 20.1.2004, Seite 21
Alexander Hofmann
Dienstag, 20. Januar 2004
DARWIN, im Januar. Seit über 30 Jahren stehen Krokodile in Australien unter Naturschutz - jetzt aber sollen reiche Großwildjäger aus aller Welt zur Jagd auf die großen Echsen blasen dürfen. Nach einem Plan der Regionalregierung des Northern Territory könnten in Zukunft 25 Krokodile pro Jahr bei Safaris abgeschossen werden. Dafür sollen die Trophäenjäger mindestens 10 000 australische Dollar (6 000 Euro) pro Tier zahlen.
Tierschützer haben bereits Proteste angekündigt. "Es werden reiche Machos aus Spaß Tiere töten", empörte sich Val Plumwood, die nach einem grauenvollen Krokodilangriff, der sie fast das Leben gekostet hatte, zur Verteidigerin der Reptilien geworden ist. Doch die Regierung des Gebiets im Norden Australiens, wo mittlerweile wieder fast 60 000 Krokodile leben, verweist darauf, dass pro Jahr ohnehin 600 wild lebende Tiere legal abgeschossen werden - meist dann, wenn sie eine Gefahr für Menschen darstellen und zum Beispiel im Hafen der Hauptstadt Darwin auftauchen, an deren Stränden auch viele Menschen baden. Außerdem könnten die Aborigine-Gemeinden von den Gebühren profitieren, erklärte ein Regierungsvertreter.
Die Ureinwohner, die im Northern Territory über ausgedehnte Reservate verfügen, dürfen ohnehin zum Eigenverbrauch Krokodile jagen. Die meisten Krokodilprodukte stammen jedoch von speziellen Farmen, und die dort aufgezogenen Tiere enden meist als Handtaschen, Geldbörsen oder Schuhe. In den vergangenen Jahren gibt es auch einen wachsenden Markt für das Fleisch der Reptilien.
Der Safariplan könnte aber am Einspruch der Bundesregierung in Canberra scheitern. Tierschützer haben an die Politiker mit dem Argument apelliert, das "Loslassen schießwütiger Amerikaner oder Europäer" sei nicht mit dem australischen Image vom umweltfreundlichen Land zu vereinbaren. Das Northern Territory und seine Krokodile wurden Ende der 80er-Jahre durch den Erfolgsfilm "Crocodile Dundee" weltberühmt.
Die Dschungel-Show geht in die Zielgeraden, und es kommt mächtig viel Gegenwind auf. Zunächst wurde bekannt, dass die Kabarettistin Lisa Fitz beim Saarländischen Rundfunk nicht länger den "SR-Gesellschaftsabend" moderieren wird. Daneben werden die Tierschützer immer ungemütlicher und drohen Werner Böhm und Daniel Küblböck mit rechtlichen Schritten. Der Hintergrund: Böhm hatte einen Aal gefangen, den Küblböck daraufhin mit einem stumpfen Gegenstand totprügelte. Der Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) prüft nun eine Strafanzeige gegen die beiden Aal-Quäler.
Schlimmer als die unterstellte Tierquälerei war wieder mal das Verhalten von Daniel Küblböck. Nachdem er dem Aal das Leben ausgehaucht hatte, setzte sein moralisches Gewissen mit voller Wucht ein: "War das jetzt Mord?" Allein für diese Frage hat sich der Bayer die Anzeige verdient. Vier Kandidaten sind noch übrig geblieben.
Berggorillas: Population in Zentralafrika deutlich gewachsen
veröffentlicht am veröffentlicht: 20.01.04 -11:33 Uhr Uhr
Paris (rpo). Endlich einmal eine erfreuliche Nachricht von einer vom Aussterben bedrohten Tierart: Die Population der Berggorillas in den zentralafrikanischen Virunga-Bergen hat sich in den vergangenen 15 Jahren deutlich erhöht. Nach einer aktuellen Zählung leben dort heute 380 Gorillas und damit 17 Prozent mehr als bei der letzte Zahlung im Jahr 1989, wie Tierschützer aus Ruanda, Udanga und der heutigen Demokratischen Republik Kongo am Montag in Paris bekannt gaben.
"Der Berggorilla gehört zu den bedrohten Arten, und der Anstieg seines Bestandes ist eine großartige Neuigkeit für uns und für den Rest der Welt", sagte Fidel Ruzigandekwe, ein Vertreter der ruandischen Behörde für Tourismus und Nationalparks (ORTPN).
An der Zählung war unter anderem der Dian Fossey Gorilla Fund beteiligt. Es war die erste systematischen Erhebung der Menschenaffen nach dem Ende des blutigen Bürgerkrieges zwischen Hutus und Tutsi in Ruanda, Uganda und dem früheren Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo.
Viele der verschwunden geglaubten Tiere hätten dank genetischer Bestimmung in anderen Kolonien wieder aufgespürt werden können, wo sie eine neue Untergruppe gebildet hätten.
Quelle: http://www.rp-online.de
Grimmen Man soll es nicht für möglich halten: Ein Fuchs kommt gegen Abend auf einen Hof in Grimmen-Stoltenhagen, frisst sich am Hundenapf des Jagdteckels satt, wird verjagt und schleppt in der Nacht (aus Rache oder Ärger?) den einen vor der Haustür abgestellten Pantoffel weg. lst das nur eine Ausnahme?
Seit 1990 etwa erobern auch bei uns die Füchse immer mehr Dorf und Stadt. In diesen Tagen, also in der Ranzzeit, hört man Füchse mitten in Barth, Bad Sülze oder Greifswald bellen. Die Stadtfüchse sind da und wollen sich paaren. Heute ist das Nahrungsangebot in bewohnten Gegenden besser als in Wald und Feld, zumal Reineke durchaus zu den Allesfressern zu rechnen ist. Er liebt Beeren, Fallobst, Insekten und Regenwürmer in Park und Garten, holt sich das für Katze, Hund oder Igel bereit gestellte Futter, inspiziert den Komposthaufen und die umgefallene Mülltonne und findet auf dem Schulhof jede Leberwurstsemmel. Außerdem richtet er sich in jeder Gartenanlage, unter der alten Laube, in Schuppen, Fertiggaragen oder in einer Hausruine häuslich ein. Er findet dort "vorgefertigten" Unterschlupf und Versteck.
Im Wald oder auf der Wiese, selbst vor dem Fuchsbau am Grabenrand, wird er mit Schrot oder Kugel beschossen, vom Stöberhund gestört oder gar in eine Falle gelockt. In der Stadt ist sein "Paradies". Keiner darf schießen (Paragraph 20 BJG), keiner will ihn fangen und jedem Hund und jeder Katze geht Reineke aus dem Wege. Und wer sieht die vielen Füchse in Grimmen schon in stockfinsterer Nacht? Reineke ist nämlich nachts unterwegs, am Tage schläft er.
Allein in London wurden 50 000 und in Zürich 5000 Füchse gezählt. Und in Grimmen? Keiner kennt die genaue Zahl.
Reineke zeigt in Dorf oder Stadt so gut wie keine Scheu vor dem Menschen, er wird auch nicht aggressiv. Ja, oft genug wird er recht vertraut, vor allem als Jungfuchs.
"Ach, wie niedlich. Unser Fuchs kommt jeden Abend, er wird ein wenig gefüttert!" Wer weiß, ob viele der mit dem Fuchsbandwurm verseuchten Tiere nicht nachts den Sandkasten beim Nachbarn als besonders geeignetes "Superstadtklo" benutzen und am Tage spielen die Kinder "Kuchenbacken". Wir können nur eines machen, den günstigen Lebensbedingungen für "Herrn Stadtfuchs" in bewohnten Gebieten beseitigen, in dem wir Fastfoodreste, Abfälle, Butterbrote und anderes nicht achtlos wegwerfen, sondern stets in die Mülltonne tun, auch sollten Miezes und Waldis Napf bei Dämmerungseinbruch stets leer sein. Baue oder Verstecke unter Gartenlauben sollte man "verbarrikadieren".
Mehr können wir in diesen Tagen nicht tun, nur wundern, wie dreistklug und ohne Scheu Meister Reineke unsere Stadt oder unser Dorf erobert (hat). Eine Frage sei erlaubt. Würden die etwa 900 Weidmänner im Landkreis NVP den Fuchs und seinen Konkurrenten, den Marderhund, nicht intensiv bejagen, was wäre dann?
WALTER FRIEDE
Dann hätten es die Füchse vielleicht nicht nötig, ihre natürlichen Reviere zu verlassen, Herr Friede!
16. Jan 12:26
Hundekämpfe sind in allen amerikanischen Staaten verboten. Oft wird das Verbot jedoch über das Internet umgangen.
Auf über 100 Websites werden Kampftrainingsprogramme für Pitbulls ebenso wie Dutzende von Hundekampf-Zeitschriften angeboten. Geschätzte 40.000 Menschen in den USA züchten oder besitzen Pittbulls zu Kampfzwecken. Dahinter steckt ein riesiges Geschäft mit Hunden, Wetten, Anabolika und Hundelaufbändern.
"Es ist auf jeden Fall im Aufschwung. Und das Internet macht Hundekämpfe ohne das Risiko, gefasst zu werden, möglich", sagte Mark Mumpf, Ermittler bei der Einheit gegen illegale Tierkämpfe, der Nachrichtenagentur AP.
Raue Sitten
Hundekämpfe finden in amerikanischen Städten meist an Straßenecken statt. Auf dem Land hingegen sind die Kämpfe gut organisiert und unterliegen scharfen Regeln. DiePreisgelder liegen zwischen 100 und 50.000 US Dollar. Der Besitzer des Siegerhundes bekommt alles. Der verlierende Hund wird erschossen, verjagt oder wieder gesund gepflegt, wenn es sich lohnt.
Ausgebildete Kampfelite Ermittler berichten von mindestens 50 amerikanischen Züchtern, die hunderte von Hunden besitzen. Ein 36 jähriger Pittbull Züchter, der die Hunde für Kämpfe trainiert, sagte gegenüber AP, er sei mit Hundekämpfen aufgewachsen und sehe sie in den letzten zehn Jahren immer häufiger. «Niemand kann es aufhalten», meint er.
Der amerikanische Pittbull Terrier gilt als der gefragteste Kampfhund, der sich trotz Bisswunden, gebrochenen Knochen und Erschöpfung noch kampflustig zeigt. Die Besitzer vergleichen die Hunde mit professionellen Athleten. Auf einer Website berichtet ein Hundebesitzer von dem Kampfsieg seines Hundes als dem erfüllendsten Moment seines Lebens. Der Hund verbringt indes die meiste Zeit seines Lebens an einer Eisenkette und auf dem Laufband. Durch spezielle übungen wird die Biss und Reiß-Technik trainiert. Hundezüchter und Hundekampffreunde haben im Internet sogar Antworten zusammengestellt, die die Argumente der Hundekampf-Gegner entkärften sollen. Da heißt es, die Hunde würden nach den Kämpfen sofort medizinisch versorgt, schließlich könne ein Champion an die 10000 Dollar kosten und es wäre dumm, ihn nicht zu versorgen. Tierschützer kritisieren, den Hunden würden von ihren Besitzern lediglich Drogen verabreicht.
"Die Grausamkeit liegt in den Augen des Betrachters", antwortete jemand auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AP auf einer Hundekampf-Website.
Das Gold liegt im Verteiler
Ein noch nicht verabschiedetes Gesetz soll es strafbar machen, Kampfhunde
über Staatsgrenzen zu transportieren, um so über das Internet organisierte Kämpfe zu verhindern. Im vergangenen April wurde der ehemalige Bodybuilder James Fricchione, 33, wegen Hundekämpfen angezeigt und als Herausgeber der Zeitschrift "Sporting Dog Journal", ein führendes Hundekampf Magazin, überführt. Aufgeführt waren darin hauptsächlich Kampfergebnisse und Züchteradressen.
Bei Fricchione zuhause fand die Polizei 18 vernarbte Pitbulls sowie Anabolika. Fricchione erklärte sich für unschuldig. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Grausamkeit gegenüber Tieren in 33 Fällen an. Wenn er dennoch verurteilt wird, erwartet ihn eine Strafe zwischen Bewährung und zwölf Jahren Haft. Die Liste der Abonnenten des Magazins, immerhin 5000 Namen, ist für die Ermittler wie der Fund einer Goldader. (nz)
Für das Web ediert von Julia Niemann
jW sprach mit Jacques Bourgeois. Der Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes weilt anläßlich der Grünen Woche in Berlin
F: Innerhalb der EU wird seit Jahren erbittert um eine Neugestaltung der Agrarförderung gerungen. Von Kritikern der bisherigen Praxis der Produktsubventionierung wird oft auf das Schweizer Modell verwiesen. Was unterscheidet die Agrarförderung in der Schweiz von der in der EU?
Seit Anfang der 90er Jahre betreiben wir eine Politik der strikten Trennung von Produktpreis und bäuerlichem Einkommen. Die Direktzahlungen an bäuerliche Betriebe sind strikt an die Einhaltung ökologischer Kriterien und die Beachtung des Tierschutzes gekoppelt und nicht wie in der EU an die Menge der produzierten Güter. Das Ergebnis ist, daß sich weit über 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe diesen Kriterien unterwerfen, da sie sonst keinerlei Förderung erhalten. Diese Zahlungen machen immerhin 25 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Ertrages der Schweiz aus.
F: Wie hoch ist denn der Marktanteil ökologisch erzeugter Produkte auf dem Schweizer Markt?
Bei speziell als biologisch zertifizierten Produkten liegt er bei acht Prozent, doch aufgrund der Förderungsrichtlinien entsprechen auch die meisten anderen Produkte hohen ökologischen Standards.
F: In der Schweiz wird permanent über einen möglichen EU- Beitritt des Landes diskutiert. Welche Folgen hätte dieser Schritt für die Landwirtschaft?
Zunächst einmal geht es um bilaterale Vereinbarungen zwischen der EU und der Schweiz, die Fragen des ungehinderten Marktzutritts betreffen. Davon profitieren wir durchaus: Schon jetzt geht die Hälfte unseres Käseexports und somit ein Viertel unserer gesamten Milchproduktion in EU- Staaten. Eine politische Integration der Schweiz würde jedoch mannigfaltige Probleme aufwerfen, da wir unsere Förderungs- und Strukturpolitik dann in vielen Bereichen den EU-Standards anpassen müßten.
F: Also auch an die produktionsorientierte Agrarförderung der EU.
In der EU ist ja gerade der Prozeß der Entkoppelung von Produktion und Fördermitteln angestoßen worden. Gerade Ihre Landwirtschaftsministerin, Frau Renate Künast, fordert ja den Umbau der Förderung von Produkt- auf Flächenprämien, was ja eine Annäherung an unser Modell bedeuten würde. Was dabei letztlich herauskommen wird, können wir natürlich jetzt noch nicht beurteilen. Es geht jedoch noch um etwas anderes, nämlich die gerechte Verteilung innerhalb der Wertschöpfungskette von Agrarprodukten. Die Schere zwischen Erzeuger- und Endverbrauchspreisen öffnet sich immer weiter, da fehlt auch Transparenz über die Margen der Groß- und Zwischenhändler. Man muß aufpassen – und das gilt auch für die Schweiz –, daß es nicht irgendwann soweit kommt, daß in hoch entwickelten Ländern beispielsweise kein Weizen mehr kostendeckend angebaut werden kann.
F: Frau Künast mag ja eine engagierte Verfechterin einer ökologisch orientierten Agrarreform sein, aber der Deutsche Bauernverband und dabei namentlich dessen Chef Gerd Sonnleitner stemmen sich nach wie vor gegen durchgreifende änderungen. Was würden Sie Ihren deutschen Berufskollegen denn empfehlen?
Man muß sich ein differenzierteres Bild von der Landwirtschaft machen. Wir nennen das Multifunktionalität. Der Erhalt und die Pflege des ländlichen Raumes ist eine gemeinwirtschaftliche Aufgabe, die weit über die eigentliche Produktion von Lebensmitteln hinausgeht. Dabei geht es auch um die Erschließung neuer Bereiche, z. B. den Tourismus. Da nur die Landwirte selbst diese Aufgabe wahrnehmen können, müssen sie dafür auch direkt gefördert werden. Das macht bei uns etwa ein Viertel der Einkünfte der Bauern aus. Auf der anderen Seite steht der Markt für landwirtschaftliche Produkte. Dort muß sich dann anhand von Qualität und Preis entscheiden, welche Produkte zu vertretbaren ökonomischen Bedingungen bestehen können. Natürlich sollen und müssen die Erlöse aus der landwirtschaftlichen Produktion die Haupteinnahmequelle der Betriebe bleiben. Schließlich wollen wir aus den Bauern keine Landschaftsgärtner machen, die am Tropf des Bundes hängen.
Von Daniela Tominski
Behutsam nimmt der Zwei-Meter-Mann mit den riesigen Händen einen abgemagerten Papagei aus dem Käfig und legt ihn vorsichtig auf den Untersuchungstisch. Der sanfte Riese ist Dr. Mathias Reese, Hamburgs Spezialist für die zarten Ziervögel. Aus ganz Hamburg und Umgebung kommen Vogelbesitzer mit ihren kranken Lieblingen in die Praxis des 41-Jährigen. Wellensittiche, Amazonen und Graupapageien gehören zu seinen häufigsten gefiederten Patienten. Aber auch Tauben, Hühner, Gänse und verletzte Wildvögel, wie Mäusebussarde werden in seine Praxis gebracht.
"Vögel sind hochintelligente Tiere", schwärmt Dr. Reese, "sie entwickeln Vertrauen zum Menschen, sind sehr zahm, manche können sogar sprechen." Seine Liebe zu den gefiederten Tieren entdeckte der Hamburger während seiner Studienzeit in München im Geflügelinstitut. Wo er anschließend auch promovierte. Nach seinem Studienabschluss in Süddeutschland war der norddeutsche Hüne froh, für die nun folgende Assistenzzeit wieder nach Hamburg zurückkehren zu können.
Seit drei Jahren hat er jetzt mit einem Kollegen eine Praxis, in der ihm seine Erfahrung zu gute kommt: "Bei Vögeln muss man schnell handeln. Die Tiere haben einen sehr raschen Stoffwechsel. Deshalb können selbst banale Infekte binnen weniger Tage zum Tod führen. Oftmals unterschätzen die Vogelbesitzer die Erkrankung oder bemerken sie zu spät. Als Schwarmtiere zeigen Vögel erst dann Krankheitsanzeichen, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist. Das Gefieder verdeckt oftmals eine Abmagerung. Deshalb sollte man seinem Vogel regelmäßig die Brustmuskulatur abtasten." Mit Hilfe eines Röntgenbildes, Ultraschall- oder Blutuntersuchung kann der Tierarzt meist schnell die Erkrankung erkennen.
"Jede Vogelart hat typische Erkrankungen", so Dr. Reese. "Wenn Wellensittiche angestrengt atmen, ist häufig ein Tumor im Bauchraum dafür verantwortlich, während Luftnot bei Graupapageien und Amazonen oft eine Schimmelpilzerkrankung als Ursache hat."
Als absoluten Notfall bezeichnet der Vogelspezialist Katzenbisse oder -kratzer: "Sofort sollte der Besitzer mit dem Vogel einen Tierarzt aufsuchen. Denn selbst kaum sichtbare Verletzungen können innerhalb von 48 Stunden zu einer Blutvergiftung führen."
Eine Wohltat für die meisten Vögel ist eine tägliche Dusche mit frischem Wasser aus einem Blumensprüher. Abgestandenes Wasser dagegen kann ihnen gefährlich werden, denn es verkeimt. Daraus können eine schwere Lungenentzündung oder Juckreiz auf der Haut resultieren.
Vorsicht bei bleihaltigen Gegenständen in der Wohnung, wie Gardinenbeschwerungen oder bleiverglasten Spiegeln. Die Vögel nagen daran, und dadurch gelangen Bleipartikel in den Magen-Darm-Trakt. Wird die Bleibelastung nicht gestoppt, treten Störungen im zentralen Nervensystem auf. "Durchfall und Abgeschlagenheit sind häufig Anzeichen einer solchen Bleivergiftung", so Dr. Reese.
Auch die seelische Gesundheit ihres Tieres sollten Vogelfreunde im Auge behalten. "Man sollte sich mindestens zwei Vögel halten, um die Entwicklung eines artgerechten Verhaltens zu ermöglichen", so der Vogelspezialist, der auch nicht allein unter Vögeln leben wollte, "ein Mensch kann einen Artgenossen nicht ersetzen." Damit der Vogel nicht zum Ausstellungsstück degeneriert, sollte er mindestens eine Stunde täglich frei fliegen und "ungefiltertes Sonnenlicht genießen dürfen", rät Reese.
Vögel brauchen tagsüber Beschäftigung - mit wechselndem Käfiginventar wie Zweigen, Spielgeräten und Spiegeln. Aus Langeweile können sie sonst Verhaltensstörungen wie Federrupfen entwickeln. Wer einen Vogel kauft, sollte ihn vom Tierarzt untersuchen lassen, empfiehlt Dr. Reese. "Bei Wellensittichen zum Beispiel werden Kot und eine Kropfspülprobe untersucht. Einige Vögel beherbergen Erreger, die zu Magengeschwüren bzw. Kropfentzündungen mit Abmagerung und Tod führen. Zudem könnten sie den häuslichen Vogelbestand anstecken. Rechtzeitig erkannt, können sie geheilt werden." Um das Alter des Vögels beim Kauf abschätzen zu können, sollte man sich über die Vogelart erkundigt haben. Junge Wellensittiche haben eine violette Wachshaut. Erwachsene Tiere bekommen eine bräunlich oder blaue Wachshaut. Junge Graupageien zeigen eine graue Iris, ältere Tiere dagegen eine gelbliche.
In den nächsten Wochen wird der Vogeldoktor kaum Zeit für seine Freizeitaktivität Feldhockey haben, denn im Frühsommer werden für ihn und seine Freundin die Hochzeitsglocken läuten. Trotzdem bleibt die Arbeit das A und O. Dr. Reese hat zwar schon eine lange Ausbildung hinter sich, aber für sein Empfinden lange noch nicht ausgelernt: Zurzeit nimmt er an Fortbildungskursen teil, um Hautarzt für Kleintiere zu werden. Er ist zwar Spezialist für Vögel, aber die meisten Patienten in der Praxis sind Hunde, Katzen und andere Kleintiere. "Wir brauchen gutes Wissen in vielen Fachgebieten, denn wir sind Chirurgen, Internisten, Hautärzte, Herzspezialisten und Gynäkologen."
erschienen am 16. Jan 2004 in Hamburg
Staatsanwaltschaft wirft Reinhold Feuerstein Betrug vor
Der engagierte Rostocker Tierschützer Reinhold Feuerstein soll Spendengelder veruntreut haben. Das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, die gegen ihn ermittelt.
Stadtmitte Reinhold Feuerstein, Vorsitzender des Vereins Tierforum Mecklenburg-Vorpommern, versteht die Welt nicht mehr. „Gestern 6.30 Uhr kamen fünf Kriminalisten zur Hausdurchsuchung“, schildert Feuerstein und ist sichtlich aufgeregt. Das, was ihm vorgeworfen wird, könne er nicht begreifen. „Ich soll Spendengelder veruntreut haben. Seit sieben Jahren opfere mich für Tiere auf, oft unter Einsatz meines Lebens“, sagt der 41-Jährige.
„Wir ermitteln wegen Betrug“, sagt Staatsanwältin Kerstin Grimm auf Anfrage. Feuerstein soll Gelder, die für das Spendenkonto eines jungen Mädchens, das im Wachkoma liegt, auf das Konto des Tierforums umgeleitet und sich davon bedient haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigt diesen Vorwurf.
„Ich habe für das Mädchen vor einem Jahr 400 Euro Spendengelder gesammelt“, so Feuerstein dazu. Das Geld sei nicht abgerufen worden und liege auf einem Sonderkonto auf Eis.
Tag und Nacht ist Feuerstein für Vierbeiner unterwegs. Mühevoll hat er sich alte Autos besorgt, um mobil zu sein. Er befreite unter Einsatz seines eigenen Lebens mit Hammer und Meißel Schwäne, die im Eis eingefroren waren. Im Sommer barg er ein Wespennetz mit einem Durchmesser von 1,90 Metern. Wiederholt rettete er Hunden das Leben, die in Gullys gelandet waren oder beim Verkehrsunfall schwere Verletzungen erlitten.
„Ich bin ein harter Kerl, aber was jetzt passiert ist, kann ich nicht verarbeiten“, sagt Feuerstein. Ein kleines Familienerbe habe er für den Verein eingesetzt. Dass sein Engagement mit einer so rigiden Hausdurchsuchung bestraft werde, verstehe er nicht. Keller, Scheune, Matratzen, alles sei durchwühlt worden. „Den Computer haben die Kriminalisten mitgenommen“.
Das Amt Warnow West ist Mitglied im Tierforum. „Herr Feuerstein hat die erforderlichen Zertifikate, um in prekären Situationen oder nach Unfällen, an denen Hunde beteiligt sind, das Richtige zu tun“, sagt Jörg Blotenberg, Fachbereichsleiter Bürgerdienste im Amt Warnow West. Die Rettungsleitstelle Bad Doberan sei darüber informiert. Feuerstein betreut auch eine Zwingeranlage in Kritzmow. „Erst kommen die Tiere, dann kommt er“, beschreibt Blotenberg das Engagement.
Auch Steffen Fechner, Leiter der Kleintierabteilung der Tierklinik Rostock, weiß nur Gutes zu berichten. „Herr Feuerstein würde wohl sein Letztes für die Tiere geben. Er engagiert sich sehr“. Das bewertet auch Cordula Brüsch, amtierende Chefin des Tierheimes, so.
WOLFGANG THIEL
&uot;Das QS-Gütesiegel ist eine Verbrauchertäuschung"
Von Ulrike Putz
Mit dem Prüfsiegel "QS - Qualität und Sicherheit" wollte die Nahrungsindustrie nach der BSE-Krise das Vertrauen der Verbraucher wieder gewinnen. Doch das Siegel ist eine Mogelpackung, wie die Verbraucherschutzorganisation "Foodwatch" herausgefunden hat: Mindestens neun QS-Betriebe haben Rinder ohne BSE-Tests geschlachtet.
Berlin - Es prangt auf Gefrierhähnchen und Schweineschnitzeln, bald auch auf äpfeln und Tomaten: "QS - Qualität und Sicherheit" verspricht das Gütesiegel der deutschen Lebensmittelindustrie. Eingeführt wurde es im September 2002, als Deutschlands Konsumenten nach den Skandalen um BSE, Nitrofen und Acrylamid verunsichert vor den Regalen standen und sich fragten, was sie noch essen dürfen. Zwei Siegel sollten damals das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen: Eine staatliche Wabe für Bio-Produkte - und das von der Nahrungsmittelbranche kreierte QS-Siegel für konventionelle Lebensmittel. Gut ein Jahr nach der Einführung des QS-Zeichens hat die Verbraucherschutzorganisation "Foodwatch" das Gütesiegel nun untersucht - und die Vergabepraxis scharf kritisiert.
"Das QS-Siegel hat weder die Qualitäts- noch die Sicherheitsversprechungen einlösen könne", sagt Matthias Wolfschmidt von "Foodwatch". "Foodwatch"-Chef Thilo Bode forderte von der Bundesregierung die Schaffung eines staatlich garantierten und überwachten Gütesiegels für Produkte der konventionellen Landwirtschaft. Dabei könnte das Bio-Siegel für Produkte aus kontrolliertem ökologischen Anbau als Vorbild dienen, sagte Bode.
Ein Report, den "Foodwatch" zum Auftakt der Agrarmesse "Internationale Grüne Woche" am Mittwoch in Berlin vorgelegt hat, zeigt, dass das QS-Siegel vor eklatante Schwächen hat und damit eine "Verbrauchertäuschung" sei.
Denn ein Schweinschnitzel darf mit dem QS-Siegel ausgezeichnet werden, auch wenn das Produkt von Schweinen aus der Intensivhaltung auf Betonspaltenböden ohne Auslauf stammt und das Tier mit Gentech-Soja gefüttert worden ist. Das untergrabe die von der Bundesregierung geforderte Agrarwende und adele herkömmliche Massenware, moniert Foodwatch.
Qualitätszeichen QS: Freiwillige Selbstkontrolle als Mogelpackung
Ein Ergebnis des 40-seitigen Reports könnte die zuständige QS-GmbH tatsächlich in Bredouille bringen: Wenige Tage, nachdem bekannt wurde, dass im vergangenen Jahr rund 900 in Deutschland geschlachtete Rinder nicht auf BSE getestet wurden, ergaben "Foodwatch"-Recherchen, dass auch mindestens neun QS-zertifizierte Betrieb unter den Schlachthöfen waren, die geschlachteten Tiere nicht auf Rinderwahnsinn untersuchten. Und das, obwohl "ein Kriterium bei der Produktion nach QS der obligatorische BSE-Test für Tiere älter als 24 Monate" ist, wie es in der Satzung der GmbH heißt.
Besonders lax wurden die QS-Vorschriften nach "Foodwatch"-Informationen in Hamburg gehandhabt. Von 187 Rindern über 24 Monate, bei denen keine BSE-Tests durchgeführt wurden, stammen 172, also 92 Prozent, von einem QS-Schlachthof. In Baden-Württemberg haben sich sechs von zwölf QS-zertifizierten Schlacht- und Zerlegebetreiben die Test gespart. In Bremen gab es bei zwei QS-Betrieben Unregelmäßigkeiten. Ungeklärt ist bislang, ob die Verstöße vor der Auszeichnung geschahen und die Betriebe trotzdem das QS-Zertifikat erhielten, oder ob die Tests erst nach Erlangung der Auszeichnung ausgesetzt wurden.
Die Versäumnisse bei den BSE-Tests bestätigen Befürchtungen von Verbraucherschützern und öko-Landwirten, bei dem QS-Siegel handele es sich um Makulatur. Das Misstrauen gegen die freiwillige Selbstkontrolle war von Anfang an hoch. Zu niedrige seien die Kriterien, durch die Betriebe die Auszeichnung erhalten könnten, sie reichten kaum über die ohnehin vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen hinaus, monierten Verbraucherschützer schon vor der Einführung. Das Siegel prüfe lediglich betriebliche Abläufe, lasse den Tierschutz außen vor und sei ein reiner Werbegag, so die Kritiker.
Die SPD hat unterdessen angesichts der Pannen bei baden- württembergischen BSE-Tests die Entlassung von Staatsrat Konrad Beyreuther gefordert. Der Heidelberger Professor sei "als Aufklärer offensichtlich überfordert, als Beschwichtiger aber zu teuer", kritisierte der agrarpolitische Sprecher der SPD, Gerd Teßmer, am Mittwoch in Stuttgart. Zudem sei es falsch, den wichtigen Wirtschaftskontrolldienst als polizeiliche Behörde durch die Verwaltungsreform zu zerschlagen. Ein Sprecher der Landesregierung wies die Forderung nach einer Entlassung Beyreuthers als "völlig absurd" zurück. Der Staatsrat sei keineswegs "eine Art Superkontrollinstanz für die Fleischkontrolle", wie die SPD zu behaupten versuche.
Haltung großteils verboten - Bereits Erwerb geschützter Arten strafbar
Graz (APA) - Affen, exotische Vögel, Alligatoren - es gibt kaum Wildtiere, die nicht im Haus gehalten wurden. Dass die Arten unter der meist unsachgemäßen Haltung extrem leiden und meist sogar daran sterben, ist nur ein trauriger Aspekt. Den meisten "Tierfreunden" ist nicht bewusst, dass sie sich mit ihrem Tun sogar strafbar machen. Hat man nicht die strengen Kriterien unterliegenden Bescheinigungen, kann das eine Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren nach sich ziehen.
Ein aktueller Fall in der Steiermark: Einer Grazerin wurden zweier Weißbüschelaffen vom Amtstierarzt abgenommen, weil es den nur 20 Zentimeter großen äffchen sehr schlecht ging. Laut Gesetz ist der Veterinär dazu verpflichtet, dem Besitzer entsprechende Auflagen zur Haltung zu machen. Können diese nicht erfüllt werden, müssen die Tiere beschlagnahmt werden. Doch damit beginnen die eigentlichen Probleme, soll der Arzt doch nun für eine entsprechende Unterbringung sorgen. Gelingt das nicht, bleibt nur noch das Einschläfern.
Die Probleme beginnen schon beim Tierschutz, der Landessache und damit in österreich nicht einheitlich geregelt ist. Die Bestimmungen, welche Lebewesen erlaubt und verboten sind, sind mit vielen Zusätzen und mit zahlreichen Ausnahmen versehen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass nur Haustiere gehalten werden dürfen. Darunter versteht man solche Tiere, die in Freiheit nicht überleben können und Veränderungen in Aussehen und Verhalten gegenüber ihren wild lebenden Artgenossen aufweisen. Unter Wildtieren versteht man jene, die durch natürliche Selektion entstanden sind.
Die juristisch verworrene Situation am Beispiel Steiermark: Die Haltung von Wildtieren ist im Allgemeinen verboten. Ausgenommen sind Tierparks, die eine artgerechte Haltung garantieren können. Einige Ausnahme gibt es aber, darunter die Reptilien, die nur meldepflichtig sind. Also: Schlangen sind in jeder Größe erlaubt, Alligatoren nicht. Ausnahmen gibt es auch bei Vögeln und Fischen. Allerdings können von Seiten der Gemeinde Auflagen zur Haltung und Sicherung erteilt werden.
Der Handel mit Wildtieren ist in erster Linie durch die CITES (Convention in International Trade of Endangered Species of wild fauna and flora), auch bekannt als Washingtoner Artenschutzabkommen, geregelt. Nur Tiere, die eine solche Bescheinigung haben, dürfen gekauft oder verkauft werden. Alles andere ist illegal und kann mit einer Gefängnisstrafe bis zwei Jahren bestraft werden - tatsächlich werden jedoch meist Geldstrafen verhängt, welche die Täter wenig beeindrucken. "Das Grundproblem ist, dass der Tierschutz Landessache ist, der Handel aber nicht", formuliert Andreas Kaufmann, Direktor des Tierparks Herberstein, das Dilemma.
2004-01-15 11:33:40
Bei Landwirten in M-V wächst die Ablehnung gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen. Das wurde gestern in Güstrow deutlich .
Güstrow (OZ) Die Botschaft an die Landwirte war eindeutig: Ob Umweltverbände, Agrarministerium, Bauernverband, Verbraucher- und Tierschützer oder Umweltminister alle warnten gestern in Güstrow auf einer Tagung des Agrarbündnisses Mecklenburg-Vorpommern, genverändertes Saatgut auf den Feldern einzusetzen. Jedenfalls in näherer Zukunft.
"Das angekündigte Gentechnik-Gesetz bietet nicht genug Schutz für die, die eine Landwirtschaft ohne Gentechnik wollen", sagte Corinna Czwielag vom Bund für Umwelt und Naturschutz. So schreibe der Gesetzentwurf "weder Sicherheitsabstände noch Informationspflichten vor".
"Wenn unser Nachbar mit Gentechnik arbeitet und die Bienen tragen das Zeug zu uns rüber, ist unsere Anerkennung als ökobetrieb in Gefahr", sagte Berthold Gimm von der SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden. "Da nützt auch keine Hecke", ergänzte Mitarbeiterin Juliane Fengler, die in dem Demeter-Betrieb für den Gemüseanbau zuständig ist. Möhren, Zwiebeln, Kohl und Kräuter werden für Eigenbedarf und Verkauf angebaut.
Biobauer Gottfried Marth aus Walkendorf bei Teterow befürchtet sogar "das Ende des Ökolandbaus", wenn genveränderte Pflanzen angebaut werden. "Abgrenzung ist doch gar nicht möglich." Durch Pollenflug und Insekten seien Auskreuzungen von Genpflanzen mehr als 20 Kilometer entfernt nachgewiesen worden. Gemeinsam mit 16 Berufskollegen gründete er im November auf 10 300 Hektar in M-V Deutschlands erste gentechnikfreie Zone. Hier sichern sich die Nachbarn gegenseitig zu, auf Gentechnik zu verzichten. Seit einer Woche stehen sie nicht mehr allein da: In der brandenburgischen Schorfheide folgten 30 Bauern mit 12 500 Hektar ihrem Beispiel.
Wer käme für den Schaden auf, wenn ein Landwirt Produkte wegen gentechnischer Verunreinigung nicht los wird? "Die Versicherung nicht", informierte Georg Janßen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Mehrere Versicherer hätten mitgeteilt, "das Risiko sei nicht kalkulierbar und damit nicht versicherbar".
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Wolfgang Methling (PDS) sah bei Raps die Gefahr der Verwilderung genveränderter Pflanzen, da diese in der Natur Kreuzungspartner wie den Acker-Senf finden. Außerdem verwies Methling auf Versuche, in denen bei Mais ein manipuliertes Gen nicht nur Schädlinge abwehrt, sondern auch nützlichen Schmetterlingen schadete.
Einsame Ruferin in der (Gentechnik)-Wüste war lediglich Prof. Inge Broer von der Rostocker Universität, die meinte, die Risiken würden "überbewertet". Sie argumentierte mit den Chancen der neuen Technologien: China setzt bei genveränderter Baumwolle zehn Prozent weniger Pflanzenschutzmittel ein, nachwachsende Rohstoffe erhalten optimalere Stärke und Fettsäuren.
ELKE EHLERS
15.01. 2004
Landeshundegesetz NRW: Keine klaren Vorgaben aus Düsseldorf / In Löhne fallen 964 gemeldete Hunde darunter
Löhne (sf). Nicht nur Fälle von Katzen jagenden Rottweilern bekommt er auf den Tisch: Ordnungsamsleiter Wolfgang Greinke muss auch die Frage beantworten, ob er einem kleinen Yorkshire Terrier einen Maulkorb und Leinenpflicht verpassen sollte. Das ist die merkwürdige Konsequenz aus dem Landeshundegesetz, das seit gut einem Jahr gilt. Doch noch immer fehlen klare Richtlinien aus Düsseldorf, bietet das Gesetz Interpretationsmöglichkeiten, die Amt und Hundehalter eher verunsichern als bestärken. Jetzt arbeitet das Ordnungsamt Löhne an einem Merkblatt, das das Wichtigste daraus verständlich zusammenfassen soll.
"Die Bürger sind sensibilisiert worden " auch durch die Medienbilder, die sich eingeprägt haben." Am Wochenende erst machte eine Beißattacke zweier Rottweiler auf einen Siebenjährigen Schlagzeilen. 2000 war es der tödliche Angriff eines Hundes in Hamburg auf den vierjährigen Volcan, der die Landeshundeverordnung, seit 1. Januar 2003 Gesetz, als Folge hatte.
Für Greinke und Kollegin Claudia Komnick prallen heute noch Welten aufeinander, wenn es um die Umsetzung dieser Maßgaben im Alltag geht. Seither gibt es auch in Löhne fünf- bis sechsmal mehr gemeldete Beißvorfälle (zwischen zehn und 15 im Jahr), schätzt Claudia Komnick, und bis zu 40 Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Hundehalter jährlich. "Das liegt nicht daran, dass mehr Hunde auffällig werden, sondern dass die seit 1994 geltende Gefahrhundeverordnung bis dahin nicht so hoch gehängt wurde. Vieles wurde uns zuvor gar nicht angezeigt. Heute dagegen bekommen wir auch die Waden- und Fersenbeißer gemeldet. Wir gehen jeder Meldung nach, damit wir eine Gefahr ausschließen können."
964 gemeldete Hunde gibt es im Löhner Stadtgebiet, die von der Gesetzesreglung betroffen sind, davon 31, die wegen ihrer Rasse (Pitbull, Staffordshire usw.) als gefährlich eingestuft werden, sowie 28 Tiere der zehn Rassen, für die besondere Haltungsvorschriften gelten, darunter 26 Rottweiler. Gemeldet werden müssen auch große Hunde (über 20 Kilo Gewicht und über 40 Zentimeter Schulterhöhe). Unabhängig davon gelten Hunde als "gefährlich", die aggressionssteigernd gezüchtet oder ausgebildet wurden oder durch ein Fehlverhalten ihre Gefährlichkeit gezeigt haben " eben auch ein beißender Yorkshire Terrier.
Mit den Verordnungen jedoch waren sowohl für Verwaltung wie auch für Hundebesitzer alle Klarheiten beseitigt worden. "Ein Schnellschuss des Landes", da sind sich die Verwaltungsbeamten und Achim Rahe, Hunde-Experte im Löhner "Pfotendorf", einig. "Zu Beginn war es dramatisch, da kam einiges auf Hundehalter zu", erinnert sich Rahe. Ordnungsbehörden seien mit der "Von-heute-auf-morgen"-Gültigkeit überrumpelt gewesen, denn es habe keine Richtlinien, geschweige denn Kriterien für eine Verhaltensprüfung gegeben.
Selbst heute muss beim Ordnungsamt bei einzelnen Fällen mal in Düsseldorf angefragt werden und mit viel Fingerspitzengefühl gehandelt und argumentiert werden. "Es gibt keine einprägsamen Regeln", sagt der Amtsleiter. "Ein stark emotional behaftetes Thema", weiß Komnick. "Doch in den meisten Fällen mögen die Hundehalter ihre auffällig gewordenen Tiere, so dass sie mit ihnen in die von uns angeordnete Hundeschule gehen. Das bedeutet gleichzeitig eine Bewusstseinsänderung beim Menschen." Auch eine verordnete Verhaltensprüfung werde von 99 Prozent der vierbeinigen Kandidaten bestanden.
Große Hunde werden mit "Hundeverstand" angeschafft
Konsequenz der Gesetze ist aber, so Hunde-Experte Rahe, dass vor allem große Hunde viel bewusster und mit mehr "Hundeverstand" angeschafft würden. "Eigentlich", so Rahe nachdrücklich, "sollte jeder Hundebesitzer eine Sachkunde nachweisen müssen, egal ob großer oder kleiner Vierbeiner, denn es ist das andere Ende der Leine, wenn mit dem Tier etwas nicht stimmt."
Jeder Hund brauche eine Aufgabe, sei nicht geschaffen als Dekorationsobjekt oder Kinderersatz. Bereits ab der achten Lebenswoche werden z.B. im "Pfotendorf" oder von Vereinen Welpenspielkurse angeboten, wo Hund und Herrchen das richtige Spielen lernen. Daran schließen sich Kurse für "Rocker" bis "Senioren" an.
Satzung mit Folgen - Heftiger Streit zwischen Tierhalter und Gemeinde
VON Andreas Richter, 14.01.04, 19:45h, aktualisiert 19:48h
Plossig/MZ. Gordon Tietz aus Plossig - einem kleinen Ort im Kreis Wittenberg - wartet auf seinen Hundesteuerbescheid. Einen Bescheid, der voraussichtlich alle Dimensionen sprengen wird. Auf Grund der seit 1. Januar dieses Jahres geltenden Satzung der Gemeinde könnten über 800 000 Euro auf dem Bescheid stehen. Und das für 15 am Dienstag offiziell bei der Gemeinde angemeldete Hunde.
Die Satzung sieht nämlich ab dem vierten Hund eine Verdoppelung des Steuersatzes für jedes weitere Tier vor. Ursprünglich hatte Gordon Tietz "nur" mit einem Steuerbescheid von rund 25 000 Euro gerechnet. "Ich wollte eigentlich nur meine elf Tiere anmelden. Die vier Hunde meiner Eltern muss ich aber, da wir auf einem Grundstück leben, gleich mit übernehmen. So habe ich jetzt sogar 15 steuerpflichtige Hunde."
Der Hobbyzüchter sieht in der Satzung "kommunalen Steuerterror", gegen den er, wenn der Bescheid so vorliegt wie erwartet, klagen wird. Er kritisiert nicht nur ein Ausufern der Steuerbeträge, sondern verweist zudem auf eine fehlende Zwingerklausel, die Züchtern wie ihm Möglichkeiten auf eine Reduzierung der Beiträge einräumt. Zwar ist diese Klausel nicht zwingend vorgeschrieben, wird aber in anderen Orten sehr oft angewandt. So müsste Gordon Tietz nur einige Kilometer weiter, in Jessen, selbst ohne Steuervergünstigung für zehn Tiere lediglich 528 Euro bezahlen. Mit Zwingerklausel wären es sogar nur etwas über 260 Euro. Gordon Tietz fordert eine sofortige änderung der Satzung in Plossig.
Was aber nach dem jetzigen Stand nicht so schnell zu erwarten ist. Denn sowohl Bürgermeister Joachim Hienzsch als auch das zuständige Verwaltungsamt in Prettin sehen keinen änderungsbedarf. "Wir haben die Satzung ordnungsgemäß erstellt, sie ist geprüft und hat Rechtsgültigkeit. Die Verdoppelung der Beträge ab dem vierten Hund hat den Sinn, eine vernünftige Haltung zu regulieren", so Bürgermeister Hienzsch. Außerdem könne Tietz seine Zucht als Gewerbe anmelden, da würden andere Regelungen greifen.
Beide Parteien sind völlig zerstritten, ein gütliche Einigung scheint ausgeschlossen. Hundebesitzer Tietz wartet nun auf den Steuerbescheid - um geht es ab zum Gericht.
GUNZENHAUSEN (man) " "Manege frei" heißt es bald vor dem Weißenburger Amtsgericht, wenn sich dort vier Angehörige des "Zirkus Alberti" wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. Den Artisten wird vorgeworfen, eine " angemeldete und friedliche " Mahnwache von Tierschützern gewaltsam verhindert zu haben. Die Anklageschriften wurden nun von der Ansbacher Staatsanwaltschaft verschickt, ein Termin für den Prozess steht allerdings noch nicht fest.
Ende August gab das Weimarer Familienunternehmen ein Gastspiel in der Altmühlstadt. Auf einer Wiese neben McDonald's hatte Alberti sein Zirkuszelt aufgebaut und warb mit einer Show, bei der rund 60 Tiere verschiedener Arten auftreten sollten. Dies wiederum rief die Tierschutzorganisation "Animal 2000 " Menschen für Tierrechte" auf den Plan. Ein örtlicher Vertreter des Vereins meldete beim Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen eine Mahnwache zum Thema Haltung und Behandlung von Zirkustieren sowie Ausbeutung von Tieren an. Die Protestkundgebung wurde von der Behörde genehmigt.
Am 31. August machte sich eine kleine Gruppe von sieben Tierschützern auf den Weg. Gegen 14.15 Uhr bezogen sie etwa 20 Meter von der Kasse Position und wollten, zitiert Staatsanwältin Dr. Gudrun Lehnberger im Gespräch mit dem Altmühl-Boten aus den Akten, ein Transparent mit der Aufschrift "Kein Applaus für Tierquälerei" entrollen. Doch soweit kam es gar nicht, denn sofort erschien der Direktor des Zirkus und forderte sie auf, das von ihm gepachtete Gelände zu verlassen. Die Tierschützer informierten den Direktor darüber, dass ihre Aktion genehmigt worden war.
Daraufhin, ergaben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft weiter, stürzten sich mehrere Zirkusleute, unter ihnen ein Messerwerfer und ein Akrobat, auf die Tierschützer und griffen sie an. Von den Tierschützern ging, so Lehnberger, keine Aggression aus, die Zirkusleute aber vermöbelten die Aktivisten so stark, dass sich einer von ihnen sogar zur Behandlung ins Krankenhaus begeben musste.
Die Ansbacher Staatsanwaltschaft musste sich im Anschluss mit verschiedenen Versionen sowie Anklagen und Gegenanklagen außereinandersetzen. Insgesamt wurden sechs Zirkusleute und 5 Tierschützer beschuldigt. Gegen letztere hatte der Zirkusdirektor Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet. Diese Verfahren wurden nun eingestellt, da es sich laut Lehnberger nicht um ein "befriedetes Besitztum" gehandelt habe, sondern eine frei zugängliche, lediglich für die Dauer der Aufführungen gepachtete Wiese.
In Notwehr gehandelt
Weiter hatte der Zirkusdirektor einen 31-Jährigen wegen Körperverletzung beschuldigt. Der Tierschützer habe ihm mit Tränengas in ein Auge gesprüht. Auch dieses Verfahren wurde nun eingestellt, da der 31-Jährige wohl in Notwehr gehandelt hat. Denn der Zirkusdirektor, das bestätigte auch ein unabhängiger Zeuge, der das Geschehen von McDonald's aus verfolgte, hatte ihn im Schwitzkasten und zwei weitere Zirkusangehörige schlugen auf den Tierschützer ein. Gegen eine geringe Geldauflage will die Staatsanwaltschaft nach den Worten von Lehnberger zudem das Verfahren wegen Verstoss gegen das Versammlungsgesetz einstellen. Mit dem Reizgasspray hat der 31-Jährige nämlich eine Waffe bei sich gehabt und das ist bei öffentlichen Versammlungen nicht erlaubt.
Ganz anders sieht die Sache allerdings für den Zirkusdirektor und drei weitere Angehörige von Alberti aus. Sie müssen sich demnächst wegen gefährlicher, weil gemeinschaftlich begangener, Körperverletzung vor dem Weißenburger Amtsgericht verantworten. Zudem haben sie nach Ansicht der Staatsanwaltschaft durch die gewaltsame Störung einer genehmigten Mahnwache gegen das Versammlungsgesetz verstoßen.
Im Einzelnen sollen, während der Direktor den 31-Jährigen im Schwitzkasten hielt, zwei weitere Zirkusangehörige mit Fäusten vier- bis fünfmal auf dessen Rücken und Genick eingeschlagen haben. Als ihm ein 27-jähriger Tierschützer zu Hilfe eilen wollte, sollen sich die zwei auf ihn gestürzt haben. Während der eine mit der Faust auf die rechte Schläfe zielte, ging ein Faustschlag des anderen mitten ins Gesicht, so die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft. Der 27-Jährige verrenkte sich dabei beide Kiefergelenke und zog sich Schürfwunden am Kinn zu. Der 31-Jährige wurde wegen einer Toraxprellung im Gunzenhäuser Kreiskrankenhaus behandelt.
Schließlich soll eine Angehörige des Zirkus' zusammen mit einer weiteren Frau eine Tierschützerin an den Haaren zu Boden und dort hin und her gezogen haben, und zwar so stark, dass sie ein Büschel Haare ausriss. Dieses Büschel hat das Ofper den Ermittlungsbehörden übergeben, es gehört nun zum Beweismaterial der Staatsanwaltschaft. Die Tierschützerin erlitt nach Angaben von Lehnberger eine Verstauchung und Zerrung der Halswirbelsäule und musste eine Halskrause tragen.
Zahn abgebrochen
Zudem beklagt ein 70-Jähriger den Verlust eines Zahnes. Dieser brach infolge eines Faustschlags ins Gesicht ab, allerdings konnte der Täter hier nicht ermittelt werden.
Gegen zwei weitere Mitglieder von Alberti wurden die Verfahren eingestellt, da weder die Anklage der falschen Beschuldigungen noch die der Beteiligung an der Körperverletzung nachgewiesen werden konnte.
Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage auch und vor allem auf die Aussage des unabhängigen Zeugen. Dieser hat laut Lehnberger beispielsweise den Würgegriff, einige Faustschläge und das Gezerre an den Haaren mit eigenen Augen verfolgt.
Wann das Verfahren vor dem Weißenburger Amtsgericht eröffnet werden kann, hängt nicht allein vom Terminkalender des zuständigen Richters ab. Laut Lehnberger ist nämlich noch gar nicht sicher, ob man tatsächlich alle Angeklagten gleichzeitig "nach Weißenburg bekommt".
14.1.2004 15:53 MEZ
Tierschutz: Hansjürgen Neitzel ist Veterinär im Tierheim Süderstraße. Er kümmert sich um jene, die verlassen wurden.
Mittwoch, 14. Januar 2004, Hamburg
Von Karsten Broockmann
"Ungeheuer schätze ich es, wenn jemand auf dem Flohmarkt zu mir sagt: ,Sie sind doch der Tierarzt aus dem Tierheim'", sagt Hansjürgen Neitzel (60) mit unverhohlenem Sarkasmus. "Ich sage dann immer, das ist mein Bruder." Der Veterinär des Tierheims Süderstraße mag keine öffentlichen Auftritte. Alles, was ihn aus der Arbeit reißt - und sei es eine Aussage als Gutachter vor Gericht - ist dem Hünen mit dem Rauschebart ein Gräuel.
"Ich bin praktischer Tierarzt mit Leib und Seele. Ansonsten stehe ich gern in der dritten oder vierten Reihe." Doch das gelingt nicht immer, denn das Tierheim des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 (HTV) ist auf Spenden in Millionenhöhe angewiesen. Und so hat sich der Geschäftsführer des Vereins, Wolfgang Poggendorf (64), zu einem wahren Meister der öffentlichen Inszenierungen entwickelt, die er auch seinem leitenden Tierarzt nicht erspart.
Der kann sich im Gegenzug jedoch darauf verlassen, dass ihm niemand in die Arbeit hineinredet. Das ist ihm wichtig, zumal es beim HTV nicht immer so war. "Es gab Phasen nach Vorstandswechseln, wo das Arbeiten weniger angenehm war. Es gibt tierliebe Menschen, die meinen, alles besser zu wissen", sagt Neitzel vorsichtig. In solchen Zeiten musste er sogar um Einschläferungen kämpfen, obwohl den Tieren nicht mehr zu helfen war.
Dabei ist das Töten für ihn immer der letzte Schritt. "Ich wehre mich gegen die oft geäußerte Vorstellung, bei uns würden die unvermittelten Tiere nach einer bestimmten Zeit eingeschläfert. Das ist Unsinn. Wirtschaftliche Aspekte sind untergeordnet", so der Arzt. Wenn es sich schließlich gar nicht mehr vermeiden lasse, bemühe er sich, die Tiere "nebenbei" einzuschläfern. Die Beiläufigkeit sei kein Desinteresse am Tier, sondern der Versuch, ihm Aufregung zu ersparen. "Es hilft, wenn das Tier nicht weiß, dass das seine letzte Injektion ist."
Hansjürgen Neitzel kam im Mai 1976 nach Hamburg, um "vorübergehend beim HTV" zu arbeiten. "Ich hatte in Berlin studiert und anschließend eine befristete Assistenz an der Klinik für kleine Haustiere der Freien Universität. Aber es gab keine Perspektive. Berlin war voll mit Tierärzten. Und jedes Semester spuckte die Universität mehr aus.":
Dennoch dauerte es lange, bis Neitzel sich eingestand, dass aus dem Hamburg-Intermezzo längst ein Dauerjob geworden war. "Wir haben die ersten acht Jahre im Tierheim gewohnt. Erst als das zweite Kind kam, einigten meine Frau und ich uns, an den Stadtrand zu ziehen", sagt der Witwer, dessen Arbeitstag morgens um acht Uhr mit einem Gang durch die Auffanghalle beginnt. Dabei prüft Neitzel, ob sich unter den abgegebenen und eingesammelten Tieren der vergangenen Nacht Notfälle befinden. Wenn nicht, geht es für eine Stunde an den Schreibtisch: Medikamente müssen bestellt, Briefe geschrieben und Telefonate geführt werden. Dann werden die Tiere aus der Auffanghalle genauer untersucht. Katzen, Hunde und Kaninchen werden sofort geimpft, Wildtiere wie Igel nur angesehen. Montags, mittwochs und freitags folgt von 14 bis 15 Uhr eine Sprechstunde für Menschen, deren Tiere aus dem Tierheim stammen. Dienstags und donnerstags wird operiert. Dafür stehen dem dreiköpfigen ärzteteam modernste Räume und Geräte zur Verfügung, die in enger Abstimmung mit den Veterinären eingerichtet beziehungsweise angeschafft wurden.
Aber Neitzels ganzer Stolz ist das einst zwei Millionen Mark teure Katzenhaus, das 1991 eröffnet wurde. "Wir haben damals ein Konzept entwickelt und es zur Prüfung an mehrere deutsche Hochschulen geschickt. An der Verantwortung habe ich schwer getragen", sagt er. Die wesentliche Neuerung: Bevor die Katzen in den so genannten Vermittlungsraum kommen, bleiben sie sieben Tage lang in einem Raum mit den Fundkatzen desselben Tages. Eine ansteckende Krankheit kann sich so nur begrenzt verbreiten. "Die Entwicklung hat uns Recht gegeben. Wir kennen heute drei Infektionen, die eine Katze töten können, ohne dass an dem Tier vorher eine Krankheit zu erkennen war", sagt Neitzel, der trotz solcher Sicherheitsstandards vor zu großen Erwartungen warnt. "Wenn Leute den Anspruch haben, dass hier gefälligst nur gesunde Tiere rausgehen, ist das illusorisch. Das kann kein Tierarzt garantieren."
Ärgerlich machen den 60-Jährigen vor allem die Vorwände, unter denen Menschen ihre eigenen Tiere in Europas größtem Tierheim abgeben. "Es ist unwahrscheinlich, dass so viele Tiere einfach gefunden werden", sagt er.
Trotzdem: "Ich bin in der glücklichen Lage, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Und vielleicht hat man ja ein bisschen was bewegen können . . ."
Berlin - Die Bundesbürger lassen sich ihre Tierliebe etwas kosten. Nach Angaben des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe gaben sie im Jahr 2002 rund 2,9 Milliarden Euro aus. Davon entfielen 2,1 Milliarden Euro auf den Futtermittelbereich und 761 Millionen Euro auf Zubehör.
Bei den Futtermitteln waren die Ausgaben nur in Großbritannien (2,8 Milliarden Euro) und Frankreich (2,2 Milliarden) höher. Am beliebtesten ist mit 7,2 Millionen die Katze, gefolgt von Kleinsäugern wie Kaninchen (5,8 Millionen). Der Hund rangiert mit fünf Millionen auf Platz drei. ap
erschienen am 14. Jan 2004 in Aus aller Welt
Betreiber von Tierpensionen haben auch im Winter alle Hände voll zu tun
Von Grit Jonczyk
Der Jahreswechsel bescherte Tierpensionen und -heimen neue Bewohner. Nicht alle werden wieder abgeholt. Bei Schnee und Eis brauchen diese Vierbeiner nicht nur Balsam für die wunden Pfoten, sondern auch Zuwendung. Der Frost sorgt zudem für zusätzlich Arbeit in den Pensionen.
Die derzeit 14 Katzen und Hunde in der Tierpension von Karlheinz Heyne in Niederau fühlen sich auch den Winter über "pudelwohl". über den Jahreswechsel sind bei ihm einige Mitbewohner dazugekommen. Neun der über Weihnachten und Neujahr eingetroffenen Tieren wurden inzwischen von ihren Besitzern wieder abgeholt. "Ich stelle auch immer Fotos aller Findlinge ins Internet, um die Suche zu erleichtern, da viele Besitzer ihr Tier nur unzureichend beschreiben können", sagt Heyne.
Probleme gibt es im Winter besonders in den Hundezwingern. Bei frostigen Temperaturen frieren Wassernäpfe ein, der Boden trocknet nach dem Wischen nur langsam und auch das Schneeschippen bedeutet einen extra Arbeitsaufwand. Auf dem einen Hektar großen Grundstück haben die Tiere freien und ungefährlichen Auslauf.
Einen Wunsch für das neue Jahr hat Karlheinz Heyne auch: "Es wäre für uns und das Tier sehr nützlich, wenn die Leute beim Abgeben eigener Tiere die ganze Wahrheit über den Schützling erzählen würden. Leider werden Macken oftmals unter den Tisch gekehrt und die Mitarbeiter werden dann vom Verhalten des Tieres überrascht." Auch Zahlungen, die erst versprochen werden, dann aber nicht eintreffen, geben dem Tierheimleiter zu denken.
Arbeit mit ausgesetzten Weihnachtsgeschenke Mario Aßmann in Meißen hat in seiner Obhut momentan über 52 Hunde und 45 Katzen. Der Arbeitsablauf im Winter unterscheide sich kaum von dem im Sommer, sagt Aßmann, größere Probleme entstünden deswegen nicht. "Allerdings können Kinder jetzt nicht so viel mit den Hunden spazieren gehen, wie das im Sommer möglich ist. Es ist zu gefährlich", so Aßmann, "wie schnell rennt oder rutscht ein Kind mit einem Hund an der Leine auf die Straße". An Futter mangele es Aßmann auch im Winter nicht, da er vom Deutschen Tierhilfswerk Unterstützung erhält.
Mario Aßmann würde sich wünschen, dass Tierbesitzer verantwortungsvoller handelten und liebevoller mit ihren Tieren umgingen. "Das würde nicht zuletzt auch die Arbeit der Tierheimmitarbeiter wesentlich erleichtern." Die Monate August und September nennt Aßmann als Hochzeit für die Abgabe von Tieren. "Da steht oftmals der Urlaub an, der Stress mit dem Tier häuft sich und damit haben die ehemaligen Weihnachtsgeschenke ausgedient." Ausgesetzt werden meist Kleintiere wie Hasen, Hamster, Hunde und Ratten. Glücklicherweise klappt das Vermitteln ausgesetzter Tiere ganz gut. Im letzten Jahr hat Aßmann 250 Hunde und 130 Katzen an den Mann bringen können.
Jana Waldek, Leiterin der Tierpension in Tauscha, hat zu Neujahrsbeginn ein ruhiges Leben. Sie pflegt gerade sieben Hunde. Die Tiere können von ihren Besitzern von einem Tag bis 6 Wochen abgegeben werden. In der Bezahlung sind Spaziergänge inbegriffen, was laut Waldek nicht überall selbstverständlich sei. Das sieben Hektar große Grundstück bietet den Schützlingen viel Auslauf. Um wunde Pfötchen durch Streugut, braucht sich Waldek also keine Gedanken zu machen. Und sollte es doch mal dazu kommen, macht sie nur noch kurze Spaziergänge und cremt vorbeugend die Pfoten ihrer Vierbeiner mit Vaseline ein.
Mehrarbeit gibt es derzeit bei den Arbeiten draußen in den Zwingern. Oftmals sind, wie auch in Weinböhla, die Wassernäpfe eingefroren und müssen vom Eis befreit werden. Auch die Türen der Zwinger frieren fest. Aus diesem Grund freut sich Jana Waldek dieses Jahr auf hoffentlich schönes Wetter und viele zufriedene Kunden.
Die Tierpension in Großenhain, deren Besitzer Norbert und Ina Drobisch sind, ist eine reine Pferdepension und beherbergt zur Zeit 45 Tiere. Die Jungpferde kommen immer im Herbst des Jahres.
Viel Betrieb im "Pferdekindergarten"
Die Arbeit im Winter unterscheide sich nicht großartig von der im Sommer, nur dass man eben etwas schneller arbeiten müsse, weil die Tage kälter und kürzer seien, so Ina Drobisch. Bei den eingestellten Tieren handelt sich um kürzlich geborene Fohlen, die von ihren Besitzern für drei Jahre bei Drobischs untergestellt werden. Ina Drobisch nennt ihre Pension deswegen scherzhaft einen "Pferdekindergarten". Da die Marktlage momentan schlecht sei und kaum jemand ein Pferd kaufe, wünschen sich die Drobischs mehr Andrang um die Pensionsplätze und gesunde Tiere.
In den Wochen nach Heiligabend nimmt die Zahl ausgesetzter Tiere gemeinhin zu " Aber: "Die Leute sind schlauer geworden"
Von Stefan Boysen
In den Wochen nach Weihnachten werden seit jeher besonders viele Tiere im Stich gelassen. Denn zum Fest werden gern und oft Katzen oder Hunde verschenkt. "Wenig später aber merken die Leute, dass so ein Tier auch Arbeit macht", sagt Barbara Dietz, Leiterin des Tierheims in Helmstedt. Deswegen wollen sie es dann schnell wieder loswerden. Aber, und das ist einmal eine gute Nachricht, die in der Zeitung steht: "Es ist weniger geworden", sagt Dietz, "die Leute sind in dieser Hinsicht schlauer geworden."
Unverbesserliche gibt's noch
Dietz hat festgestellt, dass es sich die Menschen mittlerweile besser überlegen, ob ein Tier zu den Lebensumständen passt oder nicht. Deswegen werden, so ihre Beobachtung, zu Weihnachten nicht mehr so viele Tiere verschenkt. "Ein Tier ist als Überraschung ungeeignet", sagt sie. Gleichwohl: Einige Unverbesserliche gebe es immer noch. Meistens passiere es vier bis acht Wochen nach Weihnachten, dass "die ersten Tiere in den Tierheimen eintrudeln".
Auch im Tierheim Schöningen kommt es schon mal vor, dass ein Tier, als Weihnachtsüberraschung verschenkt und dann zur Last geworden, abgegeben wird. In den Großstädten aber sei das Problem viel größer, meint Schöningens Tierheimleiterin Christa Schlimme.
Menschen ohne Mumm
Mögen die Menschen schlauer geworden sein und nicht mehr so viele Tiere verschenken, in Sachen Mumm haben viele Nachholbedarf. Weiterhin ist es so, dass die meisten ein Tier einfach aussetzen, wenn es ihnen im Weg ist. Dietz: "Es bei uns abzugeben " den Mut haben wenige."
Ein Trend, den sie beobachtet hat: "Es nimmt zu, dass ältere Tiere abgegeben werden." Weil Menschen einen neuen Arbeitsplatz finden und deswegen umziehen müssen, weil eine Ehe kaputt geht und ein so genannter Scheidungswaise übrig bleibt, weil sich Allergien gegen Tiere ausbreiten. Erst seit kurzem ist ein zehnjähriger Neufundländer im Tierheim Helmstedt zu Hause. Der wird wohl wegen seines Alters kein neues Herrchen finden. "Der verbringt sein Lebensende bei uns", sagt Dietz.
Im spanischen Córdoba werden Seminare zur Geschichte der umstrittenen Tradition gehalten.
Córdoba (dpa) Der Stierkampf kommt in Spanien nun sogar zu akademischen Ehren: An der Universität von Córdoba im Süden des Landes ist der erste Lehrstuhl für "Taurologie" geschaffen worden. Ziel des weltweit einmaligen Projektes ist es, Studenten sowie Außenstehenden einen "interdisziplinären" Einblick in Geschichte und Kultur dieser Jahrhunderte alten Tradition zu geben.
Zu den Dozenten werden deshalb Historiker, Philosophen, Veterinärmediziner, Betriebswirte oder Juristen gehören. Als Gastredner sind Züchter, Stierkampf-Impresarios oder die Matadoren selbst vorgesehen. "Es ist ein sehr ehrgeiziges Vorhaben", räumt Lehrstuhlinhaber Prof. Bartolomé Valle Buenestado ein. Sein Spezialfach ist eigentlich die Geographie, doch seine Liebe zum Stierkampf hat ihn für den Posten qualifiziert.
Finanziert wird das zunächst auf vier Jahre angelegte Pilotprojekt von der Stadt Córdoba, der Provinzverwaltung, der Universität sowie von den Betreibern der örtlichen Stierkampfarena. Immerhin 42 000 Euro stehen jährlich zur Verfügung. Zwar wird es keinen Abschluss im Fach "Stierkampf" geben, Studenten anderer Fachbereiche können aber Scheine etwa in Seminaren wie "Der Stierkampf in der Literatur&q uot; erwerben. Diese sollen auch Außenstehenden zugänglich sein. Zudem wird bereits über einen "Master" oder einen Doktortitel in Taurologie als zusätzliche Qualifikation für Absolventen anderer Fachrichtungen nachgedacht.
Bei Tierschützern stößt das Projekt allerdings auf Protest. Es sei ein Unding, Tierquälerei nun auch noch als Hochschulfach anzubieten, kritisierte die Vereinigung gegen die Folter und die Misshandlung von Tieren (ACTYMA). Deren Präsident Arturo Pérez schrieb in einem ironischen Brief an die Bürgermeisterin: "Dieses Fest aus Blut und Tod wird Córdoba sicherlich kulturell sehr voranbringen." Projektbetreuerin Carmen del Río hält dem entgegen: "Tatsache ist, dass der Stierkampf Teil der Kultur und der Geschichte Spaniens ist und als solcher Stoff genug für eine wissenschaftliche Betrachtung bietet."
Dass der Lehrstuhl an der Universität von Córdoba eingerichtet wurde, ist kein Zufall. Die andalusische Stadt ist die Wiege vieler großer Stierkämpfer.
JÖRG VOGELSÄNGER
Keine Adresse für lästige Weihnachtsgeschenke
67 Vierbeiner sind derzeit in der Tiernotstation in Tilzow untergebracht. Ohne die Unterstützung des Tierhilfswerkes hätten die Pforten wohl schon geschlossen werden müssen.
Tilzow "Wir machen einen Aushang in unserem Schaukasten fertig. Sie bemühen sich bitte über die Tierarztpraxis und Zeitungsinserate." Neben diesen Ratschlägen muss Heike Stock dem Anrufer höflich, aber bestimmend mitteilen, dass Weihnachtsgeschenke auf vier Pfoten nicht angenommen werden. "Dann wäre die Tiernotstation bald voll." In der hätten die Mitarbeiter ohnehin schon genug zu tun mit jenen ausgesetzten Vierbeinern, die über die Ordnungsämter nach Tilzow kommen und dort aufgenommen werden. "Das ist eigentlich die Aufgabe der Station", so deren Leiterin Heike Stock. Die kümmert sich mit ihrer kleinen Mannschaft derzeit um 54 Katzen und 13 Hunde.
Diese Tiere, weiß Wolfgang Grund, Vorsitzender des Tierschutzvereins Rügen und Hiddensee, der Träger der Station ist, sind schon länger in Tilzow als zwei bis drei Wochen. Ausgesetzte vierbeinige Weihnachtsgeschenke seien nicht dabei. "Aber zu Weihnachten werden auch keine Tiere vermittelt." Grund verweist auf ein Vermittlungsstopp zum Fest. Bereits seit der ersten Dezemberwoche wurden wie in vielen Tierheimen auch in Tilzow keine Hunde und Katzen mehr vermittelt. "Zu Weihnachten und über den Jahreswechsel haben die meisten Leute das Haus voll. Der Trubel ist für so ein Tier der reinste Stress." Deshalb werde die Vermittlung ausgesetzt.
Wer sich dazu entschließe, einen Vierbeiner in seinem Haushalt aufzunehmen, dem würde geraten werden, zwei Wochen Urlaub zu nehmen. "Da haben Mensch und Tier ausreichend Zeit, die auch notwendig ist, um sich aneinander zu gewöhnen", meint Wolfgang Grund.
Oftmals werde sich die Zeit nicht genommen, fügt Heike Stock hinzu. Und spricht von einer Modeerscheinung, auf den Hund oder die Katze zu kommen. Einerseits hat sie Verständnis dafür, dass mancher Arbeitslose Gesellschaft suche. "Was passiert aber mit dem Tier, wenn sich die Situation ändert", beantwortet sich die Stationsleiterin die Frage selbst bei der Fütterung ihrer vierbeinigen Schützlinge. Ein Tier verlange langfristig voraus zu denken, "mehr als 15 Jahre". Das, so schätzt Heike Stock ein, würden längst nicht alle berücksichtigen.
Die Auswirkungen sind in Tilzow zu sehen. "Rund 150 Katzen und 130 Hunde haben 2003 in der Station vorübergehend ein Zuhause gefunden", blickt Wolfgang Grund in die Statistik. Vor allem in den Sommermonaten werde die Kapazitätsgrenze der Station " maximal 80 Katzen und 34 Hunde haben Platz " erreicht und manchmal überschritten. Da haben die Mitarbeiter besonders viel zu tun. Das Geld " finanziert wird die Station über einen Pro-Kopf-Beitrag der Kommunen " reiche mal gerade für die Betriebskosten und die Gehälter der Leiterin sowie eines weiteren Mitarbeiters. "Wir kooperieren aber mit dem Deutschen Tierhilfswerk. Das sponsert fünf Arbeitskräfte", ist Wolfgang Grund froh. Sonst, schätzt er ein, hätte die Station wohl längst dicht machen können. Die werde für immer mehr Tiere zur letzten Station, um ein Gnadenbrot zu erhalten. "Denn es werden vor allem alte und kranke Tiere ausgesetzt, die schwer wieder zu vermitteln sind." Für zehn der derzeit 15 Hunde sei die Station wohl auch die letzte in deren Leben, schätzt Heike Stock ein.
UDO BURWITZ
Nach einer Millionenspende vom Versandhaus-Erben Michael Otto scheint die Zukunft des NABU- Forschungszentrums im Storchendorf Bergenhusen gesichert
Bergenhusen/Hamburg dpa Das Forschungszentrum für Feuchtgebiete und Vogelschutz des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) im Storchendorf Bergenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg) hat eine neue finanzielle Basis erhalten. Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) und NABU-Präsident Olaf Tschimpke dankten gestern in der Forschungs- und Bildungsstätte dem Hamburger Versandunternehmer Michael Otto. Dessen inzwischen seit zehn Jahren bestehende "Stiftung für Umwelt" hat mit einer Spende in Höhe von 1,5 Millionen Euro die Institutsarbeit erheblich gestärkt.
Aus den Zinserträgen des als eigene Stiftung angelegten Geldes gilt das Institut auf Dauer als gesichert. Das Zentrum trägt nun den Namen "Michael-Otto-Institut im NABU". "Mit dieser Spende wird die anerkannte Forschungs- und Beratungsarbeit des Institutes auf ein sicheres Fundament gestellt. Nun können neue Aufgaben in der Umweltbildung und bei der Akzeptanzsteigerung des Themas Naturschutz angegangen werden", wie Tschimpke bereits bei der Bekanntgabe der Spende im vergangenen Oktober ausgeführt hatte. Die traditionell in Bergenhusen betriebenen Forschungsaufgaben im Natur- und Vogelschutz würden künftig durch neue Schwerpunkte in der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen erweitert, sagte Namensgeber Michael Otto gestern.
Tschimpke erklärte, der Natur- und Tierschutz sei verstärkt auf den Dialog mit den Bürgern und der Wissenschaft angewiesen. Um die "biologische Infrastruktur" Deutschlands zu sichern, bedürfe es neuer Finanzierungsstrategien. Schließlich setzte er sich für die Gründung einer nationalen Naturschutzstiftung ein.
Vom Bergenhusener Institut in der Flusslandschaft Eider- Treene-Sorge werden vor allem Forschungsprojekte zum Vogelschutz weiter verfolgt, speziell zum Weißstorch. So wird in diesem Jahr auch die sechste Internationale Weißstorch- Zählung von Bergenhusen aus koordiniert. Zum anderen sieht der NABU die Information zum Thema Naturschutz sowie die Sympathiewerbung für die erforderlichen Maßnahmen in dieser Region als wichtigen Aspekt in der Arbeit des Instituts an.
Infos: http://bergenhusen.nabu.de, www.michaelottostiftung.de
taz Nord Nr. 7254 vom 10.1.2004, Seite 32
Ein kurzes Porträt des zur Familie der Schleichkatzen gehörenden Larvenrollers, der in China gerade für den Wiederausbruch der Sars-Krankheit verantwortlich gemacht wird
Holen Menschen Tiere in ihre Nähe und sperren sie in enge Käfige, um ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen und sie zu verzehren, ist das nicht ohne Risiko. Die Erreger von menschlichen Krankheiten wie Masern, Tuberkulose, Pocken oder Grippe sind allesamt tierischen Ursprungs. Hervorgegangen aus Mikroben, die anfänglich nur unter Rindern, Schweinen und Hunden ihre Verbreitung fanden.
Vom Standpunkt der Mikroorganismen aus gesehen, hat sich der Wirtswechsel vom Tier zum Menschen jeweils gelohnt. Ihre Verbreitungsgeschwindigkeit und vor allem ihre geografische Ausbreitung erreichen im menschlichen Wirt auf den globalisierten Handelswegen ganz andere Dimensionen als bei ihrem Verbleib im Rinderstall oder Hundezwinger. Das gilt auch für das Coronavirus, das die Symptome der Sars-Krankheit hervorruft. Im Menschen schaffte das Virus einen Sprung, der ihm in seiner vermeintlichen Entstehungsart nie gelungen ist.
Auch wenn es wissenschaftlich nicht einwandfrei feststeht, hat man in China jetzt die Quelle von Sars bestimmt und sofort ein Verbot erlassen. Der Larvenroller (Paguma larvata) darf nicht mehr gegessen werden und nicht mehr zum Angebot südchinesischer Märkte zählen. Larvenroller gehören zur Familie der Schleichkatzen, der Viverridae. In der stammesgeschichtlich alten Familie der Viverriden werden etwa siebzig Arten zusammengefasst, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet in Afrika und Asien liegt. Schleichkatzen zeichnen sich im Allgemeinen aus durch einen langen Rumpf mit einem körperlangen Schwanz, der auf verhältnismäßig kurzen Beinen bewegt wird. Sie haben die verschiedensten Sozialsysteme hervorgebracht. Von hochkomplexen Sozialverbänden, in denen Mungos und Surikaten leben, bis hin zur einzelgängerischen nächtlichen Lebensweise der auf Madagaskar beheimateten Fossa oder Frettkatze und des Larvenrollers.
Das Körperfell der Larvenroller ist von einheitlicher bräunlicher Farbe, das auffällig mit der maskenartigen schwarzweißen Zeichnung mit einem hellen Nasenstreifen des Gesichts kontrastiert. Man hat die Gesichtsmaskierung als Warnsignal gedeutet, mit dem die hervorragenden Kletterer nachts, wenn sie in den Bäumen nach Bananen, Insekten oder kleinen Säugern suchen, Artgenossen anzeigen, sie mögen fern bleiben. Nur im Frühjahr und Herbst während der Fortpflanzungszeiten heben sie kurzzeitig ihre Unverträglichkeit auf. Dann versammeln sich oft mehrere Männchen in einem Baum um ein fortpflanzungswilliges Weibchen. In dieser Zeit wurden sie bevorzugt gejagt und am leichtesten gefangen. Das aber hat nun ein Ende.
Ob damit nun die Infektionsquelle von Sars dingfest gemacht ist, bleibt ungewiss. Das Coronavirus könnte nach Meinung von Molekularbiologen auch von Hühnern stammen. Was aber die Eindämmung der Infektionsquelle unmöglich machen würde. Insofern wird den Katzen im Freien auch bei einer falschen Ursachenzuweisung das Virus ausnahmsweise mal Gutes tun: Bei der Paarung abgeschossen werden sie wohl nicht mehr.
CORD RIECHELMANN
taz Nr. 7254 vom 10.1.2004, Seite 22
Von Ingolf Bossenz
"Einen Gräuel wählt, wer immer euch wählt", sagt Jesaja. Der Prophet des Alten Testaments könnte als Warner an der Eier-Theke des Supermarktes stehen. Denn dort sind seit Jahresbeginn aller guten Dinge nicht 3, sondern 0, 1 und – mit Abstrichen – 2. Eine neue EU-Kennzeichnungspflicht verlangt, dass auf Verpackung und Eiern die Herkunft vermerkt ist. So bekommt jedes Dotterding auf seine Schale einen Stempel. Besonders wichtig: Die erste Ziffer der Kenn-Nummer verrät die Haltungsform. 0 steht für ökologische Erzeugung, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung. "Kein Ei mit 3", so die prompte Parole der Tierschützer. Denn wer dieses wählt, wählt in der Tat "einen Gräuel". Sind doch die mehrstöckigen Legebatterien, in deren winzigen Behältnissen sich bis zu sechs Hennen drängen, längst zum Horrorbild moderner Massentierhaltung schlechthin geworden. Während die Agrar-Lobby das für 2007 verfügte Ende der Käfighaltung verhindern will, kann der Verbraucher jetzt gezielt seine Macht zeigen. Immerhin geben hier zu Lande laut Umfragen etwa 90 Prozent der Käufer an, die Käfighaltung von Hühnern abzulehnen. Die Mehrheit griff dennoch zu Käfigeiern. Unklare Kennzeichnung ist jetzt allerdings keine Ausrede mehr.
(ND 07.01.04)
Von Ingolf Bossenz
Der Verdacht genügt. Rund 10000 Zibetkatzen müssen auf Weisung der chinesischen Behörden sterben. Der Grund: Die Tiere werden angesichts eines neuen Falles mit der Verbreitung der lebensgefährlichen Infektionskrankheit Sars in Verbindung gebracht. Fleisch von Zibetkatzen gilt in China als Delikatesse. Nach qualvoller Haltung in winzigen Käfigen werden die Kreaturen auf Märkten vor den Augen der Käufer totgeschlagen. Zwar ist Tierschutz für den chinesischen Staat kein Thema. Aber die Gefahren, die von Wildtiermärkten für die Gesundheit der Bevölkerung ausgehen, sind bekannt. Getan wurde wenig. Nun sollen Massentötungen die Öffentlichkeit beruhigen.
Indes: Was jetzt im Reich der Mitte praktiziert wird, ist im "christlichen" Abendland gang und gäbe. Maul- und Klauenseuche? Zehntausende Schweine werden "gekeult". Geflügelpest? Hunderttausende Hühner haben die längste Zeit gelebt. Rinderwahn? Millionen Kuh-Kadaver lodern auf Scheiterhaufen. Alle diese Tiere dienen dem menschlichen Verzehr. Und wenn sie diesen Zweck nicht mehr erfüllen und gar die Esser in Gefahr bringen, werden sie entsorgt. Der Verdacht genügt. Dass hier etwas im Verhältnis Mensch-Tier nicht stimmt, bleibt ein Verdacht ohne Konsequenzen.
(ND 06.01.04)
In Südchina wurde nach einem halben Jahr wieder eine Ansteckung mit dem gefährlichen Sars-Virus registriert
BERLIN taz Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat gestern in Südchinas Provinz Guangdong den ersten Fall der gefährlichen Lungenkrankheit Sars seit sechs Monaten bestätigt. Demnach hat sich ein 32-jähriger Fernsehproduzent, der am 20. Dezember in ein Krankenhaus der Metropole Guangzhou (Kanton) eingeliefert wurde, mit Sars infiziert. 25 Menschen, die mit ihm Kontakt hatten, sind bisher isoliert worden, weisen jedoch keine Symptome auf.
Wie mit dem Fall betraute Forscher gestern in Hongkong mitteilten, ist unklar, wie sich der Mann infizierte. Nach eigenen Angaben hatte er keinen Kontakt mit Wildtieren. Nach Angaben der Zeitung China Daily sollen jedoch Ratten in seiner Wohnung gefunden worden sein.
Forscher vermuten seit dem Ausbruch der Sars-Epidemie in der ersten Jahreshälfte 2003, dass das gefährliche Coronavirus vom Tier auf Menschen übertragen wurde. Die chinesischen Behörden ordneten deshalb gestern die Notschlachtung von rund 10.000 Larvenrollern (paguma larvata) an. Diese ursprünglich wilde, marderartige Schleichkatzenart, die aufgrund ihres englischen Namens "masked palm civet" im Deutschen oft fälschlich als Zibetkatze (viverra zibetha) bezeichnet wird, gilt in Südchina als große Delikatesse. Laut dem Zentrum für Seuchenkontrolle in Guangdong ergaben Gentests eine große ähnlichkeit des bei dem Infizierten gefundenen Coronavirus mit denjenigen, die bei Larvenrollern festgestellt wurden.
Bereits im vergangenen April hatte Chinas Regierung ein Verbot des besonders im Süden des Landes verbreiteten Handels mit Larvenrollern und 53 anderen Wildtierarten erlassen. Auf Guangdongs Tiermärkten können etwa Gekkos, Skorpione, Schlangen, Hunde, Katzen und Ratten lebend zum frischen Verzehr oder zum Teil getrocknet als Medizin oder Aphrodisiakum erworben werden. Die Zucht der eigentlich auf Bäumen lebenden Larvenroller war von der Regierung sogar befürwortet worden, um die wilden Tiere zu schützen und den Bauern Zusatzeinkommen zu ermöglichen. Nach den Protesten von Tierhändlern wurde das Handelsverbot dann im August gegen den Rat von Gesundheitsexperten aufgehoben.
Jetzt wird in China eine Rückkehr der Sars-Seuche befürchtet, die im vergangenen Frühjahr das öffentliche und wirtschaftliche Leben lahm legte. Die Aktien von Fluggesellschaften und Touristikunternehmen gaben jetzt an den Börsen in Schenzhen und Schanghai bereits nach, Pharmawerte notierten fester.
Die Regierung hofft dieses Mal besser auf Sars vorbereitet zu sein. Damals war die Krankheit wochenlang verschwiegen worden war. Nach Behördenangaben sind in den vergangenen Monaten allein in Guangdong 158 Krankenhäuser auf Sars- Patienten vorbereitet worden.
Auch die Philippinen meldeten inzwischen zwei Sars- Verdachtsfälle. Eine 41-jährige Haushaltshilfe und ihr Mann wurden in Quarantäne genommen. Sie sollen zuvor aus Hongkong angereist sein. An Sars erkrankten im vergangenen Jahr weltweit 8.000 Menschen. 774 starben, vor allem in China und Hongkong.
N HANSEN taz Nr. 7250 vom 6.1.2004, Seite 9, 105 Zeilen (TAZ-Bericht), SVEN HANSEN